1894
Mittwoch den 12. December
Aweitcs Blatt.
Nr. 29 l
Zlintr- uitb Zlnzeigeblatt für den 'Kreis Gieren.
Die Gießener ^««irieudkälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal ßcigelcgk.
Der
chießeuer Anzei-er crichkint täglich.
mit An-nahme de» Montag-
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Gießener Anzeiger
Kenerak-Mnzeiger.
Hratisöeikage: Gießener Kamikienßlätter
Bei den gestrigen Stich
Brüssel, 10. December.
Deputation das königliche Mausoleum m Delft besuchen, I »n inAlost wurden zwei Katholiken und zwei Christlich- daselbst auf der Trust dcS Prinzen Friedrich einen Kranz äf)[t Der Katholikeniührer Wüste erhielt 27559,
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die Deputation das königliche Mausoleum in
um
anrichtete.
niederzulegen.
Cettiuje, 10. December. , ein starker Erdstoß verspürt, der-jedoch keinen Schaden
Deutsches Reich.
Berlin, 10 Dccember. Die Feier des 3OOjähr. Geburtstages deS großen S ch w e d e n kö n i g s Gustav Adolf ist am Sonntag in den protestantischen Theilen Deutschlands durch zahlreiche entsprechende Beranstaltungen festlich begangen worden. Im Mittelpunkt der gejammten Festlichkeiten stand natürlich die Feier in der alten Gustav Adolf-Stadt Lützen, welche aus diesem Anlasse glänzend geschmückt war. Den Festgottesdienst hielt Generalsuperintendent Faber aus Berlin ab. Nachmittags fand großer Umzug der Ehrengäste und zahlreicher Corporationen nach dem Gustav Adolf-Denkmal statt, woselbst Pastor Dr. Kaiser- Leipzig die Festrede hielt. Regierungsprästdent Graf St ol- berg auS Merseburg übergab Namens des Kaisers das Denkmal der Stadt Lützen zum Eigenthum. Privatmann Mäuse zahl-Leipzig stiftete eine große Gedenktafel. Nach der Rückkehr in die Stadt brachte Bürgermeister Lenge ein Hoch auf den Kaiser aus. Später fand ein Banket im Gasthof „Zum Löwen" unter Anwesenheit der Spitzen der Behörden statt. Abends war die Stadt prachtvoll illuminirt. Erhebend und glanzvoll ist auch die Gustav Adolf Feier in Stockholm verlaufen, die Theilnahme an derselben war eine allgemeine.
Localer rmö KeovlnzteUes»
Gießen, den 11. December 1894.
*♦ Ernennungen. Seine Königliche Hohell der G r o ß- Herzog haben Allergnädigst geruht, den Obersteuerinspector des Hauptsteueramiö Darmstadt Wilhelm Dorn sei ff zum vortragenden Rath bei dem Ministerium der Finanzen Ab- theilung für Skeuerwesen mit dem Amtstitel Obersteuerrath, den Steuereinnehmer des Steueramts Stockheim Albert Frey zum Hauptsteueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramte Worms, die Finanzaspiranten Jakob Hilß aus Dauernheim und Heinrich Tresser aus Schlitz zu Hauptsteueramts, assistenten bei den Hauptsteuerämtern Mainz bezw. WormS, den Finanzaspiranten Georg Lang aus Mainz zum Con- trolleur bei dem Steueramte Friedberg und den Finanzaspiranten Friedrich Schmelzer aus Darmstadt zum Steuereinnehmer dcs Steueramts Stockheim — zu ernennen.
** Aus dem Zustizdienst. Ernannt der Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen Dr. Georg Best zum Landgerichtsrath, der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen Theodor Seger erhielt den Character als „Amts- gerichtsrctth".
Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberheffeu vom 10. December 1894. (Schluß.) Nachdem die Geschworenen (Obmann Herr Rechtsanwalt Jost) die Schuldfrage bezüglich des Angeklagten Seibert bejaht, bezüglich der übrigen Angeklagten jedoch verneint hatten, erfolgte die Verurthetiuug Seiberts in eine Festungsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten, sowie die Freisprechung der übrigen Angeklagten. — Hierauf wurden die Schwurgerichtssitzungen für dleseS Quartal mit dem üblichen Dank an die Geschworenen geschloffen.
♦* Kunstverein. Wir beginnen die Besprechung der ausgestellten Gemälde mit dem nach äußerem Umfang und künstlerischen Inhalt gleich auffallenden Gemälden, welche uns in dem Hauptraum des Ausstellungssaales cntgegentreteu. — In Robert Warthemüllers „Friedrich der Große nach der Schlacht bei Torgau, verbringt die Nacht in der Dorskirche zu Elbing" hat die, heutzutage nur wenig ge-
Neueste Nachrichten»
WolffS telegraphische« Korrespondenz-Bure-dn
Berlin, 10. December. Wie die „Nationalzeitung" hört, boten sich die Saal besitz er nochmals als Ber- mittler zwischen der Boycott-Commission und dem Verein der hiesigen Brauereien an und wiesen dabei auf die Schädigung der kleinen Gastwirthe und eines Theiles der Saalbesitzer hin. Unter Anerkennung der vermittelnden Bestrebungen der Saalbesitzer erklärten die vereinigten Brouereien, auf weitere Verhandlungen mit der Boycott-Commission nicht eingehen zu können, bevor die socialdemokratische Partei selbst unzweideutig das Bedürsniß zum Frieden bekunde.
Berlin, 10 December. Die heute erschienene erste Nummer der „Berliner Korrespondenz" sagt zu der vom Eisten Staatsanwalt nachgesuchten strafrechtlichen Verfolgung der socialdemokratischcn Reichstagsabgeordneten wegen Sitzenbleibens bei dem Hoch auf den Kaiser: ES dürfte im ganzen Lande erwartet werden, daß der Re'chstag die verfaflungsgemäß nachgesuchte Genehmigung zur Einleitung der Verfolgung während der Sitzungsperiode nicht versagen werde. Der Reichstag als Vertretung der Nation habe selbst das größte Jntereffe, alles zu schützen, was dem Volke heilig sei, und alles zu bekämpfen, was des Volkes Empfinden verletze. Durch die strafrechtliche Verfolgung werde die gewährleistete Immunität in keiner'Meise angrtastet. Die strafrechtliche Praxis habe festgestellt, daß die Ehrfurcht gegen die Majestät nicht nur durch Handlungen, sondern auch durch Unterlaffungen verletzt werden kann. Sollte aber die strafrechtliche Verfolgung nicht die erfordere licke Sühne bringen, so würde daraus nur folgen, daß die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen richt auSreichen, um derariige Majestätsbeleidigungen strafrechlitch zu ahnden. In diesem Falle wäre darauf Bedacht zu nehmen, die gesetzlichen Bcfugnisse zum Schutze der Person Seiner Majestät zu er- weitern. Die einmüthige Verurtheilung, welche das un- paltiotische Verhalten von Mitgliedern der socialdemokratischen Pariei bei dieser Gelegenheit erfahren hat, beweist, daß das deutsche Volk sich in seinen geheiligten Gefühlen nicht ungestraft kränken lasten will.
Karlsruhe, 10. December. Der Statthalter Fürst zu Hohenlohe traf mit seiner Gemahlin und dem Erbprinzen heute Mittag zum Besuch des Hofes hier ein, nahm an dem Dejeuner Theil und kehrte Abends nach Straßburg zurück.
London, 10. December. Reuter-Meldung aus Yokohama. Die japanischen Siege wurden gestern in Tokio mit großer Begeisterung gefeiert. In Hiroshima sind 151 bei Port Arthur verwundete Japaner angekommen. Die erste japanische Armee soll bis Furanten vorgerückt sein, sie soll nächstens Futschou angreifen. Die zweite Armee rückt nächstens gegen Peking vor. Die japanische Regierung verhandelt wegen deS Engagements von 8000 Trägern für den Armeedienft.
Haag, 10. December. Die Königin-Regentin empfing heute eine Deputation des preußischen Infanterie-Regiments Prinz Friedrich der Niederlande (2. westfälisches) Nr. 15, deren Chef die Königin Regentin ist. Die Mitglieder der Deputation und der deutsche Geschäftsträger in Haag find heute Abend zum Diner bei Hofe geladen. Morgen wird
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den «olgkndcn Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
mit Begeisterung ausgenommen. ..
Paris, 10. December. Kaiser Wilhelm hat an die Wittwe Ferdinand de Lesscps folgendes Beileid telegramm gerichtet: „Der Telegraph meldet mir den schmerzlichen Verlust, welchen Sie soeben erlitten ^ben. Die ganze wissenschaftliche Welt trauert mit Ihnen am Grabe eines der größten Geister, welchen die ganze Wel umfaßte. Seien Sie versichert, daß meine Sympathien in diesem Augenblicke mit Ihnen und Ihrer Familie find. Die Witlwe dankte iOf0T yonbo9n,QPl^ December. Bei den heute vollzogenen Ersatzwahlen für den Gemeinderath wachte eine arößere Anzahl verheiratheter Frauen von dem ihnen durch Gesetz vom 5. März d. I. bewilligten Wahlrechte das erste Mal Gebrauch. r «...
Loudon, 10. December. Das deutsche Schiss Adelheid, von Rio de Janeiro nach Falmouth unterwegs, ist während eines Orkans untergegangen. DaS Sch,ff nebst Ladung ist vollständig verloren. Von der Mannschaft wurde ein Theil gerettet. ~
Loudon, 10. December. Nack einer Meldung der „Central News" aus Port Arthur sollen die begangenen Grausamkeiten gegen die Chinesen der Festung nicht von regulären japanischen Truppen, sondern von betrunkenen KuliS, welche als Arbeiter der japanischen Armee beigegeben waren, verübt worden sein.
Warschau, 10. December. In den letzten Tagen sanden in der Ukrame zwischen S tund ift en und P o liz eiorgan heftige Zusammenstöße statt.________
WB. Berlin, 10. December. Der Reichskanzler übermittelte dem Präsidenten des Reichstags den Antrag teS ersten Staatsanwalts des Berliner Landgerichts, worin die Genehmigung des Reichstags zur Strafverfolgung derjenigen Socialdemokraten nachgesucht wird, die in der Sitzung vom 6. December bei dem Hoch auf den Kaiser sitzen blieben. Die Anklage wird auf Majestätsbeleidigung lauten. (Wiederholt, weil nur In einem Theil der gestrigen Auf aa? qhqebrncft. R d.) —
Depeschen bei Bureau »Herold".
Berlin, 10. December. Gestern Mittag 1 Uhr empfing der Kaiser den russischen Botschafter Grafen Schuwaloff zwecks Ueberreichung einer Notification des russischen Kaisers betr. den Thronwechsel und die Bestätigung des Grasen Schuwaloff in seiner bisherigen Stellung.
Berlin, 10. December. Am nächsten Mittwoch wird das Reichstagspräsidium von der Kaiserin Friedrich in Audienz empfangen werden.
Berlin, 10. December. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die anläßlich der Einweihung der deutschen evangelischen Kirche in Paris erfolgte Verleihung des Rothen Adler- Ordens vierter Klosse an die beiden Mitglieder deS dortigen Kirchen-Vorstandes Klattenhof und Tillmanns.
Berlin, 10. December. Heute Mittag erfolgte die Abreise des Kaisers nach Hannover, woselbst Abends im Schlöffe ein Diner für die Spitzen der Militär- und Civil- behörden stattfindet. Später besucht der Kaiser das Hoftheater. ,
Berlin, 10. December. Der „Post" wird aus Königsberg gemeldet, daß die Nachricht von der Verabschiedung des Generals v. Werder von demselben für falsch erklärt werde. Der General habe gar kein Gesuch eingercicht.
Berlin, 10. December. Dem russischen Ritus entsprechend, wonach am vierzigsten Tage nach dem Ableben des regierenden Czaren in sämmtlichen Landeskirchen ein Gottesdienst gehalten wird, sand heute in allen russischen Kirchen | und auch in der hiesigen Capelle der russischen Botschaft ein Gottesdienst statt. Die Feier, der aus- schließlich Vertreter der Aristokratie, u. A. der russische Bot- schaster Gras Schuwalow, beiwohnten, begann Vormittags 11 Uhr und währte eine volle Stunde.
Berlin, 10. December. Ein hiesiger Berichterstatter weiß zu melden, daß der Abgeordnete Singer bereits am 5. December beim Präsidenten v. Levetzow ungefragt hat, ob derselbe bei der Verabschiedung aus dem alten Reichstagsgebäude ein Hoch auf den Kaiser auSbringen werde. Herr v. Levetzow verneinte diese Frage, fügte jedoch hinzu, er werde im neuen Gebäude bei der ersten Sitzung ein Hoch auf den Kaiser ausbringen. Da der Abgeordnete Singer von der Absicht des Präsidenten unterrichtet war, darf aus dem Verhalten der Socialdemokraten geschloffen werden, daß dieselben es auf eine Demonstration abgeschm hatten.
Köln, 10. December. Die „Köln. Ztg." meldet aus Petersburg: Es ist nunmehr sicher, daß Generalgouverneur Gur ko in den Ruhestand und der Berliner Botschafter Schuwaloff an feine Stelle tritt. Der Hauptgrund des Rücktritts ist die kaiserliche Ungnade und der ungemein kühle Empfang, welcher ihm in Petersburg zu Theil wurde. Sein scharfes Auftreten den Polen gegenüber hatte allerhöchsten Orts peinlich berührt, ganz besonders aber deS Generals ungesetzliches Verbot, die Kundgebung des Czaren in polnischer Uebersetzung jedem Polen verständlich und zugängig zu machen, wie ein niemals aufgehobener Ukas der Kaiserin Katharina vorfchreibt.
München, 11. December. Einer hiesigen Zeitung hat die Besprechung der Fuchsmühler Vorgänge fünf Anklagen wegen groben Unfugs zugezogen.
Budapest, 10. December. Im liberalen Club hat gestern der Ministerpräsident Wekerle die positive Erklärung abgegeben, daß der Kaiser bereit fei, der gegenwärtigen Regierung das Gesetz der Civilehe zu f ancti onir en. Man hofft, daß die Sanctionirung bereits heute in Budapest I eintrifft, so daß Wekerle schon in der heutigen Abgeordneten' I Haus-Sitzung die Sanctionirung des Gesetzes bekannt geben kann. Von anderer Seite wird gemeldet, daß die Situation noch jeder Aufklärung bedarf.
Budapest, 10. December. Hier soll demnächst eine staatliche Fabrik für die Bereitung des Heilserums I erbaut werden.
Rom, 10. December. Aus Reggio wird gemeldet, die Lage in den Gegenden, wo die Erdbeben so große Verheerungen angerichtet, wird immer noch schlimmer. Infolge anhaltender Regengüffe find mehrere beschädigte Häuser vollends eingestürzt. Eine große Panik herrscht unter der Bevölkerung, da noch fortwährend neue Erdstöße verspürt werden.
Bekannlwerdcn des Wahlresutt«t« postirte sich eine große Volksmenge vor die Wohnung DaenS und brachte ihm Ova- tionen dar. Die Wiederwahl Wöstes wird von den Kathottken


