1893
Gießener Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger
und Anzeigeblatt für den Kreis Gießet»
Hratiskeilage: chießener Kamisienbtätter
Feuilleton
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Nr. 275 Zweites Blatt. Mittwoch den 22. November
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terie-Regimcnt Romann in 2 Bataillonen und bleibt da bis zum 13. Januar, da solches dann auf Laubach inarschierte. Interessant ist die Einquartierung des Pfarrhauses. ES logirten in ihm der Herr Obrist-Lieutenant, ein Herr Graf von Hohenlohe-Kirchberg, Herr Major Böhmler, Herr Major von Linckensdorff, Herr Hauptmann und Regiments-Quartiermeister Miller, Herr Auditeur Weinmann, Herr Feldprediger Röhm nebst 2 Adjutanten, Herr Trometer und Herr Schiller, dem ungefähr 11/2 Monat vorher (11. November 1759) sein berühmter Sohn Friedrich geboren worden war. Auch in Lauter befanden sich Theile der württem- bergischen Brigade, nämlich ein Bataillon vom Prinz Louis- Regiment und der Brigade-Commandeur Herr General von Wolff. Im Mai regte es sich wieder in den Kriegslagern. Der berühmteste Husarengeneral der Alliirten, Luckner, überrumpelt die französischen Besatzungen in Amöneburg und Butzbach. Gegen den 13. Juni sammeln sich indeß schon die Franzosen zwischen Butzbach und Hungen, Blankenau und Lauterbach. Broglio, an die Spitze der französischen Armee getreten, nimmt am 22. Juni sein Hauptquartier in Grünberg. Schon am 21. marschieren viele Tausende von Vortruppen durch Queckborn. Am 22., auf einen Sonntag, folgt die große Armee nach; die Reiterei erstreckt sich von der Steinkante im Grünberger Feld über den Pischberg, Strich, Stockacker bis über den Münstererberg und an die Judeneich. Die Sommerfrucht des Brückenfeldes wird niedergetreten. „Auf dem obersten Boden lag das Heu gemäht oder stand auf Kegeln, wovon man aber in Zeit von etlichen Stunden nicht das geringste mehr sah." Sie zogen den 22. gegen Abend wieder ab. Die Alliirten ziehen sich vor dem anrückenden Feind zurück, zumal da sich im Juli auch noch die niederrheinische Armee St. Germains mit der Broglios vereinigte. Kämpften diese auch trotz ihrer Uebermacht unglücklich bei Erksdorf und Warburg, so saheu sic doch im August schon ganz Hessen in ihrer Gewalt. Auch Minden und Göttingen mußten ihnen die Thore öffnen. Daher herrschten die Franzosen zu Anfang des Jahres 1761 über die Länder von Hanau bis Göttingen. Nur kleine Striche von dem zwischen diesen beiden Städten liegenden Gebiete befanden sich noch in den Händen der Alliirten. Die hier und da von einzelnen Ab- theilungen der Alliirten ausgeführten kühnen Thaten halten kaum einigen Einfluß auf den Gang der Ereignisse und konnten das sich Festsetzen der Franzosen, die mit über 200000 Mann den etwas über 100000 Mann zählenden Alliirten gegenüber traten, besonders in Hessen nicht hindern.
(Fortsetzung folgt.)
den katholischen Feldpatres in den Kirchen von Ettingshausen und Münster Messe gelesen wurde trotz des Widerspruchs der Ortspfarrer. Die ganze französische Armee hatte sich um diese Zeit von Friedberg aus bis Marburg aufgestellt, um von da aus an die Weser zu ziehen. Dahin gelangt, wurde sie von Ferdinand bei preußisch Minden geschlagen, während der Erbprinz die Franzosen bei Gohfeld besiegte.
Nun beginnt wieder der Rückzug durch die oben genannten Gegenden. Die Alliirten, ihre Feinde verfolgend, erobern bereits am 19. August wieder Kassel. Vier Tage darnach rücken die Franzosen wieder in Grünberg und Umgebung ein. Das Queckborner und Lauterer Haferfeld wird durch französische Reiterei, stehend beim Grünberger Baumgartentcich, geplündert. Am 8. September erscheint von Contades Armee in Annerod bei Gießen; von da aus nahm man weit hin Generalfouragirungen vor. In Queckborn werden diese ausgeführt durch die Gens'darmes und die Carabinicrs Royaux, „sodaß manche Haushaltung nicht das Geringste von Gefutter, Sommer- und Winterfrucht behalten". Pfarrer Stück in Ettingshausen schreibt: „Hie mußte ge- kochet sein; ganze Schafe und Schweine wurden in Kesseln gekochct. Die Erbsen und Linsen mußten mit Mesten in die Kröpfen gcthan werden, weil mancher 40—50 im Hause hatte. Von den Gänsen waren diese Leute sonderliche Liebhaber und wußten derselben habhaft zu werden. Für 12 Kühe gaben sie 2 Laubthaler oder 5% Gulden." Während sich die Franzosen in der genannten Gegend festsetzen, schlagen die Alliirten in und um Kryfdorf jenseits der Lahn ihr Hauptquartier auf. Ihr Lager umschließt den Vetzberg, Gleiberg, Welteberg und Dünsberg. Nach allen Richtungen hatte man Batterieen und Rcdouten, die durch zahlreiche Communications-Wege verbunden waren, errichtet. Ihre Verschanzungen erstreckten sich bis zum Lausertwald in der Richtung Wetzlar. Ihnen gegenüber nimmt Contades seine Stellung zwischen Gießen und Allendorf, Broglio, der alsbald an die Stelle des abberufenen Contades gesetzt wurde, zwischen Wetzlar und Dudenhofen. In Gießen blieb, auch nachdem sich Broglio in die Nähe von Butzbach zurückgezogen, der französische General Blaizel, welcher von da ans viele, theils glückliche, theils unglückliche Ausfälle machte. Die ausgedehntesten rücksichtslosesten Fouragirungen hörten zu jener Zeit nicht auf. In Queckborn erscheinen am 25. Oetober drei Compagnieen Dragoner Royaux und' viele andere. Sie dringen auch auf die Speicher und fassen den Hafer weg. Am 5., 6. und 7. November erscheinen andere nnd nehmen weg, was sie noch in den Scheunen vorfinden. Am 6. November kommen einmal fünf Partieen zu gleicher Zeit; „ist ferner bis den 14. alle Tage geschehen." Ettingshausen hatte nicht weniger unter den Fouragirungen zu leiden. Am 8. September erscheinen die Feinde mit 250 Wagen und über 3000 Pferden, die man über und über belud. „Einem Pferd legte man ein Gebund auf, das wenigstens aus 1/2 Fuder Frucht bestünde." 40 Kühe und 10 Schafe mußten geliefert werden. Mit Trommeln und Gewehren gingen sie auf die Aecker und nahmen alles weg. Am 9. September erscheinen wieder, um zu foura- giren, 50 Wagen und 800 Pferde, am 11. Sept. 28 Wagen, am 12. Sept. 16 Wagen, am 15. Sept. 8 Wagen und 60 Pferde. Nach Michaeli lag dort vier Tage lang das ganze Fischer'sche Corps und hatte solchen Hunger nach Gansbraten, daß es in einer i/4 Stunde 400 Gänsen die Hälse umdrehte. Das Regiment Dauphin, im October drei Tage lang in Ettingshausen einquarttert, wühlte und grub in den Scheunen alles durch, wie die Maulwürfe, und nahmen vollends weg, was man versteckt hatte in den Häusern.
Gegen Ende des Jahres 1759 nahte den Franzosen Hülfe von Westen, vom Niederrhein her und von Osten von Fulda - Schotten her durch die anrückenden Württemberger. Dadurch wuchs die Gefahr für Ferdinands Lager in Krofdorf, von welchem aus er noch am 12. December 1759 dem Gerichtsschöffen Johann Heinrich Rock zu Lauter einen noch bei den Urkunden zu den Gemeinderechnungen von 1758—64 befindlichen, mit dem Siegel und Unterschrift des Herzogs versehenen Salve-Garde-Brief ertheilte. Nicht im Stande, die Franzosen aus Gießen zu vertreiben, zieht sich Ferdinand zu Anfang von 1760 nach Marburg zurück. Hierauf bezieht er seine Winterquartiere in Westfalen, Broglio in Frankfurt am Main, von Gießen bis in die Unterpfalz seine Besatzungen ausdehnend.
Im Jahre 1760 stehen 161860 Franzosen 98103 Deutschen und Engländern gegenüber. Den erst genannten kommen zu Anfang des Jahres auch noch die Württemberger zu Hilfe. Am 7. Januar liegt in Queckborn das Jnfan-
Mittheilungen aus dem siebenjährigen Krieg, besonders aus den Kirchenbüchern von Queckborn und Ettingshausen
von Pf. F. in Q.
(Fortsetzung.)
Dieser Mißerfolg nöthigte den Herzog zum Rückzug. Oberst Fischer, der Wächter über das große französische Fouragemagazin in Friedberg, und General Blaizel, dessen Truppen zwischen Gießen und Marburg standen, erhielten den Befehl, die sich zurückziehenden Alliirten möglichst zu beunruhigen. Schreckliches Aprilwetter erschwert diesen außerordentlich den Marsch auf den anfgeweichten, schlechten Wegen durch die Wetterau. Der Feind bleibt ihnen auf den Fersen bis in die Gegend von Hungen. Am 18. April fährt Ferdinand die Hauptarmee bis nach Grünberg und Umgebung. In Ettingshausen cantonirt das braunschweigische Infanterie-Regiment von Marschall und das hannoversche Kavallerie-Regiment Breidenbach. „Man mußte ihnen Essen und Trinken und des andern Tages Hafer ober Gerste mit auf den Weg geben; gab man ihnen nicht gutwillig, so holten sie auf den Boden, so viel sie |uur wollten." Queckborn erhält auch starke Einquartierung, niimlid) die hannöverschen Infanterie-Regimenter von Post unb von Linstow und das Hammersteinische Reiter-Regiment. General von Post hatte sein Quartier im Pfarrhause. Die Arriöregarde nahm ihre Stellung von Lieh bis Ruppertsburg. Den rechten Flügel in Lich kommandirte General von Finkenstein, den linken in Ruppertsburg der Prinz von Holstein. Im Centrum zu Langsdorf stand Major von Thun mit zwei Schwadronen Dragoner und einem Bataillon liaunschweiger Infanterie. Der Prinz von Holstein läßt dem General von Finkenstein nach Lich melden, er solle gleich nach dem Empfang der Marschordre für den 19. April onlfbrechen. Man wartet aber in Lich vergeblich auf diese Marschordre, weil die Franzosen den betreffenden Ordonnanzoffizier anfgefangen hatten. Daher marschiert man ohne sulche ab. In Nieder-Bessingen lagen zum Finkcnsteinischen Corps gehörende braunschweiger Garden und etliche Com- pugnieen Finkensteiner Dragoner. Beim Abmarsche auf der Hard, der Au und am Queckborner Weg von den Franzosen angegriffen, zerstreuen sich die Dragoner in den Wald. Ein Dragoner, durch den Kopf geschossen, schreit laut: „Brüder, Brüder schießt mich tobt!" Drei Mann von Fischers Corps thun es. Wo er gefallen war, würbe er auch begrabe«. Andere fanb man erschossen in der Sanbhecke unb in ber Mailbach und begrub sie daselbst. Auch von Thnn hatte von Langsdorf aus einen Boten nach Lich geschickt mit der Meldung, man sei ausgerückt wegen des in der Richtung Grünberg gehörten Kanonendonners; er erwarte weitere Verhaftungsbefehle. Bevor aber der Ordonnanzoffizier mit diesen zurückkam, hatte von Thun schon Langsdorf verlassen, um nach Grünberg zu marschieren. Das Licher Corps, hart bedrängt in den großen Wäldern zwischen Lich-Harbach-Ettingshauscn, erreichte erst um 9 Uhr- Abends Grünberg. Noch viel schlimmer erging es dem Langsdorfcr Corps, das über Münster die Richtung nach Grünberg eingeschlagen hatte, in und um Queckborn. Die Franzosen, besonders Fischer'sche Husaren, bis in die Queckborner Gemarkung vordringend, attackirten die um 11 Uhr abziehende Einquartierung des vorigen Tages, indem sie ihr Scharmützel lieferten am Höllersberg, vorm Breiteloh, an der Judeneich und im Heegfeld bei Lauter. So unser Kirchenbuch. — Im kriegsgeschichtlichen Werke von Renouard wird uns noch erzählt: Als das Thun'sche Corps von Münster aus in Queckborn einrückte, vorn das braunschweiger Infanterie-Regiment, nach ihm die Bagage, dann die zwei Schwadronen, wurden die letzteren plötzlich von den Franzosen überfallen. Von ihrer durch den Ort marschierenden Infanterie durch die Bagage abgeschnitten, sahen sich die Schwadronen der feindlichen Uebermacht preisgegeben und wnrden zum Theil niedergemacht, zum Theil gefangen. Thun selbst und 8 Offiziere fielen als Gefangene in die Hände der Feinde. So mußte dieser Major seine verkehrte Marschordnung büßen. — Von da an zieht sich der Krieg wieder mehr nach den früher genannten nördlich gelegenen Ländern. Unterdessen rückt Broglios Armee von Hanau aus durch Hessen, während der Marschall von Contades wom Rhein und von der Sieg aus anmarschiert. Schon d>en ersten Pfingsttag .findet sich in Queckborn französische Artillerie einquartiert. In Ettingshausen cantonirt an demselben Tage (2. Juni) das französische Cavallerie-Regi- mient des Marquis des Ales, bei welcher Gelegenheit von
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