Einem starken Polizeiaufgebot gelang es, die Ruhe wieder herzustellen.
Wien, 12. November. Die Abreise deS Erzherzogs Carl Ludwig zu den Leichenfeier!tchkeiten in Petersburg wird am 15. d. M. erfolgen. Czar Nicolaus sendet dem Erzherzog einen Hofseparatzug bis Warschau entgegen und wird zum Empfange auf dem Bahnhofe anwesend sein. Der Erzherzog nimmt Quartier im Winterpalais.
Brux, 12. November. Bei einer Grubenexplosion im Plutoschachte sind zwanzig Arbeiter getödtet worden. Vierzehn derselben waren verheirathet. Betriebsstörungen infolge der Katastrophen sind nicht zu erwarten.
Mons, 12. November. Gestern fand hier eine große Kundgebung statt, welche die Wiederversöhnung der Arbeiter von Mons und des Borinage zum Zweck hatte. Der Zug, welcher aus mehreren Tausenden Arbeitern gebildet war, zog an dem Gefängniß vorüber, in welchem sich der zum Mitglied der Kammer gewählte Socialistenführer Brenez befindet und brachte dem Letzteren eine lebhafte Ovation dar.
Leus, 12. November. Gestern wurde unweit der hiesigen Station eine gußeiserne Telegraphenstange aus dem Boden geriffen, wobei der Weichenstellungsapparat zerstört wurde; ebenso ist die electrische Batterie fortgenommen worden. Anscheinend liegt die Absicht vor, eine Eisenbahncatastrophe herbeizuführen. Die Polizei ist den Thätern auf der Spur.
Loudon, 12. November. „Daily News" bringen einen Artikel, der die Einstellung der Feindseligkeiten in China entschieden befürwortet. Das genannte Blatt schreibt, Japan werde nach der Einnahme von Port Arthur sicher bereit sein, mit China die Friedensverhandlungen einzugehen. Die Japaner hätten die der chinesischen weit überlegene Stärke und Streitkraft ihrer Armee bewiesen und diese Constatirung, sowie eine hohe Kriegsentschädigung müßten für den viermonatlichen Feldzug eine ausreichende Genugthuung sein.
Loudon, 12. November. Aus Sydney kommt die Nachricht, daß auf der Insel Ambrym ein furchtbarer Aus- bruch des Vulkans stattgefunden habe- der Ausbruch war von einem heftigen Erdbeben begleitet. Durch gewaltige Lavaergüffe wurden alle Plantagen auf der einen Seite der Insel zerstört und zahlreiche Menschenleben sind bei der Katastrophe zu Grunde gegangen. j
Petersburg, 12. November. Heute Mittag wurde hier s durch Herolde verkündigt, daß die Leiche Kaiser Alexanders III. morgen Vormittag 10 Uhr nach hier überführt werden wird. Die Stadt steht jetzt vollständig im Trauerschmuck. Es herrscht regnerisches Wetter.
Petersburg, 12. November. Aus Moskau wird gemeldet: Zahlreiche Deputationen wurden zur Ehrfurchtsbezeugung vor der Leiche des Czaren zugelassen. Die Gesichtszüge des Tobten sind fast unverändert- der Ausdruck ist völlig ruhig. Jeder Herantretende küßt das Gottesbild auf der Brust des Czaren, sowie deffen Stirn und Hände.
Petersburg, 12. November. Die Hof- und Polizei- Verordnungen zu der morgigen Ankunft der Leiche des Czaren werden heute amtlich publicirt. Das Publikum darf auf den Straßen Aufstellung nehmen, jedoch nicht auf Balkons, Dächern, Zäunen oder Bäumen. Der Wagenverkehr wird eingestellt. Alle Schanklocale müffen bereits heute Abend 10 Uhr geschloffen werden und bleiben es bis auf Weiteres. !
Petersburg, 12. November. Es verlautet, es sei nicht j unmöglich, daß der Präsident Casimir-Perier selbst nach J hier komme, umsomehr, als die Czarin in ihrem Danktelegramm auf die Beileidsdepesche Periers zum Schluffe sagte, sie hoffe, dem Präsidenten persönlich ihren Dank aussprechen zu dürfen.
Petersburg, 12. November. Zu der auf morgen Vormittag angekündigten Ueberführung der Leiche in die Peter-Pauls-Kathedrale sind hier eingetroffen: Erbprinz von Oldenburg, Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin und Herzogin Vera von Württemberg.
Moskau, 12. November. Der gestrige Trauerzug ging unter allen Ehren von Statten. Die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften folgten dem Zuge zu Fuß und zu Wagen. Die Straßen Moskaus hüllten sich in Trauerschmuck. Wo der Zug vorbeidefilirte, wurde er von der tausendköpfigen Menge ehrfurchtsvoll begrüßt.
H. Darmstadt, 13. November. Der Großherzog und Prinzessin Heinrich von Preußen sind heute Vormittag via Berlin nach Petersburg abgereist.
H. Petersburg, 13. November. Der Weg, welchen der Trauerzug vom Bahnhofe bis zur Festung nehmen sollte, ist plötzlich aus unbekannten Gründen abgeändert worden. Er wird geheim gehalten. Ob die Leiche heute hier eintrifft, ist noch unbestimmt.
Cocalts nnb
Gieße«, den 13. November 1894.
** Empfang. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen am 10. November den Oberstlieuteoant a. D. Deckhaus, den Premierlieutenant Frhrn. Schenck zu Schweinsberg *tiom fl. Großh. Jnsanterte-(Leibgarde-)Regi- ment Nr. 115, die Secondelieutenants Boell, v. Obernitz und Schwendy vom Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm \ (2. Großh. Hess.) Nr. 116, den Oberbürgermeister Morn e- | »efl, den Bürgermeister Krausmann von Dieburg, den Kaufmann Litzendorff von hier, ComitLmitglied für das Concert zum Besten der Barmherzigen Schwestern- zum Vortrag den Staatsminister Finger, den Finanzminister Weber, den Oberconsistorialpräsidenten Dr. Goldmann, den Cabinetsrath R ö m h e l d.
•* Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Groß- j Ijetjog haben Allergnädigft geruht, den Hauptsteueramts
assistenten bei dem Hauptsteueramte Mainz Ludwig Seitz zum Revisionscontrolleur, und zwar mit Wirkung vom Tage des Dienstantrittes des Revisionscontrolleurs Rausch als Districtöeinnehmer der Districtseinnehmerei Laubach an, den : Bauaufseher-Aspiranten Georg List mann aus Frischborn ■ zum Hausverwalter und Rechner an der Landesirrenanstalr ; zu Heppenheim zu ernennen.
** Aus dem Gerichtsdieast. Durch Entschließung Großh. Ministeriums deS Innern und der Justiz ist der Gerichtsaccesstst Weiffenbach in Gießen bis auf Weiteres mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Hilfsgerichts- schrcibers bei Großh. Amtsgericht Darmstadt I. beauftragt worden.
** Ernannt wurde am 26. October der Gefangenaufseher Georg Sto ffer aus Mainz zum Werkmeister am Gefängniß zu Darmstadt.
** Oeffeutliche Sitzung des Provinzial Ausschuffes der Provinz Oberheffen vom 10. November 1894. 1. Klage des Ortsarmenverbandes Frankfurt a. M. gegen den Ortsarmenverband Utphe wegen Unterstützung der Sophie Stork aus Utphe. Der klägeriscke Armenverband verlangte von dcm Beklagten Ersatz der für die Dienstmagd Sophie Stork vorgelegten Pfleg-Kosten mit der Begründung, daß letztere den Unterftützungswohnsitz ihrer in Utphe verstorbenen Mutter theile, da der Vater (Caspar Stork) die Familie s. Zt. böswillig verlaffen und sich um dieselbe gar nicht bekümmert habe. Beklagter bestritt dies und behauptete insbesondere, daß der Vater der Unterstützten sich nur infolge mangelnden Verdienstes und nicht ui dö^cher Absicht von der Familie entfernt habe. Der geladene Zeuge konnte Auskunft darüber, ob Caspar Stork mit seiner Familie noch in Verkehr gestanden oder der letzteren Unterstützung gewährt habe, nicht geben. Die Verhandlung wurde ausgesetzt und weitere Beweiserhebung durch Vernehmung von Geschwistern der Unterstützten beschloffen. 2. Antrag der G e w e r k s ch a f t „L o u i se" zu Esten auf Enteignung von Grundstücken. Zur Erweiterung der Schlammfänge ist seitens der Grubendirection Antrag auf Enteignung zweier dem Lud. Loth gehörigen Parzellen gestellt werden. Expropriat forderte eine Entschädigung von 4 Wlf. pro lUKlftr., während der Sachverständige den Werth auf 2,25 Mk. pro □iHftr. taxirt hat. Der Provinzialausschuß erkannte dahin, daß:c. Loth schuldig sei, die beiden Grundstücke gegen eine Entschädigung von 2,25 Mk. pro 'iHKlftr. der Gewerkschaft abzutreten. Die Kosten fallen gesetzlich dem Antragsteller zur Last. 3. Klage des Ortsarmenverbandes Gießen gegen den Ortsarmenverband Großen-Buseck wegen Uebernahme der Anna Schlabach. Durch Erkenntniß des Provtnzialausschustes vom 13. Dezbr. 1890 war festgeftellt worden, daß die rc. Schlabach ihren Unterstützungswohnsitz in Großen Buseck hat. Letztere Gemeinde übernahm daraufhin auch die Schlabach und mietheie derselben eine Wohnung, wofür die Mietbe bis zum 1. Januar 1893 von der Gemeinde Großen-Buseck bezahlt worden ist. Seitdem weigerte sich aber diese Gemeinde, die zur Zeit in Gießen aufenthaltliche Schlabach zu unterstützen oder dieselbe zu übernehmen mit der Behauptung, daß sie jetzt in Gießen unterstützungsberechtigl sei. Die Stadl Gießen klagte daraufhin auf Uebernahme der Anna Schlabach und Erstattung der entstehenden Kosten. Die Vernehmung einer Anzahl von Zeugen ergab im Wesentlichen daß sich die Anna Schlabach wohl ab und zu einige Tage oder Wochen in Großen-Buseck aufgehalten, stets jedoch zu Herrn Joseph Güngerich dahier zurückgekehrt ist und sich heute noch bei demselben befindet. Bei 2c. Güngerich verrichtet die Schlabach nach ihrer eigenen Aussage Magddienste und erhält dafür zwar keinen Lohn, jedoch Kleidung, Verköstigung und Wohnung. Der Großh. Bürgermeister von Großen Buseck erklärte, daß die mit Hch. Walther vereinbarte jährliche Miethe von 40 Mark längere Zeit weitergezahlt, obschon die Wohnung von der Schlabach gar nicht benutzt worden sei. Seitens der Stadt Gießen sind vom 1. Juli 1894 ab für drei Monate je 4 Mark Mietheunterstützung an Güngerich bezahlt worden, da für diesen Betrag ein Zimmer für die Schlabach nicht gefunden werden konnte. Güngerich nahm die Miethe von 4 Mk. an, bemerkte aber, daß es ihm lieber sein würde, wenn ein anderes Logis für die Schlabach gemiethet werde. Auf die letztere habe er keine Rücksichten zu nehmen und würde sie aus seinem Hause fortgehen lassen. Nachdem die Vertreter der Parteien ihre Anträge gestellt und begründet haben, beschließt der Provinzialausschuß Abweisung der Klage und Verurtheilung des Klägers in die Kosten des Verfahrens und zur Zahlung eines Aversionalbetrages von 20 Mark. — Die Verhandlung der Klagesache des Ortsarmenverbandes Gießen gegen den Landarmenverband Friedberg wird auf Antrag des klägerischen Vertreters ausgesetzt.
** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten Ver- sammlnng Donnerstagdenl 5. Novembcr189 4, Nachmittags 4 Uhr. 1. Die Rechnung der Armenkaste Gießen für 1893/94. 2. Desgleichen der Voranschlag für 1895/96. 3. Organisation der Armendeputatton - hier die Stimmberechtigung der Bezirksvorsteher. 4. Decretur von Kostenrechnungen. 5. Abgabe von Fichten-Deckreisern aus dem Stadtwald im Jahre 1893/94 und 1894/95. 6. Gesuch des Georg Bichler wegen Verbesserung des Hardtwegs. 7. Gesuch des Karl Lenz um Concessionsertheilung für das Haus Grünbergerstraße 47.
** Landesansschuß der nationalliberalen Partei. Die am Sonntag im oberen Saale der „Stadt Pfungstadt" zu Darmstadt abgehaltene, zahlreich besuchte Versammlung des Landesausschusses der nationalliberalen Partei tagte unter dem Vorsitz des Reichstagsabgeordneten Herrn Dr. Osann. Derselbe betonte in seinen Eingangsworten, die neuesten Ereigniffe des Kanzlerwechsels und die Frankfurter Delegirtenversammlung berührend, daß Aufgabe der Partei sei, bestimmt und thatkräftig im Sinne der Beschlüffe des obenerwähnten Delegirtentages vorzugehen. Es kamen dann zur ausführlichen Verhandlung die neue Regierungsvorlage wegen des Einkommensteuergesetzes, der Antrag
Pennrich und Genossen wegen der Klassenlotterie und die: ! Reorganisation der höchsten Staatsbehörden. Die Verhand- 1 lungen währten von 12 bis 4 Uhr. Bei der Frage des > Einkommensteuergesetzes gab sich die einmüthige Ansicht kund, | datz die Grundsteuerfrage einer gründlichen Reformation unterzogen werden müsse, und wurde verschiedentlich hervor- gehoben, daß überhaupt unser ganzes Steuersystem einschließ, lich des Communalsteuerwesens einer organischen Aenderung zugeführt werden müsse. Während über die Frage der Klassenlotterie verschiedene Ansichten zu Tage traten, war man in der Frage der Nothwendigkeit einer Neuorganisation der höheren Staatsbehörden — wie dies auch von der Regierungsseite wiederholt anerkannt worden ist — einmüthig.
** Provinzialverband der sreistnuigen VolkSpartei in Oberheffen. Zur Durchführung des beabsichtigten engeren Zu- sammcnschließens der Mitglieder der freisinnigen Volkspartei in der Provinz Oberheffen ist jüngst eine dreigliederige Commission ernannt worden, in welcher Herr Rechtsanwalt Grünewald den Vorsitz führt. Demnächst werden die Delegirten zu einer constituirenden Versammlung zum 2. December nach hier etngeladen werden.
** Freiwillige Gail'sche Feuerwehr. In der gestern Abend bei Mitglied C. Häuser abgehaltenen General-Versammlung wurde beschlossen, das diesjährige Stiftungsfest Samstag den 1. December im Caf6 Leib in gewohnter Weise zu feiern. — Eine wichtige Neuerung wurde den Mannschaften mitgethellt, indem das bisherige Alarm-Signal des Gail'schen Corps abgeschafft und hierfür das der Gießener Freiwilligen Feuerwehr eingeführt sei. ES sollen weiter m verschiedenen Stadttheilen Feuermelder, welche mit der Polizeiwache in Verbindung stehen, probeweise eingerichtet werden, was für unser Löschwesen einen bedeutenden Fortschritt bedeutet.
* * Revisions-Anmeldung. Wie man uns mittheilt, ist gestern von Rechtsanwalt Katz gegen das verurtheilende Erkenntniß der Strafkammer gegen den Bankier Schulhof beim Landgericht Revision angemeldet worden.
* * Jagdverpachtuug. Bei der gestrigen Verpachtung der bisher von dem verstorbenen Herrn Burk innegehabten Jagd wurde ein Mehrerlös von 550 Mk. erzielt. Der Pachtvertrag lautet auf 13*/4 Jahr.
* * Steuer • Statistisches. Das Großherzogthum Hessen hat ein Einkommensteuercapital von 30 649 335 Mk., in welches sich 224 516 Einkommensteuerpfltchtige zu theilen haben. Von diesem Steuercapital kommen auf Oberhessen 5 562 495 Mk., auf Starkenburg 11 629 070 Mk., auf Rheinhessen 12 857 770 Mk. Die einkommensteuerpflichtigen Actiengescllschaften haben ein Einkommensteuercapital von 1 414 350 Mk., von den größeren Städten zählen Ein- kommenfteuerpflichtige Mainz 23 234 mit 5 899 210 Mk. Ein- komm'ensteuercapital, Darmstadt 16 271 mit 4 176 980 Mk., Offenbach 11 058 mit 2 006 205 Mk., Worms 8007 mit 1 381 835 Mk., Gießen 4548 mit 1 236 315 Mk., Bingen 2324 mit 491 810 Mk.
**Aus Stempelmarkeu wurden im Großherzogthum Hessen im Rechnungsjahre 1893/94 vereinnahmt 1 143 427 Mk. 60 Pfg. Die größte Einnahme erzielten die Stempelmarken zum Preise von 6 Mk. mit 136 638 Mk., die kleinste die 5 Pfg.- Marken mit 3255 Mk. 20 Pfg. An 300 Mk.-Markcn wurden 102 000 Mk. vereinnahmt.
x. Aus Grüuberg, 12. November, erhalten wir folgende Zuschrift: Das Gespächsthema der Bewohner unsers Städtchens bildet eben die Erbauung der Nebenbahnen, und es ist ganz natürlich, daß sich die Grünberger von einem neuesten Project sehr überrascht finden- denn dieses ändert einen früheren Plan zum Nachtheile der Stadt in unverhoffter Weise ab und bedroht Grünberg, welches durch die seit einer Reihe von Jahren eingetretenen Veränderungen in verschiedenen Verhältnissen schon vielfach geschädigt worden ist, mit neuen empfindlichen Nachtheilen. In dem Gesetz vom 15. November 1890 wurde bestimmt, daß die Nebenbahn Laubach—Grünberg an einem Punkte der Oberhessischen Eisenbahn zwischen Grünberg und Mücke einlaufen solle. In dem neuen Gesetzentwurf vom 2. November l. I., welcher der Zweiten Kammer vorgelegt werden soll, verschwindet aber ganz die Linie Laubach—Grünberg, und an ihre Stelle tritt die Linie Laubach—Mücke. Es soll also eine Bahn, ohne Grünberg zu berühren, so ziemlich um die Stadt herum, gar nicht weit von ihren Gemarkungßgrenzen, hergestellt werden und anstatt in dem größeren verkehrreichen Grünberg, in der aus einigen Häusern bestehenden Station Mücke in die Oberhessische Eisenbahn einmünden. Wenn man dieses Project betrachtet, so sollte man meinen, der Verkehr des westlichen Abhangs des Vogelsbergs gehe nach Norden- aber dieses ist durchaus nicht der Fall, sondern Gießen und Frankfurt lenken durch ihre größere Anziehungskraft den Zug nach Westen und Süden« Oder man sollte glauben, der Bau der Nebenbahn Laubach- Mücke sei weniger schwierig und verursache geringere Kosten, als die Errichtung der Bahn Laubach—Grünberg? Aber auch hier ist das Gegentheil der Fall- denn die Ausführung des neuesten Projects ist nicht nur schwieriger, sondern auch um 375000 Mark theurer, da diese Linie um 3 Kilometer änger ist, als die erst projectirte. Es ist daher unerfindlich, was die Hohe Staatsregierung zur Aufgabe des früheren Plans bestimmt hat, zumal bei der neu ins Auge gefaßten Linie auch die Steigung bedeutend höher wird, als bei der Linie Laubach—Grünberg. Es muß leider zugestanden werden, daß sich Grünberg, trotz des Fleißes und der Sparsamkeit einer Bewohner nicht so entwickelt hat, wie andere Städtchen fleichen Kalibers. Um so mehr ist es daher die Pflicht jedes Bürgers und ganz besonders des Sladtvorftandes, die Stadt vor neuen Schädigungen zu bewahren, und die weise Staatsregierung, sowie die Hohen Ständekammern werden sie gewiß in diesem Bemühen unterstützen.
Dietzenbach, 9. November. Aus zuverlässiger Quelle wird der „O. Z." mitgetheilt, daß von den Soldaten des Infanterie-Regiments Nr. 115, welche während deL


