Ausgabe 
20.10.1893 Zweites Blatt
 
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1893

Freitag den 20. Oktober

Ut. 247. Zweites Blatt

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Zimts» unb Anzeigeblatt für den ICreis Gietzen

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chratiskeilage: chießener Jamikienklätter.

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Feuilleton.

U«»atzwk Bon Anzrigrn zu drr Nachmittag» für den 'e(|tn*<n Tag erscheinenden Nummer bi» Vorm. 10 Uhr.

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hiervon, gnädige gibt Männer, die

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Der iUltutx >a|et|n erscheint tiglich, tit Ausnahme bei Montag».

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Vermehrung der Landwirthschaft, und kann cS sonach in fünf bis zehn Jahren dahin kommen, daß Nordamerika die Hälfte feiner jetzigen Getreideausfuhr einbüßt refp. selbst braucht und Europa diese übermächtige Concurrenz los wird.

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aufgeschlagen haben und zwar unbekümmert darum, was die Räume kosten, ist eine Steigerung der Bierlocalmiethen ein- getreten, welche, wie wir annehmen müssen, ihren Höhepunkt erreicht hat. Ganz bedeutende Miethen werden aber auch sowohl von Staats- als städtischen Behörden bezahlt. So zahlt z. B. der Fiskus für die Räume im Hotel-Gericht an der Stadtbahn eine Miethe, deren Befrag die Zinsen für ein großes Gebäude mit der doppelten Anzahl Räume decken würde. Der Militärfiskus zahlt in einigen Straßen deS Westens für gewöhnliche Wohnungen einen doppelt so hohen Preis alS ihn die Besitzer herausschlagen würden, wenn sie die Räume zu Wohnzwecken hergeben müßten. Ein vorzüg­licher Miether für jeden Eigenthümer ist die Postbehörde. Wenn auch der Postfiskus alle möglichen und unmöglichen Einrichtungen vom Besitzer oft verlangt, so ist doch jedem Besitzer dringend anzurathen, den Anforderungen nachzukommen. Der Postfiskus schließt sehr lange Verträge und bezahlt so gute Miethen, daß der Wirth für fein Entgegenkommen hin­reichend entschädigt wird.

Ueber das Koch'sche Heilmittel gegen Lungenschwindsucht enthält die letzte Generalbericht über die Verwaltung der Medicinal-Angelegenheiten im Regierungsbezirk Breslau u. A. folgendes: Das Koch'sche Heilverfahren ist zunächst in den Universitätskliniken einer eingehenden Prüfung in Bezug auf seine Wirksamkeit unterzogen worden. In einzelnen Fällen hat die Kurmethode guten Erfolg erzielt, in der Mehrzahl der Fälle aber eine Besserung der Krankheit nicht bewirkt und in den übrigen Fällen offenbar geschadet. In den Krankenanstalten zu Frankenstein, Münsterberg, Namslau, Schweidnitz, Strtegau, Steinau und Waldenburg, woselbst ebenfalls mit dem Koch'schen Heilmittel Versuche angestellt wurden, war das Ergebniß wenig und meiftentheils gar nicht befriedigend. Wegen des häufigen Mißerfolges mußten die Versuche bald wieder eingestellt werden. Anderweitige Prüf­ungen in der Heilanstalt für Lungenkranke in Görbersdorf haben dasselbe Ergebniß geliefert. Bei den Aerzten hat das Tuberkulin kein Vertrauen gefunden, und das Mittel wird seitdem nicht mehr angewandt. Aus den Apotheken deS Re­gierungsbezirkes ist es verschwunden.

* Osternburg (Oldenburg), 17. October. Der Zimmer­meister Prechl, ein braver und fleißiger Mann, wurde während eines aus geringfügiger Ursache entstandenen Streites von sechs Fabrikarbeitern mit Knütteln todtgeschlagen. Precht hinterläßt neun Kinder. Don den Raufbolden sind bereits fünf verhaftet.

Gnädige Frau," stammelte er, trotz seiner sonstigen | Gewandtheit durch diesen unerwarteten Bescheid einigermaßen aus der Fassung gebracht,das Geständniß meiner Liebe kann Sie unmöglich beleidigt haben, Sie konnten mich einfach ab­weifen, aber"

Es kann mich nicht beleidigen, wenn Jemand mir etwas'zumuthet, dessen Erfüllung mich für immer ehrlos machen müßte?" unterbrach sie ihn im höchsten Grade em­pört.Sie häufen eine Beleidigung gegen mich auf die andere und daher fordere ich Sie nochmals auf, sich zu ent­fernen. Oder soll ich etwa die Dienerschaft rufen, damit diese Sie vor die Thüre begleitet?"

Ein höhnisches Lächeln glitt über das Gesicht des Barons, welches sich bei dieser Drohung zuerst stark ent­färbt hatte.

Wenn man in einem solchen Maße die Tugendreme spielen will, meine Gnädige," sprach er boshaft,dann muß man vor allen Dingen den Schein von sich fernzuhalten suchen, als sei man mit seiner eigenen Tugend nicht zufrieden und wegen derselben unglücklich. Eine Frau, die sich, wie Sie, meine Gnädige, dies thaten, fremden Personen gegen- über in einer so zwanglosen Weise über ihren Mann be­klagt, die fordert andere Herren gewissermaßen heraus, daß dieselben sie trösten sollen. Mein Verbrechen, wenn ein solches überhaupt vorliegt, wäre also jedenfalls unterblieben, wenn Sie mich nicht gewissermaßen zur Begehung desselben aufgemuntert hätten, und daher sollten Sie etwas weniger streng gegen mich sein, meine Gnädige. Ich habe die Ehre, mich Ihnen zu empfehlen, gnädige Frau!"

Sich spöttisch verneigend, verließ er das Zimmer- sie dagegen warf sich auf das Sopha und bedeckte mit beiden Händen ihr Gesicht. Was sie soeben gehört, das hatte sie mit fürchterlicher Wucht bis in ihr Innerstes getroffen. Nicht als ob der Baron in Allem recht gehabt hätte, im Gegen- theil. Er hatte eS geschickt anzufangen gewußt, um sie über ihr Verhältniß zu ihrem Manne auszuforschen, aber daß sie

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Rebachon. HpctiiMl und Druckerei:

sich zu unbedachten Aeußerungen über den letzteren hatte hinreißen lassen und sich somit vor jenem frivolen Menschen eine Blöße gegeben hatte, durch welche dieser sich zu einem solchen infamen Vorgehen berechtigt glaubte, daS erregte sie in unbeschreiblicher Weise, es trieb ihr die Röthe der Scham in die Wangen und erfüllte sie mit tiefer, leidenschaft-

Tie landwirthschaftliche Production und ^Bevölkerungszuwachs indenVereinigten Staaten.

Vom größten Interesse für die europäische, zumal für bit Deutsche Landwirthschaft ist die Frage, in welchem Ver- hiiltmiß die landwirthschaftliche Production der Vereinigten 61 (mtcn zu dem Bevölkerungszuwachs dieses großen Landes stehl, denn erst dann, wenn die nordamerikanische Landwirth- jdja' t mehr und mehr in ihrer rapiden Entwickelung durch die extensive Wirthschast auf den besten Ackerflächen gehemmt ist nnb ein größerer Theil ihrer Producte als bisher im eigenen ßanbe gebraucht wird, ist eine Abnahme der colossalen Con- lurrenz Nordamerikas für die europäische Landwirthschaft zu envsrten.

AuS den statistischen Berechnungen des amerikanischen Kationalöconomen C. Wood David ergibt sich nun das rnerk- "diiltige Resultat, daß bis zum Jahre 1870 die Bevölkerungs- |unct)me und die Vermehrung der angebauten Flächen in Nordamerika ziemlich gleichen Schritt hieltet!. Erst die ver- viehlrten Eisenbahnbauten im nordamerikanischen Westen brachten in Bezug auf das Verhältniß der Bevölkerung zur landwirth- jäiastlichen Production einen Ungeheuern Aufschwung und zugleich auch großen Umschwung hervor. Denn in den Jahren 1870 bis 1880, wo durch die Eisenbahnen die Erschließung

Westens begann und zur Hälfte auch durchgeführt wurde, wuchs die Bevölkerung um 30 Procent, die landwirihschaft- liche Production stieg aber um nahezu 67 pEt., resp. fand ein ytn dieses Verhältniß vermehrter Anbau neuer Ackerflächen patt. ES ist nun aber ganz klar, daß, nachdem die Farmer mb Viehzüchter Amerikas solche Flächen (ca. 66 Millionen «der) in einem Jahrzehnt mehr als früher in Bewirthschaftung |tnt atmen haben, der Zuwachs in diesem Verhältniß nicht weiter gehen konnte, weil es eben an entsprechend großen iinb guten unbebauten Flächen fehlt. Von 1880 bis 1885 flieg deshalb die Bevölkerungszunahme nur um 12pCt., die lanilwirthschaftliche Production wuchs aber auch nur noch um Igls, pCt. und in den letzten sieben Jahren zeigt sich gar faft ein Stillstand in der Vermehrung der angebauten Flächen Nordamerikas, denn dieselben wuchsen in den sieben Jahren nur um Zi/zpCt., während die Bevölkerung um 16*/2 t. jeftiegen ist.

Selbstverständlich ist noch immer in Nordamerika infolge itt enormen Vermehrung der angebauten Flächen in den zahlten 1870 bis 1885 die landwirthschaftliche Ueberproduction sehr groß, aber sie kann nicht weiter wachsen, weil der Be- MkerungSzuwachs seit 1885 viel bedeutender ist als die

Eigensinn.

Von G. ©trüber.

(2. Fortsetzung.)

Es gibt aber auch Ausnahmen Ziat-l!" rief der Baron feurig aus,es _ treu und in unvermindertem Grade ein Wesen, welchem sie

Alle Annoncen-Bureaux bei In. unb luftlanbt» nehmo» Anzeigen für benGießener Anzeiger" mtgegen. I * JP

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Wenn doch Karl in diesem Augenblicke zurückgekehrt wäre, wie hätte sie ihn um Verzeihung bitten und ihm Besserung geloben wollen, aber ihn, der sie so aufrichtig gern hatte, den hatte sie ja schwer und sogar mit einem recht häßlichen Schimpfworte beleidigt, und vielleicht noch manche Stunde konnte vergehen, ehe er fein Heim aufsuchte. Es war sein gutes Recht, wenn er das Zusammentreffen mit einer Frau, die ihn ohne jede Ursache, wie sie in diesem Augenblicke fühlte, auf eine solche Weise verletzen konnte, so lange wie möglich hinauszuschieben suchte.

Heiße Thränen rollten ihr unaufhörlich die bleich ge­wordenen Wangen herab, als plötzlich ein knisterndes Ge- räusch sie aufhorchen ließ. Das Geräusch schien von außer­halb der Thüre her an ihr Ohr zu dringen und kaum hatte sie diese Wahrnehmung gemacht, als sie auch sofort an die Thüre eilte und dieselbe öffnete.

Entsetzt prallte sie zurück. Ein dicker Rauch qualmte ihr entgegen und drang sofort in das Zimmer, dazwischen aber leckten die Flammen bereits bis zu den obersten Treppenstufen empor. Die Treppe und mit ihr das HauS stand in Brand. Durch dieses Flammenmeer konnte sie nicht mehr hindurch, wie sollte sie jetzt um des Hlmmelswtllen sich retten? . c

, . Sie warf die Thür wieder zu und riß dte Fenster auf, wo sie laut um Hilfe schrie- aber die Gegend war wie auS- gestorben, kein lebendes Wesen ließ sich blicken.

(Schluß folgt.)

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vermischter.

* Ueber Berliner Miethspreise berichtetDer Bau". Die alten Berliner Spießbürger des vorigen Jahrhunderts oder diejenigen, welche zu Anfang dieses Jahrhunderts lebten, müßten aufstehen und die Zahlen der Summen, welche heute als Miethspreise ausgegeben werden, lesen. Die Alten würden die Köpfe schütteln, und gar nicht begreifen können, daß es überhaupt so viel Geld giebt. Die Zeit liegt allerdings weit zurück, in welcher ein schöner großer Laden Unter den Linden mit daranhängender Wohnung 200 Thaler kostete und ein großer Laden am Spittelmmkt für 100 Thaler zu haben war. Wohnungen waren natürlich noch viel billiger, am Oranienburger Thor kostete eine schöne Wohnung von vier Stuben 32 Thaler, und eS gab verhältnißmäßig Wenige, welche sich den Luxus einer so theuren Wohnung leisten konnten. Die gute alte Zeit brauchte aber keine höheren Miethspreise, denn ein anständiges, stattliches Haus im Een- trum der Stadt war mit 810000 Thaler bequem zu haben, und wer zwei solcher Grundstücke besaß, galt als reicher Mann. Das größte hiesige Manufacturwaaren - Haus be­rechnet den Miethswerth seiner Räume auf 450000 Mark für das Jahr. Ein Concurrenzgeschäft, welches erst vor Jahresfrist seine Pforten schließen mußte, berechnete seine Mie'he auf 350000 Mark. Dies sind Beträge, welche ins Unglaubliche gehen- man denke, was ein Geschäft verdienen muß, das täglich an Miethe allein 10001400 Mark zu zahlen hat! Ein hiesiges Spezialgeschäft berechnet seine Jahresmiethen auf 200000 Mark und Geschäfte, welche von 65100 000 Mark zahlen, giebt es in Berlin Dutzende. Die größte Zahl der hohen Miethen wird durch die Bier- und Kaffeelocale gestellt. Es giebt ein Kaffeehaus in Berlin, welches seine Miethe auf 180000 Mark veranschlagen muß. Der rasfinirte Luxus der Bauten läßt eine Verbilligung nicht zu. Es giebt eine große Menge von Gastlocalen, welche bis zu 50000 und 60 000 Mark Miethe zahlen, und das ist nicht etwa nur in der Friedrichstraße allein der Fall. Ob jene Miethen den wirklichen Werthen entsprechen, möchten wir bezweifeln. Im Augenblicke sind zwar die großen und größten Locale mit ihren Massenabfütterungen beliebt, ob aber dies immer so bleiben wird, ist vorläufig nicht abzusehen. Seitdem die süddeutschen Bierfürsten in Berlin ihre Hallen

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einmal ihre Zuneigung geschenkt, lieben können bis zum atften Athemzuge, und ich weiß, zu diesen Männern gehöre aii) ich. Ja, wenden Sie nicht unwillig Ihr Antlitz von »r ab," fuhr er leidenschaftlicher werdend fort, wobei er ent ihrer Hände erfaßte,ich schwöre Ihnen, daß ich die Ahrheit sage, ich schwöre Ihnen aber auch, daß ich Sie ]!-6c, bis zum Wahnsinn, um so mehr liebe ich Sie, als ich miß, daß Sie unglücklich mit Ihrem Manne sind. Hier auf ton Knieen liege ich vor Ihnen, Elise, und flehe Sie an: Md en Sie die Meine, fliehen Sie mit mir und trennen Qit sich von diesem rohen, eingebildeten Bauer, der das Mck, einen solchen Engel sein eigen nennen zu dürfen, nicht

würdigen im Stande ist, machen Sie mich "

Halten Sie ein, Herr Baron! Sie werden un- Xiichämt I"

Die kleine Frau war aufgesprungen und stand kerzen- MmLe aufgerichtet, mit blitzenden Augen und todesblaffem «gesichte vor dem auf dem Boden knieenden Manne.

Sie haben mich in meinem eigenen Hause so schwer . fcltföigt, wie man eine ehrbare Fran nur beleidigen kann," I gibt sie mit einer vor Aufregung zitternden Stimme fort. |

ersuche Sie daher, mich jetzt zu verlassen und zwar auf irr Stelle."

Ihre Hand wies gebieterisch nach der Thüre, aber der Saran, welcher inzwischen aufgestanden war, machte keinerlei Malten, sich zu entfernen.

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