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darniedergelegen, ertheilten Vorschriften nicht befolgt, wird, insofern die begangene Uebertretung nicht unter § 327 des deutschen Strafgesetzbuchs fällt, mit einer Geldstrafe von 3 bis 20 fl. oder Haft bis zu 8 Tagen bestraft; außerdem werden jene Gegenstände confiscirt.___________________________________

Deutsche- Reich.

Darmstadt, 3. September. Die Allerhöchsten Herr­schaften und Gefolge besuchten gestern den Gottesdienst in Egelsbach. Seine Königliche Hoheit der Großherzog begaben sich heute Vormittag zu Wagen von Schloß Wolfs­garten nach dem Griesheimer Schießplätze, stiegen dort zu Pferde und wohnten den Uebungen der Großherzogl. (25.) Cavallerie - Brigade bei. Nach Schluß der Uebung fuhr Allerhöchstderselbe direct nach Wolfsgarten zurück.

Berlin, 3. September. In Anwesenheit des Kaiser­paares fand am Sonntag Vormittag 11 Uhr die ergreifende Weihe der Sarkophage Kaiser Wilhelms I. und der Kaiserin Augusta im Mausoleum zu Charlottenburg statt. Die Feier wurde durch Gesang deö DomchoreS mit anschließendem Gemeindegesang eingelettet, worauf die tief­empfundene, von patriotischer Wärme durchglühte Weiherede des General-Superintendenten Dr. Dryander folgte- Gesang und Gebet beendeten den Act. Nach demselben legten die Majestäten Kränze an den Särgen des hochseligen Kaiser­paares nieder.

Das Sedan fest ist auch diesmal in allen Gauen des Reiches durch entsprechende Veranstaltungen würdig be­gangen worden. Wenn hie und da sich die Sedanfeter in einfacherem Rahmen bewegte, als in den vorangegangenen Jahren, so ist dies lediglich auf die im nächsten Jahre bevor­stehende 25. Wiederkehr des Tages von Sedan zurückzuführen, welches Jubiläum dann um so glänzender begangen werden soll. Im Uebrigen bekundete aber die auch jetzt wiederum hervorgetretene allgemeine Theilnahme am Sedanfeste, daß dasselbe nach wie vor tief im Herzen des deutschen Volkes wurzelt, daß das Bewußtsein von der Bedeutung des höchsten I nationalen Ehrentages Deutschlands auch fernerhin in den weitesten Kreisen unserer Nation lebendig ist.

Der Wirrwarr in den Zeitungsmeldungen über die I Regierungsabfichten in der Frage der Verschärfung des Vereins- und Versammlungsrechtes dauert noch immer an. Während auf der einen Sette daran festgehalten I wird, daß eine durchgreifende Revision der entsprechenden I gesetzlichen Bestimmungen in Preußen so gut wie beschlossene | Sache sei, versichert man auf der anderen Seite, diese ganze Angelegenheit sei bislang im preußischen Sraatsministerium noch gar nicht zur Besprechung gelangt. Ebenso wird den Andeutungen, denen zufolge der Reichskanzler Graf Caprivi mit einer Regelung der Frage von Reichswegen im Allge- meinen einverstanden sei, von anderen Seiten mit der Ver­sicherung entgegengetreten, die Reichsregierung denke wegen der obwaltenden Schwierigkeiten gar nicht an ctne Erörterung biefer Materie. ES muß demnach einstweilen dahingestellt bleiben, wer in diesem Streite der Meinungen eigentlich

Nerrefte Nachrichten.

Wolff» telegraphische» Correspondmz-Bureau.

Berlin, 3. September. DerReichsanzeiger" theilt gegenüber den Angriffen der Blätter gegen die Heeres­verwaltung wegen der Begünstigung des Maaren- Hauses für Armee und Marine mit, daß eine größere Anzahl von Truppentheilen, um möglichst rasch in den Besitz der neuen Schützenabzeichen zu gelangen, sich an das Waaren- hauS um baldmöglichste Vermittelung der Beschaffung wandte. Das WaarenhauS sah in diesem Falle von der grundsätzlichen Enthaltung von der Lieferung von Dtenstgegenständen für die Armee ab und erklärte sich zur Lieferung der Schützen­abzeichen bereit, worauf die Bestellungen erfolgten. Andere Aufforderungen lehnte das WaarenhauS ab. In Zukunft wird das WaarenhauS von dem Grundsätze, keine Lieferungen von Dtenstgegenständen für das Heer zu übernehmen, selbst in Ausnahmefällen nicht abgehen. Uebrigens besitzt das Krtegsmtnisterium auf die Geschäftsgebahrung des Waaren- hauses keinen Einfluß.

Budapest, 3. September. Der achte internationale hygienisch-demographische Congreß wurde gestern vom Erzherzog Carl Ludwig im Namen des Kaisers mit einer Ansprache eröffnet. Die Vertreter der verschiedenen Staaten hoben bet ihren Eröffnungsreden unter stürmischem Beifall die Segnungen des internationalen Friedens hervor. Besondere Zustimmung fanden die dahingehenden Ausführ- ungen Erismanns aus Moskau. Im Namen Deutschlands sprach Leyden aus Berlin. Nachmittags folgte die Eröff­nung der dazu gehörigen Ausstellung sowie die Gedächtniß- feter für Semmelweis, wobei Hueppe aus Prag der von Semmelweis für die antiseptische Behandlung geführten Kämpfe gedachte.

Pest,3. September. Auf dem Congreß für Hygiene und Demographie, dessen Vorsitz die Professoren Reczey und Loew führten, sprachen heute zum ThemaRettungs­und Samariterwesen": Cacheux-Paris, Major-Stnhlweißen- burg, Gerber-Köln und Director Max Schlesinger-Berlin- letzterer über Sozialreform und Rettungswesen mit besonderer Berücksichtigung der Berliner Unfallstationen und der für Berlin zu organisirenden ersten Hilfe bet Unglücksfällen.

JHmfietbam, 3. September. Eine vom Colonialmintsterium veröffentlichte osfictelle Depesche bestätigt im Wesentlichen öle Depesche derNieuws van den Dag" über die Niederlage auf Lombok. Die Regierung erhielt d e Namen von 45 gefallenen und 22 vermißten Soldaten, otc veröffentlicht werden, nachdem die Familien benachrichtigt worden sind. ö

Newyork, 3. September. Der V e r l u st a n M e n s ch e n In den Waldbränden von Minnesota und Wisconsin betragt über 500, der EigenthumSschadcn Millionen. Sechs Städte sind zerstört. Auf dem Felde bei Hinkley wurden

| 130 unkenntlich verbrannte Leichen gefunden. Bei Skunk Lake überraschten die Flammen einen Eisenbahnzug. Die Passagiere I ergriff eine Panik- zwölf sprangen heraus und verbrannten- I zahlreiche flüchteten sich ins Waffer und ertranken.

Depeschen de» Bureau »Herold*.

Berlin, 3. September. Das Kaiserpaar begibt sich I heute Abend zu den Kaisermanövern des 1. und 17. Armeecorps zunächst nach Königsberg, woselbst die An­kunft morgen Vormittag nach 10 Uhr erfolgt.

Berlin, 3. September, lieber die Schteßv ersuche, welche von militärischer Seite mit dem Dowepanzer vor- I genommen wurden, veröffentlicht derRetchsanzeiger" authentische Mittheilungen, woraus ersichtlich ist, daß die I wiederholte amtliche Prüfung des Dowepanzers ein völlig I negatives Ergebniß hatte, wovon Dowe amtlich Kenntniß I erhielt. Vor der ersten Prüfung erklärte der Kunstschütze I Martin, der Panzer sei seine Erfindung, er habe Dowe nur I als Reclame vorgeschoben.

Berlin, 3. September. DieVoff. Ztg." meldet, die I Angelegenheit Kotze sei in ein neues Stadium getreten, die fernere Untersuchung sei dem Generalauditeur des dritten Armeecorps überwiesen worden. Neue Verdachtsgründe im Falle Kotze sollen der Sache eine ungünstige Wendung ge­geben haben.

Berlin, 3. September. Wie dieStaatsbürgerzeitung" erfährt, hat die gestrige etnstündige Conferenz des Kaisers mit dem Ministerpräsidenten Grafen Eulenburg einen streng vertraulichen Character getragen, i soll die Frage der Verschärfung des Vereins-, Versamm- lungS- und Preßgesetzes zur Bekämpfung der anarchistischen und revolutionären Umtriebe besprochen worden sein. Auch die Frage der Wiedervereinigung des Retchskanzlerpostens mit dem des preußischen Ministerpräsidenten wurde eingehend erörtert. Der Kaiser soll einen Standpunkt etnnehmen, welcher einen mehrfachen Personenwechsel in hohen Aemtern zur Folge haben dürfte.

Berlin, 3. September. Die socialistische Agitatorin Agnes Wabnitz ist gestern Nachmittag um 4 Uhr unter überaus starker Betheiligung von Genoffen und Genossinnen beerdigt worden. Der Friedhof war abgesperrt- nur zwei bis drei Kranzträger erhielten Zutritt. Heber 600 Kränze, fast alle mit breiten rothen Schleifen, wurden am Grabe niedergelegt.' Die Zahl der an der Trauerfeier Theil- nehmenden belief sich auf viele Tausende. Die Ruhe wurde musterhaft aufrecht erhalten. Vier Arbeitergesangvereine leiteten die Trauerfeier ein, worauf der Reichstagsabgeordnete Vogtherr in längerer Rede der Verdienste der Verstorbenen um die socialdemokratische Partei gedachte.

Frankfurt a. M., 3. September. Zwei Arbeiter, Namens Müller und Garsch, die seit einiger Zeit in der Wertheim- schen Fabrik dahier beschäftigt waren, wurden wegen anar­chistischer Umtriebe verhaftet. Müller war einer der Führer im Strike bei Fahrradfabrikant Kleyer.

tzerbeSthal, 3. September. In voriger Nacht ging hier ein furchtbares Gewitter nieder, .welches bedeutenden Schaden anrichtete. Die Telephonleitungen und einzelne Telegraphenlinien sind gestört. Zahlreiche Verkehrswege sind abgeschnitten.

Wien, 3. September. Anläßlich des dreißigsten To des- tages Lassalles veranstaltete die hiesige socialdemokratische Parteileitung int Parke Dreher eine Lassalle-Feier, wozu über 10 000 Arbeiter erschienen. Die Feier verlief ohne Zwischenfall. In der Festrede würdigte Dr. Ellenbogen die Verdienste Lassalles. Unter den Liedervorträgen wurde die Absingung der Lassallehymne polizeilich verboten.

Paris, 3. September.Gaulois" publicirt ein Interview mit dem Staatsanwalt Haas in Metz, weicher erklärte, daß die Behörden den bei der Frau JSmut vorgefundenen mili« tär.i scheu Schriftstücken außerordentliche Wichtigkeit beimessen.

Paris, 3. September. WieMatin" aus Rom meldet, haben sich die Beziehungen zwischen dem Vatican und dem Quirinal bedeutend gebessert. Crispi soll dem König den Beschluß vorgelegt haben, den Bischöfen von Mailand und Bologna die Exequatur zu verleihen.

Livorno, 3. September. Hier wurden elf Anarchisten verhaftet unter dem Verdachte, kürzlich ein Bombenattentat in einer Badeanstalt borbereitet zu haben.

Loudon, 3. September. Der chinesische Kaiser befahl vier großen chinesischen Banken, sofort 16 Mill. Paels zu liefern. Gegenwärtig sind 30OOOJapaner in Korea concentrirt und marschiren nach Norden.

London, 3. September. EinerTimes"-Meldung aus Shanghai zufolge haben die Japaner von einem Angriff auf Port Arthur Abstand genommen, da die landeinwärts belegenen Forts zu stark befestigt waren. DenCentral News" wird aus Tokio gemeldet, daß in Chemulpo 6000 Mann und 300 Pferde der japanischen Verstärkungen gelandet sind. Die Tokioter Militärbehörden glauben, daß es gestern zu einer entscheidenden Schlacht gekommen sei.

Moskau, 3. September. In Kaluga entdeckte die Polizei eine geheime nihilistische Druckerei. In verschiedenen Städten wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen.

Warschau, 3. September. Aus Nischni-Nowgorod wird gemeldet: Infolge der immer mehr um sich greifenden Cholera verlassen zahlreiche Kaufleute, die zur Messe nach hier kamen, die Stadt. Der Gouverneur Baranow hat eine Proclamation an die Einwohnerschaft erlassen, worin er be­ruhigende Mittheilungen macht und das Publikum zur Jnne- haltung der Vorsichtsmaßregeln auffordert.___________________

Cocafc* And

Gießen, den 4. September 1894.

** Dr. Carl Textor von hier ist an Stelle des aus- geschiedenen Dr. Jökel als zweiter Assistenzarzt im städtischen Krankenhaus zu Darmstadt eingetreten. Um die erledigte Stelle lagen noch 18 weitere Bewerbungen vor.

** Zur Tabaksteuer. Nach derSüdd. Tabakzeitung"' wird das Tabakverbrauchs-Abgabengesetz folgende Punkte enthalten: Wegfall der Feldcontrolle, kleine Belastung der Pfeifentabake und mäßige Zollerhöhung, dafür höhere Werthbelastung aller anderen Tabakfabrikate, die in den Verbrauch übergehen.

** Der Verkehr der Universitäten. Man schreibt der Franks. Ztg.": Die Universitäten Deutschlands und des Auslandes tauschen alljährlich im September die während des letzten Studienjahres unter ihrer Autorität erschienenen Schriften untereinander aus. Dieser SchristenauStausch ist für die Wiffenschaft von großer Bedeutung, weil dadurch die Bibliotheken aller Hochschulen in den Besitz einer Reihe werth- voller Publikationen gelangen, die buchhändlerisch entweder gar nicht oder doch nur unter großem Kostenaufwand zu erwerben sind. Angeregt wurde dieser Schriftenaustausch im Jahre 1818 durch ein Einladungsschreiben der Universität Marburg, die auch viele Jahrzehnte hindurch der Vorort für den Tauschverkehr geblieben ist. Erst als sich die Verkehrs- einrichtungen verbesserten, übernahm die Versendung jede Universität selbst und läßt sie jetzt meist durch ihre Biblio­theken besorgen. Die Zahl der ursprünglich an dem Tausch­verkehr theilnehmenden Universitäten betrug 14, während sie sich jetzt bereits auf 54 beläuft. Im Laufe der Zeit haben sich außerdem eine Reihe großer Bibliotheken und gelehrter Körperschaften dem Tauschverein angeschloffen, so die Hof- und Staatsbibliothek in München, die Landesbibliothek in Kassel, die Akademie der Wissenschaften in Petersburg, das germanische Museum in Nürnberg, das Bureau of Education in Washington, die Smithsonian Institution u. s. w. Gegen­wärtig umfaßt der Tauschverein, nachdem neuerdings ihm auch die Universität Tokio beigetreten ist, 105 Universitäten, Aka­demien und gelehrte Gesellschaften. Welche Bedeutung dieser Schriftenaustausch auch für die Vermehrung des Bücher­bestandes der Bibliotheken hat, geht daraus hervor, daß z. B. im letzten Jahre gegen 5000 Schriften den einzelnen Bibliotheken einverleibt werden konnten.

** KindeSmord? Unter dieser Spitzmarke wird denN. H. D." von hier geschrieben:Ende Juli 1894 sind in dem Wildgrubenteich" im Brunnenthal bei Grünberg eine Anzahl Frauenkleidungsstücke, verschiedenes Bettzeug, mehrere Wäsche­stücke und sonstige Zeugtheile gefunden worden, auf welchen, da sie zum Theil stark mit Blut befleckt sind, wahrscheinlich eine Geburt stattgefunden hat. Unter diesen Gegenständen befinden sich namentlich: Ein Rock aus Druckzeug, ein blauer Unterrock aus sog. Fäselzeug, ein weißer Strumpf mit Brand­spuren, ein roihbraunes, gestreiftes Stück Zeug, ein blaues gestricktes Stück Zeug, ein blaues Taschentuch, ein Taschen­tuch von weißem Leinen, an den Enden roth gestreift, mit einem erhabenen, mit weißem Faden gestickten (lateinisch) H. gezeichnet, ein Stück eines Herrenhemden-Einsatzes, gezeichnet K. 0., in rothem Faden gestickt. Die Sachen waren zum Theil in einen Fruchtsack der Firma Steppler u. Cie. (Ferd. Burk) in Gießen verpackt. In der Tasche des Rockes aus Druckzeug befanden sich Spuren von Mehl ober Kleie. Die Gegenstände, soweit sie nicht in Lappen bestehen, befinden sich ämmtlich in gutem Zustande, so daß die stattgefundene Besitzaufgabe auf eine der ärmeren Bevölkerungsklasse der dortigen Gegend angehörige Person kaum zurückschließen läßt. Da nach den obwaltenden Umständen ein Verbrechen wahr- cheinlich ist, so bittet die Staatsanwaltschaft hier um Nach- orschungen und Nachricht, namentlich in der Richtung, wem die Gegenstände gehören, und ob nicht ein auswärts begangener Kindesmord in Betracht kommt.

** SauilätSverein. Gestern Abend hielt der SanitätS- verein feine halbjährige Generalversammlung bei Böhm, Neustadt, ab. Den Verhandlungen entnehmen wir, daß der Verein im verflossenen Halbjahre sich um 24 Mit­glieder vermehrt hat; derselbe zählt z. Z. 435 Mitglieder. Nach dem Kaffenbericht stellen sich die Einnahmen auf 1542.95 Mk., die Ausgaben auf 1413.80 Mk., der Gesammt- taffenbeftanb auf 360.15 Mk. In die Rechnungs-Prüfungs- commission wurden die Mitglieder Ehlert, Rabenau, Werner und Pabst (Letzterer als Ersatzmann) gewählt. Bezüglich des zehnjährigen Stiftungsfestes wird beschlossen, dasselbe an einem Sonntag im Februar n. I. durch Concert und Tanz in einem noch näher zu bestimmenden Locale zu feiern.

Sedanfeier, Der Kriegerverein beging gestern die Sedanfeier in herkömmlicher, würdiger Weise. Um 9 Uhr Morgens versammelten sich die Kameraden im VereinSlocal zum gemeinsamen Kirchgang in die Johanneskirche. Pfarrer Naumann jr. predigte über das Tage-Evangelium: Gleich- niß vom reichen Manne. In treffender, schöner Weise ver­knüpfte er das Evangelium mit dem Sedantage. Wie dem reichen Manne sei es auch dem deutschen Volke ergangen. Auch diesem sei 1870/71 reiche Ernte zugefallen. Auch ihm sei es gegangen wie dem reichen Mann, wie dieser sage auch es: ich will es! Gott habe das deutsche Volk reich ge­segnet, aber am Ende des 19. Jahrhunderts würde Gott abgesetzt. Von den höchsten bis zu den untersten Schichten sei Unglaube eingerissen und der Dank gegen Gott für die reiche Ernte sei vergessen. Das deutsche Volk sei, wie früher schon, in Parteien und Parteichen zerfallen - jede predige das Heil und sei unzufrieden. Auf diese Weise sei Deutschland, was nicht zu leugnen sei, zurückgegangen. Dem deutschen Volke erginge es, wie dem reichen Manne. Auch ihm ertöne von oben die Stimme:Du Narr! diese Nacht noch wird deine Seele von dir gefordert werden." Das deutsche Volk möge dem die Ehre geben, der so wunderbar gesegnet habe. Er wolle kein Kloster und auch keine Frömmelei. Man solle sich freuen mit den Fröhlichen - aber man solle auch wieder Gott bekennen in der Familie und im Lande. Die Ausführungen waren so treffend und packend, daß nur eine Stimme herrschte, daß dies die schönste Sedanrebe in der Kirche gewesen sei, welche bis jetzt in Gießen gehalten worben sei. Nachmittags 3 Uhr sand die Bekränzung der Denkmäler auf dem Friedhöfe statt. Bei dieser Gelegenheit