1893
Sonntag den 6. August
Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren.
Gratisbeilage: Gießener Kamitienökätter.
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Amtlicher Theil
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinmden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
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Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, ■rtt Ausnahme des MontagS
Die Gießener MnMikienbtälter »erden dem Anzeiger >.»4chenUich dreimal beigelegt.
arzt seinen Sitz hat, mit von letzterem ausgestellten Scheinen versehen sein.
Die GesnndheitSscheiue für Schafe und Schweine in Treib- heerdeu können nur von einem dazu ermächtigten Thierarzte ausgestellt werden.
Die Gesundheitsscheine müssen enthalten: Ort und Datum der Ausstellung. Namen des Besitzers der zu transportirenden Thiere, jedes mitzuführende Stück Rindvieh nach Geschlecht, Alter, Farbe und Abzeichen, die Zahl der mitzuführenden Schweine und Ziegen. Die Scheine sind 5 Tage gültig.
Die über das angetriebene Vieh beigebrachten Gesundheitsscheine werden revidirt, jedoch den Besitzern alsbald wieder zugestellt werden.
Der Schein muß nur dann erneuert werden, wenn die betreffenden Thiere in anderen Besitz übergehen, oder wenn die Gültigkeitsdauer des Scheins an dem Markttage erlischt.
3. Laudwirthe und Metzger bedürfen, sofern sie nicht ebenfalls mit Lieh Handel treiben, der Gesuudheitsscheiue im All-
Von unseren Matzen und Gewichten.
(Nachdruck verboten.)
Wer erinnerte sich wohl nicht mehr der Zeit, als eS im Deutschen Reiche allerhand verschiedene Ellenmaße gab. Genau so zahlreich als Münzsorten, besonders die diese Stelle ersetzenden Thalerscheine 2C. waren die Maße. Da gab cs große und kleine Ellen und im Handel und Wandel war dem Betrüge und der Uebervortheilung Thür und Thor geöffnet. Mit der Einführung des metrischen Systems ist hierin ein bedeutender Wandel geschaffen worden.
Die gegenwärtig in der Mehrzahl der civilisirten Staaten eingeführten Maße und Gewichte stammen aus Frankreich. Am 8. Mai 1790 beschloß daselbst die Nationalversammlung, die Länge des Secundenpendels unter einem gewissen Breitengrade ermitteln zu lassen, um danach „unveränderliche" Maß- und Gewichtseinheiten einführen zu können. Zugleich wurde die Akademie der Wissenschaften beauftragt, sich darüber zu äußern, wie diese Einheiten am besten einzutheilen sein würden. Die Akademie sprach sich aber gegen die Länge des Secundenpendels als Grundlage des Maß- und Gewichtssystems aus, weshalb die Nationalversammlung am 26. März 1791 den Erdmeridianquadranten zur Basis bestimmte und die alsbaldige neue Vermessung eines Theiles desselben anordnete. Die Vermessung wurde in Angriff genommen, wobei als Maß die Toise von Peru, zu 6 Pariser Fuß, diente.
Bereits am 1. August 1793, noch ehe die neue Vermessung durchgesetzt war, proclamirte der Convent als gesetzliches Längenmaß das Meter, d. h. den zehnmillionsten Theil des Erdquadranten, welcher auf Grund der 1758 von
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Durch die Post bezogt» 2 Mark 50 Pf,.
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Nr. 29 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 31. v. M., enthält: „ .. r ,
(Nr. 2120.) Verordnung, betreffend die Erhebung eines Zollzuschlags für aus Rußland kommende Maaren. Vom 29. Juli 1893.
Gießen, den 4. August 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Dr. Melior.
gemeinen nicht.
Es ist indessen dringend zu empfehlen, daß sich Jeder mit solchen Scheinen versieht, weil nur dann bei dem Verkauf des zu Markt gebrachten Thieres an den Händler der bei dem Abtrieb des Thieres vom Markt erforderliche Schein von dem den Markt überwachenden Großh. Kreisveterinärarzte alsbald ausgestellt wird, wenn die Seuchefreiheit des Ortes der Herkunft des Thieres festgestellt ist.
4. Den Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises empfehlen wir, sowohl die vorstehenden Bestimmungen in entsprechender Weise zur Kenntniß der Betheiligten zu bringen, als auch für die Ausstellung ordnungsmäßiger Gesundheitsscheine, soweit solche Ihre Zuständigkeit berührt, besorgt zu sein. Der Unterschrift ist das Siegel beizufügen.
Auch verweisen wir noch auf die Bekanntmachung vom Juni 1891, Kreisblatt Rr. 44.
Schotten, den 25. Juli 1893.
Großherzogliches Kreisamt Schotten.
Schönfeld.
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Verbandes in der schönen Residenz des Hessenlandes wohl gefallen möge. Mit einem Gut Heil der deutschen Turnerschaft schloß diese herzliche Begrüßungsrede. Nun hielt Se. Excellenz Herr Staatsminister Finger eine Ansprache, tn der er zunächst bemerkte, daß unser allverehrter Großherzog es selbst herzlich bedauere, heute nicht inmitten der Festgäste erscheinen zu können. Dann wies auch er auf den Unterschied der turnerischen Bestrebungen der früheren Zeit und von jetzt hin und brachte gleichfalls den Turnern ein jubelnd aufgenommenes Gut Heil. In herzlichen Worten hieß dann Herr Bürgermeister Morneweg die Festgenossen im Namen der Stadt willkommen und wünschte, die Tage des Turnfestes möchten allen Theilnehmern für immer in angenehmer Erinnerung bleiben. Dem deutschen Vaterlande galt der Trinkspruch des Herrn Generallieutenant v. Bülow, Exc., er feierte die patriotischen Ziele der Turnersache in begeisterten Worten. Hierauf dankte Herr Prof. Friedrich officiell der Militärbehörde für die gütige Ueberlassung des FestplatzeS und brachte ein donnerndes Hoch auf unsere ruhmreiche Armee aus. Auch ein Vertreter der Festgäste, Herr Schmuck aus Bingen, kam zum Worte und dankte der gastfreundlichen Stadt Darmstadt für den großartigen Empfang.
Die Pausen zwischen den einzelnen Reden füllten verschiedenartige Vorträge aus, die Hilge'sche Capelle spielte muntere Weisen und die tüchtige Turnersingmanuschast erfreute mit schönen Chorgesängen. So dauerte das schöne Fest bis zur späten Stunde. Draußen auf dem Festplatze wars auch lange lebendig, die kühle Witterung — es hatte die ganze vorhergehende Nacht und noch am Sonntag Morgen kräftig geregnet — vermochte die Festesfreude nicht zu stören. Und nun folgte am Sonntag die Hauptsache, der wirklich grandiose Festzug. Am Morgen hatte die treffliche Darm- städter Schülercapelle ihren Weckruf ertönen lasten, doch schaute der Himmel so unfreundlich drein, daß man für das Gelingen des Zuges ernstlich fürchten mußte. Doch alles lief gut ab; Jupiter Pluvius zeigte sich zwar auch um Mittag den Turnern wenig freundlich gesinnt, doch ernstlich wurde die Feststimmung dadurch nicht geschädigt. Einen prachtvollen Anblick boten die vom Zuge zu pafsirenden reich geschmückien Straßen, die Einwohnerschaft bewies den Turnern, wie freundlich sie von allen bewillkommnet seien. Um die Mittagsstunde begann der Zug. Acht Fanfarenbläser eröffneten ihn, dann folgten nacheinander die Vereine des Unter Nahe-Gaues, die Festausschüste, die Vereine des Rhein-Mosel Gaues, die Darmstädter Liedertafel, der Mittel-Mosel Verband, Darm-
städter Fechtclub, in besonders kleidsamer Tracht, der Kriegerverein, die Vereine des Gaues Offenbach-Hausen, besonders lebhaft vom Publikum begrüßt, die Vereine des Frankfurter Gaues, der Fahrclub Frankfurt a. M. mit prächtigem Fest- wagen, dann der Darmstädter Männergesangverein, weiter nach vielen anderen Gruppen der wundervolle Prunkwagen des Darmstädter Gärtnervereins „Feronia", die Lahn-Dill- Gauvereine, die Gruppe des Gaues Oberhesten und endlich am Schluffe der Festwagen der Darmstädter Turner und die Feuerwehr. Es war ein imposanter prachtvoller Zug; im Vorstehenden sind noch lange nicht alle Gruppen genannt. Einzelne Vereine hatten besonderen Werth auf kunstvolle, oft recht launige Verzierung ihrer Zugschilder gelegt, so trugen die Bergener gar einen veritabelen Miniaturzwetschenkuchen mit sich. Noch vor 2 Uhr war der Festplatz erreicht. Hier entfaltete sich trotz des leider constanten Regens bald ein buntes Treiben, allerdings werden die Geschäftsleute infolge der Ungunst der Witterung wohl nicht ganz den gehofften Gewinn erzielt haben. Furchtbar enge war es infolge des riesigen Andranges in der coloffal geräumigen Festhalle, ihre Räume hätten für diesen Tag ganz gut noch einmal so ausgedehnt sein können. Die turnerischen. Hebungen eröffneten die Hanauer und Frankfurter in der Festhalle. So verlief der erste Festtag fröhlich, aber durch die Witterung immerhin beeinträchtigt. Auch die folgenden Tage brachten nun viele schöne Stunden. Ein außerordentlich reichhaltiges Programm blieb ja zu erledigen, wir können an dieser Stelle unmöglich auf alle Einzelheiten eingehen. Der Montag brachte das Einzelwettturnen, dann das große Festbanket in der Festhalle, die, was hier noch nachträglich bemerkt sei, in ihrer großartigen Anlage und Ausschmückung allgemein die größte Bewunderung erregte. Beim Festessen erschienen die Spitzen der Militär- und Civilbehörden, es nahm unter patriotischen Reden einen sehr schönen Verlauf, dabei wurde auch der künftigen Feststadt Gießen gedacht. Viel Jntereffe erregte dann das Schülerturnen, das allerdings durch ein Gewitter unterbrochen wurde, an demselben Tage. Der Abend brachte die Preisvertheilung, deren Ergebniß Ihren Lesern ja schon bekannt sein wird. Von dem, was dann noch alles folgte, Ihren Lesern noch zu berichten, erlaubt der für die Residenzbriefe zur Verfügung stehende Raum nicht mehr. Darmstadt hat eine schöne, unvergeßliche Festwoche hinter sich, die ihm viel Ehre und Ruhm gebracht hat. L.
Nr. 183 Zweites Blatt
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Bekanntmachung,
den Sommermarkt zu Schotten betreffend.
Zur Durchführung der veterinärpolizeilichen Ueberwachung rdes am 7. und 8. August l. I. dahier stattfindenden Vieh- Marktes kommen die nachstehenden Bestimmungen zur Anwendung, und werden dieselben hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht.
1. Der Markt beginnt um Vs4 Uhr früh. Vor dieser Zeit dürfen keine Thiere auf der Straße aufgestellt werden.
Zuwiderhandlungen werden mit Geldbuße bis zu 60 Mark bestraft. ei , .
2. Viehhändler, welche Thiere zu dem Markte bringen oder dringen lassen, müffen mit Zevgnisseu versehen sein, in welchen bescheinigt ist, daß die Thiere sich seit mindestens 7 Tagen in seuchefreiem Zustande an dem Ort der Untersuchung befunden haben. ,
Diese Zeugniffe (Gesundheitsscheine), können in Gemeinden, welche länger als einen Monat gänzlich feucheufrei find, von den Großh. Bürgermeistern (Beigeordneten) ausgestellt werden, dann, wenn nicht innerhalb des Ortes ein zur Ausstellung der Scheine ermächtigter Thierarzt wohnt. Sonach müffen Händler, welche an einem Orte wohnen, an welchem ein zur Ausstellung der Gesuudheitsscheine ermächtigter Thier-
Bekanntmachung, betreffend Maul- und Klauenseuche, hier den Sommermarkt zu Schotten.
Nachstehende Bekanntmachung des Gr. Kreisamts Schotten wird hierdurch zur Kenntniß der Jntereffenten gebracht.
Gießen, den 3. August 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Dr. Melior.
Feuilleton.
Wochknbriefe aus der Residenz.
(Originalbertcht für den „Gießener Anzeiger".)
Darmstadt, 4. August 1893.
Das Turnfest.
So wäre denn die Reihe der fröhlichen Festtage nun auch vorüber! Wenn Ihre Leser diese Zeilen zu sehen bekommen, wird wohl auch der letzte Festgast unsere Stadt verlassen haben, gewiß mit dem Bewußtsein, ein paar unvergeßlich schöne Tage verlebt zu haben. Denn wirklich prächtig war der Verlauf des ganzen Turnfestes. Schaute der Himmel auch manchmal recht finster drein, der Turnerfrohsinn hielt Stand bis zum letzten Augenblicke, bis zur Abfahrt vom Bahnhofe, die nicht selten unter Sang und Klang von statten ging. Einen ganz ausführlichen Bericht zu liefern, ist nicht unsere Absicht, aber die Hauptereigniffe des srohen Festes sollen hier wenigstens in wenig Zeilen geschildert werden. Da wäre also zuerst der Empfangsabend am letzten Samstag zu erwähnen, der allerdings insofern beeinträchtigt wurde, daß Seine Königl. Hoheit der Großherzog infolge seines Unwohlseins seinen beabsichtigten Besuch in der Festhalle unterlassen mußte.
Schon lange vor 8 Uhr füllte sich die Festhalle mit einer ungeheuren Menge von Festgästen, viele Hunderte fanden keinen Sitzplatz mehr und mußten sich damit begnügen, stehend der ganzen Veranstaltung beizuwohnen. Nachdem die flotte Weise des Eröffnungsmarsches „Großherzog von Heffen" verklungen, betrat der Sprecher der Darmstädter Turnerschaft, der berühmte Naturforscher und Schriftsteller Professor Dr. Ludwig Büchner die Rednerbühne und begrüßte die Anwesenden. Er pries die edle Turnkunst, die in den letzten Jahren immer mächtiger aufblühe, sich zu immer größerer Bedeutung aufschwinge. Heute verfolge die Tumerfchaft nicht mehr politische Zwecke, wie das bei ihrer Gründung der Fall gewesen sei, jetzt lasse sich nur ein inneres Streben erkennen, die Aeußerlichkeiten seien verschwunden. Niemand betrachte heute mehr die Turnerei für etwas staatsgefährliches, das zeige schon die rege Anthei'nahme des hohen Landessürsten und der Vertreter der obersten Staatsbehörden. Die fremden Festgäste möchten nun die kommenden Tage froh mit den Darmstädtern begehen, das Festcomitö habe sein möglichstes gethan und hoffe, daß es den Turnern des mittelrheinischen
Gießener Anzeiger
Keneral-Mzeiger.
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