1893
Mittwoch den 25. October
Amts- und Anzeigeblutt für den Ttreis Gietzen
Dann aber ermannte er sich
nur
Spiele steht!"
tausend Farben, da schrack sie
betet
doch
Welt über-
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war mit Ungestüm aufgerissen stand ein bleicher, junger Mann
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sah die Tochter mit einem die Frage nicht verstanden, und sagte:
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Der
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des, Jaqaets und Capes werden zu 3,14, 5, « verkauft, um möglichst rasch dsmit.ru räumm.
Haupt zu urtheilen Pflegt, hart und lieblos.
„Er hat sie sitzen lassen," meinten einige, Geldes."
ein Vaterunser für sie.--
Daß Betty Herbert das schönste Mädchen im Orte dai iiber waren die Leute einig, — was, beiläufig gesagt,
es emporstieg wie Palmen, und sprühte und glitzerte in plötzlich zusammen.
Die Thür des Zimmers worden und aus der Schwelle
Ich will es Dir nicht ver- eS doch erfahren. So höre
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„trotz ihres „sie wollte und als ihr
schlug sie dieselbe aus.
Still und einsam lebte sie fortan und still und einsam ist auch gestorben — die Jungfer Betty.
Zwei Tage nach dieser Unterredung war Betty abgereist, um eine entfernt wohnende Tante für längere Zeit zu besuchen. Die Ehre ihres Namens war gerettet, — aber um welchen Preis! An Erich hatte sie geschrieben, daß Umstände eingetreten seien, welche eine Verbindung zwischen ihnen unmöglich machten. Wie sehr ihr auch dabei daS Herz blutete, so hatte sie es doch vermocht, den Brief so zu fasten, daß der Verdacht der Untreue auf sie fallen mußte, denn sie wußte, daß kein anderer Grund stark genug sein würde, um ihn von neuer, stürmischer Werbung zurückzuhalten. ,
Und sie durfte ja doch von seiner Liebe nicht daS Opfer seines bürgerlichen Lebens verlangen!
Die Leute im Städtchen urtheilten, wie die
Feuilleton.
Jungfer Betty.
Novklleite von E. Muschik.
(Nachdruck verboten.)
Sie war von Jedermann gekannt und geliebt im Städtchen - die Jungfer Betty — trotzdem die Zeit, wo sie jung und Hin gewesen war, weit hinter ihr liegen mußte. Daß aber letzteres wirklich der Fall gewesen, sah man wohl noch jetzt, wenn man einen einzigen Blick in ihr Gesicht warf, in welchem selbst die Falten, die das Alter hineingepreßt, bk Spuren ehemaliger Schönheit nicht ganz verwischen fonniten.
Sie lebte still für sich, die Jungfer Betty, wie sie von Gwß und Klein genannt wurde, gab keine Kaffeekränzchen uni besuchte auch keine. Wo aber ein krankes Menschenkind iamiederlag oder sonst die Hilfe einer liebreichen Hand 6c» Muffte, da war die Jungfer Betty gewiß nicht fern. Mit thrim stillen, sanften Wesen waltete sie dann an dem Tä merzenslager und gar manches brechende Auge hatte jflr ihr selbstloses Wirken einen warmen Blick des Dankes
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nicht an die Zukunft denken mochten.
Zwar hätte Erich Waldenfee den Militärdienst geben und eine bürgerliche Stellung antreten können Betty würde sich auch in ganz bescheidenen Verhältniffen glücklich gefühlt haben. Aber sie wußte, wie begeistert Erich für seinen Beruf war und wie all sein Denken und Em- pfinden damit verknüpft schien. Er würde aber trotzdem um ihrer Liebe willen seinen Beruf geopfert haben- — durfte sie aber dies Opfer annehmen und ihn in einen Beruf hineinzwängen, in welchem er sich niemals glücklich
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gehabt.
Ein freundlicher Dank war auch das Einzige, das die Jumgfer Betty für all ihre Liebe und Aufopferung der teil enden Menschheit gegenüber als Belohnung annahm, denn ihre materielle Lage war durch ein kleines Vermögen gesichert, bai sie vor einem Jahrzehnt geerbt hatte.
Wenn die Leute von ihr sprachen, so nannten sie die Jungfer Betty wohl auch eine „alte Jungfer", und leider legt die Welt in dieses Wort oft einen recht lieblosen Klang. Do rum sie aber eine „alte Jungfer" geworden war, das wchten vielleicht nur wenige. Wir können es aber erzählen, bttm jetzt ruht sie draußen auf dem Friedhose und Rosen un!i Rosmarin schmücken ihr Grab. — Zwar hat sie keinen Maschen in der Welt zurückgelaffen, der durch die Bande bcf Blutes an sie gefesselt war, aber am Allerseelentage brtmnen auch auf ihrem Grabe Lichter, und Mancher, dem sie im Leben Gutes erwiesen, tritt an ihr Grab und L.l.l
Alle Mnnonccn-BurrauF bei In- und «ullanbt« nehmen Anzeigen für ben „Siebener Anzeiger» entgtgtn.
„Das ist ihr recht," fügten andere hinzu, stets etwas Besseres sein wie wir."
Betty kehrte in ihre Vaterstadt nicht zurück der Bruder später eine Heimstätte in seinem Hause anbot,
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denken. Ich habe früher einmal gehört, daß es ein ganz eigenes Ding sei um die Liebe, — daß sie sich heimlich in das Herz hineinschleicht und sich den Kuckuck um die klugen Berechnungen unseres Verstandes kümmert.
Ob dies wahr ist, weiß ich nicht. Hier mußte es aber doch der Fall sein, denn die Liebe der beiden war jedenfalls zu rein, als daß sie an eine verständige Erwägung entfernt gedacht hätten. Sie liebten sich — und daS ihnen genug. Die Gegenwart war so schön, daß sie
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selt en der Fall zu sein pflegt.
Man lobte alles an ihr, den graziösen Gang, der sich war von jeder Gefallsucht, die anmuthige Haltung, wellche dabei doch so ungezwungen erschien- die geschmackvolle unb doch so einfache Toilette, das rosige, frische Gesichtchen,
dabei das Defizit entdeckt, so —"
„DaS darf nicht geschehen, Papa," unterbrach ihn Betty, die bei seinen Worten bleich geworden war wie der Tod.
Er sah sie starr an.
„Ich kann ihn nicht retten," sagte er mit gepreßter Stimme. , , , ..
„Du vergißt, Papa, daß ich vor Kurzem beinahe die gleiche Summe erbte. Der fehlende Rest wird sich auch be» chaffen lassen."
Die zarte Gestalt erzitterte wie unter einem Fieber- chauer und die weiße Hand umklammerte krampfhaft die Lehne eines Stuhles.
„Du willst Dein Vermögen dazu hergeben?" fragte Jener, als sei er im Zweifel, ob er recht gehört.
„Ja, Papa," entgegnete Betty, die ein Beben ihrer Stimme nicht unterdrücken konnte.
„Und hast Du bedacht, was Du damit aufgiebst?"
„Die Hoffnung und das Glück meines Lebens, Papa, — ich weiß es," sagte Betty tonlos, „aber das dars nicht in Betracht kommen, wenn es sich um unsere Ehre und unseren guten Namen handelt."
Herbert schwankte eine Weile.
„Ich mag Dein Opfer nicht annehmen, Kind!" sagte er dann, „Dein Bruder mag büßen, was er verschuldet."
„Du wirst es thun, Papa, bedenke, was auf dem
„Etwas Furchtbares, schweigen, denn Du würdest denn: Franz hat in seiner Kaffe ein Defizit von fünfzehntausend Mark und morgen ist Rechnungsprüfung. Wenn man
fühlen würde?
Nein, dafür war ihre Liebe zu selbstlos. Sie kannte nur ein Glück, das Glück ihres Geliebten!
Da starb plötzlich eine Tante von ihr und Betty Herbert erbte eine Summe, welche die Liebenden an die Erfüllung ihrer Wünsche denken ließ.
Welch selige Zeit begann jetzt für sie. Die Welt war ihr noch nie vorher so schön erschienen, die Gegenwart lachte sie so rosig an und die Zukunft strahlte noch viel
Nr. 251 Zweites Blatt
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überzähliges, gutes, einspännig ge-
taS so munter in die Welt hinausschaute.
Nur eins tadelte man: daß sie ein Liebesverhältniß mit einem Offizier der dortigen Garnison angeknüpst hatte.
„WaS soll da werden?" fragten sich die Leute. „Er hat nichts, — sie hat nichts. — Nichts und nichts gibt? - Rechnen Sie das selbst aus, Frau Nachbarin!"
Die Leute hatten so unrecht nicht, wenn sie den Liebenden ftitne allzu rosige Zukunft prophezeiten.
Betty Herbert stammte aus einer sehr geachteten, aber unbemittelten Familie, ebenso der blutjunge Lieutenant Erich Valdensee, dem sie ihr kleines Herz geschenkt hatte. Das «o.r sreilich sehr unklug von ihr, denn an eine Heirath formten die beiden unter diesen Umständen doch niemals
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herrlicher.
Als sie eines Tages allein in der im untersten Stockwerke gelegenen Wohnstube saß und die Gedanken liebliche, bestrickende Bilder vor ihre Seele zauberten, die anzuschauen waren wie Märchen aus Tausend und eine Nacht, in denen blühte und duftete wie Rosen
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Die Hände sanken von seinem Gesicht herab und er irren Blicke an, als habe er
mit verstörten Gesichtszügen.
Es war ihr Bruder Franz, der in der nahen Hauptstadt in einem Bankhause angestellt war.
„Wo ist der Papa?" fragte er hastig mit trockener, heiserer Stimme. ,
„Er ist oben, Franz," erwiderte sie betroffen, „aber was ist mit Dir?" f v.
Er antwortete nicht, sondern stürmte fort die Treppe hinauf. Betty blieb in unbeschreiblicher Aufregung zurück- sie ahnte, daß dieser Besuch Unheil zu bedeuten habe und drückte die Hand auss Herz, als könnte sie damit sein lautes Klopfen hindern.
Nach ungefähr einer Viertelstunde sah Betty den Bruder das HauS wieder verlassen. Jetzt begab sie sich hinauf in das Zimmer des Vaters.
Er hatte sich, wie es schien, ganz gebrochen in die Ecke des Sophas zurückgelegt und hielt die Hände vor das ^^^Betty näherte sich ihm und legte die Arme um seinen Hals und fragte erschrocken:
„Was ist geschehen, Papa?/
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I aus Darmstadt.
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Frankfurt a. M.'
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Donnerstag, 26. Octbr.,
Nachmittags 21/« Uhr, loüen auf dem hiesigen Ortsgericht die iun Nachlaß der Rat! Flett Wittwe k Gießen gehörigen Grundstücke:
Slur 36 Nr. 12 — 88 qm Acker, Gewann- Lappen am Wismarer Weg,
Hut 36 Nr. 33 — 2087 qm Acker an der alten Leimenkaute am Wismarer Weg,
Flur36Nr. 249 — 1587 qm Wiese am Gänseacker
nochmals freiwillig meistbietend versteigert werden.
Gießen, 19. October 1893.
Großh Ortsgericht Gießen.
I. A.: Bogt. 8795
ChmMM-Kellmik» SW Windttg
Geisenheim a. Rhein.
Alleinige Niederlage für Giessen und Umgegend: ao, Carl Schwaab, Hoflieferant. Brumataleim
Adler-Drogerie von Otto Schaaf, SelterSweg Sv. y7J
Gießener Anzeiger W
Kenerat-Mnzeiger.


