1893
Nr 18
VierteljLhriger
2Unund Anzeis-blatt für den Ureis Gieren
Hratisöeikäge: chisßener AamilieuMtler.
Feuilleton
R. W‘H
Samstag den 2t. Januar
i] Schön möbllrteS Zimmer fofrn ipfiter iu ntrmittbtn Schmijenstratze 6, pattem
ermifdjfc Anzeigen.
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Der #U|t*tr Anreiger rrldjfint täglich, atü Ausnahme dr- MontagS.
Die (Sießener Ma«tlie»dlt11er werden dem Anzeiger -wöchentlich dreimal beigelegt.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgende Tag erscheinenden Nummer bi- Lorm. 10 Uhr.
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quälst."
„Siehst Du, wer weiß, ob gebeiratbet Hütte."
„Der Prinz!" schrie sie auf, Du darfst ihn nie mehr erwähnen', über Rippen kommen, tzie cs nicht nennen."
„Laß das, Vater. Ich gab verlange ich aber, daß Du mich
finden." , ... r.
Schweigend ließ der Dircctor diese Vorwürfe über sich ergehen, dann aber begann er abermals zu bitten und immer dringender — bls das schöne Mädchen nachgab.
„Ich will ihn heirathen," nickte sie müde und erschöpft, „und wenn auch dies nichts hilft, wenn Du hinabtreibst m den Strudel des Daseins, dann bin ich unschuldig daran. Golt helfe mir auch dies neue Schicksal tragen."
„Siehst Du, mein Herz, nun bist Du vernünftig, triumphine Volkert, plötzlich wie electrisirt emporfahrend, „ich wußte cs wohl, daß Du mich nicht in der Patsche stecken lassen werdest- zudem ist es doch kein solches Unglück, einen hübschen Menschen zu heirathen, der Dich liebt."
das. Vater. Ich gab Dir mem Wort, dafür
nicht mit Vorstellungen der Prinz Dich wirklich „wer spricht von ihm!
Sein Name soll nicht werlh sind — ihn zu
Alle Annoncen-Bureaux de- In- und Au-lande- nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen
Noch ein Opfer, Vater! Du verlangst nicht wenig von der Kindespslicht, — aber Du fragst nie, ob auch Deine Tochter dabei zu Grunde geht."
„Bella, ich bin ihm verpflichtet," stieß der Director athemlos hervor, „wenn er jenen Wechsel, den ein Zufall ihm in die Hände spielte, vorzeigt — so komme ich ms Zuchthaus."
Das unglückliche Mädchen taumelte zuruck.
Also das ists," stotterte sie mit verlöschender Summe, „ein Wechselfälscher als Vater! O Gott, mein Gott, Du prüfst mich furchtbar- mach ein Ende — es geht über meine Kräfte I" ,
„Nun, Du mußt es nicht allzu tragisch auffassen," brummte Volkert, im Zimmer auf- und niederschreitend, „solch ein Fehltritt passirt eben manchmal, aber wenn Du Prince heirathest, ist alles mit einem Schlage gut und kein Hahn kräht mehr nach jenem Papierwisch. Komm, sei ein gutes Mädchen, thuc eß mir zu Liebe. Deine tobte Mutter hatte für mich alles auf sich genommen."
„Und wie hast Du es ihr gelohnt! Du btst fett ihrem Tode gesunken und willst durch mein Elend Dich wieder aufraffen. Einen größeren Egoisten kann man wohl kaum
Mchemr Anzeiger
Keneral-Mzeiger.
und Zweifeln im Anschluß an das diesseitige Ausschreiben vom 19. August 1890 zu Nr. M. I. 21 799 insbesondere Pos. 6 desselben hiermit bestimmt, daß alle bereits durcb frühere Genehmigung feststehenden Fluchtlunen und Straßenzüge in den Ortsbauplänen und insbesondere auch m den zur Vorlage kommenden Entmurssplänen durch scharfe Auszeichnung und nöthigen Falls textliche Beischrift in rat her Farbe von den im Entwurf vorliegenden und mit Bleistift eingezeichneten unterschieden werden muffen.
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Amtlicher Theil.
Bekanntmachung,
betreffend Vorträge des Oberhessischen ObstbauveremS.
Sonntag den 22. Januar d. I., Nachmittags 2 Uhr* Vortrag des Herrn Landwirthschaftslehrerv Reichelt tfcbbn” AWW, u> der W „”on cs Brück über „Pflege und Schnitt junger Obstbaume .
Alle Mitglieder des Obstbauvereins und Freunde des Obstbaues werden zu diesem Vortrag freundlichst Ungeladen. Die Herren Bürgermeister von Großen-Buseck und der )t d)- harorte ersuche ich um ortsübliche Bekanntmachung.
Gießen, den 19. Januar 1893.
Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen des Oberhessischen Obstbauvereins.
Nebel, Amtmann.
„Nun, nun, Mädchen, nicht so heftig!"
„Laß mich nun allein und — toenn der Prinz kommen sollte — ich muß ihn sprechen — zum letzten totale!"
Die Thür fiel hinter dem Director zu und Bella glitt lautlos in einen Sessel- es lag wie ein Alp auf ihr, sie vermochte nicht zu denken, zu weinen oder sich auch nur zu regen. War sie cs denn selbst, die in den Spiegel gegenüber starrte, oder nicht etwa eine ganz Fremde?
„Isa," sagte sie ganz leise, „bist Du todt oder lebst Du noch? Ach ja, nun weiß ich, das Herz schlagt noch, aber eigentlich ist's gestorben - in Stücke zerrissen! O, d e berühmte, gefeierte Kunstreiterin stieg hoch zu Roß in die Manege, — aber sie möchte lieber sterben. — Mutter, Mutter, wchhalb hast Du Dein Kind damals nicht mitgenommen ins Grab — es muß sich dort so wunderschön schlafen —" „, ..... ,
Langsam strich sie das blonde Haar zuruck, glättete eine Schleife ihres Kleides und stand auf- um sie her war noch alles genau so, wie gestern, nur die Sonne chien nicht mehr. Es sah alles so grau, so farblos aus, beinahe gespenstisch.
„Horch, da kommt er," murmelte das arme Mädchen jetzt unb blieb lauschend stehen, „er fragt nach mir und der Vater antwortet ihm — er wird ihn in den Salon nöthigen. Wie ich aussehe! O, Curt, mein Lieb, nun kommt das Letzte, — Schwerste! Gott helfe, daß es bald vorüber sei — ich bin zu Ende mit meiner Kraft."
Und in der That näherten sich nun sporenklirrende Schritte, die THUr ging auf- im Rahmen derselben stand Prinz Arloff, strahlend vor Glück, männlich schön und stattlich. Sein leuchtender Blick fiel auf die reglose Gestalt der Geliebten, befremdet trat er näher.
Isa," sagte er in so innigem Tone, daß eS ihr beinahe das Herz abdrückte, „weßhalb so fremd? Bekomme ich denn keinen wärmeren Empfang?"
Sie schwieg noch immer, es war ihr unmöglich, zu reden, denn die Thränen quollen ihr näher und näher.
„Isa?" fruq er nochmals und neigte sich über ihr todt» blasses Gesicht, „mein Gott, Sie sind krank! Ihre Hände zittern vor. Frost — was ist geschehen, reden Sie -
Nichts Besonderes, Durchlaucht, und dennoch alles. Ich bin hwr — um von Ihnen Abschied zu nehmen.'
(Fortsetzung folgt.)
Drittes Concert
(101. Vereinejahr)
B Sonntag den 22. Januar 1893, Abends 5 Uhr, n Saale des Gesellschaften unter Leitung
Irossh. Universität« - Musikdiredi
Herrn Adolf Felchner und Mitwirkung
68 Fräulein Emma Dienstbach am Frankfurt (Sopran)
,e8 Fräulein Margarethe Voreüsch aas Halle (Pianoforte)
[ des durch auswärtige KunsUer stärkten Vereinsorchesters.
Programm«
Irrwege.
Novelle von F. von Pückler.
(16. Fortsetzung.)
Huf dem Corridor hörte man jetzt eine müde, weiche Stimme lagen: „Ich bin für keinen Bestich zu fprechen, nur für meinen Vater." r ...
Bella?" murmelte dieser halblaut, erstaunt, „sie ist nichts der Probe, wie sonst? Was ist da geschehen? Ich will zu ihr und versuchen, ob sie Prince Hoffnung giebt. Aber sie wird es nicht, ich glaube, Prinz Arloff hat den Bogel abgefchofsen, denn er ist stets nm sie her befchaftig und sie lächelt ganz anders seitdem als sonst. Prinzessin. Hm, das liest- sich hören, zudem ist er reich, aber jener mv seliae Wechsel —" _ .. . c
Langsam trocknete er sich die Stirn, goß ans einer aus dem Tische stehenden Flasche Rathwein ein ziemlich großes Wasserglas voll und stürzte es in einem Zuge herunter- es war sein Tröster, denn die düsteren Gedanken, welche drohend vor seiner Seele standen, wurden Heller, freundlicher, sie gingen über in schimmernde Lustschlösser und, wenn Constantins Augen endlich schwer herabsanken, umgaukelten sie ihn noch immer als Traumgebilde.
Seufzend schritt er endlich aus dem Zimmer zu Bella hinüber- einen Moment lauschte er an der Thür, dann pochte er an und trat dann ein - sie erhob sich von der Chaiselongue, auf der sie gelegen, und lächelte freundlich.
„Schon zurück, Vater? Ich — war heute verhindert, in die Probe zu kommen, aber ich habe „L'Etincelle" schon so oft geritten, daß es völlig unnöthig ist."
..Bist Du seiner auch sicher beim Hindernißnehmen?
ja. Verlaß Dich darauf, es wird gut gehen."
..Bella, ich — komme in einer Sache, die Dich erregen wird." v
Sie ward roth, aber sie entgegnete dennoch rasch. „Sprich immerhin, Vater, was hast Du auf dem Herzen.
Prince hat seine Werbung abermals erneuert."
„Und ich muß ebenfalls wiederholen, daß ich chm nicht mein Jawort gebe, denn ich liebe ihn einmal nicht."
,O, Kind, Du mußt es um meinetwillen thun. Ich rwill Dir alles sagen."
sich dieser nur auf diejenigen Gemarkungsgebiete zu erstrecken, für welche die Festsetzung der Baufluchten staltfinden soll, beziehungsweise für die nahe Zukunft ingenommen ist. Die Hauptrichtung der längsten Straße oö mit der Längsrichtung der Pläne übereinstimmen und überhaupt der Plan so eingerichtet sein, daß er eine möglichst geringe Höhe Cr^3 Von der Anbringung einer Ueberschrift kann abgesehen werden, jedoch ist auf der Rückseite des Planes au einem jeden der beiden Enden die Aufschrift: „Ortsbauplan der Gemeinde N." so anzubringen, daß sie gelesen werden kann, ohne den Plan aufrollen zu muffen. ......
4. Der Maßstab soll in der Regel Vsoo. der natürlichen Größe betragen. Für ausgedehnte Orte ist zur möglichsten Beschränkung der Plangröße ein Maßstab von /iooo oer natürlichen Größe aiizuwendeii.
5, Die Höhe des Planes darf 85 cm nicht überschreiten. Nötigenfalls ist der Plan in Form Zwe^r oder mehrerer selbstständiger Theilpläne anzufertigkii. Die Befestigung umlegbarer Klappen an dem Plane ist unzulässig.
6. Es empfiehlt sich, die Baufluchtlinien zunächst nur mit Blei und erst nach erfolgter Genehmigung mit Farbe einzeichnen zu lassen.
7. Auf jedem Plan ist bie Worbluüe einzutragen, außer- dem ist daö Verhaltniß der Plan-Zeichnung zur natürlichen Größe zu vermerken, auch ein Maßstab beizufügen. In dem Ortsbauplan sind ferner die Nummern der einzelnen Hos- raitben einzutrageu und sämmtliche Straßen mit ihren Bezeichnungen zu versehen. Sofern ncuprojectirte Straßen noch feine Namen besitzen, sind dieselben an den Endpunkten mit Buchstaben oder Ziffern zu versehen.
8. Soweit Friedhöfe und Eisenbahnen in dem Plan- bereiche liegen, sind dieselben einzuzeichnen, liegen dieselben m geringerer Entfernung als 500 Meter von den Endpun.ten der im Plan eingetragenen Straßenfluchtlinien, beziehungsweise von den letzteren, so ist durch Pfeilrichtung deren Lage im Allgemeinen zu kennzeichnen und die Entfernung veizu- fchr^en'Duplikatc zu den Ortsbauplänen sind erst
--— Gießen, den 18. Januar 1893.
y e t r.: Anfertigung von Ortsbauplänen.
Das Grohherzogliche Kreisamt Gießen
a» die «rotzh. Vürgermetstereier* de- SreiseA.
Das abschriftlich nachstehende Ausschreiben Großherzogl. Ministeriums des Innern unb der Justiz theilen wir Ihnen unttr Hinweis auf ben Wiederabbruck deSMigen vom 19. August 1890 zur Kenntnißnahwe unb Darnachachtung mit. v. Gagern.
Darmstadt, am 10. Januar 1893.
Betr.: Anfertigung von Ortsbauplänen.
Das Großh^ Ministeriilm des Innern und der Justiz
an die Grosihcrzoglichen Kreisämter.
Bezüglich der allgemeinen Ausstattung der als Entwurfs- vlane zur Vorlage kommenden Ortsboupläne wird zur Vermeidung von bisher mehrfach vorgekommenen Verwechselungen
Recitatir und Arie aus ,Faust S1Ä**.***1 ’SÄ «- ’lvill*’"
ymphom« Sr- 4 _ ,in . B*) , intrittsharten *urZl 3,50,1, ' MMhenhun^ I
^Preise^ .1 ■
Stücf is Pfennig, [470
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Knh! IU Df,lüuifn' !69i Jilbinger, ErlterSweg ik
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bogls. 5 Zimmer mit ßubth., n Eöden, Stallungen ic. auf * ibre zu onmleihrn.
res hü her tz^vrh. d. Bl, Luhwiftstrade W; unterer gtod Mn mit Zubehör, zum 1. Lori uiethen.___________
meinem Neubau in her Stell find LvglS von b Zimmern zu oer __________LvviS Hellmold.
1 Zwei Zimmer, Cabinet unbÄüd Lasterleitung alrbalb zu vermiel? ckhause Asterweg 50.
H. Ru-kstuhl II.
AnitraB-Tanz“ a. d- Edv, uite „Peer Gynt - D 8clrllW ' lrei Klßvierstucke , p Cbop|o.
Gießen, den 27. August 1890.
Betr.: Anfertigung von Ortsbauplänen.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gietzen nn das Grohhcrzogl. Polizeiamt Gi-tze,. ..,.ddi- Groschcrzogl. Bür-,crme,,tere,en d^s Krc.,es.
Wir tbeUen Ihnen nachstehcndes AuSjchreibcn Grob- herzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz zur Kenntnißnahrne und Nachachtung mit.
I. V.: Jost.
Darmstadt, am 19. August 1890.
Betr.: Anfertigung von Ortsbauplänen.
Das GroW. Ministerium des Innern und der Jnstiz
an die Grosihcrzoglichcn Kreisämter.
Die in letzterer Zeit häufig vorgekommene Vorlage von Ortsbauplänen durchaus unzweckmäßigen unb unhandlichen Formats nöthigt uns, folgende Vorschriften unter Hmweis auf bie Bestimmungen in § 13 der Ausführungsverordnung tur allgemeinen Bauordnung zu erlaffen.
1 1. Die Pläne sind auf Zeichenpapier mit Leimpand-
unterlaqe zu zeichnen und in ber Längsrichtung zu rollen, sodaß bie Rolle die kleinste Ausbehmmg des Planes zur Hohe erhalt bie be§ Planes beeinflußt, hat


