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Nr 63
Freitaq bet’ 16. März
Zweites Blatt.
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1894
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lammet der LMck Gesetzen fufeeüni geschenkt und ck M. iuer beschlossen HM, tr Erhebung dieser Linier chahrige Stieichmiz der wiesen, daß nun auch halt und zwar für eine rbetreibenben gegenüber, uer herangezogen werben.
bie Mgemeinheii nach i einzelner Staub, btt firuhe und Zefundheit
M. E nvr gegen \i\e WMeuer, Vein-Meressenten art»
Freunden und Be- Schwester und Tante eb. Belloff, le Teilnahme bitten lden Minder.
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Amts- und Anzeigeblutt für den Äveis Gietzem
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felgmbm lag erscheinenden Nummer bis 8em. 10 Uhr.
Alle Innoncm-Burtaur des In- und Auslandes ntbrne» Anzeigen für den ^Gießener Anzeiger^ mtfltgrx.
nie mehr eine umfangreichere Arbeit, ohne sie ausschreiben zu taffen, habe dann stets Auswahl unter den Geschäftsleuten und kann nie übervortheilt werden." Ja, aber nur in seltenen Fällen kann der Bauersmann mit Erfolg inferiren!* meint Michel, um doch etwas widersprechen zu können. „Fehlgeschossen", ruft Peter auß, „soll der reiche Fabrikant allein inferiren können? Eben daher geht'S bei vielen Bauern den Krebsgang, weil sie allem Neuen abhold sind, ja, es geradezu ängstlich meiden. In freie Concurrenz wollen wir treten, unS abfchütteln von den Maklern-und Großhändlern, die wir mit unferm sauren Schweiß zu reichen Leuten gemacht, unS aber mit wenig Verdienst begnügt haben. Jeden größeren VerkaufSposten von Kornern, Heu, Stroh, Kartoffeln u. f. f. biete ich durch die Zeitung öffentlich zum Kaufe an, ich aber komme rasch von meiner Maare gegen prompte Bezahlung. Mill ich mit Schweine- oder Rinderverkauf nicht biß zum nächsten Markte warten, so laufe ich nicht lange nach den Metzgern, sondern ein kurzeß Inserat führt mir dieselben in’ß Hauß und erspart mir unnöthige Gänge. Wie schnell kam mein Philipp an; ebenso rasch sände tch mit Hülfe einiger Zeilen im Blatte eine tüchtige Magd! Kurz und gut, ich kann Dir daß Inferiren alß das beste Hilfßrnittel zur Erzielung eineß flotten Laudwirthfchaftß-Betriebes auf'ß Allerbeste empfehlen; darum, Michel, folge mir nach, ich meine eß gut!" Dieser aber hat nunmehr den Werth der Zeitung und den Nutzen deß Jnserirenß ersaßt und sieht ein, wie viel er seither versäumt und nun nachzuholen hat.
Nachdem Beide drüben beim Kronenwirth noch einige Schoppen getrunken, verabschiedet sich Michel und wandert, mit neuen Hoffnungen für die Zukunft erfüllt, seinem Dorfe zu. Biß spät in die Nacht erzählt er daheim seiner Eheliebsten, waß er bei dem wackeren Schwager Alles gesehen und gehört hat, und einstimmig wird beschlossen, gleich von morgen an den General - Anzeiger mit Mittheilungen zu bestellen, wie Peter und sobald sich'ß bietet, darin zu inferiren.
Literatur unb Annst.
— Wie bereift man Italien? Unter diesem Titel läßt Dr. med. Lahusen bei der Franz'schen Buchhandlung in München soeben einen practischen Reisebegleiter für eine Rundfahrt über den St. Gotthard—Mailand—Genua—Rom—Neapel—Florenz—Venedig und den Brennerpaß erscheinen, der — knapp in der Form, aber juverläsfig — den zahlreichen deutschen Jtalienreisenden gute Dienste leisten dürste. Der kleine Führer (Preis 80 Pfg.) bietet etwas Neues insofern, als er nachweist, wie die beschriebene Reise in 14 Tagen bequem gemacht werden kann, ohne daß an Reisekosten mehr al« 375 Mark aufzuwenden sind.
— Katechismus bet Sleetrotechntt oon Ingenieur Th. Schwartze. Fünfte, vollständig umgearbettete Au'lage mit 206 in den Text gedruckten Abbildungen. (Nr. 109 der im Verlag von I. I. Weber in Leipzig erscheinenden illuftrirtenKatechismen.) Preis 4 Mark 50 Pf. Bei dem raschen Forlschretten der Electro- technik ist eß kaum nöthig, besonders daraus binzuweisen, daß die fünfte Auflage zugleich eine fast ganz neue Bearbeitung vorstellt. WaS sich seit der letzten Auslage überlebt hat, ist durch die neuen Errungenschaften verdrängt worden; was bet der letzten Auslage noch in der Entwickelung begrtsten war, mußte in die neue Austage als fertiges Gebäude ausgenommen werden- Die Thorie und Berechnung der dynamo - electrischen und Wechselstrommaschinen wurde vervollständigt, die Motoren mit Drehfeld sanden Aufnahme in dem Rahmen des Buches lunb die Methoden der Ellectrolyse eine ein- aeljenbett B-,»r-chung. Suglrt» ist die Frag, unb »nlmoriform der früheren Auflagen auf gegeben und durch den fortlaufenden Text abgerundeter Lehrcapitel ersetzt worden. ES ist nicht -njunehmeo, daß die Formänderung der durch vier Auflagen beglaubigten Beliebtheit des Buche« Eintrag thun wird, sondern eher zu erwarten, daß sie der neuen Auflage neue Freunde gewinnen wird.
Michel ist ganz verblüfft; seine Maschine ist viel schlechter und obendrein um 25 Mark theurer, und er fragt: „Wie kamst Du zu der Fabrik?" „Durch meine Zeitung, wo es doch immer ausgeschrieben ist; mit dieser halt ich S, denn sie ist stet« der beste Wegweiser."
Im HinauSgehen wird Michel auf die am Holzhaken hängenden blinkenden Sensen aufmerksam, auf das Jauchenfaß modernster Construction mit Patentvertheiler, auf die neuesten Hühnerbrutnester. Peter merktS und spricht mit frohem Bewußtsein : „Das Alles offerirt mir die Zeitung, lauter gute, solide Waare."
„Immer mit Deiner Zeitung," will Michel ärgerlich entgegnen, spricht'« aber nicht auß; denn schon sieht er ein, daß ihm der Peter ein großeß Stück „über" ist. Nun möchte er auch den Getreidespeicher seineß Schwagerß betreten. „Der ist außverkaust, soweit ich meinen Vorrath hergeben konnte", erwidert Peter. „Wohin und wie hoch?" ist Michels schnelle Frage. „Nach N. in die Kunstmühle dorten; für soviel den Gentner Weizen, so hoch das Korn," entgegnet Peter. „Zum Donnerwetter", ruft Michel nun auß, Du hast ja am Gentner gleich so und so viel mehr bekommen, wie ich, wo meine Körnerfrucht der Deinigen doch auch nicht nachsteht. Da habe ich ja ungeheuren Schaden mit dem Makler, der mirß Haus beinahe weggelaufen hat. Am Ende ist Deine Zeitung auch wieder an Deinem Gewinn schuld??" Michel ist in Hitze geraden, aber Peter spricht gelassen und behäbig: „Freilich ist sie dran schuld; hab mich halt wieder einrücken lassen. Die Zeitungsherren habens vollends recht dick und auffällig eingedruckt, sodaß schon nach fünf Tagen eine Anzahl Bcstellungsbriefe einliefen; die günftigfte^üfferte wählte ich aus und habe wohl einige Goldfüchslein mehr erzielt als sonst. Will Dirs offen gestehen: 2i/z Mark hat's Inserat gekostet; 85 Mark Nutzen hat'« mir eingebracht. Mögen mich nun meine Nachbarn ihren „Ueberg'scheidten" heißen ober nicht; wer zuletzt lacht, lacht am besten!"
Der Michel ist nun ärgerlich, da er merkt, daß er gegen seinen Schwager weit zurückgeblieben ist. Um sein Mißbehagen zu verbergen, geht er auf ein anderes Gebiet über und fragt: „Wie geht's Deinem ältesten Sohn, dem Philipp, in der Stadt?"
Peter entgegnet: „Ausgezeichnet geht's ihm; er tann’ß gar nicht genug loben und schreibt in jedem Briese „besser"; hat schon wiederholt Sparkasse-Einlagen gemacht, so viel verdient er. Und diesen seinen schönen Platz haben wir auch nur wieder auf dem Wege durch die Zeitung, durch ein Inserat gesunden. Ich habe meiner Zeitungs-Expedition einen Bries geschrieben, daß mein Sohn, so und so alt, so geeigen- fhaftet u. s. f., so und so einen Dienst möchte; habe mich nicht genirt, wenn auch mancher Schreibfehler mitgelaufen fein mag; habe also ersucht um ein wirksames Inserat mit mehrmaliger Aufnahme, zahlte meine Gebühren und bald stand mein Philipp, zwar ohne Namen, aber unter bestimmter Nummer in der Zeitung. Sieh, und nach sechs Tagen erhielten wir von der Zeitung ein ganzes Packet eingelaufener Briefe, und wieder sechs Tage darauf tritt Philipp feinen neuen, so vorzüglichen Dienst an."
Sie gelangen in Peters großen Haußgarten mit daranstoßendem Klee- unb ©etreibefelb. Mehrere Reihen ber schönsten jungen Obstbäume, alle in bester Verfassung und veredelt, stehen hier. „Auch neu angeschaffte!" ruft Michel auß. Peter: „Von den großen Obstbaumschulen in S. unb R.; habe öfters Inserate von biesen gelesen; probirt'ß bamit unb bin sehr zusrieben. Mein Nachbar Christoph kaufte kurz zuvor um benselben Preis von einem Hausirer Bäumchen; schau hinüber in seinen Garten; lauter Krüppel ftnb’ß; bie Hälfte hat schon den Rinbenbranb!"
MichelS Blick fällt auf den großen Kleeacker mit dichtestem, üppigstem Wüchse. „Aber ein Prachtklee, unb ba hinten erst ein Weizen!" ruft er auß, ich kann mich gar nicht satt sehen, so herrlich schaut daß aus!" Peter entgegnet: „Erstens habe ich einen neuen Kleesamen, der auf Keimfähigkeit geprobt unb garantirt ist unb besten Abreste meine Zeitung oft bekannt gibt, mir angeschafft; zweitens habe ich's mit künstlichem Dünger aus ben ebenfalls oft inferirten chemischen Nieberlagen probirt; wie Du siehst, mit glänzendem Erfolge; ich bin für mein Vertrauen zu dem von meiner Zeitung alß gut Anempfohlenen aufß Allerbeste belohnt worben." Unb beim Anblick seiner herrlichen Erzeugniste in Wärme kommenb, fährt er fort: „Ja, lieber Schwager: Inferiren bringt Gewinn! Verbestern muffen wir wo ß möglich ist. Vom Guten bas Beste nehmen'. Fremde Inserate lesen, probiren unb aufs Inserat beziehen; ferner: selber Internen, so oft sich'ß bietet. Die wenigen Kosten kommen hundertfach wieber herein. Ich vergebe in Zukunft
Ter Nutze rr des Juserireus für den Landmann.
Von E. Friedel.
Alß einst ein amerikanischer Großindustrieller, der sich ton kleinen Anfängen zu einem mehrfachen Millionär empor» gearbeitet hatte, befragt wurde, welchem Umstande er seine iefigen Erfolge hauptsächlich zu verdanken habe, erwiderte er, daß bieß ber Weg burch bie Zeitung, ber Weg beß Jnserirenß gewesen sei.
Wir glauben ihm gerne; bie Presse ist eine Großmacht geworben, bie Alles, Politik, Hanbel, Verkehr, Wiffenschaft, Bildung vermittelt; bei der außgedehntesten Concurrenz heutzutage auf industriellem Gebiete kann kein Fabrikbesitzer, kein Geschäftsmann, hat feine Firma auch noch so weitbekannten und klangvollen Namen, ohne Zuhülfenahme der Preste siegreich irK Wettkampf um die besten Erzeugniste bestehen. Von tiefem Bewußtsein ist auch die zielbewußte GeschäftSpraxis durchdrungen, und man findet bei ihr in jedem JahreSetat namhafte Posten unter dem Titel „Für Inferiren."
Ein ErwerbSzweig aber, der älteste, wichtigste unb weitverbreitetste aller Berufszweige hat bisher noch sehr wenig und selten von diesem vortheilhaftesten aller Verkehrsmittel Gebrauch gemacht, indem er fremde Annoncen gar nicht beachtete unb selbst äußerst wenig ober gar nicht inferiren liefe, eß ist bieß ber Bauernstand, und diesem gelten meine Worte.
Ich führe Dir, lieber Leser, zwei Landwirthe vor, um cn ber Hanb einer kleinen Erzählung ben großen Nutzen teS zweckmäßigen Jnserirenß für ben Bauernstanb vor Augen }u führen; möchtest Du, werthgeschätzter Lanbmann, eine gute Lehre barauß ziehen unb biese für bie Zukunft bei Dir auroenben.
Es ist Sonntag Nachmittag; bie Kirche ist „auß" unb Peter, ein tüchtiger Bauer, sitzt in seiner Wohnstube am Tisch, die Brille auf der Nase, unb lieft eifrig die Zeitung. Archer dem Pfarrer und Lehrer ist er fast der Einzige im Dorf, der sich diesen „Luxus", wie Mancher seiner Nachbarn sich ausdrückt, erlaubt; deßwegen sehlt's ihm auch nicht an Sticheleien. Der „überg'scheidt" Bauer wird er genannt, {i macht sich aber nichts daraus. Auf einmal hört er fremde gib doch etwas bekannte Tritte im HauSgang unb gleich darauf tritt mit einem „Grüß Gott, Peter!" fein Schwager Michel auß bem nächsten, eine Stunbe entfernten Orte zur Ühüre herein, bem Peter kräftig bie Hanb fchüttelnb. Marianne, Peters wackere Ehehälfte, ist auch gleich bei ber hanb, unb bald wird ein duftender Kaffee getrunken. Die itiben Männer unterhalten sich über dieses und jenes, bis Peter seinen Schwager in den Viehstall führt. Ei, wie Michel saunt über diese Veränderung! Bor l1/* Jahr zum letzten Male hier gewesen, war'S noch ein dunkler, schwüler Raum, ng unb ohne Durchgang; heute tft’ß hell, luftig, in ber Milte ein gepflasterter Gang, baneben eine Abflußrinne für fauche. Daß Vieh steht vorne hoch und läßt so recht seinen faöncn Bau und die glatten Formen in die Augen fallen. ,!lber ein wahrer Staat!" ruft Michel beim Betreten der sanken Stallpflasterung. „Wie bist Du dazu gekommen?" Yeter erwidert ihm: „Daß solch Heller, luftiger, sauberer Etaö sehr förderlich fürß Vieh ist, weiß ich schon lange; loflt'ß auch schon längst so machen laffen. Da lese ich in reiner Zeitung ein Inserat über Thonplatten mit Preis per Quadratmeter. Ich berechne eß, finde eß nicht zu hoch; setz' -ich hin, schreib' meiner Zeitung vertrauenßvoll, waß ich uachen lassen will an baulicher Veränderung, Pflasterung f. f.; ich gebe auch Flächeninhalt und sonstige belangreiche 8:mcrFungen an und bitte um ein kurzeß Außschreiben in der Htung. Eß geschieht in bester Weise, ich zahle meine geringen Gebühren. Nach acht Tagen erscheint ein Maurer- aeifter, nächster Tage kommen noch einige; mit dem günstigsten icbot mache ich Aceord, bestelle an der Hand beß Jnseratß üin Material unb in vier Wochen staub mein Stall, wie Tn ihn jetzt siehst. Unb billig kam michs, eben burchß .jn'eriren, woburch ich Außwahl hatte unb nicht gleich bem -cken Besten auf fein höchsteß Gebot die Arbeit übertragen mißte; ich habe durch das Inserat meine 35 biß 40 Mark gi’part !*
Michel betrachtet den Schwager schon mit mehr Respect nnb sie gehen zu Peters Scheune. Ein neueß, festeß Göpel - tntrf steht hier. Michel hat sich selbst im vorigen Jahre ein solches vom Eisenhändler im Nachbarstädtchen gekauft, hat alte schon mehrmals Reparaturkoften außgeben müssen und st nicht zufrieden damit. Dieseß Werk ist viel stärker con» ftnrirt als daß feintge und er fragt: „Wo haft Du dies gkkaust, Peter, und wie hoch?" Peter: „Direct von der Fabrik tir so unb so viel!"
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