neben stellenweise urwüchsiger Komik manche ergreifenden Momente, so namentlich am Schluß deS zweiten und im Verlauf deS dritten ActeS, welch letztere jedoch von einem Theile des anwesenden Publikums nicht verstanden wurden, wie die Störungen durch unangebrachtes Lachen bewiesen. Herr Hertzog schuf eine lebenswahre Figur der Titelrolle, der ihm gezollte enthusiastische Beifall war ein wohlverdienter. Frl. Hoffmann spielte mit Berständn ß und guter Ausarbeitung die characterische Rolle der Lolo. Die von Frl. Schlegel gegebene Schwester Hedwig dürfte jedoch im An- fang des wehmüthig gezogenen Tones entbehren. Herr Hob« als Buchbinder Hilgers leistete sein Bestes. »Herr Conradi vergaß stellenweise den Ton deS alten Baron Bojatzki, auch die von ihm gewählte Maske wirkte ungünstig. Frl. Judäi(?) und Herr Beehrmann fanden sich bestens mit den zuge- rheilten Rollen ab. Das zahleich erschienene Publikum folgte dem trefflichen Stück mit Interesse und lohnte mit reichem Beifall.
** Neues Theater. Auf Wunsch v'eler Theaterfreunde, welche der ersten Aufführung von „Der arme Jonathan" nicht beiwohnen konnten, wird morgen eine zweite und letzte Wiederholung der Novität stattfinden. Die erste Aufführung hatte sich eines durchschlagenden Erfolges zu erfreuen und dürfen wir deßhalb den Besuch dieser letzten Aufführung teS beliebten Componisten Millöcker auf das Angelegentlichste empfehlen.
*♦ CircaS Theater Wallend«. Die am SamStag Abend gegebene Eröffnungsvorstellung fand bei fast ausverkauftem Hause statt. DaS ganze Programm bot nur Leistungen ersten RangeS und wollen wir die einzelnen Nummern desselben nur kurz erwähnen, denn ausführlich beschreiben laffen sie sich nicht gut, man muß eS eben selber sehen. Athleten wie Herrn Axer dürfte eS nicht viel geben- er führte seine schwierige Arbeit mit Eleganz und unter großem Beifall aus. Allerliebst waren die Leistungen der dressirten Kakadus deS Fräulein Martha- wie dieselben turnen, tanzen, exerciren mit langsamem Schritt, ja sogar schließlich Feuerlöschen und Rettungsarbeiten ausführen, ist überraschend. Sogenannte Schlangenmenschen, welche bei fast jedem CircuS und gymnastischen Theater anzutreffen sind, leisten mitunter Großartiges- aber in solcher Vollendung wie dieser, auch in der Originalität deS Auftretens, ist wohl noch keiner hier gesehen worden. Man kann in deS Wortes vollster Bedeutung sagen: Er hat sich auf seinen eigenen Kopf gesetzt. Ebenfalls vorzügliche Leistungen waren die der kleinen Reckkünstler Geschwister Wallenda. Die außerordentlichen Resultate auf dem Gebiete der Dressur, hier der Hunde deS Herrn Director Wallenda, waren staunenswerth, desgleichen der Bären des Herrn Batty, und zum Schluß die vier Löwen gehören zu dem Besten, was wir in dieser Art gesehen. — D'e gestrigen beiden Vorstellungen fanden ebenfalls bei ausverkauftem Hause statt.
** Marine Verein Am Samstag Abend feierte der hiesige Marine-Derem sein erstes Stiftungsfest in dem schön decorirten Saale des Caf6 Leib. Als Gäste waren ein großer Theil der Herren Offiziere des hiesigen Regiments, Mitglieder des Veteranen- und des Kriegervereins erschienen. Die sämmtlich von patriotischem Gefühle durchdrungenen Veranstaltungen verliefen sehr gut, insbesondere als gelungen zu betrachten war der Vortrag deS Flaggenliedes und das darauffolgende lebende Bild: „Huldigung Seiner Majestät durch die Marine" und das zweite lebende Bild: „Marineleben und Treiben". Wünschen wir dem jungen aufstrebenden Verein ein Wachsen, Blühen und Gedeihen.
♦* Turnerisches. Gestern tagte in Bingen der 54. KreiSturntag des 9. Kreises (Mittelrhein). Herr Kreis- Vertreter Rot Hermel-Darmstadt eröffnete die überaus zahlreiche Versammlung und übertrug die Leitung derselben dem zweiten Vorsitzenden, Herrn Reallehrer Schmuck-Bingen. Nachdem von Seiten des Kreisvertreters, deS KreiSturnwurtS und des KreiSrechnerS über ihre Thätigkeit Bericht erstattet, folgte die Wahl deS Festortes für das Kreisturnfest in 1895. Gießen wurde mit großer Majorität als Feststadt gewählt. Neuwied, welches sich auch zur Uebernahme gemeldet, muß sich auf spätere Zeit vertrösten.
♦♦ Das feit Wochen anhaltende trockene Wetter, noch verschärft durch heftige Winde, schien heute Morgen eine Wendung zum lange ersehnten Regen zu nehmen. Jndeß hielt der tropfenweise erfolgende Niederschlag nur kurze Zeit an. Die Wasserläufe, besonders Lahn und Wieseck, zeigen einen bedenklich niederen Wasserstand.
*• Wegen Veruntreuung amtlicher Gelder wurde am Freitag der auf hiesiger Eisenbahnstation als Fahrkarten- auSgeber beschäftigte StationS-Diätar K. verhaftet. Die Höhe der unterschlagenen Summe ist noch nicht angegeben, doch ließ sich bis SamStag Mittag ein Fehlbetrag von über 1500 Mk. feftstellen. Der verhaftete Beamte ist unverheirathel und soll ein ansehnliches Privatvermögen besitzen, so daß über die Bcweggriinde seiner That verschiedene Bermuthungen auf- tauchen.
•* Verhaftet wurde ein von auswärts steckbrieflich wegen Diebstahls :c. verfolgter junger Bursche von hier.
*• Eeldfteillschahuag in Hesfeu. Wie bestimmt verlautet, soll der Finanzausschuß der Ersten Kammer eine Abänderung des Gesetzentwurfs, bttr. die Einführung des Selbst. einfchätzungüzwangcS für die Einkommensteuerpflichttgen erster Abthcilung, in Aussicht nehmen, indem die DcciarationS- pflichl bereits bei einem höheren Einkommen als von 2600 Mk. an beginnen soll.
M Zu der in den Tagen vom 12 —20. August in Mainz stattfindenden internationalen Ausstellung von Erzeugnissen und Gebrauchsartikeln der Bäckerri, Eonditorei und verwandter Gewerbe ist der end- giltige AnmeldungStetmin für Ausstellungsgegenstände nunmehr auf den 8. Juli festgesetzt. Die Ausstellung zerfällt in sieben Abteilungen, und zwar a. Backwaarcn, b. Eonditorei-
waaren, c. regelmäßig zur Bearbeitung bestimmte HilsSstoffe, d. HilsSstoffe zum selbstständigen Berkaus, e. Maschinen, Ge- räthe und BetriebSeinrichtungen, f. Packungen und sonstige Hilfsmaterialien, g. Historisches und Fachliteratur. Die PreiSvertheilung findet den 15. August durch den Ehren auSfchuß statt.
** Bernssgenofienschaftliches. Die Section IX. der Müllerei-BerufSgenossenschaft, zu deren Geschäft-!, bereich auch daS Großherzogthum Hessen gehört, hält heute Montag den 17. d. M, Abends 8l/t Uhr, ihre diesjährige SectionSversammlung in Frau kfurt a. M. im Palais- restaurant (Zeil) ab. Wie der von dem Vorstand der Section herauSgegebene BerwaltungSbericht für das Jahr 1892 zeigt, sind 116 Unfallanzeigen gegen 128 im Vorjahre eingegangen. Am 31. December 1892 waren 2313 Betriebe mit 5206 versicherten Personen im Kataster der Section eingetragen. Die Summe der im Berichtsjahre gezahlten Entschädtgungen auS Unfällen genannter Section beträgt 30,674 Mk. 93 Pf. gegen 29,304 Mk. 86 Pf. in 1891. Die BerwaltungSkosten beliefen sich auf 6117 Mk. gegen 5829 Mk. im Vorjahre - die Kosten der Revision der Betriebe betrugen 3012 Mk. 75 Pf., 2692 Mk. 35 Pf. mehr als im Vorjahre, welche Mehrausgabe durch die ständige Thätigkeit deS Beauftragten der Section feit April 1892 verursacht wurde.
Die 83. Section der Fuhrwerk» BentfSgenossenschaft, die daS Großherzogthum Hessen umsaßl, hielt am Mittwoch in Mainz ihre Versammlung ab. Nach dem Verwaltungsbericht des Vorstandes kamen im Jahre 1892 32 Unfälle vor, davon 25 bei Lastfuhrwerken und 7 im Perfonenfuhr- werk. Die Verwaltung-Unkosten betrugen 1513 Mk. 35 Pfg., doch wurde für das laufende Rechnungsjahr mit Rücksicht auf die große Zahl der noch nicht angemeldeten jedoch ver- sicherungspfltchtigen Betriebe der Betrag von 2500 Mk. in dem Budget vorgesehen. Gegen die vom Vorstande festgesetzten Entschädigungen bei Unfällen wurde nur in 3 Fällen Berufung an daS Schiedsgericht eingelegt, doch als unbegründet abgewiesen. Die Section zählt 1600 Betriebe mit 5200 Arbeitern. Als Vertrauensmänner bezw. deren Stellvertreter wurden u. a. gewählt: für die Provinz Oberhessen Adolf Lynker und Christ. Haubach in Gießen.
** Dom 12. bis 16. Juni findet in Metz der BerbanbS- tag der deutschen Gastwirthe statt, zu dessen Programm auch Ausflüge nach den Schlachtfeldern vom 14., 16. und 18. August gehören. So oft noch Verbandstage und Gene- ralverfammlungen großer Vereinigungen ftattgefunben haben, sind die Fahrten nach den Schlachtfeldern von den Theil- nehmern als der interessanteste Theil ihres Metzer Aufenthaltes gepriesen worden und das wird zweifellos auch diesmal geschehen.
** Ein interessanter Versuch. Das Erfurter Bezirks- commando machte dieser Tage den interessanten Versuch, die Ucberbringung der Gestellungsbefehle im Landkreise Erfurt durch Radfahrer bewirken zu lassen. Dieser Versuch ist sehr günstig ausgefallen. ES hatten sich dem BezirkScornmando elf ältere Radfahrer freiwillig zur Verfügung gestellt. Sie empfingen die Gestellungsbefehle in Blechbüchsen, die an den Rädern befestigt wurden, und befuhren in raschestem Tempo 430 Ortschaften des Kreise-. Die entferntesten Dörfer wurden in anderthalb Stunden erreicht. Die jeweiligen OrtS- fchulzen stellten den schnellen Boten Empfangsbescheinigungen auS und mobilisirten dann alle diejenigen Mannschaften, die überhaupt an den FrühjahrSconlrolen theilzunehmen haben. Binnen kaum 20 Minuten standen die Leute sämmtlich auf dem Platze.
** Auch die schönsten und fruchtbarsten Wiesengründe werden meist von der Herbstzeitlose überwuchert. Nach den bisher gemachten Versuchen und Ersohrungen kann dieses Unkraut dadurch vertilgt werden, daß die Zwiebeln im eigenen Safte durch Ziehen ihrer Stengel beim höchsten Saftstande erstickt werden. Die leichten Mühen dieses einfachen Verfahrens lohnen sich reichlich, denn die Herbstzeitlose ift immer schädlich. Sie unterdrückt mindestens 10 GraShälmchen, ganz abgesehen davon, daß sie die Kraft der Wiese für sich in Anspruch nimmt und den übrigen Gewächsen entzieht. Da die Zeit deS höchsten SaststandeS jetzt wiederum eingetreten ist, so empfiehlt sich der sofortige Beginn des VernichtungSwerkeS in der angedeuteten Weise. Die ganze Arbeit kann selbst von Stinbern in kurzer Zeit und nahezu kostenlos auSgesührt werden.
** Angesichts der alljährlich im Frühjahre erfolgenden Einziehung von Reservisten und Laubwehrleuteu zu Frieden»- übungen ift eS wohl am Platze, darauf hinzuweifen, daß die Familien dieser Mannschaften gesetzlich einen Anspruch aus Unterstützung haben. Der Anspruch ist von der Frage der Bedürftigkeit ganz unabhängig. Derselbe ist bei der Gemeindebehörde, resp. bei den Polizeibezirken anzubringen und erlischt, wenn solches nicht binnen vier Wochen nach Beendigung der Uebung geschieht. Aus Unterstützung hoben Anspruch: a) die Ehefrau deS Einberufenen und dessen eheliche Sinder unter 15 Jahren, sowie b) dessen Kinder über 15 Jahren, ver wandte in aufsteigender Linie (Eltern) und Geschwister, diese jedoch nur dann, wenn der Einberufene ihr Ernährer ift. Die täglichen Unterstützungen sollen für die Ehefrau 30 pCt. und jede andere unterstützungsberechtigte Person 10 pCt. deS ortsüblichen TagelohneS für erwachsene männliche Arbeiter am Aufenthaltsorte der Einberufenen betragen.
•* Der Plan, den Setreideverkanf |u einen Monopol der Landwirthe zu machen, liegt jetzt in einer Rede deS Geh. Raths v. Selchow auf Rudnik gedruckt vor. Danach sollen alle Gelreidedauer unter Staatsaufsicht zu einer Handelsgesellschaft zusammengefaßt werden, welche den Bedarf deS Reiche» an Brotgetreide für einen ein für allemal be stimmten Preis zu befriedigen hat. Ihr soll auch das auS- schließliche Einfuhrrecht unter Wegfall der Zölle für Weizen und Roggen zugestanden und der Gewinn der HandelSgesell- ' fdrast nur zu Zwecken der Landeskultur verwendet werden. *
* Unbefugter Gebrauch bei Lanbeinappens viele Ge schäftsfirmen haben auf Etiketten, Geschäftskarten, Factnretr und sonstigen Formularen irgend ein LankeSwuppen angebracht, ohne sich bewußt zu fein, daß dteS nach §. 360 deS ReichSstrafgesetzbucheS al- unbefugter Gebrauch de» Lande»- moppen S strafbar ist, und zwar wird darunter iowohl da» kaiserliche Wappen, wie die der deutschen BundeSsürsten und Bundesstaaten verstanden. ES kommt nicht einmal daraus an, daß ein solch:- Wappen in allen feinen Einzelheiten genau nach dem Originalwappen durchgeführt rst, vielmehr genügt eS, wenn der Gesammteindruck derartig ift, daß man glauben kann, rin nachgeahmte» Landeswappen vor sich zu haben, durch Wiedergabe der hauptsächlichsten Merkmale. Richt mit Strafe bedroht und daher Jedermann gestattet ist die Anwendung der außerdeutschen Staat»- und Lande-wappen, sowie de» kaiserlichen Adler- ohne Wappenschild zur Bezeich» mutg der Waaren und Etiketten.
•* Au» der Mitte der badischen Lehrerschaft ist eine beachten-werthe kaubgebung zur Frage ber Lnhagraphie ergangen. Die Gesammtconferenz de- Lehrercolleg'um» der Mannheimer Volksschule hat vor einigen Tagen Über diese Angelegenheit verhandelt. ES wurde dabei hervorgehoben, daß mehr al» ein volle» Decennivm seit der durch die öultu»- Ministerien der einzelnen deutschen Staaten erfolgten amtlichen Einführung der neuen Orthographie in sämmtlichen Unterrichtsanstalten des deutschen Reiches verflossen fei und noch mangele jedweder Erfolg hinsichtlich ihrer Anwendung im praktischen Leben. In den unzähligen Bureau, und GeschäftSstuben unserer Klein- und Großhandel»- und Fabrik- städte, wie im gesummten winhschaftlichen und gewerblichen Leben sei die neue Schreibweise in Acht und Bann erklärt. Die Schäden und Mißstände, die sich für die Schule an die Erfolglosigkeit in der angedeuteten Weife knüpften, zeigten sich hauptsächlich nach zwei Richtungen. sie erschwerten zunächst den UntenichtSerfolg während der Schulzeit selbst und machten denselben in seiner Bedeutung und Verwerthung für du» spätere praktische Leben hinfällig. Die Conferenz verlieh der Ueberzeugung Ausdruck, daß ein Zustand auf die Dauer unhaltbar sei, der die Schule gesetzlich verpflichtet, etwa» zu lehren, wa» im öffentlichen Leben auf den Index gesetzt, vervebmt und geächtet sei. — Die deutschen Cultu-m^rTfetl würden sich in der Th?! ,in erwerben, wenn sie
die Fruge der deutschen Rechtschreibung wieder einmal ernstlich in Angriff nähmen. In keinem Lunde der Welt ist in dieser Hinsicht eine solche Verwilderung eingeriffen. Jeder schreibt und druckt gegenwärtig wie e- ihm beliebt - viele bedienen sich uuch gleichzeitig verschiedener Rechtschretbungen. Feste Regeln und Grundsätze, die jeder Gebildete sich zu eigen muchen muß, thun uuch auf diesem Gebiet der Geiste»- und Formenbildung dringend Noth.
K. Ranstadt, 15. April. Bei der heute hier stattgehabten Beigeordnetenwahl wurde der Land und Gastwirth Wilhelm S t ieb el i ng II. mit 42 Stimmen gewählt - der seitherige Beigeordnete erhielt wenige Stimmen.
Laubach, 10. April. Wie hier verlautet, ist die Frequenz unseres Gymnasiums nicht unerheblich gestiegen, so daß die vorhandenen Schulräume kaum mehr genügen. Ebenso soll die weitere Anstellung eines neuen Lehrer» ui Aussicht genommen sein.
Schotte», 12. April. Arn vergangenen Montag verstarb dahier Infolge eines Schlaganfall» der in weiteren Kreisen bekannte, im kräftigsten Manne-alter stehende Bierbrauerei desitzer Herr Adam Schmidt, Inhaber der Firma Gebr. Schmidt. Der Verblichene war ein unternehmender Mann und Hut sein Geschäft von kleinen Anfängen bi» zu einer großen, mit ullen Verbesserungen der Neuzeit versehenen Dampf Bruuerei gebracht. In dem Dahingefchiedenen verliert unsere Stadt einen mit schönen Charaktereigenschaften ungestalteten, strebsamen und allgemein beliebten Bürger.
Darmstadt, 16. April. Der Handelsmann Abraham Lindheimer in Frankfurt hatte einem in Geldnoth befindlichen Manne 1000 Mk. aus drei Monate geliehen und sich dafür einen Wechsel über 1166 Mk. au-stellen laffen. Dieser durch Verschleierung ihm zugeführte Bermögensoortheil entspricht einem Zinsfuß von 65 pCt., der ul- du» übliche Muß weit überschreitknd ungesehen wurde. Du» Landgericht Darmstadt hatte deßhalb den Lindhemer am 13. Februar wegen Wucher» verunheilt. — Eine Revision, die u. a. behauptete , die Ausbeutung fei nicht genügend festgestellt, wurde gestern vom ersten Straf'enat be» Reichsgericht» verworfen.
A Mainz, 16. April. Die jüngster Tage erfolgte 8 er- urtheilung de» socialistischen Stadtverordneten Dörr zu einer Geldstrafe von 50 Mk., wegen Behauptungen, die 6er» selbe über Angehörige eine» Empfänger» einer städtischen Stiftung ausgestellt hatte, hat jetzt zur Folge, daß noch eine Reihe anderer Personen, welche der genannte Stadtverordnete gelegentlich der Stiftung-gelderaffaire öffentlich al» unwürdig unterstützt bezeichnet hatte, Beleidigungsklagen angestrengt haben. Da die Zahl der von Dörr bei obiger Gelegenheit kritifirten Personen eine ziemlich beträchtliche ist, so dürfte, wenn letztere sämmtlich mit Klugen uuftreten, noch eine ziemlich kostspielige Geschichte für den erwähnten socialiftifchen Vertreter in unserer Stadtverordnetenversummluog entstehen.
A Mainz. 16. April. In Anwesenheit von Mitgüedem de» Ministerium-, der Provinztalbehörde, sowie zahlreicher Abgeordneten de» Provinzialtage» der bte»feitigen Provinz fand die Eröffnung der in luftiger, gesunder Gegend bet Heide-Heim (Bahnstation der Strecke Mainz—Bingen) erbauten Provinzial fiechenan st alt der Provinz Rheinhessen statt — einer lang ersehnten WohlthäugkeitSanftalt, an deren Vortheilen und Kosten die ganze Provinz, mit Ausnahme der Städte Mainz und Worms, die solche Anstalten schon besitzen, parttcipiren. Rach der Eröffnung wurden die prächtigen umfangreichen Gebäude, die auf der einen Seite an einen Wald grenzen und von der anderen Seite einen
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