Ausgabe 
18.5.1893 Erstes Blatt
 
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Nein durch Thaten fort und fort UnS bezeugt als Brüder?

Freu'n wir uns der Pfingsten denn!

Doch wenn wir erwärmen, Wenn so froh ein Lied man singt. Wenn so hell das Glas erklingt: O, so denkt der Armen!

Droben hoch im Hessenland Liegt ein Dorf in Trauer. Weinend steht mit Weib und Kind, Arm geworden io geschwind, Mancher brave Bauer.

Zell", Du treues Hessenborf! Wollen Dein gedenken!

Was die Flamme Dir entriß, Hessentreue sei gewiß! Wird Dtr's wieder schenken.

Karl Schafs nit.

Pfingsten, holdes Frühlingsfest, Willst nun wiederkommen, Wtederbringen jenen Geist, Der alS heilig sich erweist, Bei den Guten, Frommen.

Eitel Freude wird wohl sein In den Pfingstsesttagen.

Jubel schaut zum Fenster 'raus, Aus so manchem schönen Haus, Fern ist Sorg und Klagen.

Fröhlichkeit und Lust und Scherz Wird die Hand sich reichen.

Sollte auch zur Frühlingszeit, Aller Well zur Lieb' geweiht, Nur der Mensch denn schweigen?

Doch wo bleibt der heil'ge Geist, Der mehr als durch Lieder, Frommen Spi uch undglattes Wort, Darmstadt, 13. Mai 1893.

Vermischtes.

Gedenket der armen Abgebrannten in Zell.

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her frühere Rerchstagsabgeordnete Nicola Racks hat die iqm von hier wie von zwei auswärtigen ReichStagswahlkreiseu angetragcnen Candidaturen entschieden abgelehnt.

I6 ^Q*" $eute dahier stattgehabte dresjahrrge Generalversammlung des land wir th s ch a ft- n* o-.Crcin§ Provinz Rheinhessen befaßte id) des Längeren mit demBunde der Landwirthe". Nach letjr eingehenden Debatten nahm man folgende Resolutionen °n; //®er landwirthschaftliche Verein begrüßt die Gründung 6c5 Bundes der Landwirthe, soweit sie zur Förderung der wrrthschaftlichen Interessen der Landwirtschaft bestimmt ist, unci empfiehlt seinen Mitgliedern den Beitritt zum Bund, ferner stellt der Verein zur Förderung des Bestrebens oc5 Bundes 500 Mark unter der Bedingung zur Ver­fügung, daß der landwirthschaftliche Verein seine Stellung gegen die Staffeltarife im Bunde zum Ausdruck bringt. SDiit diesen Beschlüssen hat der landwirtschaftliche Verein feine bisherige parteilose Haltung aufgegeben und ist in die politische Arena getreten.

Mainz, 16. Mai. Der Wasserstand des Rheins geht noch fortwährend zurück und ist die Schifffahrt bereits in einer Weise behindert, daß für die Schiffseigner und ^hedereien großer Schaden erwächst. Die Personenschiffe, oie nicht sehr geringen Tiefgang haben, mußten schon außer 'betrieb gestellt werden und diejenigen Boote, welche noch fahren, können dies nur mit der größten Vorsicht. Von einem fahrplanmäßigen Kommen und Ab fahren der großen Salonschiffe ist im Augenblick nicht die Rede. Die Güter- schiffe müssen an verschiedenen Stellen lichten. Von St. Goar abwärts bis Wellmich liegt eine ganze Flottille vor Anker und zwar an manchen Stellen so dicht, daß für die Schiff- fahrt ielbst nur em schmaler Canal zum Passiren offen ist.

R. Aus Rheinhessen, 16. Mai. Wir haben in unserer Provinz sclbstverstänolich eine ebenso große Trockenheit wie in den beiden jenseitigen Provinzen, stellenweise ist sie vielleicht roch größer und zwar an denjenigen Orten, wo der Boden recht kalkhaltig ist. Dort giebt es aber auch einen guten 2Bein und so kommt es, daß zwar unsere Landwirthe zu viel Trockenheit haben, die Winzer und Bienenzüchter schauen aber vergnügt drein. Die Weinberge sehen sehr gut aus, die Schäden, welche die große Kälte und die Maisröste anrichteten, sind jpohl erträglich. Das Laub und die Gescheine an den Rebstöcken sind gesund, über Ungeziefer hört man u'cht klagen. Die Lage ist daher, Mitte Mai, wo sich schon überall blühende Gescheine finden, eine recht befriedigende. Regen könnten wir brauchen, aber er ist nicht so dringend nöthig wie bei der Landwirtschaft. Warm muß es bleiben, damit kein Rückschlag in der Entwicklung eintritt. Das 1893er Frühjahr erinnert an die berühmten Weinjahre der 50er Jahre, nämlich an 1857, 1858 und 1859. Auch sie brachten den Landwirth arg in Schwulitäten hinsichtlich der Futter- und Streumaterialien, aber Weine wuchsen, die zu fcen besten des 19. Jahrhunderts gerechnet werden müssen. Gegenwärtig finden an den größeren Orten unserer Provinz: Mainz, Bingen, Oppenheim öffentliche Weinversteigerungen ftatt, wozu Käufer aus aller Herren Länder zusammenströmen, besonders wenn hochfeine Gewächse zum Ausgebote kommen. Die Weinpreise halten sich hoch, der Mißwachs seit zwei Jahrzehnten macht sich geltend.

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dritte wiegt 1148 Äi(o; die vierte und kleinste wiegt 488 Kilo. Das Gesammtgewicht der neuen Glocken beträgt also 7555 Kilo. Um den vielseitigen ausgesprochenen Wünschen entgegenzu­kommen und um der Gemeinde die Freude, auch die neuen ©locfen bald wieder zu hören, zu bereiten, sollen am nächsten Samstag, 20. Mai, alle Glocken nochmals geläutet werden, 5ugleid) als Einläuten des Pfingstfestes. Abends 7 Uhr am nädtften Samstag sollen zuerst die Glocken der Stadtkirche rurTnUtei\ geläutet werden, gleich darauf die neuen Tn Minuten lang; dann nach einer Pause von W Minuten sollen alle acht Glocken V« Stunde lang ge- lautet werden. vr. Naumann.

* Concert. Das rühmlichst bekannte Sänger-Ensemble beß Groß h. Hoftheaters z u Darmstadt, welches unter der Bezeichnung Rheinisches Vocal-Künstl er- Dopp elquartett wiederholt Kunstreisen mit bestem künst­lerischen Erfolge ausführte, wird auf seinem diesjährigen Tournä am Samstag den 27. Mai inSteins Garten" ein Concert veranstalten. Weitere Verpflichtungen machen ed der Vereinigung unmöglich, mehr als ein Concert hier zu geben. Wir möchten daher Alle, die sich für künstlerischen Männergesang inteteffiren, ganz besonders darauf aufmerksam wachen. Die Wahl der Chöre zeugt von gutem Geschmack, neben Wagner (Pilgerchor) finden wir Weidt, Kücken, Orth, Koschat rc. Angenehm wird die Reihe der mehrstimmigen Gesänge durch einstimmige Arien und Lieder unterbrochen, die von den vortrefflichen Solisten des Doppelquartettes vor­getragen werden. Indem wir hiermit gleichzeitig auf unseren Juseratentheil verweisen, wünschen wir der Künstlerschaar besten (Srfolg und bemerken noch, daß der Vorverkauf der Karten bei Herrn Challier bereits begonnen hat.

** Neues Theater. Donnerstag den 18. Mai findet in unserem Theater eine Aufführung des alten bekannten Schau- fpielsDas Käthchen von Heilbronn" statt. Frau Directör Baars, welche dasKäthchen" zu ihren besten Rollen zählt, wird darin auftreten. Freitag ist das Lustspiel N crvöse Franc n" von G. Moser. Ob noch weitere Vorstellungen stattfinden, ist unbestimmt. So dürften wohl biefe voraussichtlichen Abschiedsvorstellungen noch reichlichen Zuspruch finden.

"* Die Statistik der Benutzung und Vermehrung der Universitätsbibliothek zu Gießen im Geschäftsjahr 1892/93 ergiebt folgende Zahlen: Außer Haus wurden rund 17 600 Bände verliehen gegen 14 200 in 1891/92, 13 300 in 1890/91 unb 11600 tu 1887/88, so daß affo die Ausleihe in den vergangenen fünf Jahren um ein Drittel sich vermehrt hat. Rach auswärts wurden 2224 Bände in 463 Sendungen ver- jdjicft gegen 1363 Bände in 1891/92 und 519 in 1887/88; bic Ausleihe nach auswärts hat sich also in bin verflossenen fünf Jahren vervierfacht, und hat sich somit die Universitäts­bibliothek in den Dienst der weitesten Kreise des Großherzog- rhums gestellt. Im Winter-Semester 1892/93 wurde die Bibliothek von 501 Personen benutzt, worunter sich 143 der Universität nicht angehörende Bewohner Gießens, 106 Aus­wärtige und 252 Universitätsangehörige befanden. Von den Studirendeli haben 39pCt. die Bibliothek benutzt. Von der Hofbibliothek zu Darmstadt wurden 848 Bände an Hiesige durch Vermittlung der Universitätsbibliothek ver­liehen, gegen 737 in 1891/92 und 560 in 1890/91. Die Entleihe aus anderen Bilbliotheken und Archiven belief sich auf 419 Bücher und 266 Handschriften und Archivalien. Eatalogisirt wurden im Jahre 1892/93 7481 Schriften, unter ihnen die Zugänge der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, des Oberhessischen Geschichtsvereins, des philologischen Seminars und 3977 Universitäts- und Schulschriften. Größere Bücherschenkungen sind für das Geschäftsjahr 1892/93 ncfit zu verzeichnen. Doch wurde der Ertrag eines im Winter 1892/93 von Docenten der Landes-Universität abgehaltenen Cyclus von öffentlichen Vor- i ragen in dankenswerther Weise der Universitäts-Bibliothek zugewiesen.

A Aus dem Ohmthal, 16. Mai. Der Mangel an Futter für das Vieh wird nachgerade eine drückende Plage für den Landwirth. Die Vorräthe in den Scheunen und Heuböden sind auf ein Minimum zusammengeschrumpft und auch dieses Wenig dürfte über Pfingsten bei vielen Land- wirthen, namentlich den kleineren, alle werden. Was dann? Kein Graswuchs in den Wiesen, kein Kleestand auf den Aeckern. Ja in den trockenen Wiesen verbrennt das Gras geradezu, so daß sie selbst zum Ausweiden unbrauchbar sich erweisen. Und zu diesen traurigen Aussichten keinen Regen, so oft auch der Himmel bewölkt erscheint. Im oberen Ohm- thal ist der Graswuchs noch etwas besser, als im mittleren unb unteren, weil eben im oberen Vogelsberg der Schnee länger liegen bleibt und der Boden mthr Feuchtigkeit dadurch besitzt. Ueberall aber droht der Futtermangel zu einem Nothstand zu werden. Schon sieht man einzelne frisch ab- grmähte Kornäcker, wovon das Korn zum Verfüttern geholt worden ist. Pfingsten, dasliebliche Fest", scheint diesmal wenig Fröhlichkeit bringen zu wollen, weil ihm die Verheißung eines gesegneten Jahrganges abgeht.

A Mainz. 16. Mai. Zwischen den Ausschüssen der demokratischen und deutschfreisinnigen Partei hier schweben gegenwärtig wegen gemeinsamer Aufstellung eines Reichstags­candidaten Verhandlungen. Eine illustre Persönlichkeit, die seither einen norddeutschen Wahlkreis im Reichstag vertrat und der Fahne Eugen Richter s treu geblieben ist, wird alß Candidat genannt. Nach Pfingsten soll in einer öffent­lichen Versammlung der Candidat proclamirt werden. Der non der national liberalen Partei als Candidat in Aus­sicht genommene Bürgermeister Hessel in Selzen hat, wie verlautet, entschieden abgelehnt, eine Candidatur anzunehmen unb ist man gegenwärtig bemüht, einen früheren hessischen Lnndtagsabgeordneten, der in landwirthschaftlichen Kreisen eint gutes Ansehen genießt, zur Uebernahme eines Mandates bewegen. Als Candidat der Centrumspartei wird jetzt wieder Rechtsanwalt Dr. Schmitt genannt.

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tzen, 17. Mai 1893.

Glicht. Die 4 neuerr !. Kincker zu Sinn, r neuen fiirdje. chn räflt bitfelten. Herr ,tu auf Wunsch bt» mW Den

Mrzichn i er erklärte einzelne Vorschläge zur febalb zur Ausjührutig zehängt worden waren, üfung des Tones :n durch eine wusika- ebilbet von den Herren: tufitbinctor Felwner alienhändler Rudolph mffion sei naMend (treu:Me Mmg weiche von Herrn «qeliesertwvMnsind, in M»

* Berlin, 15. Mai. Auf Anregung des Kaisers wird gegenwärtig, der Potsdamer Correspondenz zufolge, in der Nähe des Neuen Palais in dem abgesperrten Theil des Parks von Sanssouci gegenüber dem Drachenberge für die kaiserlichen Prinzen ein Festungsfort erbaut. Ein Ingenieur der Krupp'scheu Fabrik in Essen hat die Pläne unb Voranschläge zu dieser kleinen Festung ausgeführt. Diese wird indessen nicht allzu klein ausfallen, denn die Baufläche ist so groß, daß auf ihr ganz gut eine mittlere Kirche erbaut werden könnte. Die kleine Festung soll mit allen möglichen Rüstwerken des modernen Festungsbaues ausgerüstet werden; es sollen u. a. drehbare Thürme, Wassergräben mit Zugbrücken u. s. w. geplant sein, auch soll die Festung mit Krupp'schen Kanonen ausgerüstet werden. Die Arbeiten sollen derart beschleunigt werden, daß die kaiserlichen Prinzen die Festung noch in diesem Sommer benutzen können. Das Mauerwerk ist schon bis über den Erdboden fertiggestellt.

* Berlin, 14. Mai. Gegen das Gigerlthum in Offizierkreisen hat das Generalcommando des dritten Armmeecorps folgenden Erlaß gerichtet:Se. Majestät der Kaiser hat mißfällig bemerkt, daß von Seiten der Herren Offiziere mehrfach ein nicht der Vorschrift entsprechender Anzug getragen wird. Das Generalcommando des dritten Armeecorps bestimmt hierdurch, sich jeder Extravaganz im Anzuge, wie Modemützen, zu hoher Kragen, zu kurzer Paletots ohne Rückenfalten, zu kurzer Ueberröcke, geplätteter Hosen, Schnabelschuhe u. bergt, zu enthalten". Dies Schreiben ist

3000 _ Sr &r,

den Offizieren des BezirkScommandoS Teltow unter dem 2. Mai zugegangen.

* Als resolute Gattin zeigte sich am letzten Sonntag eine Frau in Berlin. In ein Schanklocal wurde Abends gegen 10 Uhr von besagter Frau ein Kinderwagen mit zwei Kindern im Alter von 4 und 2 Jahren gefahren und vor einen dort Karten spielenden Mann mit den Worten gestellt: ,/Seit heute Morgen sitzest Du beim Kartenspiel in der Kneipe unb lässest Deine Familie allein. Damit Du wenig­stens etwas Familienleben am Sonntag hast, bringe ich Dir die zwei Aeltesten zur Unterhaltung^ sprachs und ging mit einem dritten Kinde (einem Säugling) schleunigst davon. Die Kartenspieler waren ob dieses Zuwachses vollständig ver­blüfft, und daö Spiel soll ein etwas plötzliches Ende genommen haben.

* DieGazette be Lausanne" erzählt folgende Geschichte: //Als Kaiser Joseph II. im Jahre 1779 die Schweiz be­suchte, hielt er in einem kleinen Orte unweit von Luzern an, um Mittag zu essen. Der Wirth war abwesend und seine Frau hängte Wäsche zum Trocknen auf. Das Essen war nicht gut.Ich bitte um Entschuldigung, Herr Kaiser", sagte die Wirthin,aber ich bin überzeugt, daß, wenn Ihre Frau Waschtag hat, das Essen bei Ihnen auch nicht gut i st."

Das «entrakomitc der deutschen LeemannSmtsston in Großbritannien versendet nachstehenden dringenden Aufruf. Da es sich dabet um ein Rettungswerk bandelt, das wahrlich nicht weniger wichtig und dringend ist, als die Rettung Schiffbrüchiger, für die bei uns bereits gern gesteuert wird, so darf dieser Aufruf wohl auch auf einigeThetlnahme unter uns rechnen. Etwaige Gaben vermittelt gerne Pfarrer Schlosser. Der Aufruf lautet: Eine Rothlage, wie wir sie während des Bestehens unserer Arbeit noch nicht dmchgemacht haben, unb welche dieselbe ernstlich bedroht, zwingt uns, die dringende Bitte um Hülfe an unsere Landsleute im Valerlande zu richten. Wir erlassen diesen Aufruf erst, nachdem wir alle uns zu Gebote stehenden Mittel, hier zu Lande wettere Hülse zu erlange», erschöpft haben. In Folge der Cholera find uns Unterstützungen, die wir aus Deutschland erwarteten, ausgeblteden. Daher unsere Rothlage. In Großbritannien ist fast überall, wo Deutsche ansässig sizrd, für Hamburg gesammelt worden, weshalb es uns trotz aller Anstrengungen nicht gelang, hier für unsere Arbeit hinreichende Hülfe zu erlangen. Auch sind die hier ansässigen Deutschen für deutsche, wie auch für englische Wohlsahrtsanstalten schon sehr stark in Anspruch genommen. Was können wir antworten, wen» man uns sagt: die deutsche ©ec# rnannsmisston arbeitet ausschließlich für Deutschland, daher hat Deutschland, wie es die Frucht dieser Arbeit genießt, auch die Ver­pflichtung, für sie zu sorgen? Abgesehen von Schulden, die auf unseren Gebäuden lasten, brauchen wir nothwendig ca. 8000 Mark für dringende laufende Ausgaben. Schon stehen wir vor der bitteren Rothwendtgkeit, eine Station aufgeben zu müssen, und »wei andere sind in gleicher Weise gefährdet, wenn uns nicht bald Hülfe kommt. Nach den consularischen Berichten haben auf unseren sieben Stationen voriges Jahr (1891) über 50 000 deutsche Seeleute verkehrt. Zu dieser Zahl kommen noch mehrere Tausend, die auf englischen Schiffen fahren, und für welche unsere Arbeit, besonders unsere Seemanns- Heime, meist das einzige Band ist, welches sie mit dem Vaterland verbindet, sie dem Vaterland unb den Ihrigen erhält, lieber 12 000 deutsche Seeleute verkehrten im vorigen Jahr in unseren Lesezimmern. In unseren vier Heimen logirttn in demselben Zeitraum 1135 See­leute, und es wulden etwa 25 000 Mark Lohne,sparnisse derselben durch uns nach Deutschland geschickt. Wir können wohl sagen, daß dieses Geld, welches auf deutschen unb englischen Schiffen verdient wurde, sonst größtentheils in englischen Häfen vergeudet oder geraubt worden wäre, statt Weib und Kind daheim zu gute zu kommen. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß für unsere Arbeit voriges Jahr ca. 23 700 Mark verausgabt wurden, unb daß wir in dem gleichen Zeitraum ca. 8000 Mark, einschließlich einer durch den Central - Ausschuß für die innere Mission vermittelten Beihülfe Sr. Majestät des Kaisers und Königs im Betrage von 5200 Mark, an Unterstützung aus Deutschland erhielten. Die Ausgaben speeiell für Cardiff, welche von ben verbünbeten lutherischen Vereinen für innere Mission bestritten werden, sind nicht mitgerechnet. Zu unserer Arbeit gehört Besuchen der Schisse, der Schlafstellen am Lande, der Hospitäler, Abhalten von Gottesdiensten, Andachten an Bord, Schriftenverbrettung und die mannigfachste Unterstützung trer See­leute mit Rath und Thal durch Stellenvermittelung, bei Krankheits­fällen u. s. w., besonders in Fällen, in welchen die Consulate nicht zuständig sind. Die Zahl der Seeleute, welche die Gottesdienste be­suchen und den Andachten beiwohnen, ist erfreulicher Weise im Zu­nehmen begriffen, lieber die Pflicht, unseren Seeleuten Gottes Wort zu brinaen, welches sie sonst ohne ihre Schuld in Folge ihres Berufes in der Fremde entbehren, sowie ihnen in den vielen sittlichen unb materiellen Gefahren, unb gegenüber der raifinirlen Bosheit, mit welcher ihnen nachgestellt wird, in unseren Hafenstädten einen Stütz­punkt unb eine helfende Hand zu bieten, kann kein Zweifel herrschen. Daß unsere Arbeit sich, auch nach dem eigenen Zeugntß vieler See­leute, als eine segensreiche erwiesen hat, dürfen wir mit dankbarem Herzen verzeichnen.

Diejenigen, welchedie Lidmückung von Grabstätten beab- sichtigen, feien auf das Grabstein-Geschäft, verbun­den mit Bildhauerei, des Herrn Emil Kalbfleisch, Licherstratze 1, aufmerksam gemacht, welches wohl als das größte dieser Branche am hiesigen Platze genannt werden kann. In ihrem Verkaufslocale, sowie in einem weiteren Lagerräume bringt gen. Firma nahezu 200 fertige Grab'Monvmente, Grab kreuze, Grabsteine u. f. w. in allen Steinarten zur Ausstellung, welche in ihrer Ausführung als künstlerisch zu bezeichnen sind, und durch die reichhaltige Auswahl kann sowohl den bescheidensten, als auch ben weitgehendsten Anforderungen Rech­nung getragen werden. Auch in Grab- einfafsungen befindet sich daselbst ein großes Lager. Wir können deshalb allen Interessenten eine Besichtigung dieser Aus­

stellung bestens empfehlen. Sehr schön ausgeführte Entwürfe liegen ebenfalls zur gefälligen Ansicht auf und werden etwaige Aufträge in kürzester Zeit ausgeführt bei billigster Preisberechnung. 2389

Für die Abgebrannten in Zell bei Alsfeld find ferner bei uns eingegongen: Von E. P. 3 J4, I. P. 2 JL, Herrn. Katz 3 JL, (5. ©. 2 JL Zusammen 10 Jnsgesammt 237 »Ä

Weitere Gaben nimmt bereitwilligst entgegen

Die Expedition desGießener Anzeiger".

Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemessen am 17. Mai, Mittags zwischen 11 unb 12 Uhr: Wasser 15, Lust 18'/, Grad.

Rübsamen'sche Badeanstalt.