entsprechen. Professor Leyden ist zur strengsten Discretion verpflichtet worden.
Warschau, 10. October. In Odessa, Kiew und Warschau wurden wegen eines angeblich entdeckten Gehetmbundes fortwährend Verhaftungen vorgenommen.
Loudon, 10. October. Die „Times" schreiben in einem Artikel über die ostasiatischen Ereignisse, eine diplomatische Action der europäischen Mächte würde erfolglos sein, weil das sieggewohnte Japan von seinen Forderungen an China ohne eine erdrückende kriegerische Demonstration aller europäischer Flotten nicht abstehen werde. — Der Aufstand in der Mongolei breitet sich immer mehr aus. Die Bewohner mehrerer Provinzen haben schon die chinesischen Beamten verjagt.
Loudon, 10. October. Der „Standard" meldet aus Peking, daß dort die Ruhe wieder hergestellt ist und die Aufregung unter der Bevölkerung wegen der in mehreren größeren Proviuzstädten ausgebrochenen Unruhen sich vollständig gelegt habe.
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Gießen, den 11. October 1894.
** Die Hauptversammlung des landwirthschaftlichen Vereins der Provinz Oberheffeu fand gestern Vormittag unter Vorsitz des Herrn Grafen Friedrich zu Solms-Laubach auf Lonys Bierkeller statt. Es nahmen an derselben, außer einer großen Anzahl von Mitgliedern Theil: die Herren Regierungsrath Nover und Oeconomierath Müller- Darmstadt, ferner Herr Provinzialdlrector Frhr. v. Gagern, Kreisrath Dr. Braden-Friedberg rc. Der erste Gegenstand der Tagesordnung; Vorlage der landwirthschaftlichen Bezirksvereine, betreffend die Errichtung von Landwirth- schaftskammern, wurde vom Herrn Vorsitzenden in Form eines Referates über die Behandlung der Frage in den Bezirksvereinen erledigt. Letztere haben sich, bis auf Friedberg, welches sich bis zu einem gewissen Grade für die Landwirth- schaftskammern, und Gießen, welches sich noch nicht geäußert, gegen die Errichtung von Landwirthschaftskammern ausgesprochen- man besitze in den Vereinen und dem Landesausschuß eine Organisation, die allen Bedürfnissen genüge. Der Ausschuß des Provinzialvereins hat die Meinung der Bezirksvereine so zusammengefaßt, daß es im Interesse der Landwirthschaft liege, wenn sie in allen sie betreffenden Fragen gehört werde, daß ferner von einer Aenderung in den landwirthschaftlichen Vereinen abzusehen sei, bis eine geraume Zeit nach Inkrafttreten des preußischen Gesetzes verflossen ist- die bestehenden Vereinsorganisationen sind so auszubilden, daß sie ein gewichtiges Wort in der Gesetzgebung mit einlegen und eine bessernde Hand anlegen können, wo die Verhältnisse dies nöthig erscheinen lassen. — Zum 2. Punkte der Tagesordnung: „Empfiehlt sich die Gründung von Getreide-Verwerthungs-Genossenschaften nach d em Muster g eno ssenschaftlicherZuckerfabriken?" hatte Herr Landwirthschaftslehrer Dr. v. Peter- Friedberg das Referats übernommen. Herr Dr. v. Peter, hinweisend auf die Verhältnisse Amerikas, ohne die deutschen, speziell hessischen auf dieselben in allen Punkten für anwendbar zu erklären, wies in ausführlichen, mit Ziffern belegten Daten nach, daß sich von Jahr zu Jahr nicht nur die landwirth- schaftliche Production gehoben, olle neuen Erungenschaften der Technik, neue Erfahrungen in den Düngungsmethoden der Landwirthschaft zu Gute gekommen, sondern daß auch, insbesondere in hiesiger Gegend, die Absatzquellen noch gute seien. Das Hauprhinderniß einer lohnenderen Getreide-Ver- werthung sei der Zwischenhandel, indem dieser zu bedeutende Summen verschlinge. Der Preisunterschied, um welchen die Producte vom Producenten bis zum Consumenten allein durch den Zwischenhandel gesteigert würden, erhebe sich je nach der Fruchtgattung bis über 30 Procent, dies sei entschieden zu hoch, denn es blieben dem Landwirthe, der doch die meiste Arbeit zu leisten und das größte Risico zu tragen habe, knapp 52 Procent des Werthes - auch der Gewinn- Antheil der Müller und Bäcker sei im Berhältniß zu dem, was dem Landmann verbleibe, zu hoch. Er wolle durchaus nicht verlangen, daß der Zwischenhandel, der auch sein Gutes habe und das Erwerbs- und Wirtschaftsleben fördere, beseitigt werde, aber der Zwischenhandel könne eingeschränkt und auch controlirt werden, letzteres zweckmäßig durch periodische Veröffentlichung der Productenpreise. Redner betont, daß sich die Consumvereine in der Verwerthung der Landesproducte Vortheilhaft bewährt hatten, in gleichem Maße könnten Gekreide-Verwerthungsgenossenschasten errichtet werden, die den Landmann unabhängiger vom Händler machten. In Friedberg sei man der Verwerthung des Getreides bereits näher getreten und zwar habe die gesteigerte Nachfrage nach guter Braugerste, in welcher allein schon Frankfurt riesige Mengen verarbeite, zur Gründung einer Mälzerei-Genossenschaft geführt. Für letztere seien die Statuten bereits in der Bearbeitung, auch ein Fachmann auf einer Reise nach Amerika begriffen, um die dortigen Einrichtungen kennen zu lernen. Das Unternehmen, zu dem bereits große Summen gezeichnet, berechtige zu großen Hoffnungen, was daraus zu schließen sei, daß sich bereits die Händler dafür interessirten. Die Thatsache, daß das Zusammenwirken von kaufmännischen und technischen Kräften zu Erfolgen führe, sei vor allem auch anwendbar auf die Landwirthschaft, es sei ferner bewiesen durch das Emporblühen von Zuckerfabriken und Molkereien- auch der Umstand, daß dem Landwirth das Betriebscapital fehle, weise auf die Nothwendigkeit einer innigen Verbindung zwischen Kaufmannschaft und Landwirthschaft hin; durch Verwerfung seiner Erzeugnisse auf genossenschaftlichem Wege werde der Landwirth entlastet und ihm die Möglichkeit gegeben, sich mehr der Vervollkommnung seines Betriebes und auch seiner Familie zu widmen. — Eine eingehendere Besprechung des Vortrags fand nicht statt- der Vorsitzende beschränkte sich unter dem Ausdruck des Dankes für den wohldurchgearbeiteten Vortrag darauf, zu bemerken, daß
der vorgeschlagenen Errichtung von Genossenschaften manche Schwierigkeit entgegenstehen dürfte. Aber die Aussicht, die auf dem Product liegenden Lasten zu verringern, werde dieselbe mit der Zeit überwinden helfen. — Zum 3. Gegenstand der Tagesordnung: das Gesetz vom 26. October 1887, die Unterhaltung und Anschaffung des Faselviehs, seine Ziele und Erfolge betreffend, bemerkt Herr Kammerrath Webe.r einleitend, daß das Gesetz einzelne Lücken aufweise, die der Viehzucht in Oberhessen nicht zum Vortheil gereichten- es lasse namentlich Bestimmungen darüber vermissen, nach denen die Gemeinden gehalten sind, sich für eine bestimmte Zuchtrichtung zu erklären. Der Umstand, daß in einer Gemeinde Bullen verschiedener Rassen gehalten und benutzt würden, führe dazu, daß eigentlich keine bestimmte Zuchtrichtung zur Entwickelung komme, man habe vielfach, je nach den örtlichen Verhältnissen entweder das Hauptgewicht auf Milchvieh, Arbeitsvieh oder Fleischkhiere gelegt, während eine bestimmte Richtung in Bezug auf Rasse fehle. — Herr Kreisrath Dr. Braden-Friedberg bemerkte, daß man mit dem Gesetz vollkommen auskomme, mau müsse nur bie- Bullenhalter verpflichten, darauf zu sehen, daß Vermischung verschiedener Rassen nicht Vorkommen. — Se. Erlaucht Graf Friedrich empfiehlt Selbstzüchtung geeigneter Bullen, entweder Reinzucht Vogelsberger Rasse, die sich nach auswärts gut verkaufen lasse, oder Reinzucht Simmenthaler Rasse. Bei dem Vorhandensein von Bullen verschiedener Raffe die Mutterthiere zu classificiren sei schwer. Die Gemeinden müßten selbst reformatorisch Vorgehen. — Herr Baurath Dieffenbach -Grünberg empfiehlt dasZusammengehcn der Gemeinden behufs Erreichung einer einheitlichen Zucht. — Herr Oeconomierath Müll er wünscht die verschiedenartigen Verhältnisse in den Gemeinden zu berücksichtigen, da man keine Gemeinde zwingen könne, nur einer Zuchtrichtung zu folgen, wenn das Bedürfniß nach zweien vorhanden sei. Es könnten ganz gut zwei Zuchtrichtungen bestehen, die Hauptsache sei reine Raffe der Bullen. — Herr Dr. Schmidt-Büdingen berichtet, daß man im Kreise Büdingen die Simmenthaler Zucht angenommen habe- was zur Degenerirung des Viehstandes führe, sei der Mangel an Tummelplätzen für das Jungvieh. — Herr Bürgermeister Le un-Großenlinden ist dafür, daß den Gemeinden die Möglichkeit belassen werde, zwei Zuchtrichtungen zu halten, die Aufsicht könnte die Gemeindebehörde selbst führen, Hauptsache sei gute Pflege, Fütterung und gute Raffe der Bullen. — Herr Provinzialdircctor Frhr. v. Gagern bezeichnet die Verhältnisse des Kreises Gießen in der Zuchtrtchtung als ungleichmäßige, trotzdem versucht worden sei, Gemeinden und Viehzüchter zu einer Richtung zu veranlassen; die Verhältnisse innerhalb der Gemeinden seien zu verschieden. Eine doppelte Zuchtrichtung könne beibehalten werden, wenn genügende Controle geübt werde, eine Aenderung des Gesetzes sei aber nicht nöthig, eine Aenderung der jetzigen Zustände könne aus der Initiative der Gemeinden hervorgehen- er befürwortete eine freiwillige Erklärung der Viehbesitzer, bet welcher Richtung sie bleiben wollten. — Die Versammlung nahm schließlich folgende, von Herrn Kammerrath Weber vorgeschlagene Resolution an: „Die Versammlung spricht sich dafür aus, daß möglichst dahin zu streben sei, daß zur Vermeidung planloser Kreuzung und allmählicher Herausbildung eigenen, nicht mehr vom Auslande zu beziehenden Zuchtmaterials in einer Gemeinde nur eine Zuchtrichtung zuzulassen sei oder mindestens irgend welche Fürsorge getroffen werde, daß schädliche Rassenkreuzungen aufhören." Hierauf wurde die Versammlung geschlossen.
** Oberhesfischer Obstbauverem. Die Mitglieder des Oberhess. Obstbauvereins versammelten sich gestern Mittag nach Beendigung der Hauptversammlung des Landwirthschaftlichen Provinzialvereins zu einer Sitzung, um gemäß § 16 der Statuten für die Periode 1895/96 zu wählen: Den Präsidenten und Vicepräsidenten, den Director und ersten Secretär der Geschäftsstelle und die Beisitzer aus dem Gebiete des Oberhess. Obstbauvereins. Auf Vorschlag des Herrn Provinzialdirector Freiherrn v. Gagern, der sich sehr anerkennend über die bisherigen Erfolge des Obstbauvereins im Allgemeinen wie über die Thätigkeit des Vorstandes im Besonderen ausgesprochen, wurde beschlossen, den seitherigen Vorstand durch Acclamation wieder zu wählen. Danach besteht der Vorstand aus folgenden Herren: Regierungs- und Kreisrath Dr. Brad en-Friedberg, erster Präsident, Graf Oriola- Büdesheim, Vicepräsident, Dr. v. Peter-Friedberg, Director der Geschäftsstelle, C. Reich elt-Friedberg, 1. Secretär der Geschäftsstelle, und als Beisitzer sungiren die Herren: Forstmeister Reuß-Butzbach, Hofgärtner W e ller-Assenheim, Redacteur Schey da-Gießen, Bürgermeister Feldmann- Lauter, Landwirth W. Reitz-Echzell.
* * Ernannt wurde am 2. October l. I. der Garde- Unteroffizier und Militär-Anwärter Leonhard Albert Petri zu Darmstadt zum Hauptsteueramtsdiener bei dem Hauptsteueramte Gießen mit Wirkung vom 7. October l. I. an.
* * Wäschediebstahl. Gestern Nachmittag entwendete ein Handwerksbursche aus einem Gartenhäuschen* in dem Neuenweg eine Frauenhose. Der Dieb wurde noch im Besitze der Hose betroffen und zur Haft gebracht.
* * Gestohlenes Fahrrad. Gestern Abend wurde aus einer Hofraithe am Asterweg ein Fahrrad entwendet. Die Persönlichkeit des Diebes, welcher mit dem Fahrrad flüchtig gegangen ist, konnte festgestellt werden und wird er sich nicht lange des Besitzes erfreuen.
* * Zur Feier der silbernen Hochzeit wurde Herrn Heinrich Zughardt nebst Frau gestern Abend 10 Uhr vom Gesangverein Sängerkranz ein Ständchen gebracht, welches auf dem Marktplatz eine große Zuhörerzahl anzog.
* * Bet der gestrigen Ziehung der Darmstädter Pferde- markt-Lotterie fielen die Hauptgewinne der Reihe nach auf folgende Nummern: 2007, 27461, 84,36, 23216, 39514, 28517, 9285, 13504, 9788, 27153, 20593, 15595, 3004, 28204, 34898, 20557, 23360, 15433, 39248.
* * Weltpostverein. Vorgestern, am 9. October, kehrte der Tag wieder, an dem vor nunmehr 20 Jahren der Grund
zum Weltpostverein gelegt wurde durch den in Bonn am 9. October 1874 erfolgten Abschluß des Allgemeinen Postvertrags. Angesichts dieses Gedenktages freut es uns — schreibt die „N. A. Z." — feststellen zu können, daß der Verein in Bezug auf die räumliche Ausdehnung an seinem Endziele, sämmtliche Culturvölker der Welt in sich aufzu- nehmen, nunmehr angelangt ist. Zwar fehlen in feinem Verbände noch die Capcolonie und British-Betschuanaland nebst Oranje-Freistaat. Allein die Capcolonie beabsichtigt, vorn 1. Januar 1895 ab dem Verein betzutreten, und werden auch die beiden anderen Staaten wohl diesem Schritt alsbald folgen. Um eine Vorstellung von dem Verkehrsaufschwung, wobei der Einfluß der Weltposteinrichtungen wesentlich mit- betheiligt ist, zu geben, mögen folgende Zahlen erwähnt werden. Der gefammte Postverkehr, der für das Jahr 1873 in den heute zum Weltpostverein gehörigen Ländern auf rund 3300 Millionen Sendungen geschätzt wurde, ist bis 1892 auf 18,000 Millionen Sendungen jährlich, also aus 50 Millionen täglich, gestiegen. Unter jenen 18,000 - Millionen befinden sich rund 8000 Millionen Briese, 2000 Millionen Postkarten, 7300 Millionen Drucksachen und Waarenproben, 260 Millionen Postanweisungen über 12 Milliarden Mark, 330 Millionen Packete, 69 Millionen Werthsendungen und 45 Millionen Postauftrags- und Nachnahmesendungen. Die Zahl der Post- anstalten ist von 85,443 auf 197,914 gestiegen, und an Werthen, soweit solche auf den Sendungen angegeben sind, vermittelt die Post jährlich mehr als 70 Milliarden Mark.
L. Langenbergheim, 10. October. Unsere tanzlustige Jugend hätte noch gerne eine Nachkirchweihe gehabt und ein hiesiger Wirth bewarb sich um die Tanzerlaubniß dazu bei dem Kreisamte. Die Verwaltungsbehörde schrieb aber heute zurück: Bei den gegenwärtigen Zeiten und Verhältnissen könne man sich mit zwei Tagen Hauptkirchweihe genügen lassen, Nachkirchweihe sei nicht nöthig und werde abgeschlagen. Die Verfügung hat bei allen vernünftig Denkenden Beifall gefunden und selbst die Jugend sieht ein, daß es so das Richtige ist. Die Sache kann zur Nachahmung bestens empfohlen werden.
Büdingen. Am Sonntag den 14. October, Morgens 7 V2 Uhr, ist heilige Messe des Hochwürdigsten Herrn Bischofs im alten Local und Austheilung der heiligen Communion an die Firmlinge. 9x/2 Uhr Einweihung der Capelle, levitirtes Hochamt (Geistl. Rath Brentano in Heldenbergen), Predigt des Hochwürdigsten Herrn Bischofs, Firmung. Der katholiche Kirchenchor von Offenbach wird während der Feier singen. Auch der evangelische Kirchengesangverein Büdingen hat sich erboten, einige paffende Gesänge vorzutragen. 12 x/2 Uhr ist bei Gastwirth Hölzinger Festessen, an dem der Hochwürdigste Herr Theil nehmen wird. Die Capelle hat 100 Sitzplätze. Der Altar ist von Bild- haner Busch in Groß-Steinheim. Die Capelle mit Bauplatz und nothwendigfter Einrichtung wird auf 12 bis 13 000 Mk. kommen. Dieses Geld ist durch Spenden des Bonifacius- Vereins und durch milde Gaben nahezu aufgebracht. Herr Kaplan Thomas in Gießen, vorher in Offenbach am Main, hat sich große Verdienste bei unserem Capellenbau erworben.
Oppenheim, 10. October. In der verflossenen Nacht wurde ein bis jetzt noch nicht aufgeklärter Mordversuch verübt. Unter verschiedenen Vorspiegelungen hat ein noch junger Bursche, der angeblich bei den Husaren in Mainz dient und Urlaub erhalten hatte, an der Canalspitze den Verbuch gemacht, seine Geliebte, ein Mädchen, das in Mainz bedienstet ist, in den Rhein zu werfen. Aus die Hilferufe der Bedrohten ließ der Bursche von seinem Vorhaben ab, worauf das Mädchen bei der Brückenwache Schutz suchte. Das Mädchen gab an, daß der Mensch sie mit den Worten bedroht habe: „Du kannst mich nicht mehr leiden und mußt sterben, gerade wie vor drei Jahren eine Andere." Untersuchung ist eingeleitet und der Attentäter, der flüchtig ist, wird verfolgt.
LZngesan-t.
Gieße«, 10. October 1894- Motto: „Res severa, verum gaudiuml"' „Nothwendig ist nur das Gute, und dieses ist zugleich schön".
Genuß und Erholung.
(Fortsetzuug zu Nr. 236, erstes Blatt.)
Wahrlich der Arbeit ist noch übergenug zu leisten, nichts als bequeme Gewohnheit, im breitgetretenen, alten Geleise zu bleiben,. kann das übersehen. Aber je mehr wir lernen werden, die noth- wendige Arbeit von der gänzlich unnützen zu unterscheiden und diese dann zu meiden, je mehr wir dann uns in die notwendige Arbeit theilen, desto mehr werden wir in der Lage sein, den Aufgaden ächter Cultur näher zu treten, während wir heutzutage deren Ziele kaum zu ahnen vermögen. Freilich heißts dabei: „Alle Mann an Bord"; ein einziger, der dann sich der auf fein Theil kommenden Arbeit entzieht, ist wie das krankhafte Geschwür am sonst noch gesunden Körper und für ihn ist kein Platz in dieser Weltordnung; Leute, die ob der überkommenen Glücksgüter die Hände in den Schoß legen und ohne ernstliche Bemühungen dann gar für die Arbeitfamen die Gesetze geben wollen, Leute, die ihr Geld für sich arbeiten lassen, ohne dafür in anderen Dingen Etwas zu leisten, die haben dann nicht mehr mitzureden! Und so wird jede Arbeit gründlich gethan werden und- verdient sich ihren Lohn felbst, und der besteht in der Erholung.
Das wirksamste Mittel hierzu ist ohne Widerrede von Natur gesetzt: Ein gesunder Schlaf. Wie Viele leiden allein daran, daß er ihnen mangelt? ja, daß er ihnen mangelt vor Uebermaß ernster,, ehrlicher Arbeit! Schon das characterisirt unsere Zeit zur Genüge als eine, in der noch Tausende als Tagediebe Herumlaufen, Reich oder Arm Sonst hätten nicht Andere Lasten zu tragen, unter denen sie zeitweise zusammenbrechen. So wenig tst die Arbeitstheilung noch bei uns geregelt! Und diese Märtyrer der Pflicht haben eigentlich rur den einen Trost, daß ihre Antipoden, die NichtSthuer, .auch zumeist unter dem Mangel des "gesunden Schlafes zu leiden haben; bei diesen kommt dies gewöhnlich von der Art ihrer Genüsse her, die in der Regel in alledem bestehen, was ein Vernünftiger nicht braucht.
Neben dem Schlaf ist vor Allem eine richtige Abwechfelung in der Thätigkeit — denn immer sei der Mensch thätig, wann er nicht schläft —, die der gesunden Erholung dient. Eben, daß so Viele, um sich zu erholen, ihre Thätigkeit mit einem sogenannten „geschäftigen Müßiggang" vertauschen, ist ein Verderb für sie. Wie gering verhältnißmäßig das Maß der Abwechselung zu sein braucht, mag man daran nur sehen, daß es für den Grobschmied schon eine Erholung ist, nach gethaner Arbeit etwa turnen zu gehen, für den.


