Ausgabe 
4.8.1894 Zweites Blatt
 
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Nr. 180 Zweites Blatt.

Samstag den 4 August

1894

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Amts- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gieszen.

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Alle Annoncen-Bureaux de- In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

2lmtlid?er Theil.

Bekanntmachung.

Betreffend: die Veranstaltung von Verloosungen inner­halb des Großherzogthums; hier Gesuch des Vereins für Vogel- und Geflügelzucht in Darmstadt um Veranstaltung einer Verloosung.

Der Verein für Vogel- und Geflügelzucht zu Darmstadt beabsichtigt mit der vom 25. bis 28. August l. Js. abzu­haltenden Ausstellung von Geflügel, Sing- und Ziervögeln eine Verloosung von Ausstellungsgegenständen zu verbinden.

Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Ver­loosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 10 000 Loose zu 50 Pfg. das Stück, ausgegeben werden dürfen und mindestens 60% des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind und zugleich den Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet.

Gießen, am 30. Juli 1894.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Ich beehre mich nachstehende Abschrift der von der Generalversammlung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins genehmigten Rechnung für 1893/94, sowie deS Voranschlags für 1894/95 zur Kenntniß der Herren Landwirthe des Kreises unter dem Ersuchen zu bringen:

1. Anträge auf Bewilligung von Subventionen zum Besuche von Ackerbauschulen in diesem Herbste und des Obstbaum- wärtercursus zu Friedberg im nächsten Frühjahr bis zu dem I. Oktober l. I. einzureichen,

2. Gesuche der Gemeinden um Bewilligung einer Subvention bei Anschaffung eines Zuchtbullen rein Vogelsberger oder rein Simmenthaler Race unter Angabe des Ankaufs­preises bis zum 1. September l. I. einzureichen. Bei Prüfung der Gesuche sollen die Anträge der weniger wohlhabenden Gemeinden vorzugsweise berücksichtigt werden. Gießen, den 27. Juli 1894.

Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen Carl Jost, Rechtsanwalt.

Rechnung

über Einnahme und Ausgabe des laudwirthsch. Bezirksvereius

Gießen für 1893/94. Cinnahme. H

1. Kassevorrath aus vorhergehenden Jahren . 173.54

2. Beitrag des landw. Provinzialvereins aus Beiträgen der Mitglieder....... 340.

3. Beitrag des landw. Provinzialoereins zur Hebung der Viehzucht....... 750.

4. Beitrag des landw. Provinzialvereins zur Förderung des Obstbaues...... 100.

5. Beitrag des landw. Provinzialvereins für Wanderoorträge......... 200.

6. Beitrag der Aachener und Münchener Feüer- versicherungsgesellschaft....... 56.30

7. Beiträge der Sparkassen Gießen, Grünberg, Hungen, Laubach......... 857.18

8. Kapitalzinsen.......... 51.92

9. Zurückempfangcne Kapitalien..... 500.

10. Sonstige Einnahmen........ 20.

Summe aller Einnahmen 3048,94

Ausgabe.

11. Büreaukosten......... 20.

12. Vergütung für Schreibereien..... 30.

13. Für Formularien und Drucksachen . . . 134.85

14. Subventionen zum Besuche der Ackerbauschulen 50.

15. >, vonObstbauwärter-

cursen............ 715.

16. Beitrag von dem Obstbauverein Friedberg . 100.

17. Für Wandervorträge........ 159.50

18. Bezug von Saatfrucht, Uebernahme eines Theils der Transportkosten...... 64.45

19. Gehalt des Rechners........ 50.

20. SubventionderHaushaltungsschulez. Lindheim 50.

21. Beitrag zur Prämiirung von Geflügel . . 30.

22. Ausgeliehene Kapitalien....... 1500.

23. Sonstige Ausgaben........ 4.15

Summe der Ausgaben 2907.95

Abschluß. vtL H

Die Einnahme beträgt . . . 3048.94

Die Ausgabe beträgt . . . . 2907.95

verglichen bleibt Rest 140.99

welcher in baarem Vorrath besteht.

Kapitalvermögen. JL H

Dasselbebetrug nach der Rechnung für 1892/93 1700.

Während 1893/94 wurden: JL H

a. neu ausgeliehen . . . 1500.

b. zurückempfangen . . . 500.

mithin mehr ausgeliehen....... 1000.

Stand des Kapitalvermögens Ende 1893/94 2700.

Voranschlag

über Einnahme und Ausgabe des laudwirthsch. Bezirksvereius

Gießen für 1894/95.

Einnahme.

Nr. der Art.

Beschreibung der Einnahme.

Erg-bnlß Annahme r 1894/95

*" 1893/94 durch

HQu) Oct Den Versammlung

Rechnung. Ausschuß. am1^u3uIt

Ji. H

JL. H

1.

Kassevorrath aus vorher-

gehenden Jahren . . .

173.54

140.99

140.99

2.

Beitrag des landw. Pro­vinzialvereins ....

340.

300.

300.

3.

Beitrag der Aachener und Münchener Feuer-Versicher­ungsgesellschaft ....

56.30

42.60

42.60

4.

Zur Hebung der Zucht des

Rindviehes.....

750.-

750.-

750.

5.

Kapitalzinsen.....

51.92

70.

70.

6.

Beitrag des Provinzialver­eins zur Hebung des Obst­baues .......

100.

100.-

100.

7.

Beitrag des Provinzialver­eins für Wandervorträge

200.

200.-

200.

8.

Beiträge der Sparkassen Gießen, Grünberg, Hungen und Laubach.....

787.18

780.

780.

9.

Beitrag d. Sparkasse Grün­berg für Ausbildung von Obstbaumwärtern . . .

70.

210.

210.

9a

. Bezug von Saatkartoffeln

.-

10.

Zurückempfangene Kapi­talien .......

500.

750.

750.

10a

. Sonstige Einnahmen . .

20.

.

.

Summe der Einnahme

3048.94

3343.59

3343.59

Ausgabe.

11.

Büreaukosten.....

20.-

20.

20.-

12.

Vergütung für Schreibereien

30.-

30.-

30.

13.

Für Formularien und Druck­sachen .......

134.85

50.-

50.-

14. Subvention zum Besuche der

Ackerbauschulen ....

50.-

100.-

100.-

15.

Subvention zum Besuche von Obstbaumwärtercursen . .

715.

700.

700.-

18.

Beitrag an den Obstbauverein Friedberg......

100.

100.

100.

19.

Für Wanderoorträge . .

159.50

200.

200.-

20.

Zur Hebung der Zucht des Rindviehs......

---------.

750.

750.-

21.

Desgleichen, der im ver­flossenen Jahre nicht ver-

wendete Betrag ....

.

750.

750.

22.

Bezug von Saatfrucht und

Kartoffeln......

64.45

200.

200.-

23.

Errichtung von Versuchs­stationen zum Anbau von

Kartoffeln......

.

150.

150.

24.

Prozeßkosten.....

.

.

'

25.

Gehalt des Rechners. . .

50.

50.

50.

26. Für die Haushaltungsschule

Lindheim......

50.

50. 50.

27. Beitrag zur Prämiirung von Geflügel......

30.-

. .

30. Reservefonds.....

.

193.59 193.59

31. Auszuleihende Kapitalien .

1500.

..

32. Sonstige Ausgaben . . .

4.15

.

Summe der Ausgabe 2907.95 3343.59 3343.59 Von dem Ausschüsse genehmigt.

Gießen, den 7. Juli 1894.

Beglaubigt: Jost.

Abschluß. JL. H

Die Gesammtsumme der Ännahme beträgt. 3343.59

Die Gesammtsumme der Ausgabe beträgt . 3343.59

Vergleicht sich.

Genehmigt, Gießen am 25. Juli 1894, von der Generalversammlung des landw. Bezirksveretns Gießen.

Beglaubigt: Jost.

Revidirt und festgesetzt: JL. H

Die Einnahme auf . . 3343.59 Die Ausgabe auf . . . 3343.59

Gießen, den 25. Juli 1894.

Jost.

Verharschter.

* Berwerthuug überschüssigen Obstes. Aus den soeben veröffentlichten Berichten über die Aussichten der Obsternte ergiebt sich sehr unzweideutig, daß eine Verwerthung deS überschüssigen Obstes sehr häufig durch hohe Eisenbahntarife erschwert wird. Diese Frage hat den letzten Congreß deutscher Pomologen und Obstzüchter längere Zeit beschäftigt. Auf diesem kam zur Sprache, daß die Tarife im deutsch - öster­reichischen Verbandsverkehr für frisches Obst bis zu3Mk. 36 Pfg. für 100 Kilogramm Obst billiger sind, als im inneren deutschen Verkehr für dieselbe Strecke und Obstmenge. Da kann es nicht Wunder nehmen, daß die Obftconsumenten ihr Obst auS dem Auslande beziehen und daß unser gutes, deutsches Obst zur Viehfütterung verwendet wird. Wie be­deutend diese eingesührte Obstmenge aber ist, möge daraus hervorgehen, daß Deutschland jährlich für 14 Millionen Mark frisches und für 20 Millionen Mark gedörrtes Obst einführt I Hauptconsument und auch Hauptproducent ist jetzt Süddeutsch­land, besonders Württemberg, das fast die Hälfte (46 Procent) der ganzen Obstmenge, die in Deutschland verbraucht wird, verwendet. Dort ist die Bevölkerung an den Obstwein ge­wöhnt, den es nicht missen mag. Leider geht aus der Ueber- sicht nicht hervor, in welchen Gegenden das überschüssige Obst als Viehsutter verwendet wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist es im nordöstlichen Deutschland der Fall, in welchem zum Theil sehr gutes Obst gebaut wird. Hier sollte man ganz besonders mit allen nur möglichen Mitteln die Obstwein­bereitung im Hause einzubürgern suchen. Die Verwendung des überschüssiges Obstes zum Dörren ist zwar sehr empfehlens- werth und lohnend, da der deutsche Markt den Bedarf noch lange nicht decken kann. Indessen verlangen Obstdörranlagen, wenn sie mit Erfolg betrieben werden sollen, nicht unbeträcht­liche Anlagecapitalien und große Obstmengen, die nicht überall billig zu haben sind. Indessen würden hier die Obstmärkte, die in den letzten Jahren in Westdeutschland eingerichtet sind und sich langsam, aber stetig nach Osten ausbreiten, vortheil- hast eingreifen können. Es wäre wünschenswerth, daß jede Provinz wenigstens einen solchen Obstmarkt hätte.

* Von einem ebenso schlechten wie gefährlichenSpatz" erzählt das Berl. Jnt.-Bl." Folgendes: Zwei Freunde aus Berlin, G. und M., hatten sich an der Oberspree eine Sommerwohnung gemiethet, welche aus zwei Stuben besteht, die durch den Hausflur getrennt sind. Am Mittwoch Abend nun kommt G. Abends nach Hause, und da es noch herr­liches Wetter ist, läßt er die Stubenthür offen und macht es sich auf einem Feldstuhl bequem. Nicht lange darauf geht wiederum die HauSthür und G. sieht aus dem Dunkel, daß sein Freund M. zurückkehrt. Da kommt ihm die unglückselige Idee, ihn im finsteren Hausflur zu erschrecken. Da er Schlafschuhe an hat, ist es ihm ein Leichtes, dem Freunde leise entgegenzugehen. Plötzlich faßt er zu und packt ihn mit beiden Händen an der Kehle. Der so Angegriffene glaubt nicht anders, als daß ein Einbrecher oder Raubmörder ihn überfällt, er fährt blitzschnell mit der rechten Hand in die Tasche und im nächsten Augenblick fühlt G. den kalten Lauf eines Revolvers an seiner Stirn. Zitternd vor Angst läßt er die Hände finken und ruft seinen Freund an, der ihn zum Glück an der Stimme erkennt- im nächsten Moment hält er den Revolver seitwärts, aus dem auch schon der Schuß kracht. Man macht sofort Licht und beide Helden stehen sich leichen­blaß gegenüber! G. soll geschworen haben, nie wieder solche gefährliche Späße zu treiben!

* Wieder Eine! Ein Fräulein B. aus Monnetier, auf Besuch in Vevrier, wollte tm Kochherd ein besseres Feuer entfachen, indem sie aus einer Weingeistflasche Sprit in das Feuer goß. Selber dabei in Flammen gerathen, sprang die Unglückliche in die mit Heu gefüllte Scheune. Ein dort an­wesender Mann konnte die doppelte Gefahr heben, indem er die Brennende mit alten Säcken, die herumlagen, zudeckte, das Feuer erstickte. Fräulein B. soll außer Lebensgefahr sein.