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16.3.1893 Zweites Blatt
 
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Nr. 64. Zweites Blatt. Donnerstag den 16 März

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Gießen, am 13. März 1893. Betr: Frühjahrs - Controlversammlungen im Kreise Gießen. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gietzen em die Grstzh. vürgermeifterete« de» Seeise». Nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen lassen.

v, Gagern.

Bekanntmachung.

Bei den diesjährigen Frühjahrs-Eontrolverfammlnngen im Kreise Gietzen haben zu erscheinen alle zum Hauptmeldeamt Gietzen gehörigen:

1) Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots.

2) Reservisten, sowie die zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden Entlassenen.

3) Wehrleute I. Aufgebots, die vom 1. October 1880 ab emgestellt worden.

4) Die Ersatz-Reservisten, geübte und nicht geübte.

Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zeit die Eontrolpflichtigen anzutreten haben:

A. Zu Lollar

am 7. April 1893 neben dem neuen Bahnhofsgebäude für die Bewohner von Mendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Heibertshausen, Großen- Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirch­berg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wieseck.

1. Appell Vormittags 8 Uhr 30 Minuten: Reservisten, so­wie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.

2. Appell Vormittags 9 Uhr 15 Min.; Wehrleute I. Auf- gebots aller Waffen.

3. Appell Vormittags 10 Uhr: Ersatzreseroisten.

B. Zu Grünberg

am 7. April 1893 am Bahnhof für die Bewohner von Allertshausen, Beltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsrnühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegclhütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommermühle, Kesselbach mit der Rabenau'schen Papiermühle, Lauter mit der Arztmühle, Bing­mühle, Georgenhammer, Strelles-Mühle und Walk-Mühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle,

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Gießen, 15. März 1893.

Schuldienst-Nachrichten. Am 12. Februar wurde der von dem Herrn Grafen zu Stolberg - Roßla - Ortenberg auf die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober- Seemen präsentirte Schulamtsaspirant Johannes Keller aus Griesheim für diese Stelle bestätigt- an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Peter Franz Eller aus Fürth, Kr. Heppenheim, eine Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Klein-Auheim übertragen- an demselben Tage wurde der von dem Herrn Grasen zu Erbach Erbach auf die Lehrer­ftelle an der Gemeindeschule zu Günterfürst präsentirte Schulamtsaspirant August Hartmann aus Harreshausen für diese Stelle bestätigt- am 16. Februar wurde der Schulamtsaspirantin Margaretha Windecker aus Mainz eine Lehrerinnenstelle an der katholischen Schule zu Dieburg,

der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.

2. Appell Vormittags 10 Uhr 30 Minuten: Wehrleute I. Auf- gebots aller Waffen, sowie Ersatz-Reservisten.

E. Zu Lich

am 11. April 1893 am Bahnhof für die Bewohner von Albach, Birklar, Dorf-Güll, Eberstadt mit Arnsburg, Ettings- hausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher- Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Meder.Bessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach.

1. Appell Nachmittags 3 Uhr: Reservisten, sowie zur Dis­position der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassene Mannschaften aller Waffen.

2. Appell Nachmittags 4 Uhr: Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen, sowie Ersatz-Reservisten.

Befteiungsgesuche sind längstens acht Tage vor'm Appell auf dem Dienstwege durch das Hauptmeldeamt emzu- reichen und müssen durch die Bürgermeisterei beglaubigt fein werden aber nur im dringendsten Rothsalle genehmigt.

Die Leute treten in bürgerlicher Kleidung an: Stöcke, Schirme, Pfeifen und Cigarren sind vorher abzulegen.

Die Militärpapiere (Paß und Führungrzeugniß) müssen zur Stelle sein. .

Sämmtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Controllages bis einschließlich Mitternacht unter dem Militärgesetz.

Gießen, den 10. März 1893.

Caspary,

Oberftlieutenant z. D. und Commandeur des Landwehrbezirks Gießen.

Schmidtmühle, Reitzenrnühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß- und Klein-), Odenhausen mit Appenbörnerhof, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, RüddingShausen, Saasen mit Bollenbach, Veitsberg und Wirberg, Stangenrod, Stock­hausen, Weickartshain, Weitershain mit dem Hainerhof, Winnerod.

1. Appell Nachmittags 12 Uhr 30 Minuten: Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.

2. Appell Nachmittags 1 Uhr 30 Minuten . Wehrleute I. Auf­gebots aller Waffen und Ersatz-Reservisten.

C. Zu Gießen

am 8. April 1893 im Oswald'schen Garten für He Be- wohner von Annerod, Burkhardsfelden, Gießen mit ^chiffen- berg und Herrnwald, Heuchelheim, Klein-Linden, Oppenrod.

1. Appell Vormittags 9 Uhr: Reservisten, sowie die zur Dispositton der Truppentheile und der Ersatz­behörden entlassenen Mannschaften der Infanterie.

2. Appell Vormittags 10 Uhr 30 Min.: Offiziere, Sanitäts­offiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots, sowie Wehrleute I. Aufgebots der Infanterie.

3. Appell Nachmittags 2 Uhr: Reservisten, sowie zur Dis­position der Truppentheile und der Ersatzbehörden entlassene Mannschaften und sämmtliche Wehrleute I. Aufgebots der Garde, Jäger, Cavallerie, Artillerie, Pioniere, Eisenbahn- und Luftschiffer- truppen, des Trains (einschl. Krankenträger), Sanitäts- und Beterinärpersonals, Büchsenmacher- gehülfen, Oeconomie-Handwerker, Marine-Mann­schaften, sowie alle übrigen, der Reserve- und Landwehr 1. Aufgebots angehörigen Mannschaften.

4. Appell Nachmittags 3 Uhr : Sämmtliche Ersatzreservisten.

5. Appell Nachmittags 4 Uhr für die Bewohner von Men­dorf a. d. Lahn, Großen-Linden, Lang-Göns, Leih­gestern, Watzenborn und Steinberg, Hausen: Reservisten, sowie zur Disposition der Truppen­theile und der Ersatz-Behörden entlassene Mann­schaften aller Waffen, Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen und Ersatzreserviften.

D. Zu Hungen

11. April 1893 am Friedhof für die Bewohner von Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langs­dorf, Muschenheim mit Hof-Güll, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthges, Steinheim, Trais-Horfoff, Utphe, Billingen.

1. Appell Vormittags 9 Uhr 30 Minuten: Reservisten, so­wie zur Disposition der Truppentheile und

Feuilleton.

Wie man durch kleine Erfindungen reich werden kann.

Ein amerikanisches Blatt brachte unlängst das Derzeichniß von unbedeutenden Gegenständen, die ihre Erfinder reich ge­macht haben. Es beginnt mit einer Feder, mittels deren man in verschiedenen Farben zugleich schreiben oder zeichnen kann und dem Erfinder 200000 Dollar jährliches Einkommen verschafft hat.

Die Gummielastik-Spitze am Ende eines Bleistiftes hat bereits 100 000 Dollar eingetragen. Ein großes Vermögen hat ein Bergmann eingeheimst, der eine Metallklammer erfand, die an die Kittelenden und Hosentaschen angelegt wird, um der Spannung Widerstand zu leisten, welche durch das Tragen von Erzblöcken oder schweren Werkzeugen verursacht wird. Sodann stellte es sich in einer Gerichtsverhandlung heraus, daß der Erfinder von Metallplättchen zum Schutze der Sohlen und Absätze von Schuhen gegen Abnutzung im Jahre 1879 über 12000000 unb 1887 gegen 143 000 000 Metallplätrchen verkaufte, die ihm einen Nettogewinn von 1 250000 Dollar eintrugen.

Eine noch profitablere Erfindung ist derStopfweber", eine Vorrichtung zum Stopfen und Ausbessern von Strümpfen und Unterkleidern re., deren Absatz sehr groß und fortwährend wachsend ist. Aber eine größere Summe ward nie aus irgend einer Erfindung geschlagen, als die, welche der Erfinder der umgcftülpten Glasglocken zum Schutz der Stubcndecken gegen Gasflammen einheimste, und ein kaum weniger lukratives Patent war jenes, um einfach Schmirgelpulver auf Tuch zu streuen. Ost braucht es Zeit und Gunst der Umstände, bis eine Er­findung gewürdigt wird, wer aber Geduld und Ausdauer hat,

wird zuweilen reichlich dafür belohnt. So z. B. brachte | dem Erfinder der Rollschlittschuhe seine Specialität über 1000000 Dollar ein, trotz der Thatsache, daß sein Patent beinahe erloschen war, bevor dessen Werth anerkannt ward.

DieSchraube mit Bohrerspitze" hat ihrem Erfinder mehr Reichthum eingetragen, als die meisten Silberminen hierzu im Stande sind, und so hat auch jener Amerikaner, der zuerst aus den Gedanken kam, Messingspitzen an Kinder­schuhe zu machen, ein großes Vermögen erworben, lieber 10 000 Dollar im Jahr brachte der simpleNadeleinfädler" seinem Erfinder ein. Zu den vorgenannten könnten noch Tausende unbedeutender, aber nützlicher Artikel hinzugefügt werden, welche hübsche Einkommen erzielten, ober für welche große Summen bezahlt wurden. Aber wenige Erfindungen rentiren besser als patentirte Spielsachen. Jenes beliebte SpielzeugDer Retourball", ein hölzerner Ball, woran ein elastischer Faden befestigt ist, trug dem Patentinhaber jährlich -50000 Dollar ein, und dietanzende Krähe" dem ihrigen sogar 75000 Dollar.

Die Erfindung derPharao-Schlangen", ein Spielzeug, das vor einigen Jahren sehr gesucht, war lediglich das Product einiger chemischen Experimente und trug dem Erfinder über 50000 Dollar ein, und ein sehr sinnreiches Spielzeug unter dem Namendas Lebensrad" soll seinem Erfinder über 100 000 Dollar eingebracht haben.

Unsere deutsche Sprache.

Im Berliner Zweigvereine desAllgemeinen Deutschen Sprachvereins" hielt Herr Pfarrer Dr. Hermann Schrader einen Vortrag überDeutsche Freude an drolligen Spitznamen von Menschen und Dingen und an ungeheuerlichen Gleichniß- reden." Herr Pfarrer Dr. Hermann Schrader führte

u. A. aus: Man hat die Deutschen oft ein Volk der Träumer genannt und auch ein Volk der Denker. Wir fassen das in dem Sinne auf, daß sie eine blühende, dichterische Gestalt­ungskraft haben, und einen scharfen, schlagfertigen Geist. Dies wollen wir einmal auf einem ganz absonderlichen Gebiete zeigen. Wir haben eine herrliche Ursprache, im deutschen Ur­walde zu mächtigen Bäumen erwachsen, ober auf deutschen Fluren zu süßen Blumen. Den Franzosen dagegen zwängte der römische Eroberer seine Sprache auf (Klopstock: An dem Rhodom klirrt sie noch laut, die Kette des Eroberers). D'rum ist's beschämend, wenn der reiche Deutsche bei ärmeren Völkern sprachlich betteln geht. Der Deutsche empfindet lebhaft; d'rum liebt er nicht die einfache Gipfelstufe oder das Wort sehr", sondern Wendungen wie: das ist furchtbar nett, er ist rasend verliebt, das ist einriesig kleiner Kerl", kohlpechbrandrabenschwarz. Der Deutsche schmückt die Rede des täglichen Lebens fortwährend mit Bildern, Gleichnissen und wunderbaren Redensarten und tummelt sich harmlos in diesem heiteren Gebiete umher, unbekümmert, ob etwa der Verstand zu solch' übermütigem Gebühren selbst in hand­greiflichen Widersprächen den Kops schüttelt. Bis zur Ab­geschmacktheit aber geht diese Vorliebe, wenn z. B. eine Berliner Zeitung berichtete: Die Sängerin Alexandrine Martens hat der Lieder sähen Mund an den Nagel gehängt und ist Schulreiterin geworden. An Witz- und Spitznamen sind (wunderbar) die Deutschen und Briten viel reicher als die Franzosen. Nur ein Beispiel. Die Barbiere heißen sckerz- weise Bartputzer, Schnutenseger, Verschöneruugsrath, Harzer Schaumschläger, Chirurgus vom höheern Schabeisen, Doctor Kratzbart, Rässeischaber. In ähnlicher Weise haben die Kau - leute, Landwirthe, Rechtsgelehrte, Aerzte, Apotheker, Schul­meister, Scharfrichter, (Hauptkaisirer), Brauer, Backer, Wucherer, Packträger (Tragiker), Sonetten-Dtchter (Vterzehn-