ui:
577!
inz.
»Uhn Nhtnwaü, Vorstand, rituosen LEO, Giessen.
^2 50 .. 2 5» » LIO b 1.30 »MO » 2 — » L4» «1.60 « 180 , 1.80 »2.- „ 2.60
pr. Fl. » n
*8) I » n n
» n geanx , M
sbruch „ „
ich „ „
rachBi. „ „
» n
Pe Anzeigen, hne jetzt Leiters^ jCaje LePPla).
»"L
richtsvoMher^ ätiTiiäuirotrlMert
Ä’3* ,flrtenrt ®Sfe8 bitte
MS tüchttges K
EMF Sfest
Lrac.p. Vi Literfl. -t 3.50 Rnm „ i/t „ „ 4.- [2595t eeren-Weinen.
nietijungctt.
MW, tu otnnittfjtn. lllrrstraße 28._______________
ratze 13 mittlerer LtoL , ruh fltltg., pr. l. Cd. iperm. PHU. Echaefer.
vermtetden
Stock meines Hauses- -Ltsamvalt Evrtma«.
Zarterrevohnung «nd Lstaniage 29 find auf i vermiethm.
Prof, Laspeyre». idliches Milienlogis zu
Kavlansgasse 18.
1893
151 Zweites Blatt. Freitag den 30. Juni
GießenerAnzeiger
Kenerat-Anzeiger
Die Gießener
Il«»irten v kälter werden bcm Anzeiger wöchentlich dreimal heigelegt.
Der
Gletzener Anzeiger erscheint täglich, ■rit Ausnahme deS Montags.
Lierleljähriger Akennkmentsprei»! 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, Expedition und Druckerei:
Schnkfirahe Kr.7
Fernsprecher 5!
Amts- und Anzeigeblutt ftw den Tiveis Gieren.
Hratisöeil'age: chießener Iamikienblätter.
Alle Annonren-Bureaux de« In. und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
Vermischtes.
♦ Cavalleristifche Kletterubuugen. Das Husarenregiment in Bonn hat dieser Tage im Beisein des commandirenden Generals v. Loe die neuerdings eingesührten KletterUbungen zu Pferde vorgenommen, die darin bestehen, daß Reiter sich gewöhnen, auch steilere Abhänge zu überwinden, um im Kriegsfälle alle Geländeschwierigkeiten zu überwältigen. Die Hebungen sollen zur Zufriedenheit des Commandeurs aus« gefallen sein. Wenn auch einige Reiter sich von ihrem Pferde lösten und ebenso mehrere Pferde zu Fall kamen, so erregte doch die Besonnenheit, die Ruhe der Mannschaften, sowie das vorsichtige und kluge Benehmen der Thiere die Aufmerksamkeit der Sachverständigen und die Bewunderung der Laien.
* Gegen Schnakenstiche Hilst das Bestreichen der Stelle mit gewöhnlicher Waschseife. Die Seife wird etwas angefeuchtet und so dick aufgetragen, daß der Anstrich sichtbar ist. Sollte man von einem besonders giftigen Thiere gestochen sein, dann wird der Anstrich später noch einmal wiederholt, nachdem der erste sich verloren. Dieses Mittel hat außerdem den Vorzug, daß ein Stückchen Seife in der Tasche weniger belästigt als ein Fläschchen Salmiak und daß man Seife leichter zur Hand hat als Salmiak.
* Die tanzenden Klöße. Die Ehefrau eines in einem Berliner Vorort wohnenden Villenbesitzers (so erzählt das „Berl. Tgbl.") glaubte ihre 18 Jahre alte Tochter für die Wirtschaft soweit vorgebildet zu haben, um ihr während einer Reise die Leitung der Küche anvertrauen zu können. Trotzdem bestimmte sie vor der dieser Tage erfolgten Abreise die zu bereitenden Speisen, zu denen auch Klöße, das Lieblingsgericht des Vaters, gehörten. Bezüglich der letzteren schloß
die sorgsame Hausfrau ihre Anweisung mit dem Bemerken, daß sie dann aus dem Kochtopfe herausgenommen werden köpften, wenn sie in dem Wasser „zu tanzen" anfingen. Die folgsame junge Dame wagte sich gleich am ersten Mittage an die Klöße, die aber, so sehr auch das Wasser kochte, nicht „tanzen" wollten. Mit sich selbst unzufrieden und laut schluchzend stand Lottchen am Herd und blickte unverwandt auf das väterliche Leibgericht. Die Thränen des Lieblings lockten den Vater herbei, der die Ursache des Kummers erfuhr, zugleich aber auch erkannte, daß die Klöße nahe daran waren, sich zu erheben. Schweigend holte er seine Geige herbei, entlockte ihr das bekannte Lied „Siest du wohl, da kimmt er", die Klöße fingen sofort zu tanzen an und Lottchens erste Probe war glänzend bestanden.
Schiffsnachrichteir.
Hamburg, 24. Juni. DaS Hamburg-Newyorker Postdamps- schiff „Dania", Capilän Kühlewetn, von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-GeseÜschaft, ist am 23. Juni, 5 Uhr Nachmittags, wohlbehalten in Newyork angekommen.
titeratur und Rrrnst.
— Das im Verlage von I. I. Weber in Leipzig soeben erschienene Hest 177 der »Meisterwerke der Holzschneidekunst^ enthält Porträt und Biographie Donatello«, sowie folgende Abbildungen: Der heilige Georg und Reltefbüste der heiligen Cäcilie von Donatello. DaS Gebet von M. Baumbach. Fronleichnams- procesfion in München von P. Bauer. Singende Kinder von C. Bennewitz v. Lösen.1 Und vergteb uns unsere Schuld von H. Kaulbach. In der Dorskirche von F. Smith. DaS Matterhotn von E. Bracht. Die heiligen Drei Brunnen bei Trafoi. Wein, Weib und Gesang von F. Vtnea. Am Weichselstrand von F. Kurella.
— Das Hest 22 der beliebten Famtltenzettschrist »Universum^, geschmückt mit einem t eizenden Ltchldruckbtlde und vielen anziehenden Illustrationen, bringt unter anderem vorzüglichen belletristischen und wissenschaftlichen Lesestoff einen interessanten Artikel über daS Can- latefeft der Buchhändler während der Leipziger Oslermesse auS der Feder des bekannten Buchhändlers A. Seemann mit vortrefflichen, meist porträtähnltchen Illustrationen O. Gerlachs. Wir sehen in characteristischer Wiedergabe die Koryphäen des Buchhandel«: Adolph Kroener bringt in jugendlicher Begeisterung das „Hoch aus Bismarck" aus — ferner den derzeitigen Pörfenoeretns Vorstand und berühmten Verlagsbuchhändlcr Dr. Eduard Brockhaus aus Kaiser und König toastirend. Ein interessantes Gruppenbild führt unS di« in lebhafter Unterhaltung begriffenen Herren Dr. von Hase, Besitzer der angesehenen Handlung von Brettkopf & Härtel, und den bekannten Müller-Grole, Herausgeber der illustrtrten Klassiker, vor und zeigt uns von weiteren Celebrttäten Dr. Lampe-Vischer u. A. m. Hervorzuheden von den Festthetlnehmern ist noch das Porträt deS Leipziger Oberbürgermetstets Georgi.
— KatechtSmuS der Astronomie. Belehrungen über den gestirnten Himmel, die Erde und den Kalender. Achte, vielfach ver- defferte Auflage, bearbeitet von Dr. H. I. Klein. Mit einer Sternkarte und 163 Abbildungen. 332 Setten. In Origtnal-Letnenband 3 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Dieses kleine Buch gibt in allgemein verständlicher Sprache eine vollständige Einführung in die Lehre der heutigen Sternkunde. Schon in den früheren Auflagen hat sich dasselbe als willkommener Leitfaden für zahlreiche Freunde der Himmelskunde erwiesen. Die neue Auflage ist wesentlich umgearbettet, alle neuen Entdeckungen und Fortschritte auf dem Gebiete der Astronomie sind sorgsam berücksichtigt worden. So empfiehlt sich das kleine Buch für Jeden, der, ohne besondere Vor- kenntniffe zu besitzen, die Wunder des Himmels kennen lernen will.
Die Seiden-Fabrik 6. Henneberg (k.u.LHofl.), Zürich sendet dtrect an Private: schwarze, weiße u. farbige Seidenstoffe von 75 Pf. bis Mk. 18.65 p. Meter — glatt, gestreift, carrirt, gemustert, Damaste rc. (ca. 240 versch. Qual- u. 2000 versch. Farben, DesstnS rc) porto- und zollfrei. Muster umgehend. [492
Feuilleton.
Der arme — stein- und hotzreiche Vogelsberg.
Von Heinrich Becker, Frankfurt a. M.
(Schluß.)
Salzschlirf, an der Mündung zweier rauschenden Wasser, die wild strömend aus den Schleußen des Ober- Wald herabstürzen, liegt anmuthig in einem Thalkeffel, im Sommer ein gern besuchter Luftkurort mit Salzbad- heute noch still und geräuschlos, nur von dem Posthorn aus seinem Frieden geschreckt. Von hier aus rauschen die Flüßchen in das weit geöffnete Schlitz Thal, in dem die Schlitz über weite Wiesen- siächen, zwischen lang gestreckten Sandsteinhöhen dahinströmt. Nach einstündiger Postfahrt ragt im Norden auf dem linken Thalrand die Burg Schlitz empor. Ein runder Burgfried steht am Rand, von alten Bauwerken umgeben,- inmitten die Burg-Kirche. Um die Burgmauer zieht fast im Kreise das Städtchen,- zur rechten im Thale am Schlitz-Fluffe, das neuere Schloß und der Park des Grafen von Schlitz.
Von alten Freunden herzlich empfangen, bestiegen wir alsbald selbander das Schloß. Es liegt etwa 100 Fuß über dem Thal, auf einer schmalen Sandsteinbank, die von zwei Seiten, einem Waldbach und der Schlitz, fast ganz umkreiselt und ausgehöhlt wurde. Regellos, wie der Fels, ist das Schloß. Von einer älteren Anlage ist kaum eine Spur zu finden, obgleich die Kirche auf das 12. Jahrhundert zurückweist. Der runde Burgfried mag im 15. Jahrhundert entstanden sein- die anderen Bauwerke weisen auf das 16. und spätere Zeiten hin. Ein Thetl von der Gräflichen Familie hat noch seinen Wohnsitz hier aufgeschlagen, indeß der Stammherr unten im Thal eine moderne Villa in hübschem Park am Schlitzfluße sich erbaute. .
Die alte Burg-Kirche ist ein interessantes Werk, mit Chor und runder Apsis. Das Mittelschiff ist aus drei Quadraten erbaut, an die sich der Chor als viertes anschließt. Auf dem mittleren der drei Quadrate steht der Thurm, der achtseitig auf den Pfeilern des Vierecks sich erhebt und mit schlankem Helme emporragt. Die halbkreisförmigen Gurtbogen der Gewölbe, wie die Rundbogenfenster weisen auf die Hohenftaufenzeit. Damals mögen die Grafen das Schloß erbaut haben. Es war eine Schutzwehr für die Straße, die aus der Welfen Land von Hersfeld über den Vogelsberg nach der Wetterau und Frankfurt hinführte. Durch die Bemühungen des Herrn Oberpfarrer Dieffenbach ist die Kirche heute wieder hergestellt und in entsprechender Weise ausgeschmückt.
An diesem und dem folgenden Abend fanden die Vorträge statt. Vor- und nachher fuhren wir, von Herrn Forstmeister Stockhausen und Herrn Maler Hickmann — dem Autor der Frankfurter Parlaments-Portraits im Jahre
1848 — geleitet, nach den umliegenden Bergen, um die merkwürdigen Erscheinungen, welche die alten Vulkane hervorgebracht, zu schauen, wie auch die Eisenbahnstudien zu erweitern.
Eine halbe Stunde unterhalb Schlitz mündet der Fluß in das Fulda-Thal. Bergzüge von 4—500 Fuß Höhe geleiten die Fulda. In einen derselben, auf halber Höhe, hat der Graf von Schlitz, wie auch einige Bürger von Schlitz, große Steinbrüche hineingebrochen. Jahrelang brach man in die schräge Wand und fand in dem Gehäng nur kleine, kaum 1 m große Werkstücke. Die Schichten gingen alle schräg und waren zerbrochen, weil die Wasser, die früher der Berghöhe gleich strömten, allmählich die Rinne der Fulda aus- höhlten und das Gestein an den Thalrändern nachbrach, gleich dem Eise, wenn das Wasser sich senkt. Erst als man dem Kamm des Berges näher rückte, traf man auf wagrechte Schichten mit großen Werkstücken, wie im Kinzig«Thal.
Ein Opfer, wie die Heilbronner es brachten, wäre nöthig, „den rechten „Bergschnitt" zu gewinnen. Dort hat die Stadt viele Tausende geopfert, das unnütze Gestein in die Tiefe geworfen, um eine 100 Fuß hohe und 3000 Fuß lange Wand mit wagrechten Schichten zu gewinnen. Aus dieser fanden sie die Werkstücke, mit denen man einen Frankfurter Centralbahnhof konnte bauen. Die Steine hatten lange nicht den Werth, wie die vom Vogelsberg und wurden weiter her gefahren als von dort, aber sie waren technisch fertig und prompt zur Stelle. Und hier war alles unfertig, die Anlage, der Betrieb, die Steinhauerei, denn es fehlte der Motor — die Eisenbahn — der sie zur rechten Baustelle konnte führen.
Auf der linken Seite der Fulda, im Schlitz-Thale, sind die Sandstein Höhen zum Theil von Basalt überlagert. 4—500 Fuß ragen die Basaltköpfe über daS Sandstein- Plateau hinaus. An einem derselben, am Eisenberg, fanden wir die Grenzen der Gesteine. Der Sandstein, ein violett-buntes, grobkörniges Gebäck, ist windschief nach allen Seiten zerbrochen, verbogen. Ueber ihm erhebt sich der Basalt, der als Lava von der Spitze des Kegels herabfloß. Trümmer von 1 Meter Länge und </2 Meter Dicke weisen auf sechsseitige Säulen, die im Innern des Berges anstehen müssen. Doch hob noch keine Hand die grüne dichte Decke, die sie birgt.
Am jenseitigen Fuße befinden sich große Thonlager (verwitterter Basalt), wechselnd mit Sandschichten. Der Thon wird zur Töpferei in gefährlicher Weise durch einen 20 bis 25 Meter tiefen Schacht gewonnen. Verwegene Bursche steigen einen schlecht verbauten Schacht hinab, um kübelweise den Thon zu fördern. Sie erzählten uns, von der Bergseite dringe das Wasser in den Schacht- von unten durchbreche es den Thon und mache diesen brodelnd kochen. Ein ähnlicher Vorgang wurde vor Kurzem aus Island berichtet, wo in den Schwefelquellen rings um die Vulkane der Thon von
schwefeligen Gasen durchsickert, dann bei dem Zutritt von Wasser zum Kochen gebracht wurde.
Eine andere Erscheinung waren große Trichter, die wir im Fulda-Thale in der Nähe von Hemmen fanden. Am Rande von Sandstein-Bergen, deren Kämme von Lava überlagert, befanden sich Trichter von 20—30 Meter Weite und 30—40 Meter Tiefe, die aus der schrägen Bergwand geschnitten waren. Die Hänge bestanden aus demselben graubunten Sandstein, wie am Eisenberg. Die Trichter waren ctrkelrund ausgeschnitten und liefen, wie umgekehrte Kegel, unten spitz zu. In der Tiefe stand, 2—3 Meter tief, ein schwärzliches Wasser- einige Trichter waren leer. Die dichte Laubdecke, der Schlammboden wehrte aber die weitere Untersuchung. Dem Vermuthen nach haben sie in sternförmigen Rissen, die bei dem Ausbruch des Vulkans entstanden, ihren Ursprung. Das Wasser stürzte von der Bergspitze in die Risse und höhlte sie trichterförmig auS. Die unheimliche Erscheinung ward von den Förstern die „Teufelskaute" geheißen.
Gar vieles war in kleinem Raum des Merkwürdigen noch zu finden, wenn die kurze Frist die Untersuchung möchte gestatten. Doch sei nur eines noch gedacht. Die ganzen Hänge der Berge sind hier überall mit schönem Wald bedeckt. Die Sandstein-Hänge sind meist mit Kiefern und stattlichen Rothtannen (Fichten) bewachsen- auS den Basaltköpfen sproßt dann der stolze Buch- und Eichwald empor. An den Einschnitten, welche die Gräfliche Forstverwaltung zum Straßenbau gezogen, war die meterdicke graugelbe Thonschicht zu gewahren, mit Basalt-Trummen untermischt, die verwitterte Lava. Ein fetter Boden, durch verwestes Laub stets locker gehalten, erzeugte die silberfarbigen Buchenstämme, die zu hohen Kronen emporschoffen.
Die Natur spendet hier freigebig in üppiger Fülle, und der Forstmann plagt sich, daß er ihrem Wachsthum nachkommt, d. h. rechtzeitig dar Holz entfernt, ehe die Natur es absterben läßt. Die gegenwärtige Verwaltung baut Jahr aus Jahr ein neue Straßen, um die Eichen-Trumme, die Fülle des Buchenholzes, die Fichten-Stämme zu Thal zu bringen. Es sind ihr aber Grenzen gesetzt in der Ausnutzung, nicht durch die Natur, vielmehr durch den Verbrauch. Bestes Brennholz wird hier mit 2—5 Mk. bezahlt- es ist Niemand da, der die Ueberfülle verbrauchen kann. Zur Eisenbahn nach Norden und Süden sind weite Strecken- die Fracht kostet schon mehr, als das Holz. Die kleinen Städte im Walde haben selber genug des Holzes- die großen sind zu fern, nur auf Zickzack-Wegen erreichbar. So zeigt sich an den wenigen Dingen, an Steinen und Holz, schon sattsam, was zu gewinnen wäre, wenn eine Bresche in den dicken Wall geschaffen würde — eine Central-Eisenbahn durch den Vogelsberg, — durch die man die Schätze herauSholte.


