r 6lo[i 1893 893.
1 Präcü,
Nr. 107
•er
«Mleint täglich, ■* Lulnahmr bei Montag»
•ü Gießener
•atm btm Hn^ctfrr »ächentlich brtieel kW
Zweites Blatt. Donnerstag den 10. Mai
1894
Gießener Anzeig er
Kenerat-Mnzeiger.
8*rrtdi4brte*
2 «ert 30 «s. ■* •nnyrle^L
Dunch bie Po« brff 7 Mark 50 tW-
•ebartvw, tffilf unb Druckes:
>4a(|re|<lta.K
Muytz. Amts- und Anzeigeblutt für den Ktcts Giefzen.
^scheidenden M,
. d, Lahn.
3941
eige, daii ich
chäft
>en halte und
7olk
>ße 4.
urg-Creuzthal.
itens empfohlen. - •enheit zu Jagd und 4055 daselbst.
?r
gesucht. anssteliung in ükt ,
.■iA-vWi-"’- lein & o?ler,
Gratisbeilage: Hießener Kamikienökätter
hitßmirn L»ß erldffinneben fhimmer bil 8em. 10 Uhe.
Feuilleton
Vie Innoncen-Burraur bei In» mb Kull anbei seh WM» leidet* flr bt* .Gießener «n,ei,er^ enteeye.
Erinnerungen an 1848. Von Pari B.
(Fortsetzung.)
.'jun ereignete sich, daß der Neuhaldenslebener Gesang« herein und der unserige aus dem nahen Papenberge ein kleine- GefangSsest arrangirt hatten, daß an demselben Tage aber auch Herr Uhlich al8 Abgeordneter der National-Ver- iammlung vor seinen demokratischen Wählern reden sollte. Diese Versammlung sollte ursprünglich in der Stadt abge« halten werden. In letzter Stunde mochte den Demokraten nun wohl der Gedanke nahckommen, daß PublikuS an dem schönen Sonntag-Nachmittag lieber nach Maibowle ziehen und sich waS Vorsingen lagen möchte, als im Saale zu schwitzen. Ihr Entschluß war kurz. Sie kamen uns nach und als wir Sanger eine Pause zur Stärkung machten, fing der gute Uhlich an zu predigen. Das dauerte eine halbe, eine ganze Srunde und hätte gewiß so lange gedauert, bis er selbst nicht mehr konnte. Uhlich war ein gewaltiger Redner.
Unter den Sängern waren viele, die sich um Politik totntg kümmerten - eS waren noch glückliche Menschen und brummten wegen deS ihnen langweiligen Vortrages. Aber der Herr Bürgermeister und sonstige angesehene Bürger der S.'adl waren ja auch zugegen und wer hätte eS da wagen können, dem Herrn Uhlich ein „Schweigen" zuzurufen!
Da machte ich denn kurzen Prozeß. Kraft meines -imreS als Vorsteher unseres Gesangverein- ließ ich „bad Ganze sammeln" blasen und daS zündete. Die Herren ^esangvereinSbrüdcr traten an, mit „Brüder, lagert euch im preise" umzogen wir den Kreis der Parlamentarier. Die Sache ging friedlicher ab, wie Manche erwartet hatten, die prüfte waren sich gewachsen und wir Sänger hatten das gute !>'?cht und den Erfolg für sich.
Bei dieser Gelegenheit war c« denn auch, daß mein herkulischer Freund — später wurden wir nämlich wirklich Freunde — mir sehr schmeichelhaft mit dem wildesten Blick
ES fand sich auch noch ein anderer Fest-Eharacter.
Nach den glücklich beendeten Freiheitskriegen von 1812 bis 1815 war zu Eingang deS OrteS auf einem freien Platze der preußische Adler auf einer hölzernen Säule errichtet. Wie nun die fürstlichen Verheißungen jener Zeit nach und nach morsch geworden und in die Brüche gegangen waren, so war auch jene Säule im Laufe der Jahrzehnte morsch geworden und schließlich umgesallen.
Auch aus den Märzstürmen war Preußen und mit ihm ganz Deutschland groß hervorgegangen. Fürsten wie Völker hatten auS ihnen gelernt und eine neue geschichtliche Äera begann. Und um auch die Nachwelt an die Zeiten zu erinnern, beschlosien wir die Wiederaufrichtung deS preußischen AareS auf dauerhafterem Fundament.
Gedacht, gethan. Die nöthigen Gelder stossen reichlich. Ich hatte da« Vergnügen, nach Berlin geschickt zu werden, einen Adler anzukaufen und fand ein prächtige- Exemplar ir der Zinngießerei von M. Geiß. Da war eine sehr große Brutanstalt dieser mächtigen Vögel und auch russische Adler waren da, die bekanntlich zwei Köpse haben. In den nahen Dünstädter Sandstetubrüchen wurde die erforderliche pyramidale Säule gearbeitet. ES war zum 15. October alles glücklich fertig und auch an Tanz«, RestauratiouS- und Würfelbuden fehlte es nicht, wie auch nicht an Blumenschmuck deS Orte». Kurz und gut, eS war alles gut gerathen und lieblich am zuschauen.
Reveille eröffnete den ersten Festtag und gegen Mittag wurde unsererseits der letzte Bürgerwehrapell zu Grabe getrunken.
Da war eS, wo mein guter Kamerad unb College mir ganz kategorisch eröffnete: „Ich gehe ba nicht rauf, halten Sie bie Rede!" — Nach dem Programm sollte nämlich dieses ältere Mitglied des FestcomiteS von der etwa sechs Stufen hohen, extra erbauten Kanzel das Denkmal dem Publikum übergeben, nachdem zuvor die Herren Geistlichen beider christlichen Confessionen auf den großen Tag hinge- wiesen hätten. Und diese Blumenkanzel meinte er, auf welche er nicht „raufgehen" wollte.
(Schluß folgt.)
und breitgelegter Rechte eine Ohrfeige anbot. ES blieb beim I Angebot, dieweil die Nachfrage mangelte. Er haute auch wohl nicht zu, weil die Vorzeichen einer allgemeinen Keilerei schon in Sicht traten. Aber Rache schwor mir der Erzdemo- trat noch bei erster passender Gelegenheit unb als Mann von Wort unb Ehre, ba« muß ich ihm nachsagen, hat er auch fein Wort gehalten.
Der Spätsommer schon kühlte die Bürgerwehrherzen merklich ab, ber Mangel an Thätigkeit erschlaffte- auch ich war schon geraume Zeit be6 Freiheitsschwindels satt geworden und die nichtswürdigen Meuchelmorde an AuerSwald, Lich« nowSky und anderen Edlen deS geliebten deutschen Vaterlandes empörten mich sörmlich. Höheren OrteS war man schon lange zu der richtigen Einsicht gekommen, daß es bester sei, daS Soldatenspielen dem wirklichen Militär und daS Vorspiel den kleineren Buben zu überlasten. Da brachte uns denn der Spätherbst daS „Ministerium der rettenden Thaten", das Ministerium Brandenburg-Manteuffel. Die Auflösung der Bürgerwehr wurde decretirt, sie mußte die Waffen zurückgeben.
Die Frauen betrauerten den Wechsel viel mehr als die Männer, denn mit freudestrahlendem Gesicht postirten sich jene vor die Thüren oder in die Fensternischen, um den lieben Mann oder noch lieberen Zukünftigen in Reih und Glied und In Waffen vorbeitrollen zu sehen.
Also mit der Bürgerwehr warS alle und es drehte sich nur noch darum, mit einem gewissen Eclat von der Oberwelt in daS Reich deS Orkus zu verschwinden. Und dieser Abschluß mußte großartig, etwas demonstrativ auSsallen, eS wußte unbedingt ein großartiges Volksfest veranstaltet werden. Die große Völkerschlacht bei Leipzig, die Geburtstage deS König« Friedrich Wilhelm IV. (15. October) und deS da« maligen Kronprinzen und nachherigen Kaisers Friedrich (18. October), alles das drängte sich auf ein Paar Tage zusammen, und so lange mußte daS Fest dauern. ES gehörte in damaliger Zeit etwas Muth dazu, Königs Geburtstag zu feiern. Wir hatten ihn und ich bin noch heute stolz ob dieses MutheS, denn der König war eS würdig, seinen Tag sestlich zu begehen.
Shein. Aeilgeöotenes.
‘nkmal.
stau raut
ßxportbier.
■I*"9 ,16 3350 ’ ji
MrM
1894.
«le
scsi
lUj
18.1-
•Z2Ä
35.Ü
6 0*
ttiljd-z'
r
ff'
ft 3
ZchllljNMM.
Da« neueste in Sommer - «rtiket«, Haldfchuhe, Tourtste«sch«be, Aeug- schuhe, sowie alle sonstigen Arten von | Echubwaaren. von den billigsten bi« zu den bochseinsten, bei billigsten Preisen.
Julius Buch, »d< »Luiburg unb Wettergaste, -«stbodevanstrich t*ei«Slstceattv zum Einoien, Letfarve« in allen Nüancen, fertig zum Anstrich, rasch und hart trocknend, Tiedemann» achter, reiner, strcichfertiger
Bernsteinschnelltrockenöllack mit Farbe, Weingeist lock, sofort trocknend mit und ohne Farbe, n .
irwie alle sonstigen, »um Anstreicken und Wichsen der Fußböden nöthigen Maaren und Utensilien empfiehlt
r 2931 Smil Fischbach.__
TäBidFtTftT für GeschästSleute und Arbeiter aller Be- rusSklaffen Der Deutsche
Arbeitsmarkt ist das einzige Central-Arbetlsnachweis- »tatt iür das gesummte deutsche Reich iinb angrenzenden Gebiete. Mehrere 1< ',000 Handwerker lesen jede Nummer- -i.'onnemcnt pro Quartal blos 75 Psg A^noncen-Annahme und Stellennachweis iNr Gießen bei [2788
A. Gretscher, Neustadt 55.
Für Wirthe!
empfehlen
la. Kegel
la. PockhofiKegelKugeln
biligjl [2802
Moritz Gregori & Sohn.
ro. z
<# z
\ Z
-MV x- ZxS*
♦♦♦♦♦♦ZS********
X Teppiche. Möbelstoffe >
♦ und Portieren $
♦ empfiehlt in neuer, großer Auswahl in jeder E, Preislage 3372
T Ernst Bloedner, Seltersmeg.
M Jaljrr.il> t-r.
Bringe mein Lager deutscher und englischer Fahrräder, prima Qualität, sowie alle Zubehörtheile zu mäßigen Preisen in empfehlende Erinnerung. Alle Reparaturen und Umänderungen von Rädern werden preismäßig und schnell ausgeführt, auch nehme ich alte Räder in Tausch. Achtungsvoll (3349
Fr. Krogmanii,
Wetzsteingasse 33.
Empfehlung.
Einem unehrlichen Publikum, sowie insbesondere Freunden und Gönnern zur Anzeige, daß ich durch den Verlaus meines Hauses in der Dammstcaße jetzt
9 Marktjtr. 9 [Singang der Nläiisburg u.Urttergaffej wohne und Unterbrochen mein Lchneidergeschäft weiter führe. Empfehle mich Hit einer reichen Auswahl von Stoffen zum Verkauf, sowie zur MaSchaufertigung. Die Ersparung der theueren Laden- miethe und sonstiger Geschäftsunkosten machen es mir möglich, noch unter den äußersten Coulanzpreisen verkaufen zu können.
Hochfeine Anzugstoffe, per Anzug 16 Mark, Hochfeine Hosenstoffe, per Hose 7 Mark, Hochf. Ueberzieherstoffe, per Ueberzieher 9 Mark.__
3* Anfertigung zu der billigsten Preisberechnung. WC 3979 Achtungsvoll
M. Weiner.
< reichhaltigstes Lager in allen Preis-
11 lagen, sowie Reste und zurück-
IX II gesetzte Muster zu bedeutend ermäßigten Preisen.
Linoleum in engl. und besten deutschen Fabrikaten, empfiehlt
Ernst Blödner, Seltersmeg
1791
Tapeten-, Teppich- und Möbelstoff Geschäft.


