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Dieser Betrag ist zum größten Theile baar eingezahlt, der Rest folgt in kurzen Zeiträumen. Von diesen 2500 Actien entfallen 10 Stück auf die Verbände- 20 Stück auf die Centralgenossenschaft der hessischen Landwirthschaftlichen Gon« sum- Vereine; 51 Stück auf Molkerei- und Absuhranstalten - 127 Stück auf die landwirthschaftlichen Gonsumvereine selbst- 1372 Stück auf die Spar« und DahrlehnSkassen und 920 Stück auf Privatpersonen. Aus letzterer Notiz ersehen wir, daß die Bank mit 184 000 Mk. Privatoapital unterstützt wird.
Weise. Immerhin kann aber doch darauf hingewiesen werden, daß das Verhältniß eins zu fünf, bei Oberhesien und Rhein« hegen etwas gar zu ungünstig ist.
In Bezug auf die Gewinn« uud Verluftrechnung läßt sich noch einiges anführen. An Zinsen wurden eingenommen: 93 750 Mk. - dagegen wurden für Zinsen vergütet: 67 930Mk., folglich erwuchs ein Zinsenüberschuß von 25820Mk. An Provisionen wurden eingenommen 19 830 Mk. - dagegen nur ausgegeben 1828 Mk., so daß hier rund 18 000 Mk. verdient wurden.
Es ist ja recht schön, daß derartige Verdienste gemacht und schließlich auch 5 °/y Dividende an die Actionäre vertheilt werden konnten. Viel schöner, nützlicher und wichtiger ist jedoch die Thatsache, die wir oben bereits klar bezeichneten, nämlich, daß der Bauer Zahlungsmittel haben kann, sobald er sie braucht; daß er nicht von Pontius bis zu PilatuS laufen, Hypotheken machen, oder gar sich von Wucherern übers Ohr hauen lagen muß, wenn er BetriebScapital nöthig Hal.
Bon anderer Seite wird nicht selten davor gewarnt, daß man eS dem Bauer zu leicht mache mit dem Gcldauf« nehmen, gar Mancher wäre dadurch zum Borgen verleidet worden und sei auf Abwege gerathen. Die Sache ist nicht ohne Weiteres zu verneinen. ES muß aber darauf hinge wtesen werden, daß es mit dem Pumpen und Borgen doch nicht so leicht geht, als sich Viele vorstellen. Wer Geld haben will, muß zwei gute Bürgen haben, oder Werthpapierhinterlegen. Die Bürgen und die Leitung der OrtScredit« vereine werden schon darüber wachen, daß ein Leichtfuß nicht mehr geliehen bekommt, als er vertragen kann. Hauptsache ist, daß ein solider Mann Geld zu billigen Zinsen zu jeder Zeit erlangen kann, ohne daß er Hypotheken machen muß und: daß er allenfallsige Ueberschüge auch wieder zinstragend anzu« legen in der Lage ist.
Es ist von großer Wichtigkeit in der seit einigen Jahren herrschenden landwirthschaftlichen CrisiS, daß der Bauer ein» sehen lernt, was zu seinem Heil und Frieden dient. Die Beschaffung von billigem BetriebScapitale gehört zu den wichtigsten Bedingungen in einer bäuerlichen Wirthschaft. Vielleicht hat sich mancher freundliche Leser Einiges aus Vorstehendem gemerkt.
Der landwirthschaftlichen GenoffenschaftSbank aber wünschen wir fröhliche- Gedeihen zum Eintritt in ihr zweiter Jahrzehnt.
hat die Bank sogar selber Opfer gebracht.
Speculationsgeschäfte soll die Bank nicht machen- sie besitzt nur unbedeutende eigene Effecten, nämlich 40000Mk. 31/2 % Hamburger Staatsrente - 18 000 Mk. 4% Prag« Duxer Etsenbahnprioritäten, 33 000 Mk. 3% Oesterreich- Ungarischer Staatsbahnprioritäten IX. Emission. Die beiden letzten Posten wurden bereits wieder verkauft. Auf die Hamburger Rente wurden 63 Mk. 50 Pf. EourSdifferenz gegen den Einkaufspreis abgeschrieben.
In Bezug auf die VerwaltungSkoften haben wir oben schon darauf hingewiesen, daß sie sehr mäßig sind und im abgelaufenen Rechnungsjahre 19 543 Mk. betrugen. In dieser Summe stecken: Gehalte, Stellvertretung, Aufsichts« rathS« und Revisionskosten, Steuern, Miethe, Heizung, Be« leuchtung, Bücher, Zeitungen, Druckkosten, Stempel, Gerichts« kosten, Porto und Transportversicherung. Welche schöne Summen stecken bei anderen Banken, z. B. nur unter dem Capitel: AufsichtSrath« und Revisionskosten- sie beträgt hier 356 Mk. 45 Pf., damit wäre an anderen Banken kein einziges Aufsichtsrathsmitglied zufrieden. Hier sind es deren neun.
Hinsichtlich der Vertheilung der AufsichtSrathSmitglieder auf die drei Provinzen wäre Folgendes zu bemerken: Fünf der» selben wohnen in Rheinhessen, drei in Starkenburg, ein« in Oberhessen. Es verschlägt zwar wenig, wo die Mitglieder her sind, sie üben ihr Aussichtsrecht zweifellos in vortrefflicher
Zehnte ordentliche (Generalversammlung der Actionäre der landwirthschaftlichen
(Henofsenschaftsbarrk.
D. Darmstadt, 30. April.
(Schluß auS Nr. 101.)
Bet Gründung der Bank wurde als oberster Grundsatz aufgestellt: Der zu erzielende Nutzen soll in erster Linie den k'aadwirtheu zu gute kommen. Darum soll niemals eine höhere Dividende als fiiif Procent gewährt werden. Was dann noch übrig bleibt, wird dem Reservefonds zugewiesen, ganz abgesehen davon, daß dieser 20 pGt. des Reingewinns nach § 36 der Satzungen so lange erhalten muß, bi« er genügend erstarkt ist. Ferner sollen BetriebSrücklagen gemacht und anständige Beträge aus neue Rechnung vorgetragen werden. Wegen dieser Vorsorge hat der Reservefonds bereit« die stattliche Höhe von 20 000Mk. erreicht. Da wir den Umsatz unb die Verwaltungskosten in dem verfloffenem Decennium boriührten, müffen wir auch die gewährten Dividenden in diesem Zeiträume mittheilen. Im ersten Jahre 1884 gab es 2'/,°.- im Jahre 1885: 4%; 1886: 4%; 1887 5<>/0; 1888: 5 o/0; 1889: 5°/«/- 1890: 2«/, «/.- 1891: 2>/, «/0; 1892 5 %; 1893: 5 %. Man fleht daraus, daß e« in de« nun abgelaufenen Jahrzehnte drei magere Jahre gab: da- erste, in welchem die Ausgaben für Büreaugegenstände, Stempel, Kassenschränke u. dgl. sehr groß waren- das siebente unb achte, weil sich die Ausgaben wieder häuften und die Verdienste aus verschiedenen Gründen verringert hatten. Seit zwei Jahren ist dem Uebel abgeholfen, die Bank ist so sundirt, daß selbst bei ganz schlechten Jahren, wie 1893 eint gewesen ist, nicht bloö eine 5e/oige Dividende gegeben, sondern auch der Reservefonds verstärkt und eine stattliche vktrtebSrücklage gemacht werden konnte.
Zieht man den Durchschnitt der Dividenden auS den 10 Jahren, so ergeben sich 4*/0 per annum; da der Zinsfuß seit längerer Zeit auf 3«/, % zurückgegangen ist, so hat die vank trotz der drei mageren Jahre eine Dividende gezahlt, tvelche über den landesüblichen Zinsfuß hinauSgeht. Sie ist jt$t den kommenden Schwierigkeiten, die nirgends ausbleiben, gewachsen und da« hauptsächlich deshalb, weil sie mit eigenem -tidbe mehr arbeiten kann, als früher.
DaS Actiencapital der Bank besteht nämlich aus 2500 Actien L 200 Mk., in Summa eine halbe Million.
die DereinSm itglieder billiges Geld erhalten können. Das ist auch in dem schlechten Jahre 1893 sehr wohl gelungen und dafür
Dadurch, daß die Bank vorsichtig wirthschaftec, besitzt sie bei Großbanken einen soliden Credtt, der mitunter bedeutend in Anspruch genommen werden muß, denn die halbe Million Actiencapltal reicht selten hin, das GeldbedÜrfniß der Vereine zu decken. Das ist nun aber gerade die Hauptsache : sollen zu jeder Zeit
Feuilleton.
jBrr Herr von Hagen — ein hersiich willkommener Gast.
Humoreske von Graf Günther Rofenhagen.
(Nachdruck verboten.)
Sonntagabend! Endlich allein.
Die ganze Woche waren wir nicht zur Ruhe gekommen, Dom frühen Morgen bi« gegen Abend war ich dienstlich be« schrstigl gewesen, dann hatte ich mich Abend für Abend in Im mir höchst unbequemen Frack gesteckt und »ar von einer Gesellschaft zur anderen gefallen. Fast überall hatten wir i.tfelben Menschen getroffen, hatten unS jedesmal, als wenn bir unS seit Jahren nicht gesehen hätten, über die neue Be« gegnung auf daS Freudigste überrascht gezeigt, und hatten <11 Tage nach der Reihe fast dasselbe Menu gegeffen mir len unvermeidlichen Poularden und dem Ochsensilet. Wir toten die Nächte durchgetanzt und wenn wir dann gegen Sloigcn nach Hause kamen und mit einem „Gott sei Dank" liiere Ttagenthür aufschloffen, hatte ich manchmal noch lange <1 r«m Schreibtische gesessen, ehe ich mich für eine Stunde in da« Bett legte.
Nun war der Sonntag gekommen. Wie ein Kind hatte it mich auf den Tag gefreut, wie ein Heller Stern in der kn'len Nacht hatte mir der Sonntag in der ganzen schrecklichen Zeit geleuchtet und wenn meine Frau mich manchmal mer Thränen gebeten hatte, zu Hause zu bleiben unb noch chagen zu bürfen, hatte ich ihr stet« geantwortet: „Lerne loben, ohne zu klagen. ES muß doch Sonntag werden."
Spät in der Nacht waren wir von einem Balle zurück« Kommen. Morgens um 9 Uhr erwachte ich mit dem seligen Veiühle, einen ganz freien Tag vor mir zu haben- ich wollte einmal so gründlich faul sein, weiter nicht« rhun, al« Lesen. 60 viele Bücher lagen noch unaufgeschnitten auf meinem tzchreibtisch, alle«, nur heute nicht schreiben und fremde Ktnidjen sehen.
Da, horch'. Ein schriller Glockenklang durch die Etage. H-:ch darauf klopfte es an die Schlafstubenthür: „Ein ein«
geschriebener Eilbrief." Nichts Gutes ahnend, stieg ich aus den weichen Federn, nahm den Brief in Empfang und kroch dann wieder unter die Decken. Mit einem kräftigen Fluch sprang ich empor: in einer dringlichen Sache wurde ich zu einem sofortigen ausführlichen Bericht aufgefordert. Ich mochte wollen oder nicht, ich mußte das Lager verlaffeu unb eine halbe Stunde später saß ich am Schreibtische, kaum daß ich mir Zeit genommen hatte, die neuesten Telegramme in dem Berliner Tageblatte zu lesen. Eine Stunde verrann nach der anderen, ich, der ich bei allen Heiligen und Profanen geschworen hatte, die Feder nicht anzurühren, saß nun durch den Willen eine« Höheren an meinen Schreibtisch gebannt, ftudirte und blätterte in verstaubten Acten und schrieb, daß mir die Finger schmerzten. Nur eine halbe Stunde hatte ich mir Zett zum Mittageffen gegönnt- nur so konnte ich hoffen, bis zum Abend fertig zu werden und endlich lag der Bericht tadellos abgeschrieben, fein couvertirt und frankirt vor mir.
Mit einem Schrei des Jubels und de« Entzückens warf ich mich auf eine Ehaiselongue. Ich hätte singen und springen mögen vor Freude, aber man muß in den dünngebauten Etagenhäusern ja Rücksicht nehmen auf seine Mitmenschen. Behaglich streckte unb dehnte ich mich, ich hatte mir eine köstliche Cigarre angezündet, eine von jener Sorte, die man ihres horrenden Preises wegen eigentlich nur dreimal in seinem Leben rauchen darf- bei der Geburt, bet der Hochzeit und dicht vor seinem Tode. Der kleine Tisch mit der Lampe war herangerückr und daS durch einen großen rothen Schirm gemilderte Licht gab dem Ztmmer einen unendlich traulichen Reiz. In meiner Linken hielt ich WtlderibruchS Novellette: „Ein Tropfen edlen Blute«-. Ich hatte schon so viel über die kleine Erzählung gehört, daß meine Neugier auf daS Höchste gespannt war.
„Fehlt Dir noch irgend etwa« zu Deiner Bequemlichkeit und Zufriedenheit?" fragte mich meine kleine Hausfrau, die in einem großen Lehnstuhle dicht neben mir Platz genommen hatte.
„Zürne mir nicht," bat ich, „aber wenn Du mir ein GlaS wirklich schönen Tbees mir einem ortentliwen Schluck Arrac besorgen möchtest."
„Aber mit dem größten Vergnügen."
Sie hatte sich erhoben und ging hinab in die Küche, um für möglichst tadellose Ausführung meines Wunsches Sorge zu tragen.
Da, horch! Ein schriller Glockenklang durch die Etage, gleich darauf ein zweiter und dritter. Ich sprang auf, was mochte das fein, es war doch nicht etwa ein Unglück pasfirt? Ich stürzte nach der Thür, um selbst nachzusehen, wer da wäre. Wer konnte denn am Sonntag Abend um acht Uhr noch kommen? Etwa noch ein Eilbote?
Ich ließ die Sperrkette eingehakt und öffnete die Thür nur halb. Nur mit äußerster Anstrengung unterdrückte ich einen Schrei der Verzweiflung, ich taumelte zurück gegen die Wand, meine Knie schlotterten.
„Guten Abend, lieber Freund, ich störe Sie doch nicht?"
Mit Anspannung aller Kräfte gelang c8 mir, mich von der mich mit magischen Banden festhaltenden Wand zu befreien, ich öffnete die Thür.
„Aber ich bitte Sie, wie mögen Sie nur so etwa« denken."
Er entledigte sich mit meiner Hilfe de« Mantel« uud des Hute«.
„Aber ich bleibe nur, wenn Sie wirklich nicht- Vorhaben.
„Nein, ich versichere Sie- ich wollte nur ein bischen lesen."
„So? Nun, daS können Sie ja immer noch thun. Ich war hier gerade in der Nähe und wollte mir doch das Vergnügen nicht nehmen lasten, Sie einen Augenblick aufzusuchen."
Einen Augenblick! Ich athmete auf.
„Sehr liebenswürdig von Ihnen, Sie find unS herzlichst willkommen."
Ich begleitete ihn in mein Zimmer- einen unsagbar traurigen Blick warf ich auf meine zum Dolce far niente eingerichtete Ecke, dann nahm ich meinen geliebten Wildenbruch und legte ihn vorsichttg auf den Schreibtisch zurück.
(Schluß folgt.)


