angesichts der schwierigen Lage, in der sich die Landwirthschaft befindet, das landwirthschaftliche Gewerbe von neuen Steuern freilafsen." *
— Im Befinden des Königs von Sachsen, welcher bekanntlich an einem Bronchialcatarrh erkrankt war, ist eine derartige erfreuliche Besserung eingetreten, daß keine regelmäßige Bulletins mehr zur Ausgabe gelangen.
— Der Z o l l b e i r a t h wird dieser Tage in Berlin abermals zusammentreren, um sich weiter über die beiderseitigen Forderungen und Zugeständnisic in den deutsch-russischen Handelsvertragsunterhandlungen zu äußern. lieber den Stand der letzteren laufen noch immer sehr widersprechende Gerüchte um, so daß allen Mittheilungen in Betreff dieser Verhandlungen gegenüber große Vorsicht geboten ist.
Königshütte, 18. November. Auf dem Damm der Tempelstraße entstand, nachdem ein Lastwagen über denselben gefahren, plötzlich eine große trichterförmige Spaltung, welche sich zu einem Erdbruch erweiterte. Nach Absperrung der Straße begann man sofort mit den nothwendigsten Sicher- heitsarbeiten. Die Meinung Sachverständiger geht dahin, daß, wenn die Tempelstraße von der Grube abgebaut ist, die Häuser derselben sehr gefährdet werden.
Bonn, 18. November. Die von mehreren Blättern gebrachte Meldung, der Reichstagsabgeordnete Dr. Lieber beabsichtige, sein Mandat niederzulegen, wird von der Deutschen Reichszeitung als unrichtig bezeichnet.
Ausland.
— Aus Graz, der freundlichen Hauptstadt der Steiermark, kommt die Kunde von dem daselbst erfolgten Ableben des österreichischen Jnfanterieobersten Grafen Hartenau oder Prinzen Alexander von Battenberg, des ehemaligen Bulgarenfürsten- derselbe ist den Folgen einer heftigen Blinddarmentzündung nach nur kurzem Krankenlager erlegen. Eine eigenthümliche Lebenslaufbahn ist mit dem Hinscheiden Alexanders von Battenberg zum Abschlüsse gelangt, eine Persönlichkeit hat mit ihm geendet, die einst die Augen von ganz Europa auf sich zog und berufen zu sein schien, eine besondere Rolle in der europäischen Politik zu spielen. Alexander, Prinz von Battenberg, wurde am 5. April 1857 als zweiter Sohn des Prinzen Alexander von Hessen- Darmstadt und der Prinzessin Josephine von Battenberg, in Darmstadt geboren und trat zuerst in das hessische Dragoner- Regiment Nr. 24 als Lieutenant ein. 1877 machte er dann im Hauptquartiere des Großsürsten Nicolaus den russisch- türkischen Krieg mit und nach deffen Beendigung trat er in das preußische Elite-Regiment der Gardes du Corps ein. Am 29. April 1879 wurde der bisherige preußische Gardelieutenant von der bulgarischen Nationalversammlung zu Tirnowa einstimmig zum Oberhaupte des neugeschaffenen FürstenthumS Bulgarien gewählt und als solcher von den Berliner Tractatmächten bestätigt. Am 8. Juli 1879 hielt der neue Fürst seinen feierlichen Einzug in die alte Krönungsstadt der früheren Herrscher Bulgariens, seine Reüdenz jedoch schlug er in Sofia auf. Fast von Anfang seiner Regierung an mußte Alexander mit russischen Jntriguen in seinem Lande kämpfen, da er sich als bloßes Werkzeug Rußlands nicht gebrauchen lasten wollte- eine Zeitlang sah er sich sogar zur Duldung einer Art russischen Nebenregierung unter dem berüchtigten General Kaulbars genöthigt. Im September 1885 übernahm er die Herrschaft über Ostrumelien und errang er dann in dem sich hieraus entwickelnden serbisch- bulgarischen Kriege die glänzenden Siege über die Serben bei Pirot und Slivuitza, bis der österreichische Einspruch der Siegeslaufbahn des Bulgarenfürsten ein Ziel setzte. Im August 1886 wurde Alexander von in russischem Solde stehenden Verschwörern hinterlistig in Sofia gefangen genommen und fortgeschleppt- zwar rief ihn sein Volk zurück, doch verzichtete er am 7. September des nämlichen Jahres auf den bulgarischen Thron und trat zunächst ins Privatleben zurück. 1889 vermählte er sich mit der Sängerin Johanna Loisinger, nachdem das Project einer Verbindung des ehemaligen Bulgarensürsten mit der Prinzessin Victoria von Preußen an dem energischen Widerspruche Bismarcks gescheitert war. 1890 trat er in die österreichische Armee ein, indem er zugleich den Namen eines Grasen Hartenau annahm. Im 37. Lebensjahre ist nunmehr Alexander von Battenberg dahingeschieden, seinen Namen aber wird die Nachwelt gewiß immer in Ehren halten.
Graz, 18. November. Nach authentischer Meldung hat Graf Hartenau Memoiren hinterlasten. Er hatte dieselben größtentheils seinem Secretär Golowin dictirt. Weiter wird gemeldet, daß Graf Hartenau einmal sagte, die Nachwelt werde dacüber staunen, was in diesen Memoiren Alles ent
halten sei. Aus Sofia wird eine Deputation eintreffen, die dem Leichenbegängmß beiwohnen soll.
Graz, 18. November. Die Wittwe des Grafen von Hartenau erhielt im Auftrage des Kaisers eine huldvolle Condolenzdepesche vom Generaladjutanten Grafen Paar. Außerdem condolirten die Erzherzoge Albrecht und Wilhelm, der Großherzog von Heffen, Prinz Ferdinand von Coburg und Andere.
Wien, 18. November. Wegen des plötzlichen Auftretens der Diphtheritis wurde das Mädchen-Gymnasium geschlossen. Acht Schülerinnen sind der Krankheit bereits zum Opfer gefallen.
Sofia, 18. November. Die Nachricht von dem Tode des Grafen Hartenau hat im ganzen Lande tiefste Trauer heroorgerufen. Morgen finden in ganz Bulgarien Trauer- gotteSdienste statt. In der heutigen Sitzung der Sobranje wurde der Antrag gestellt, der Familie des Verstorbenen eine Dotation zu überweisen. Außerdem wurde beschlossen, an die Wittwe das Ersuchen zu richten, sie möge gestatten, daß die Leiche nach Bulgarien überführt und in bulgarischer Erde bestattet werde.
Brüfiel, 18. November. Die letzte Congopost theilt über Emin Paschas Tod mit, Emin hatte sich unter den Schutz des Häuptlings Alibo-ben-Said gestellt, welcher ihn durch Ismael mit seiner Begleitung ermorden ließ. Nur die sansibaritische Frau und das einjährige Kind EminS wurden verschont.
Brüfiel, 18. November. An den Tod des Prinzen Alexander von Battenberg, des ersten Herrschers der Bulgaren, knüpft die „Jndependance beige" folgende Bemerkung: „Der Tod des Prinzen Alexander ist für den gegenwärtigen Prinzen ein wichtiges Ereigniß, welches ihn von einem immer möglichen Mitbewerber befreit. Der Verstorbene hätte in der balkanischen Halbinsel, wo es seit 1876 fortwährend gährt, im Falle von Verwickelungen eine hervorragende Rolle gespielt.
Paris, 18. November. Der „Petit Parisien" meldet aus Petersburg, alle Nachrichten über eine permanente russische Station im Mittelmeer seien verfrüht- es sei noch keine Entscheidung getroffen worden. Alexander III. habe besonders Griechenland seine Sympathie zugewendet und drei Häfen für sich in Aussicht genommen.
Paris, 18. November. Die Verhandlungen bezüglich deS Austausches von Kupfermünzen zwischen Italien und Frankr ich sollen demnächst zum Abschluß gelangen.
Paris, 18. November. Gegen die Anarchisten sollen strenge Maßregeln getroffen werden. Ministerpräsident Dupuy hat dem Ministerrathe hierüber bereits Miltheilung gemacht.
Madrid, 18. November. In hiesigen Regierungskreisen hegt man die Zuversicht, daß schon m nächster Zeit der spanisch-marokkanische Zwischenfall als gänzlich beigelegt betrachtet werden könne. In einem zweiten Schreiben des Sultans von Marokko werden strenge Maßnahmen gegen die aufständischen Kabylen angekündigt und die Berechtigung der Spanier zur Construction der vorgeschobenen Forts anerkannt.
Barcelona, 18. November. Die Gensdarmerie verhaftete acht weitere Anarchisten und beschlagnahmte Gewehre und Munition.
Petersburg, 17. November. Vom nächsten Jahre ab soll die russische Post Geldeinzahlungen zur Beförderung übernehmen, was bislang noch nicht der Fall war.
Petersburg, 17. November. Im Jahre 1892 betrug der Handelsumsatz zwischen Rußland und Frankreich 178 000000 FrcS., viele Artikel gingen indirect, d. h. durch deutsche Vermittelung, hin und her. Von dieser Summe entfielen 6000000 Frcs. auf Einfuhr durch Nordrußland. 165 000000 Frcs. betrug die russische Ausfuhr, davon 59 Millionen auf Getreide, 44 auf Leinen und Flachs, 15 auf Holz und 7 auf Felle. Wahrscheinlich .wird der Handel zwischen beiden Ländern durch die neulich abgeschloffene Zoll- abmachung erheblich wachsen.
Odefia, 18. November. Im Ganzen Südwesten Rußlands wüthet die Influenza mit größter Heftigkeit. Hierselbst kamen über 15 000 Erkrankungen vor.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Korrespondenz- Bureau.
Sofia, 19. November. Ein Armeebefehl des Prinzen Ferdinand gedenkt in erhebenden Worten des schweren Verlustes, welchen die bulgarische Armee durch den Tod ihres Begründers, des ruhmreichen Helden, Erlitten hat, der am Jahrestag des ruhmvollen Sieges von Slivnitza verschied.
Nr. 274 Erstes Blatt
Dienstag dm 21. November
1893
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Deutsche» Reich.
Darmstadt, 18. November. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute den Director des Gymnasiums zu Bensheim Dr. Dittweiler, den Obersteuerrath Bittel, den Polizeirath Fey, den Oberamtsrichter Hechler aus Vilbel, den König!. Bayerischen Generalconsul Metzler aus Frankfurt a. M.; zum Vortrag den Staatsminister Finger, den Firanzrninister Weber, den Oberceremonienmeister Gehcimerath v. Werner, den Cabinetsrath Römheld, den HostheaterdirectionS- rath Winter.
Berlin, 18. November. Der Kaiser hielt im Beisein einiger fürstlichen Jagdgäste, unter ihnen die Prinzen Heinrich von Preußen, Ludwig von Bayern und Albert von Sachsen- Altenburg, am Freitag und Sonnabend größere Hofjagden in den Letzlinger Forsten (Hannover) ab.
Berlin, 18. November. Der Kaiser, welcher am Donnerstag Abend um 7 Uhr in Begleitung des Prinzen Heinrich von Preußen, des Prinzen Ludwig von Bayern und den übrigen Jagdgästen wohlbehalten in Letzlingen eingetroffen ist erlegte in den am Freitag abgehaltenen beiden Lapptreiben auf Damwild 22 Stück und ein Schwein. Abends fand im Jagdschloß Letzlingen Tafel statt. Nach Beendigung der heutigen Hosjagd und der darauffolgenden Tafel gedenkt der Kaiser nebst den Fürstlichkeiten rc. mittelst Sonderzuges nach dem Neuen Palais zurückzukehren. Prinz Heinrich wird einige Tage im Neuen Palais verweilen, woselbst sich seine Gemahlin nebst Sohn zur Zeit zum Besuch aufhält. Prinz Ludwig von Bayern gedenkt mehrere Tage in Berlin zu verweilen und wird im Königlichen Schlosse Wohnung nehmen.
Berlin, 18. November. Nach einer etwas unwahrscheinlich lautenden Meldung der „Voss. Ztg." hat sich der frühere Jesuit Graf Hoensbroech nach Rom begeben, um sich mit dem Papst und dem Jesuitengeneral auseinander- zuietzen.
Berlin, 18. November. Die Socialdemokraten
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werden beim Reichstag einen Gesetzentwurf einbringen, demzufolge in jedem deutschen Bundesstaat die Volksvertretung auf Grund des allgemeinen- gleichen und binden Wahlrechts aller, auch der weiblichen Personen, die über 20 Jahre alt find, gewählt wird.
Berlin, 18. November. Der gegen Ahlwardt heute bei dem hiesigen Landgericht angesetzt gewesene Termin wegen öffentlicher Beleidigung des Beamtenthums und des Richterslandes, in welcher Sache das Reichsgericht das auf drei Monate Gefängniß lautende Urtheil wegen eines Formfehlers aufgehoben hatte, wurde infolge des gestrigen Beschlusses des Reichstages nicht abgehalten. Ein neuer Termin wird nach
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Schluß des Reichstages angesetzt werden.
— Dem Reichstage ist bereits ein ganzes Bündel von Initiativanträgen aus dem Hause unterbreitet worden, im Ganzen ca. 30. Unter ihnen befinden sich der vom Centrum schon wiederholt eingebrachte Antrag auf Aufhebung des sogenannten Jesuitengesetzes, sowie die gleichfalls vom Centrum gestellten Anträge ans Revision der Gewerbeordnung, Errichtung von Arbeiterkammern und Ermittelung der Wirkungen der elsstündigen Arbeitszeit bei Frauen, ferner Anträge der Conservativen, betr. das Verbot der Einwanderung über die Reichsgrenzen für nichtreichsangehörige Israeliten und bett, die Revision des Alters- und Jnvaliditätsgesetzes behufs Abstellung der beim Markensystem hervorgetrenen Mißstände, und weiter Anträge der Elsaß-Lothringer, welche sich auf Einführung des Reichspreßgesetzes in Elsaß - Lothringen und Uebertragung der bislang dem Reichskanzler zustehenden Befugniffe für die Reichslande auf den Statthalter beziehen.
— Die Erwartung, daß der Reichstag bei seinem Zusammentritte auch die Steuervorlagen vorfinden würde, hat sich nicht bestätigt- die genannten Vorlagen konnten dem Parlamente zu diesem Zeitpunkte einfach deshalb noch nicht zugehen, weil sie noch den Plenarverhandlungen seitens des BundeSrathes unterlagen, sie werden aber wohl dem Reichstage bis zur nächsten Sitzung zugehen. Uebrigens bricht die „Nordd. Allg. Ztg." in einem hochofficiösen Artikel nochmals energisch eine Lanze für die schwebenden ReichSsteuerprojecte. Besonders bemüht sich das genannte Blatt hierbei, den Vorwürfen, daß diese Projecre nicht im Einklänge mit den seinerzeit erfolgten Ausführungen des Reichskanzlers über die bezüglichen Pläne der verbündeten Regierungen stünden. Speziell erinnert die „N. A. Ztg." an folgende Auslassungen des Kanzlers: „Wir haben drei Grundsätze hingestellt: Einmal wollen wir versuchen, die Börsensteuer, an der auch allerlei Bemängelungen gemacht waren, anders und ergiebiger zu jcftalten. Dann wollen wir versuchen, die Steuern, deren •wir bedürfen, auf die leistungsfähigsten Schultern zu legen, die schwächeren Kräfte zu schonen, und endlich wollen wir


