Wiens bildete, und in deren Hause auch Bauernfeld seine Augen schloß, ist heute in Oberdöbling, 73 Jahre alt, ge-
Rom, 16. Juli. Der Senat nahm die Gesetzentwürfe über Explosivstoffe, Aufreizung zu Verbrechen, deren Apolog^ durch die Preffe und die Zwangsdonncile an. Anläßlich des letzteren Vorschlags empfahl Canonico, dafür Sorge zu tragen, daß das Zwaugsdomicil nicht selbst das Centrum der Weiterverbreitung gemeingefährlicher Bestrebungen werde. Crispi erwiderte, er beschäftige sich mit dem Gedanken, die zu Zwaugsdomicil verurtheilten gefährlicheren Personen in wettentlegene, aber Italien gehörige Gegenden zu verschicken. Ein Inspektor des Ministeriums des Innern habe eine Reise gemacht, um festzustellen, ob einige kleinere afrikanische Inseln dazu geeignet seien. (Lebhafteste Zustimmung aus allen Bänken.)
Sofia, 16. Juli. Vor dem Gefängnisse fand eine Zusammenrottung von ungefähr 2000 Personen statt. Ein Theil versuchte in das Gefängniß einzudringen, wurde aber von der Wache zurückgewiesen. Darauf wurde eine Deputation an die Regierung gesandt, um die Freilassung Karawe- lows, der wegen Mitschuld an der Ermordung Beltschews Haft verbüßt, zu fordern. Zusammenrottungen vor den Häusern StambulowS und Petkows wurden von der Gendarmerie verstreut.
Pera, 16. Juli. Die Bevölkerung ist beruhigter und hat die geschäftliche Thätigkeit wieder ausgenommen.
Deoeschen des Bureau .Hrrolb".
Berlin, 16. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des bisherigen Gesandten in Darmstadt, Freiherrn v. Plessen, zumGesandtenam griechischen Hofe.
Berlin, 16. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet aus Petersburg, die Hochzeit der Großfürstin Xenia ist auf den 1. August festgesetzt. Der Großfürst-Thronfolger kehrt zur Hochzeit der Großfürstin aus dem Ausland zurück. Ueber die Reise der Prinzessin Alice von Hessen wird nach der Rückkehr des Thronfolgers Entscheidung getroffen.
Berlin, 16. Juli. Fürst Bismarck ist heute Nachmittag kurz vor 4 Uhr mittelst Extrazuges von Schönhausen am Stettiner Bahnhof dahier eingetroffen, wo sich Studenten in Wichs, Offiziere und etwa 400 sonstige Personen eingefunden hatten. Auf eine Ansprache des Führers der Studenten erwiderte Bismarck in humoristischer Rede, in der er Berlin hochleben ließ. Unter stürmischen Hochrufen und dem Absingen des Liedes „Deutschland über Alles" verließ der Zug-nach einem viertelstündigen Aufenthalt den'Bahnhof. Der Fürst, der vortrefflich aussieht, war in heiterster Stimmung, ebenso die Fürstin.
Köln, 16. Juli. Der römische Correspondent der „Köln. Ztg." erfährt von einem im Vatikan wohlbewanderten Herrn bezüglich des Gesundheitszustandes des Papstes, der Letztere werde infolge seines hohen Alters immer schwächer. Die Beine versagten ihm den Dienst, sodaß man ihn bei der kürzlichen Uebersiedelung ins Casino des vaticanischen Gartens vom Sessel bis zur Sänfte tragen mußte. Es sei möglich, daß der Papst seine Kräfte Wiedergewinne, indessen erregte in den letzten Tagen besonders der Umstand Besorgniß, daß wegen der Schwäche des Magens die Nahrung des Papstes auf drei Taffen Fleischbrühe täglich beschränkt werden mußte.
München, 16. Juli. Der Prinzregent hat zu Gunsten der vom Orkan Betroffenen 3000 Mk. telegraphisch anweisen lassen.
Paris, 16. Juli. Das „Journal" meldet, Botschafter Her bette werde in allerkürzester Zeit von Berlin abberufen werden.
Loudon, 16. Juli. „Daily Chronicle" meldet aus Wien, Fürst«Ferdinand von Bulgarien habe einem russischen Journalisten erklärt, er wünsche um jeden Preis eine Ver- ständigung mit Rußland. Er verstehe wohl, daß Rußland viele Gründe gehabt habe, in den letzten acht Jahren mit Bulgarien unzufrieden zu sein. Rußland sei von Bulgarien herausgefordert und gereizt worden; die Verantwortlichkeit dafür falle auf Stambuloff.
Rewyork, 16. Juli. Trotz aller Anstrengungen der „Ritter der Arbeit, den Strike wieder zu organisiren, verbessert sich die Lage der Eisenbahngesellschaften stündlich. Der Ausstand gilt definitiv als beendet.
Gießen, den 17. Juli 1894.
** Oeffeutliche Sitzung des Provinzial Ausfchuffes der Provinz Oberhessen vom 14. Juli 1894. 1. Gelände-Enteignung zum Zwecke der Erweiterung des Gießener Bahnhofs, hier Ausspruch der Enteignung. Nachdem Nachweis über die erfolgte Auszahlung bezw. Hinterlegung der unterm 2. Juni d. I. vom Provinzialausschuß festgesetzten Entschädigungssumme erbracht und gleichzeitig Antrag auf Ausspruch der Enteignung gestellt worden ist, wurde letztere bezüglich der in Frage stehenden Grundstücke rc. nunmehr ausgesprochen. — 2. Gesuch des Heinrich Fabel III. zu Londorf um Erlaubniß zur Erbauung eines neuen Stalles mit Heubühne. Bom Kreisamt Gießen war die Errichtung einer Brandmauer vorgeschrieben worden, wogegen p. Fabel Einspruch erhob mit der Begründung, daß die Tenne zu eng werde und die Kosten der Brandmauer auch unverhältnißmäßig hohe seien. Die Beschwerde wurde vom Provinztalausschusse abgewiesen. — 3. Beitrag der Gemeinde Pohl-Göns zu den Kosten des israelitischen Religionsunterrichts daselbst. Von Großh. Kreisamt Friedberg ist der Gemeinde Pohl-Göns angesonnen worden, zu den fraglichen Kosten einen Beitrag von jährlich 70 Mk. zu leisten. Auf erhobenen Einwand des Gemeindevorstandes lehnte es der Kreisausschuß ab, dem Ansinnen des Kreisamts beizutreten. Von Seiten des Großh. Kreisraths wurde gegen das Urtheil des Kreisausschusses Recurs nicht verfolgt, dagegen hat die israelitische Religionsgemeinde solchen einlegen lassen, welcher indeß vom Provinzialausschusse als
formell unzulässig abgewiesen wurde. — 4. Beigeordnetenwahl zu Griedel, hier Recurs wegen Festsetzung der Kosten. Auf erhobenen Recurs des Rechtsanwalts Grünewald gegen das Erkenntniß des Kreisausschusses Friedberg beschloß der Provinzialausschuß, die Gesammtkosten auf 205,33 Mk. zu Lasten der Gemeinde Griedel festzusetzen. — 5. Wirthschafts- Concessionsgesuch des Andreas Hedrich von Hopfgarten. Rubricat suchte um Concession in einem von ihm gemieteten Locale nach und hat gegen den ablehnenden Bescheid des Kreisausschuffes Recurs verfolgt, welch letzterer vom Provinzialausschusse kostenfällig abgewiefen wurde. — 6. Wirthschafts- Concessionsgesuch der Valentin Pfeffer Ehefrau von Liederbach. Straßenwart Pfeffer hat auf der Straße Alsfeld—Romrod ein Wohnhaus erbaut und zwei Zimmer zum Wirthschaftsbetrieb eingerichtet. Das Concessionsgesuch der Ehefrau des p. Pfeffer wurde vom Kreisausschusse wiederholt abgelehnt und darauf Recurs an den Provinzalausschuß verfolgt. Dem Recurse gab der Provtnzialausschuß statt.
* * Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung Donnerstag den 19. Juli 1894, Nachmittags 4 Uhr. 1. Uebersicht über die wirklichen Einnahmen und Ausgaben des Realgymnasiums und der Realschule pro 1893/94. 2. Decretur von Kostenrechnungen. 3. Gesuch des W. Neinhold um Erlaubniß zur Aufstellung von Zierbäumen in Kübeln vor seinem Restaurant an der Schulstraße. 4. Gesuch des Peter Borre um Erlaubniß zum Verkauf von Obst auf einem städtischen Platz an der Süd- anlage. 5. Umbau des Bahnhofs Gießen; hier Wegverlegung. 6. Gesuch des W. Noll um Erlaubniß zum Wirthschafts^ betrieb für das Haus Marktstraße 32. 7. Desgleichen des Ferdinand Schott in der Bahnhofstraße. 8. Desgl. des Louis Weiffenbach für das Haus Kreuzplatz 4.
* * Die elektrische Beleuchtung in offenen Verkaufsgeschäften hat jetzt auch in Gießen ihren Einzug gehalten. Herr Metzgermeister Adolph Möhl, Bahnhofstraße 5, hat den Anfang damit gemacht und seinen Laden nebst übrigen Geschäftsräumen, sowie Wohnung damit eingerichtet. Die Maschinen functioniren vorzüglich, die Beleuchtung ist brillant.
* * Selbstmordversuch? Am vorigen Sonntag, Abends 9 Uhr, wurde der Laternenwärter W. von einem seiner College«, der ihn zum Dienst abholen wollte, in seiner Wohnung am Tische sitzend, mit einer Schußwunde in der Brust betroffen. Da die Angehörigen verreist waren, blieb er sich bis zum anderen Morgen überlassen, da auch sonst Niemand sich um ihn kümmerte und die Polizei von dem Vorfall keine Kenntniß erhielt. Er wurde in die Klinik verbracht. W. hat eine lebensgefährliche Wunde, hüllt sich aber in Schweigen über die Motive und den Hergang der That.
* * Durchgebranut. Bekanntlich arbeiten seit einiger Zeit eine größere Anzahl Italiener am hiesigen Bahnhofumbau und haben sich dieselben in Massenquartiere einlogirt, in welchen sie sich selbst verköstigen. In einem solchen Quartier am Neuenweg stand ein des Deutschen Kundiger den Collegen vor, indem er die Einkäufe besorgte, sich dann das Geld geben ließ und die Ausgaben bestritt. Am vorigen Samstag ist nun derselbe mit dem einkassirten Gelde durchgegangen und haben verschiedene Metzger und Bäcker das Nachsehen.
* * Ehelicher Zwist. Gestern Abend zwischen 10 und 11 Uhr fand auf dem Kirchenplatz ein Menschenauflauf statt. Verursacht wurde derselbe durch ein dort wohnendes Ehepaar, welches sich mit dem Zertrümmern seiner Hausgeräthe befaßte und unter lautem Schimpfen um die Wette arbeitete.
* * Ein Backsteinmacher, welcher gestern „blau" gemacht, hatte sich in einer Weise benebelt, daß er mittelst Karren in das Poltzeigewahrsam gebracht werden mußte.
* * hl. Einweihung des Wiugolfshauses. Wie wir vernehmen, beabsichtigt die Studentenverbindung „Wingolf" ihr neuerbautes Haus in der verlängerten Wilhelmstraße Mittwoch den 18. d. M. einzuwethen und in Gebrauch zu nehmen. Die damit verbundene Feier soll im engsten Kreise vor sich gehen, jedoch ist auf zahlreiche Betheiligung alter und junger Angehöriger der Verbindung zu rechnen. Am Vormittag des genannten Tages findet zunächst eine Versammlung der Alten Herren in Steins Garten statt. Um 3 Uhr ziehen sämmt- liche Theilnehmer von der seitherigen Kneipe (Grünbergerstraße, zum „Deutschen Kaiser") nach dem neuen Hause, wo die Uebergabe an die active Verbindung durch den Vorsitzenden des „Hessischen Wingolfverbandes" erfolgt. Der Neubau ist von den Archttecten Stein u. Mayer in rothem Verblendstein auSgeführt. Das untere Stockwerk enthält einen geräumigen Kneipsaal mit den nöthigen Nebenräumen, das obere dient zu Wohnungen. — Die Oberleitung des Baues und der Verwaltung liegt in den Händen eines Consortiums von Alten Herren, das den Namen „Hessischer Wingolfs- Verband" führt und mit Corporatiovsrechten ausgestattet ist.
* * Rudersport. Dem Meister von Deutschland, Herrn Alb. Rübsamen, wird, wie uns mitgetheilt wird, heute Abend Seitens der Rudergesellschaft ein feierlicher Empfang bereitet werden (siehe Annonce). Die acttven Mitglieder versammeln sich am BootbauS und begeben sich von da nach der Bahn. Dortselbst offizielle Begrüßung Seitens des Vorstandes und Rückmarsch über Seltersberg, Seltersweg, Mäus- burg, Marktplatz, Marktstraße, Neustadt nach dem Boothause. Bei Concert und Restauration werden sich die geladenen Gäste, sowie die activen und passiven Mitglieder nebst ihren Damen versammeln, auch sollen Freunde des Rudersports Zutritt erhalten, wenn sie sich durch Mitglieder einführen lassen.
* * In den Ruhestand versetzt wurde am 14. Juli der Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Hungen Georg Klös auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste.
* * Erledigte Lehrerstellen. Erledigt ist: Eine mit ejziem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lauterbach mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 1000—1400 Mk.
m. Londorf, 16. Juli. Lehrer Schäfer, welcher sich während seines elfjährigen Hierseins sehr beliebt machte, hat
eine Stelle in Reichelsheim in der Wetterau erhalten. Be den letzten Zusammenkünften der beiden von ihm geleiteten Vereine (Kirchenchor und Männergesangverein) zeigte es sich deutlich, wie ungern man ihn scheiden sieht und wie sehr ihm die Herzen in die neue Heimath mit den besten Wünschen folgen.
d. Londorf, 16. Juli. Zu dem nächsten Sonntag in Weitershain stattfindenden Sängerfeste des Ohm- Lumdathal-Sängerbundes sind bereits umfassende Vorbereitungen getroffen. Mit Rücksicht auf die günstige Lage des Festortes dürfte eine starke Betheiligung zu erwarten sein.
Friedberg, 16. Juli. Recht schlau wollte dieser Tage ein Bauer sein, der einem hiesigen Metzger einen Ochsen nach lebend Gewicht verkauft hatte. Der Ochse kam aber auf dem Transport nicht weit, bei dem Ober-Mörler Kapellchen fiel er tobt um. Der herbeigerufene Thierarzt con- statirte, daß der Ochse geplatzt war — weil ihn der Bauer, um ihn schwerer zu machen, überfüttert hatte.
Bad-Nauheim, 16. Juli. In der vorigen Woche sind 900 Kurfremde, im Ganzen jetzt 6863 Personen hier angekommen.
Ober-Mörlen, 15. Juli. Bekanntlich hat ein geborener Ober-Mörler, der sich in London als Schuhfabrikant ein großes Vermögen erworben, den Ortsarmen seines Geburtsortes ein Vermächtniß von 400 000 Pik. letztwillig zu gewendet. Die Auszahlung des Capitals war bis jetzt nicht zu erlangen, wohl aber sind wiederholt die halbjährlichen Zinsen mit je 8000 Mk. hierher gelangt, so auch kürzlich wieder. Die Verwaltung des Nachlasses hat sich nun bereit erklärt, gegen einen noch zu vereinbarenden Nachlaß das Capital selbst auszuzahlen. (Darmst. Ztg.)
Büdingen, 16. Juli. Heute früh mit dem Zuge 7 Uhr 56 Min. wurden die beiden Mordgesellen, die gestern vor acht Tagen an dem bereits bestatteten Heinrich Krist die verruchte That begingen, in das Untersuchungsgesängniß nach Gießen übergeführt.
△ Rieder Ohmen, 16. Juli. Wie sehr die Warnung am Platze ist, kleine Kinder keine Kirschbäume besteigen zu lassen, lehrt wieder ein schwerer Unfall. Das sechsjährige Töchterchen eines benachbarten Forstwarts bestieg gestern mit anderen hiesigen Kindern einen Kirschbaum. Beim Kirschenpflücken blieb es mit seinen Kleidern an einem Aste hängen, stürzte herab und brach einen Arm und ein Bein. Schwer verletzt wurde das Kind in die Klinik nach Gießen verbracht.
R. Reichelsheim i. d. W., 16. Juli. Welche segensreiche Wirkung eine genossenschaftliche, durch eigene Kraft geschaffene Molkerei hervorzubringen vermag, hat die gestern hier stattgefundene Versammlung der Molkereiinteressenten in glänzender Weise bewiesen. Der seitherige Director unseres Molkereiinstitutes, Herr Schwarz, trat nämlich von seinem Posten zurück, weil er die Hofmeierei in Darmstadt übernommen hat. Es mußte also ein neuer Director gewählt und der Vorstand ergänzt werden. Zum Nachfolger des Herrn Schwarz wurde Herr Bopp von hier, der seitherige Rechner, ernannt und zwar mit Stimmeneinheit durch Acclamation. Außerdem trat noch je ein Mitglied aus Gettenau und von hier in den Vorstand ein. Kaum zwei Jahre sind es, daß die Molkerei begründet wurde- sie wurde mit einem Tages- quantum von 1250 Liter begonnen, heute werden täglich über 4000 Liter verarbeitet. Die Leistung, an welcher die Orte Dornaffenheirn, Weckesheim, Reichelsheim, Staden, Leidhecken, Bingenheim, Gettenau und Echzell participiren, hat sich also mehr als verdreifacht. Die große Arbeit der Ueberwachung des Bauens, der Maschineneinrichtung, der Erwerbung der Kundschaft und noch vieles Andere ist von Herrn Schwarz geleistet worden und verdient große Anerkennung. Die gestrige Versammlung genehmigte als Remuneration hierfür den Betrag von 700 Mark. Den Genossenschaftsmitgliedern steht außer der Zahlung für ihre Milch, welche nach dem Fettgehalte bezahlt wird, eine nicht unbeträchtliche Dividende in Aussicht, die in der demnächstigen Generalversammlung festgesetzt wird. Die Magermilch geht zu 1^2 Pfg-pro Liter an die Genossenschaftsmitglieder zurück, welche hierdurch treffliches Material für die Schweinezucht erhalten. Man sieht hieraus, daß es immer noch Zweige in der Landwirthschaft gibt, welche rentiren, sobald diese Unternehmungen von tüchtigen Männern geleitet werden. Anfangs waren Schwierigkeiten zu überwinden, denn es gibt überall Leute, die sich mit neuen zweckmäßigen Dingen nur schwer befreunden können. Später wundert man sich darüber, daß man nicht schon längst auf solche treffliche Einrichtungen verfallen ist und möchte sie um Alles nicht mehr missen. Es lebe der vernünftige Fortschritt.
△ Mainz, 16. Juli. Gegen 3 Uhr heute Nachmittag brach in den ausgedehnten, in den Festungsgräben um die Citadelle herum gelegenen Stroh- und Heumagazmen der hiesigen Garnisonsverwaltung Feuer aus. An der nördlichen Seite der Baracken seinen Anfang nehmend, verbreitete sich das Feuer mit großer Schnelligkeit über die lange Reihe der Magazine, so daß alsbald die riesigen Massen des hier aufgehäuften Strohes und Heues in hellen Flammen standen. Da die einzelnen Magazine sehr nahe bei einander liegen, war nicht daran zu denken, von den großen Vorräthen etwas zu retten und mußte man sämmtliche Magazine nebst ihrem Inhalt widerstandslos den Flammen preisgeben. Wie daS Feuer entstanden, weiß man nicht, doch wird angenommen, das Heu habe sich selbst entzündet. Es wird allgemein als ein Fehler bezeichnet, daß man so große Massen Heu und Stroh — vergangene Woche sollen allein 25 000 Centner Heu in die Magazine gefahren worden sein — an einer Stelle aufhäuft.
Vermischtes
* Breslau, 16. Juli. Bei prachtvollem Wetter wurde gestern das achte deutsche Turnfest eröffnet. Mehr als 20,000 Menschen bewegten sich tagsüber auf dem Fest- platze. Der Zuzug der auswärtigen Turner wird für nächsten Freitag und Samstag erwartet.


