Ausgabe 
20.9.1893 Zweites Blatt
 
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1893

I Alle Lanoncen.Buream bti In. und Huftlanbe« nrhmn, Anzeigen für benGießener Anzeiger" entgegen.

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Achtrer Amzei-er rrfcheint täglich, Ausnahme deS Montag-.

Die Gießener ,e*HWel Ciltet |fi*m bem Anzeiger OtchnUlich dreimal häßelegt.

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ückkunft:

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Für das Aufstellen eigenartiger Probleme besaß Halm einen nicht geringen Spürsinn, der, wenn sich zu ihm noch realistische Darstellungskraft gesellt hätte, ohne Zweifel ganz Bedeutendes und Hervorragendes geleistet haben würde. Em Problem liegt auch demSohn der Wildniß zu Grunde, es ist der Gegensatz zwischen Barbarei und Civilisation und der Versuch ihrer Versöhnung und Ausgleichung. Dieser Gegensatz wird in die Zeit der Völkerwanderung verlegt und erscheint individualisirt in den Personen des rauhen un­geschlachten Jngomar (Herr Barthel) und der lieblichen, anmuthigen Parthenia (Frl. Lan do rt).

Die Liebe ist natürlich die große Ausgleicherin zwischen den anfangs getrennten Welten.

Die feinen poetischen Stellen, an welchen das dramatische Gedicht Halms sehr reich ist, wurden von den Darstellern mngemäß behandelt.

Gegenwärtig wird in Frankfurt a. M. auch noch tm Saalbau Theater gespielt. Bis zum 22. September dauern die Vorstellungen des Gustav . Adolf. Festspiels aus Anlaß des 50jährigen Jubelfestes des Gustav-Adolf-VerernS.

Dr. Otto Devrient, der Verfasier, welcher schon m seinemLuther" - mit welchem sich der Herrig'sche bei Weitem nicht mesien kann bewiesen hat, daß er sich auf die Dramatisirung der Geschichte versteht, gibt inGustav Adolf" ein historisches Characterbild, das mit der Treue der Auffassung den ächten Sinn für volkSthümliche Wirkung ver- bindet und - ein nicht gering anzuschlagender Vorzug zwischen den verschiedenen Beurtheilungen, welchen das Bild des Schwedenkönigs unterworfen ist geschickt zu ver­mitteln weiß. Der Gustav Adolf Devrients ist kein Hyper- idealift, aber ebensowenig ein Streber.

Die Sprache des Stückes ist die nämliche wie tnWallen­steins Lager". Mit diesem kurzen Vers lassen sich die Dinge sehr deutlich und kraftvoll characterisiren - auf die Dauer wirkt er freilich etwas monoton, zumal wenn sich in ihm Alle, der Gebildete wie der Ungebildete, auszudrücken haben.

In seinen humoristischen Wendungen ist Otto Devrient stets glücklich- die Reden namenttich des Helden sind mtt attischem Salz gewürzt- die lateinischen Wortspiele, die sich auch schon imLutherspiel" finden, stimmen zu dem Zeitbilde

Der Verfaffer spielt den Gustav Adolf selbst- die an- muthige Schwedenkönigin Marie Eleonore hat an Frau Dr. Hauser-Burska eine ebenso intelligente tote lieb­reizende Vertreterin. Die Menge der übrigen Personen be­findet sich in Händen von Dilettanten , die m Bezug aus Einzel- und Zusammenspiel eine sorgfältige, Zeit und Studium bedingende Schulung an den Tag legen.

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Arrnsprechn 51

AusschuWtzung

des landwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Obcrhessen.

Der auf Mittwoch den 27. September d. I. anberaumten ßauptoerfammlung soll um 10'/- Uhr eine Ausschußsitzung uorangeheu, zu der ich die Mitglieder des Ausschußes Heer- durch eraebenst einlade.

Laubach, am 31. August 1893.

Der Präsident des landwirthschastlicheu Vereins für die Provinz Oberhessen Friedrich Graf zu Solms-Laubach.

DermiWtw*

Auf Helgoland wurden am 9. September Nachmittags zwei Badegäste vom Blitz getroffen. Sie waren erst am Mittag deffelben Tages mit dem Bremer Dampfer ange­kommen und machten Nachmittags einen Spaziergang um die Insel, als sie von einem plötzlich aufsteigenden schweren Ge­witter überrascht wurden. Zwischen der äußersten Nordspitze und der Flaggenstange fuhr der Blitz hernieder, dem sogleich ein furchtbarer Donnerschlag folgte. Der Blitz ttaf beide Herren; der eine von ihnen war sofort tobt, während der andere nur in tiefe Betäubung verfiel, sich jedoch verhältniß- mäßig rasch erholte. Der tödtlich Getroffene ist ein Sohn

vorgesehen.

Halms Muse lebte bekanntlich von der Nachernte au dem Felde .der Klassiker. Bekannt und in gewissem Sinne populär wurde Halm zumeist durch denFechter von Ravenna . Eine volltönende, bilderreiche Sprache, die sich hauptsächlich an Schiller gebildet, eine reiche Phantasie verleihen seinen Dramen ein festliches Gepräge, so etwas tote ein Sonntags­kleid. Aber der unwirkliche, romantische Zug in ihnen allen hindert, daß die Nation sie zu ihren vornehmsten Geistes- schätzen legte.

Hauptversammlung

des landwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Qderhefsen.

Qur diesjährigen ordentlichen Hauptversammlung beehre ich mich, die Vereinsmitglieder, sowie alle Freunde der Land- Virthschaft auf ~ x t ~

Mittwoch den 27. September d. I. Vor­mittags 11 Va Uhr in das Gasthaus zumPrmzen Karl in Gießen hiermit ergebenft einzuladen. .

Gegenstände der Verhandlungen werden sein.

1, Die Bekämpfung der Kartoffelkrankheit, emgeleitet durch Herrn Landwirthschaftslehrer Andrae zu Büdingen;

2,, Die Errichtung von Landwirthschaftskammern, etngeleuet durch Herrn Landwirthschaftslehrer Dr. von Peter in Fried-

3. Die Frage:Welche Maßnahmen empfehlen sich, um der ' Wiederkehr eines Nothstandes, wie des diesjährigen, für

Gießener Anzeiger

Kmeral-Mnzeiger.

rlints- unb Anzsigeblatt für ben 'Kreis «Kietzen.

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jit. SA AweitcS Blatt. Mittwoch den 2». September

die Folge nächMöglichkeit vorzubSugen", -ing-l-il-t durch Herrn Landwirchfchaftst-hr-r Leithiger-Msfeld.

Laubach, am 31. August 1893.

Der Präsident

des landwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen Friedrich Gras zu Solms-Laubach.

-- . " es dichtete und der Welt darbot, ging er aber noch

Feuilleton. nicht von diesen ästhetischen Ansichten aus- er setzte viel-

? mehr beim Publikum so viel moralische Kraft frankfurter Lheaterbries. ! voraus, um das objectiv wahre Bild, das er

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Mkt unb leine Jug-uddram-n. Der Sohn der Wildniß. j kein Stoff verwehr.«^hn^nur^unstvoll^b-handle.

Rechtes aNzufangen. DieStella" erschien oueniauo nuaj, wenn eine berühmte Künstlerin, wie z. B. Marie Seebach, Lust verspürte, in der Titelrolle auf Gastspielen zu glanzen. Clavigo" wurde auch ab und zu, und zwar meist in Ver­bindung mit denGeschwistern" hervorgeholt. Jetzt, w der Zeil der litterarischen Ausgrabungen, sieht man sich fedoch auch die anderen Jugenddramen näher an und tritt zu ihnen in ein innerliches Verhältniß. Unsere ganze Richtung in Sachen der Aesthetik geht auf Einfachheit und Natur- Wahrheit, und der junge Goethe ist so einfach und schlicht in StB elften dramatischen Berochen, wie es sich bei etaetn heftig »raufenden Temperament - und solches war der Dichter des Werther" auf der anderen Sette doch in hohem Maße Üchst feiten findet. Es ist intetefiant, festzustellen, daß die id-or-tifch-n Ansichten, die Goethe dazumal von den Aufgaben des Comodienfpieles hatte, in wesentlichen Punkten mit den Meinungen des Allerneuesten zusammentreffen.

In bem Vorworte der Cotta'schen Herausgabe der Goethe'scheu Werke bemerkt Karl Goedecke unb zwar fallt diese Bemerkung in eine Zeit, in welcher die jüngsten Lttteratur- sehden noch kaum in Sicht warenMit dem Stoffe derMitschuldigen" sind die Beurtheiler von Mr in Verlegenheit gekommen- die Unsittlichkeit deffelben wissen sie nicht anders zu mildern, als daß sie aus dem Ganzen er­läutern, wie offen und klar Goethe schon in seinen jungen Jahren das gemeine Getriebe der Welt durchschaut habe. Goethe selbst räumt ein, daß es, wenn auch im Einzelnen ergötzend, durch das burleske Wesen auf dem düsteren Familien- gründe doch als von etwas Bänglichem begleitet erscheine, so baß eS bei der Vorstellung im Ganzen ängstige. Als er

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Inn°hmk von Anjktg.n ju bet Nachmittag« ptt ben folgmben lag nschemenben Nummer di» »°rm. 10 Uhr. \_____--

Amtlicher Theil.

Gießen, den 18. September 1893.

Hetr.: Ermittelungen über die Zahl der Gast- und Schank- wirthschaften, sowie der Kleinhandlungen mit Brannt­wein.

$a8 Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grohh. Bürgermeistereien der Land- gemeinden des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, die mit der Erledigung unserer Verfügung vorn 2. d. M. Anzeiger Nr. 208 " noch im Mckftand sind, erinnern wir hieran mit Frist von 3 Tagen.

v. (Sagern.

d-S Landgerichtspräsidenten Lorenz m «I enbutj, fein ®e gleitet, der sich bereits wieder ganz wohl befinde, tst em Neffe des Schiffsrheders RickmerS aus Br-m rhaf-n. Der plötzliche Tod des jungen Lorenz erregte unter ben Bade gasten, wie unter der Bevölkerung Helgolands große Th >l- nähme, die in den vielen Blumenfpenden bei Ueberführung der Leiche nach dem Bremer Dampfboote frönen Ausdruck fand. Ein ähnlicher Unglücksfall ist aus der Insel noch ni vorgekommen, seit Menschengedenken ist (ein Blitz auf Helgo­land herniedergefahren. Auf der Düne allerdings wurde im Jahre 1853 die damals sehr beliebte Schauspielerin Fraulem Erck durch einen Blitzschlag getöbtet.

Ein Gezeichneter. Bayerische Butter verbreiten einen Steckbrief gegen einen gewissen Kunz Walter aus Oes e reich, welcher beschuldigt ist, in Memmingen etnen ®tr°^: raub verübt zu haben. Unter der Rubrikbe ondere Kenn­zeichen" heiß: es in dem Steckbrief: M®er Gesuchte hat auf der Brust ein großes Dampfschiff tatowirt, daffelbe reicht auf der Brust von der einen bis zur anderen Schulter, an dem Schiffsrande auf der rechten Brust hangt cm Mer herab und am anderen Ende ist ein Fähnchen ""gebracht, in der Mitte des Schiffes, ungefähr oberhalb der Herzgrube, geht der Schlot des Schiffes bis gegen den Hals in b,C $° $ie höchsten bis jetzt erzielten Hitzegrade. Dem fran­zösischen Gelehrten Samte Claire Deville war es vor ewiger Reit aehingen, durch Anblasen brennenden Wasserstoffes mittels Sauerstoff eine Hitzetemperatur bon 2000 zu erzielen. Er ist aber nunmehr von seinem Landsmanne Moiseau übertrumpft worden, da dieser nut Zuhilsenahrne starker electrischer Ströme 3000 Grad Hitze erMte, s etwa das Siebentel der auf der Sonne herrschenden Tem

| peratur.

als in der Verwickelung und Lösung der daraus fließenden Handlung." Auf dem Weimarer Liebhabertheater kamen

Die Mitschuldigen" im Jahre 1776 zum ersten Male zur Darstellung. Den Hausfreund Alcest, der sich in eine nicht glückliche Ehe drängt, spielte Goethe selbst.

Die vier Personen, welche die Handlung zu Stande bringen, hatten neulich in Frankfurt sehr gute Vertreter. Fräulein Land ori vermochte die etwas leichtsinnige, aber ine oee wuwrar ........-- keineswegs verdorbene Sophie, richtig herauszuarbeiten Den

DieStella" erschien allenfalls noch, > neugierigen Wirth gab Herr Grün ganz im Sinne einer " ' ' Zett, die in Bezug aufjNachrichten und Neuigkeiten noch sehr

dürftig dran ist. Dem Lebemann Alcest und dem leicht­sinnigen Söller, Sophiens Gatten, verliehen die Herren A. Meyer und Bolz die paffenden Farben-j

Im scharfen Contrast zu diesem Lustspiel steht die Wirkung derStella". In dieser ist noch alles weiche Gefühls­seligkeit, mit einem Worte: Wertherpathos.

Die beiden Frauen Stella und Cäcilie, zwischen welchen der Held haltlos hin- und herschwankt, wurden durch Frl. Gündel und Frau Keller-Frauenthal in einem etwas zu modernen Tone erfaßt. Die fentimentaten Reflexionen, in welchen Fernando sich zu ergehen hat, wirkten aus dem Munde des Herrn Barthel nicht unwahr.

Einen Versuch der Auffrischung hat die Frankfurter Theaterleitung in diesem Monat auch mit dem etwas ver­gilbten und verstaubten Friedrich Halm (Freiherr: v. Münch- Vellinghausen) gemacht. SeinSohn der Wildniß erschien vor acht Tagen und ist wieder für nächsten Dienstag

8nst.°-Ad°isiS-sifpi-l. und die Kunst der Behandlung wurde darin gefunden, daß

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lan zu gedenken, wenn -S gilt, erschöpfend darzuthun, wi­der Dichter desTaffo" sich °us feinen naturaMfchen zugendanwandlungen siegreich zur reinen formalen Echönh it miporgcarbeitet habe. Di- d-utfch-n Bllhnen, die fchließitch idenfowenig wie die romanischen dem S-nsationell-n auS dem Wege gehen, dachten hi-rin im Wesentlichen viel anders- dem Dichter derIphigenie", desEgmont^st de» «F^ust ge­nährten sie Zutritt, aber mit derStella ,Den Mit^ schuldigen",Der Laune des Verliebten" wußten sie nichts