Ausgabe 
26.3.1893 Erstes Blatt
 
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schäft auSbreiteten und dadurch mehrere Flüsse in ihrem Laufe hemmten. Etwa zwölf Menschen wären dabei umgekommen, auch einige hundert Stück Bieh seien verloren gegangen.

Depeschen bei Bureau .Herold'.

Berlin, 24. März. Cardinal Crementz trifit heute Abend in Berlin ein und wird voraussichtlich am Sonntag vom Kaiser in feierlicher Audienz empfangen.

Berlin, 24. März. Vom Beginn de- EtatSjabreS bis Ende Februar 1894 betrugen die Einnahmen der Reichs- post- und Telegraphenverwaltung 224396980 Mk., was gegen denselben Zeitraum des Vorjahres cm PluS von 10 147 147 Mk. bedeutet. Die Einnahmen der ReichSeisen- bahnverwaltung betrugen 53 741000 Mk., ein PluS von 1 234000 Mk.

Berlin, 24. März. Der aus dem Ahlwardtproceß be­kannte Arbeiter Krähahn, welcher als Zeuge vernommen weroen sollte, aber nicht aufzufinden war, wurde in der ver­gangenen Nacht wegen Betrugs verhaftet.

Berlin, 25. März. DenBerliner Polit. Nachrichten" zufolge wären neuerdings in verschiedenen Versammlungen trotz der Anwesenheit von Regierungsvertretern scharse, über eine sachliche Kritik weit hinauSgehende, persönlich zugespitzte Angriffe gegen die Reichsregierung gerichtet worden. Die Reichsbeamten seien nun in solchen Fällen angewiesen worden, ihre Stellung dadurch deutlich zu markiren, daß sie auf eine fernere Theilnahme an derartigen Versammlungen verzichten und die betreffende Versammlung verlassen.

Posen, 25. März. Eine von etwa 2000 Groß- und Klein-Grundbesitzern der Provinz Posen besuchte Versamm­lung nahm unter Beitritt zumBund der Landwirthe" ein­stimmig die Resolution vom Tivoli an.

Danzig, 24. März. Die Noth der beschäftigungs­losen Arbeiter in Danzig steigt. Auf dem langen Markte haben Ansammlungen von Arbeitergruppen stattgesunden.

Brussel, 25. März. ES wird behauptet, Bernaert werde ein neues RevisionSproject mit dem all­gemeinen Stimmrecht zu 25 Jahren einbringen.

Rom, 24. März. Ein Parlamentsmitglied stellte an Giolitti die Frage über die öffentliche Sicherheit in Rom. Giolitti antwortete, die Zahl der Verbrecher habe in Rom seit zwei Jahren bedeutend abgenommen. Was die Bombenattentate betreffe, welche in letzter Zeit zugenommen haben, so seien viele Urheber verhaftet worden.

Paris, 24. März. Lesseps und Blond in reichten gestern ein Cassationsgesuch gegen das Urtheil des Ge­schworenengerichts ein. Bai haut tritt seine Strafe an.

Paris, 24. März. Die Güter von R ei nach und von Herz wurden beschlagnahmt.

Pari-, 25.März. Der Correspondent desBerliner Tageblatt" wurde auSgewiesen.

Petersburg, 24. März. ES wird eine Fahrrad st euer von 5 Rubel pro Stück von der Regierung geplant.

Ehristiania, 24. März. DaS ärztliche Gutachten über die Matrosen derThekla", welche wegen Kannibalismus augeklagt waren, lautet dahin, daß sie bei dem Begehen der Thal sich wegen Mangels an Nahrung in völlig erschöpftem Zustande befanden und wahrscheinlich bald umgekommen wären. Jedoch könne nicht angenommen werden, daß sie den Verstand verloren gehabt hätten.

Localer und Lrovlnzlelles.

Gießen, 25. März 1893.

* * Sitzung Großh. Handelskammer vom 21. März 1893. Anwesend waren die Herren Koch, Scheel, Heichelheim, Homberger, Katz, Klingspor, Kraatz, Wortmann. Es wird mit Rücksicht auf die in jüngster Zeit von agrarischer Seite unternommenen Angriffe gegen die Handelspolitik der deutschen RetchSregierung beschlossen, eine Eingabe an den Reichskanzler zu richten, in welcher demselben der Dank für die Einleitung der Handelsvertragspolitik ausgesprochen und zugleich daran die Bitte geknüpft werden soll, auf dem eingeschlagenen Wege, unbeirrt um die von einseitigstem Jntereffenstandpunkte bictlrtcn Angriffe der Agrarier weiter­zuwandeln und auf das Zustandekommen eines Handelsvertrags auch mit Rußland hinzuwirken. Am 23. l. Mts. findet in Darmstadt eine Sitzung deS EisenbahnbeirathS zur Be- rathung der Sommerfohrpläne statt. Die Begutachtung der­selben Hal ergeben, daß Zug 94 der Main-Weserbahn (Ankunft in Frankfurt a. M. Vorm. 9 Uhr 13 Min.) keinen Anschluß haben würde an Zug 69 der Main-Neckarbahn, deffen Abfahrt von Frankfurt auf 9 Uhr 10 Min. im Entwurf vorgesehen ist. Es soll beantragt werden, jenem Zuge mit aus­weichender UebergangSzett in Frankfurt Anschluß zu geben. (ES ist dies inzwischen regierungsseitig zugcsichert worden.) ES gehen der Kammer Nachrichten zu über zweifelhafte Firmen in den Niederlanden. Behufs näherer Auskunft wollen sich Jntereffenten an die Kammer wenden. Ferner ging der Kammer von der Königl. Eisenbahn - Direction Hannover folgende Mittheilung zu: Am 1. April d. IS. wird im Bezirke der Eisenbahn-Direction Hannover auch für den äußeren Dienst an Stelle der jetzigen Ortszeit die mitteleuropäische Zeil (M. E. Z.) eingeführt- dieselbe liegt gegen die Ortszeit für die betreffenden Stationen, je nach geographischer Lage derselben, um 16 (Nordhausen) bis 80 Minuten (Rheine) vor. Die StationSuhren werden in der Nacht vom 31. März zum 1. April d. IS. um 12 Uhr auf M. E. Z. gestellt. Der vom 1. bis ein­schließlich 30. April gültige Fahrplan wird in M S. Z. umgerechnet, neu herauögegeben und liegt von jetzt bis Ende März auf den Stationen zur Einsicht offen. Der Unterschied zwischen Ortszeit und M. E. Z. ist zur Zeit an den Ziffer- blättern der Bahnsteig Uhren angegeben, auch kann an den Schaltern der einzelnen Stationen erfragt werden, um wie viele Minuten die Fahrzeiten nach M E. Z. daselbst gegen die jetzige Ortszeit abweichen.

* * Zur Sonntagsruhe. Auf mehrfach an uns ergangene Anfrage, ob die Geschäfte am Charfreitage offen oder

geschloffen find, theilen wir mit, daß in Bezug auf Ausübung des offenen Handelsgeschäfts der Charfreitag den Sonntagen gleich gestellt ist, also die Verkaufszeit in den Ladengeschäften, die Beschäftigung in den Comptoirs u. s. w. auf dieselben Stunden beschränkt bleibt, wie an Sonn- und an sonstigen Festtagen. WaS die weiter gestellte Frage betrifft, in­wieweit das Backen der Osterkuchen am Charfreitag durch die die Sonntagsruhe regelnden Bestimmungen beein­flußt wird, so tritt für Gießen eine Aenderung in dem seit­herigen Brauche vorerst nicht ein. Der unterm 10. März vorigen Jahres von der Stadtverordnetenversammlung gefaßte Beschluß, wonach das Backen der Studien am Charfreitag auf die Stunden von 6 Uhr Abends bis Mitternacht beschränkt werden soll, ist scheinbar vorsorglich für den Zeitpunkt ge­faßt, an welchem daS Arbeiterschutzgesetz in allen seinen Theilen in Kraft tritt. Die zur Zeit geltenden Bestimmungen beziehen sich bekanntlich nur auf den Verkauf, nicht auf die Herstellung von Maaren. Nach einer Bekanntmachung deS Großh. KreiSamtS Friedberg ist daS Suchenbacken am QKar­freitag, insoweit die einschlägigen Hantirungen sich als ge­räuschvolle ober öffentliche (z. B. ber Transport der Kuchen von und nach dem Backhaufe) darstellen, nach Art. 224 deS Pol.-St.-G. verboten.

* * Zur Beachtung. Auf den Stationen im Bezirke des Königlichen Eisenbahn-Betriebs Amts Cassel (Main-Weser- Bahn) ist beabsichtigt, die in den Warlesälen und Borfluren der Bahnhofsgebäude befindlichen Wandflächen an geeignete Unternehmer zum AuShang von Privatbekanntmachungen, An­zeigen :c. jeder Art gegen gewiffe Mindestpreise zu verpachten. Die Aushänge sollen nur unter GlaS und Rahmen erfolgen.

* Es dürfte für die Gastwirthe nnfereS Leserkreises sicherlich werthvoll sein, zu erfahren, welche schöne Einrich­tungen bestehen, die nur dem Wohle deS GastwirthestandeS und seiner Angehörigen zu dienen bestimmt sind. So besitzt der Mittel- und Süddeutschland umfaffende Süddeutsche Gastwirtheverband eine Sterbekasse, die je nach Alter der Mitgliedschaft mehr als Mk. 1000. sowohl den Hinterbliebelten eines Wirthes, ober auch bem Manne bei Hinscheiden der Frau ausbezahlt- dabei sind die Beiträge so niedrig (50 Pf. pro Sterbefall), daß Jeder sich betheiligen kann. Dieser Verband tritt ferner entschieden für die allge­meinen Interessen deö WirthsgewerbeS ein, sucht den gediegenen Gastwirthestand, der Stadt und Staat zur Ehre gereicht, zu schützen, Bedrückungen zu beseitigen und von ihm fernzuhalten. Eine Anzahl tüchtiger Wirthe beabsichtigen nun auch in unserer Stadt und Kreis einen Gastwirtheverein, mit Anschluß an den Süddeutschen Verband und dessen so segensreich wirken­der Sterbekaffe zu bilden und ist zu diesem Zwecke eine Ver­sammlung auf nächsten Montag den 27. März d. I., Nach­mittags 3 Uhr im Saale des Stein'schen Gartens in Gießen ausgeschrieben, die voraussichtlich recht zahlreich besucht wer­den dürfte. Sicherlich liegt cS im Interesse aller Wirthe hiesiger Gegend, dieser Versammlung anzuwohnen, und diese so lobenswerthen Bestrebungen zu unterstützen. Die Abhal­tung dieser Versammlung entfpridjt einem Wunsche angesehener Wirthe hiesiger Gegend und wird als Referent Herr Stadt­verordneter und Gastwirth Carl Stein emer aus Darmstadt speciell erscheinen, um sowohl über die Sterbekaffe, als auch die Bestrebungen des Süddeutschen GastwirtheverbandeS zu sprechen, der durch sein erfolgreiches und fachliches Eintreten sich außerordentlich vergrößert.

** Cafe Leib. Nach uns gewordener Mittheilung wird nach den Osterfeiertagen eine Operetten-Gesellfchaft unter der Direction F. Baars einen Cyclus von Vorstell­ungen der beliebtesten neueren Operetten eröffnen. Herr Director BaarS steht noch durch feine vor zwei Jahren hier beifällig aufgenommenen Operetten - Aufführungen in bestem Andenken.

Das Calossal-Gemäldebet Strike bet Arbeitet" in den Hinteren Räumen des Schmidt'schen Panoramas ist fort­gesetzt gut besucht. Das Gemälde ist von solcher überraschen­der Naturtreue, daß e8 ein Meisterstück mit Recht genannt werden kann. Luskina, ein Mensch voll feiner Empfindung, der begabteste Schüler San Matcjkos, hat mit diesem Bilde, was Wahrheit deS ColoriteS anbelangt, feinen Meister über­boten nach dessen eigenem Ausspruch. Wir machen noch darauf aufmerksam, daß Herr Schmidt für die Besucher deS Pano­ramas den Eintrittspreis für daS Gemälde auf 30 Pfennig, Kinder 20 Pfennig herabgesetzt hat.

Ee. Königl. Hoheit bet Großherzog trafen gestern Nach­mittag um 3/43 Uhr auf bem Hauptbahnhof in Karlsruhe ein. Zum Empfange waren anwesend ber Großherzog von Baden, die Prinzen Wilhelm und Karl von Baden, die Minister, die Generalität, der preußische Gesandte von Eisen- becher. Eine Ehrencompagnie mit der Regimentsmusik war ausgestellt. Die Begrüßung deS GroßherzogS war sehr herz­lich. Heute Abend findet Festvorstellung im Theater statt. Eine große Menschenmenge war am Bahnhofe versammelt und begrüßte die Fürstlichkeiten bei der Abfahrt enthusiastisch.

Friedberg, 23. März. Eine am Sonntag hier ein- berufene Confetenz von Delegirten der socialdemo­kratischen Partei deS Wahlkreises Friedberg-Bü­dingen stellte als Candidat für die nächste ReichStagSwahl Herrn H. Prinz-Frankfurt auf, der auch bei der letzten Wahl candiditt hatte. Als Tag der Maifeier wurde SarnStag ber 29. April bestimmt. (Frkf. Ztg)

A Mainz, 24. März. Der Brau er strike ist jetzt auch auf den größten Theil der hiesigen Privatbrauereien ausgedehnt, indem heute Mittag in den BrauereienSchwarzer Bär",Sonne",Alte throne" undWeißes BierhauS" der größte Theil der Bierbrauer die Arbeit nlebcrgelegt haben. Da in den vier hier bestehenden Actienbrauereien ein Theil ber Brauer sich an bem AuSstanb nicht beteiligte, so war es bis jetzt möglich, mit Hülfe sonstiger Arbeitskräfte den Betrieb fortzusetzen unb hofft man auch, baß bie Geschäfte überhaupt keine Störung erleiden, zumal sämmtliche hiesige

Brauereien bereit- große Biervorräthe haben. Seiten- ber Großbrauereien nimmt man gegenüber den Forderungen ber Brauer nach wie vor eine entschieden ablehnende Stellung eia und hat man nur verschiedenem Hüls-personal und insbesondere den Fuhrleuten einen Lohnaufschlag bewilligt, weßbalb sich die letzteren auch nirgendswo an dem AuSstanb beteiligte«. Seit heute Morgen sind bie Brauereien mit Brauburschen umlagert, bie den Zuzug auswärtiger Collczen verhindern sollen. Ausschreitungen find bis jetzt keine vorgekommen. Bei der Bürgerschaft wird der Strike entschieden verurtheilt, indem man die Forderungen der Brauer al- unerfüllbar hält. Wie verlautet, will man morgen auch in Wiebaden in den AuSstanb treten, von berufener Seite wird hier bereits versucht, baS Gewerbegericht als (3hnigung»amt zwischen bie streitenden Parteien zu setzen.

(tzcsundheitszustand und Tterblichkeitsverhältnisse itn Kreise (Siesten während deS Jahres 1N92.

Im Kreise Gießen wurden im abaelaufenen .jabre inS-esammt 1658 Todesfälle regtflrirt; eS entfallen davon auf die Stabt Gießen 526 und auf den LanbtteiS 1132. Rach Ausschluß der in den klinischen Anstalten zu Gießen verstorbenen Jhetefremben beträgt die Sterbeziffer bei KreifeS, die Einwohner zahl desselben auf 75,150 veranschlagt, 19,96 pro Mille. Bringt man von der absoluten Sterbezahl der Stadt Gießen die Zahl der in den Kliniken ver­storbenen Ortsfremden (196), welche gegenüber den Bv'jah'en eine sehr beträchtliche Zunahme erfahren hat, in Abzug, und thellt man die unter diesen befindlichen Angehörigen deS Landkreise- (38) letzterem zu, bann berechnet sich die Sterbeziffer für die Stadt Gießen unter Annahme einer Bevölkerung von 21,100 Seelen auf 15,64 «/o, für den Landkreis mit etwa 54,050 Einwohner auf 21,00%. Die auf den Kreis bezügliche Sterbeziffer ist, verglichen mit der Durchschnitt-ziffer bet letzten Jahrzehntes und insbesondere gegenüber der durchschnittlichen Sterbeufrer deS ganzen Landes als günstig zu bezeichnen. Sehr niedrig ist die Sterbeziffer der Stadt Gießen, ungünstiger auch im Vergleiche mit den Vorjahren die des Landkreise-. Die Zunahme ber Sterblichkeit deS letzteren wurde hauptsächlich bedingt durch eine in Folge der Wiederkehr der Influenza ungewöhnlich hohe Erwachsenensterblichkeii. Von den im Kreise verzeichneten 1086 Todesfällen der Erwachsenen entlaßenen 746 auf den Landkreis, 129 mehr all im absoluten JahreSdurch: chnitt deS letzten DecenniumS. In Gießen starben 340, nach Au«- chaliung ber Ortsfremden 207 Erwachsene Die Erwachsen en- ierblichkeil der einheimischen Bevölkerung dieser Stadt ist wesentlich zeringer als in dem allerdings durch eine hohe Sterbeziffer der raglichen AlterSklaffe ausgezeichneten Jahre 1890 und weist gegen daS Vorjahr eine nur unbedeutende Erhöhung auf.

Die Sterblichkeit-Verhältnisse der Kinder waren im Berichts­jahr recht günstige: im Säugling-alter verstorben im Kreise 278, in ber Stadt Gießen 91 Kinder, gleich 16 resp. 23% ber Gesammt- zahl der Todesfälle, während im Allgemeinen 30% sämmtlicher Gestorbenen dem ersten Lebensjahre anaehört. 294 Sterbefälle be trafen Kinder von 215 Jahren; trotzdem die Bräunekrankheiten, bie diese Alter-kategorie hauptsächlich zu gefährden pflegen, im oer floffenen Jahre eine erheblich größere Ausbreitung zeigten wie in den vorausgegangenen Jahren, erreichte die Ster bezahl der Kinder dieser Altersgruppe nicht die 10jährige Durchschnitt-ziffer und war bedeutend geringer als 1891.

Weitaus die Mehrzahl der Sterbefälle de- Jahre- ereigneten sich unter der Einwirkung ber Jnfluenzaepidemie in den beiben ersten Quartalen (518 dezw. 471); ihnen reiht sich da- IV. Quartal mit 336 TobeSfSllen an, unb bie günstigste Zahl weist wie regel­mäßig da- dritte mit 333 Sterbefällen auf. Demnach beträgt die Differenz der beiden Jahre-hälsten 320 Todesfälle statt durchschnitt­lich 169. Bon den einzelnen Monaten nimmt nach ber Zahl der in ihnen regtftrirten Todesfälle der März wie gewöhnlich die ur günstigste Stelle ein. Unter dem Einfluß ber Infiuenzaepidemie, die in diesem Monat ihren Höhepunkt erreichte, war die Zahl der Sterbefälle (224) eine beispielllo- hohe. Die Differenz zwischen den Slerbezahlen diese- unb de- am wenigsten betasteten Monats (November) beträgt J29. Auch im April (183), Februar (173), Mai (166) war bie Sterblichkeit eine ungemein hohe, die übrigen Monate zeichneten sich dagegen durchgängig durch sehr günstige Sterblichkeit-verhältniffe au«, sie ordnen sich nach der Größe ihrer Sterbezahl in folgender Reihenfolge: Juni und October (je 122), Januar (121), December (119), Juli (114), der durchgängig günstigste Monat September (112) siebt im Bericht-jahr hinter dem Auzust (107) und dem November (95).

Von den vorherrschenden Krankheiten war, wie erwähnt, be­sonders die Influenza von großem Einfluß auf die Sterblichkeit Die Seuche halte vorzugsweise da- Zentrum de- Kreise-, sowie die unmittelbare Umgebung Gießen-, weniger die Stadt selbst, ferner bie Orte an ber nörblichen Grenze heirngesucht, während die östlichen unb süblichen Lanbe-lheile nahezu vollständig verschont blieben. Hinsichtlich des zeitlichen Verlaufe- unter schied sich die Grippe bei ihrem diesmaligen Auftreten wesentlich von der im Winter 1890 beobachteten Epidemie. Damals fand bie Seuche nach aorauegegangenen sporadischen Erkrankungen plötzlich eine pandemische Ausbreitung, erreicht nach wenigen Tagen ihren höchsten Stand unb war nach relativ kurzer Zeit erloschen: bei ihrem längsten Vor­kommen handelte eS sich dagegen um einen protrochirten, langsamen Verlauf, um ein allmähligeS Anschwellen der Krankheitsfälle und einem ebenso langsamen Abfall nach der im Monat IMu ein ge­tretenen Akme. Diese Krankheit wurde in 26 sich auf die erste Jahre-hälste vertheilenden Fällen al« Todesursache angegeben. E- ist indessen zweifellos, daß diele Ziffer nicht sämmtliche Jnfluenza- fterbefäUe umfaßt, denn nicht selten ftnd offenbar die complicirenden und Folgekrankheiten ber Seuche in den rode-zeugniffen al« Todesursache zur Auszeichnung gelangt.

An epidemischen und ansteckenden Krankheiten (ausschließlich der Influenza unb einschließlich be» WochendetisieberS) starben zu­sammen 188 Personen gegen 163 im Vor,ahre und 151 im Turch- schnitt beS letzten Jahrzehntes. Die Epidemiestn dlichkeit beziffert sich in der Berechnung auf 10000 Einwohner, auf 25,87, auf 21,93, wenn man die in ben Krankenanstalten an ivfectiöfen Erkrankungen verstorbenen Krei-fremben in Abzug bringt. Bei weitem bie meinen Todesfälle dieser Kategorie wurden wie gewöhnlich durch die Bräune- krankheilm (Diphtherie und Group) veranlaßt, die, wie auch in anderen Kreisen Oderheffen«, im Berichtsjahr in außergewöhnlich großer Ausbreitung herrschten. Ihnen ei lagen 146 Personen: 79 Fälle gegen 55 de« Vorjahre« treffen auf ben Landkreis unb 67 mit Einschluß von 42 in ben Kliniken de handelt en Ortsfremden auf bie Stabt Gießen, von den länblichen (Gemeinden wurde bet anbei« Lich und deffen Umgebung, die Orte Dorf-Güll, Albach, Haltenrod, Etting-Hausen, Nieder- und Ober befangen, Münster, da« letzteren benachbarte Lauter, ferner Lurnba betroffen; in weiteren 14 Lrten kamen vereinzelte Todesfälle vor. In der Stabt Gießen starben von 10000 Einwohner 11, auf dem Land 14 an diphtherischen Er­krankungen. Diese höhere Mortalität in bem Landkreis erklärt sich auS der Gleichgültigkeit, die von Seiten der Landbevölkerung bai zur Verhütung unb gegen die Weil er Verbreitung ansteckender Kraeb bäten getroffenen Maßnahmen vielfach eniaeaengetzracht wird, an« der Nichtbeachtung ober nur mangelhaften Befolgung bet dteSdezüg lichen Vorschriften unb nicht minder au« dem zähen ijeftbalten a» gewissen Gebräuchen, die, wie z. B. die Leichenfeier im Haute ber Verstorbenen zur lieberttagung ansteckender Krankheiten recht «e- eignet find. ~

Masern unb Keuchhusten traten fast ganz prua entere wurden zwei Mal, dieser drei Mal zur Todesursache.

Puerperalfieber führte in 9 Fällen tum lobe; diese vertheilen sich auf die Gemeinden Staufenberg, Reiskirchen, Großen und Alte»-