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Programms stehend, werde er jeden Versuch, unser gleiches, geheimes und directes Wahlrecht zu ändern, bekämpfen. Er sei abhold jeder Jnteressenpolitik, nur durch gleichmäßige Wahrung der Jn- reressen aller Berufsstände könne daS Wohl des Vaterlandes gefördert werden. Herr Rechtsanwalt Dr. Jung ergänzte die Ausführungen des Redners, indem er unter lebhaftem Beifall namentlich über die Deckungsfrage bezüglich der Militärvorlage sich äußerte. — Hierauf äußerte sich ein Anti- semit aus LangSdorf, Herr Bommersheim, dessen Rede wesentlich darin gipfelte, daß .die Freisinnigen in Gießen in einer Nacht die Antisemiten gehauen hätten. — Sodann ergriff das Wort Herr GutSpachter von Oven, um über die Ziele des Bundes der Landwirthe sich zu verbreiten, von dem er bekenne, daß er lediglich eine Inte re ssenpolitik treibe. Es handle sich nicht nur um die Interessen deS Großgrundbesitzes, die Landwirthe in Süddeutschland wollten von den Agrariern deS OstenS nichts wissen. Dem antisemitischen und dem agrarischen Redner trat Herr Rechtsanwalt Grünewald scharf entgegen; er bedaure eß sehr, daß die nationalliberale Partei die Bewegung unterstütze, die von den Herren Graf Mirbach, von Frege, von Plötz in Scene gesetzt sei, Leuten, die seit dem Bestand deS Reiches die Gesetzgebung im Sinne ihrer rückläufigen Tendenzen und ihrer egoistischen Interessen zu beeinflussen bestrebt seien, die jederzeit gegen die bäuerlichen Interessen gearbeitet hätten. Für den Bürger- und Bauernstand bilde diese nationalliberalragrarische Partei keine Vertretung, wie denn auch im Reichstage die Bauern, die man wirklich als solche bezeichnen könne, Lorenzen, Dan, Wisser, Kercher u. A. auf der Linken sich befänden. Nach weiteren Darlegungen deS Herrn Dove und Erwiderung des Herrn von Oven und Herrn Bommersheim wurde die Versammlung Seitens des Vorsitzenden geschlossen, nachdem er wiederholt den Candidaten, der in würdiger und maßvoller Weise seine Stellung zu den Tagessragen dargelegt habe, der bekannt sei als ein ehrenhafter, gesinnungstreuer und volksthümlicher Mann, den parlamentarische Befähigung und Gesetzeskunde auszeichne, aufs Wärmste empfahl. Mit einem Hoch auf das Vaterland endigte die Versammlung.
N. Nidda, 28. Mai. Zwei Verfügungen unserer Verwaltungsbehörden verdienen den Dank des Publikums und mögen hier besonders zur Berücksichtigung empfohlen werden, weil Mancher nicht darauf aufmerksam wird. Die erste ist, daß die oberste Eameral- und Forstbehörde der Futternoth unserer kleinen Landwirthe dadurch zu steuern sucht, daß sie bis auf Weiteres den Forstämtern und Oberförstern die Befugniß ertheilt, grünes Rupfgras aus den Domanialwaldungen per Last zu 10 Psg. und dürres zu 5 Psg. abzugeben. Da, wo es ohne Schaden geschehen kann, darf auch das Schneiden zugelasscn werden. Selbstverständlich ist strenge Aufsicht erforderlich, die Nutzung soll darum auf bestimmte Wochentage verlegt und abtheilungsweise vorgenommen werden. Den Ortsvorständen wird ebenfalls erlaubt, Gras aus den Gemeindewaldungen abzugeben, sobald es gewünscht wird. — Die zweite Verfügung betrifft das Gesundheitswesen. Das Kreisamt Büdingen hat eine Bekanntmachung in Betreff der Maßregeln zur Verhütung und Einschränkung von Epidemieen erlaffen und die gesetzlichen Vorschriften auf ein besonderes Blatt drucken laffen, welches den Bewohnern des Kreises zugänglich gemacht wird. Die Leute können nunmehr nicht mehr sagen, sie wüßten nicht, wie sie sich zu verhalten hätten und wem es wirklich mit der Sache Ernst ------- - । ..............
ist, der kann sein Theil dazu beitragen, daß der in unserem Kreise grassirenden Seuche baldigst ein Ziel gesetzt wird. Was durch Umsicht, Energie und Sachkenntniß einer Seuche gegenüber geleistet werden kann, baß haben die Gesundheitsanstalten der Stadt Berlin im Sommer 1892 der Cholera gegenüber, welche in Hamburg Tausende von Menschenleben vernichtete, bewiesen. jDfjne diese vortrefflichen Anstalten wäre Berlin sicher verseucht worden und schweres Unglück wäre die Folge gewesen. Man kann sich also an der Reichs- Hauptstadt in der soeben angedeuteten Leistung ein Muster nehmen.
Bad'Nauheim, 26. Mai. In der letzten Woche sind 504 Fremde hier angekommen gegen 437 in der Parallelwoche des Vorjahres. Die Gesammtfrequenz ist jetzt 1698, gegen die entsprechende Zeit des Vorjahres ein Vorsprung von nahezu 300.
* Bingenheim i. d. W., 25. Mai. Wie bedeutend wir im 1893er Frühjahre in der Vegetation gegen vordere Jahre voraus sind, beweist die Thatsache, daß die Reben, welche an der südwestlichen Schloßmauer dahier angepflanzt sind, seit gestern Nachmittag in Blüthe gekommen sind. Die Fruchtansätze sind dabei groß, gesund und reichlich. Wir sind in Oberheffen bekanntlich in der Vegetation und also auch in der Temperatur gegen Rheinhessen um zehn bis vierzehn Tage zurück. Da nach einem Berichte, den der „Gießener Anzeiger" vor einiger Zeit brachte, die Trauben- blüthe in Rheinhessen 1890 am 21. Juni, 1891 am 11. Juni, 1892 am 1. Juni eintrat, so sind wir im Frühjahre 1893, das wohl eines der trockensten seit Menschengedenken fein wird, mit der ober hessischen Traubenblüthe derjenigen von Normaljahren in Rheinhessen immer noch ein gutes Stück voraus.
Darmstadt, 26. Mai. Der an Pfingsten in Kreuznach stattgehabte mittelrheinische Aerztetag wählte als nächstjährigen Versammlungsort Darmstadt.
Aus dem Odenwald, 25. Mai. Man findet eben schon hier und da reife Heidelbeeren, eine Erscheinung, welche im Mai seit Menschengedenken nicht vorgekommen ist, indem die Heidelbeeren meistens erst Ende Juni reifen. In einigen Tagen dürsten schon Heidelbeeren auf den Märkten zu kaufen sein.
" vermischte».
* Frankfurt a. M>, 26. Mai. Gestern Abend erschoß sich auf dem Krautmarkt in der Wirtschaft „Zur Wolkenburg" in ihrer Mansarde eine junge Kellnerin. Sie hatte vorher sorgfältige Todestoilette gemacht. Die Revolverkugel drang, sofort tödtlich, durchs rechte Ohr in den Kopf. Das Mädchen soll aus verschmähter Neigung zu dem Liebhaber einer Collegin in den Tod gegangen sein. (Der Polizeibericht theilt dazu mit, daß die Lebensmüde Franziska Meinlschmidt hieß und am 9. März 1872 in Welschau (Oesterreich) geboren war. Sie verstarb kurz nach Anlegung eines Noth- Verbandes.)
* Mannheim, 22. Mai. Dowes Glück und Ende! Von dem Erfinder der „kugelsicheren Uniform" wird bertchtet: Dieser Tage sind Dowes Einrichtung, Möbel, Kleider und dergleichen im Versteigerungslocale zwangsweise unter den Hammer gekommen. Der Besitzer einer Kleiderhandlung hatte
für Dowe die HauSmiethe bestritten und, um wieder zu seinem Gelde zu kommen, die Einrichtung versteigern laffen. Die Voraussagungen der Blätter, daß Dowe in allernächster Zeit cS zum Millionär bringen werde, sind durch vorstehende Nachricht schnell widerlegt worden.
* Raffel, 24. Mai. Hauptmnn a. D. von Grabow, der jüngst seinem Leben durch einen Pistolenschuß ein gewaltsames Ziel setzte, soll dem Vernehmen nach dem 3. Hessischen Jnsanterie-Regiment Nr. 83, dem er früher angehört hatte, laut Testament ein Vermächtniß von 100,000 Mark gestiftet haben.
* Bayreuth, 24. Mai. Zwei Soldaten deS 7. Infanterie- Regiments haben gestern in der Kantine aus Scherz mit einander gerungen, wobei der eine so unglücklich fiel, daß er daS Genick brach und sofort eine Leiche war.
* Chicago, 26. Mai. Die deutsche landwirth- schaftliche Abtheilung der Ausstellung ist gestern eröffnet worden. Besonderes Jutereffe erregt das Chocolade- modell des Niederwald-Denkmals.
* Selbsterkenuluiß. Lehrer: „Nun habt ihr mir alle möglichen Haussiere genannt, Pferd, Ochs, Schaf, Hund, Katze u. s. w. Kommt ihr denn nicht auf daS eine: es hat struppige Haare, ist schmutzig, wälzt sich im Schmutz, treibt sich auf Nachbars Hofe herum? Nun, Fritzchen!" Fritzchen (verschämt): „Das bin ich!"
* Reiches Vermächtniß. Der verstorbene Pfarrer Muche vermachte laut eröffnetem Testament der Stadt Jan er 700,000 Mk. zur Unterstützung von Schülern und Studenten katholischer, evangelischer und jüdischer Religion.
Schisfsnach rechten.
(Mitgetheilt durch den Agenten des Norddeutschen Lloyd, Herrn Carl Loos in Gießen).
Bremen, 26. Mai. [Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Aller, Capitän H. Christoffers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 16. Mat von Bremen und am 17. Mat von Southampton abgegangen war, ist gestern 7 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen.
Der Postdampfer „Rhynland" der „Red Star Line" in Ant- werpen ist laut Telegramm am 24. Mat wohlbehaltenr„tn Newyork angekommen.
verkehr, Land- tmö P o l f s iv i r, v’5d?gjL
SrÜrrberg, 27 Mai. Frachtpreise. Weizen X 17.—, Korn X 15.60, Gerste X 15.30, Hafer X 17.—, Erbsen X 18—, Linsen X 60.00, Wicken X--, Lein X 00.00, Kartoffeln X 4.40,
Samen X —._________________________________
Spielplan der vereinigten frankfurter LtaLttheater.
Opernhaus.
Dienstag den 30. Mai: Wagner-Cyclus Achter Abend. Walküre Mittwoch den 31. Mai: Margarethe. Donnerstag den 1. Juni: Troubadour. Freitag den 2. Juni geschlossen. Samstag den 3. Juni: Norma. Wiener Walzer. Sonntag den 4. Juni: Wagncr-Cyclus. Elster Abend. Siegfried.
Schauspielhaus.
Dienstag den 30. Mat: Wahlverwandt. Hierauf: Großstadtluft. Mittwoch den 31. Mai: Tartuffe. Der Geizige. Donnerstag den 1. Junt geschloffen. Freitag den 2. Juni: Vafantafena. Samstag den 3 Juni: Dorf und Stadt. Sonntag den 4. Juni: Vafantafena.
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Temperatur der Lahn und Luft
nach Reaumur gemeffen am 29. Mat, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr Wasser 13'/,. Lust 14 Grad.
Rübsamen'sche Badeanstalt.
Wasserabgabe betr.
Nachdem seit 21. d. M. eine ununterbrochene Wafferabgabe möglich gewesen, erinnern wir hiermit an unsere Bekanntmachung vom 26. v. M., wonach die in der Regel einzuhaltenden Stunden der Abgabe von
6 Uhr Morgen» bi» 2 Uhr Nachmittag»
je nach Waffervorrath ausgedehnt oder abgekürzt werden müssen.
Da sich namentlich wegen des schwankenden Verbrauches an den verschiedenen Wochentagen der jeweils des Nachmittags vorhandene Vorrath nicht genau voraussehen läßt und wir bestrebt sind, die tägliche Abgabezeit so lange wie möglich auf die Abendstunden auszudehnen, so läßt sich die Dauer der möglichen Abgabe auch nicht für den einzelnen Tag vorher festsetzen, bezw. bekannt machen. Nachdem unser seitheriger Vorrath wieder abzunehmen beginnt (während der Quellenerguß sich seit Ende vorigen Monats erfreulicher Weise wenigstens nicht verringert hat), wird voraussichtlich in den nächsten Tagen wieder eine Einschränkung der in der letzten Zeit ununterbrochenen Wafferabgabe eintreten müssen.
Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen.
4847 Otto Bergen.
Vergebung von Bauarbeiter»
Die nachstehenden zum Umbau der Lumdabrücke bei Qden- haufen erforderlichen Arbeiten und Lieferungen werden am Dienstag den 6. Juni, Vormittags IO Uhr, im Amtszimmer des Unterzeichneten, woselbst Pläne, Voranschläge und Bedingungen zur Einsicht aufliegen, im Submifsionsweg vergeben :
Erdarbeiten <X. 1300.—
Maurerarbeiten „ 593.78
Chaussirungsarbeiten „ 620.—
Lieferung von Lung-
steinquadern „ 441.75
Lieferung von Schicht-
Aufgebotsverfahren.
Der Inhaber der fünf Lagerscheine Großh. Hauptsteueramts Gießen, nämlich:
1) vom 26. I. 92 Cto. 11a Nr. 4 2) „ 30. in. 92 „ Ha Nr. 6
3) „ 9. VII. 92 „ Ila Nr. 7
4) „ 27. VIII. 92 „ Ila Nr. 9
5) „ 26. X 92 „ Ila 9k. 10
welche dem Fabrikanten August Ackermann zu Gießen nach glaubhafter Angabe eigenthümlich gehört haben und abhanden gekommen sind, hat in dem Termin
Freitag den 14. Juli I. I.,
Vormittags 9 Uhr, seine Rechte anzumelden und die Lagerscheine vorzulegen bei Vermeidung der Kraftloserklärung derselben.
Gießen, 26. Mai 1893.
Großh. Amtsgericht.
Gebhardt. 4859
Bekanntmachung.
Donnerstag den 1. Juni d. I., Nachmittags 5 Uhr, findet auf dem Main-Weser-Bahnhofe Hierselbst die öffentliche Versteigerung einer Grube Dünger statt. [4857 Königliche Eisenbahn-Station.
steinen „ 603.30
Lieferung von Mauersteinen „ 130.—
Lieferung von Pflastersteinen „ 24.—
Lieferung von Sand „ 42.50
Lieferung von Schwarzkalk „ 108.-
Sieferung von Portland- cement ,, 175.—
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Gießen, am 25. Mai 1893.
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