Nr. 70 Zweites Blatt
Mittwoch den 23. Mälz
1892
Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags
Die Gießener AemittenVtätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
HichenerAnzeiger
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2lints- und Anzcigedlutt fiiv den Kreis Gieren.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für bei folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.
Hratisöeikage: Hießener Jamikienökätter.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger* entgegen.
Amtlicher Theil.
Auszug
aus der von Grobherzoglicher Ober-Rechnungskammer abgeschloffenen Rechnung der Kreiskaffe des Kreises Gießen für 1889/90.
Rubr.- .
Nr. Einnahme. jt.
1. Beiträge der Gemeinden und Gemarkungen 145323.—
2. Gebühren für Duplicate von Militärpapieren 10.50
4. Strafen 4965.—
6. Kapitalzinsen 1162.15
7. Srsatzposten 5269.97
8. Prozeßkosten.......... 84.40
9. Gebühren für Dienstleistungen des Kreis-
mgenieurs und der Bezirksbauaufseher. . 1911.80
10. Beitrag aus der Provinzialkasse zu den
Unterhaltungskosten der Kreisstraßen . . 39111.52
11. Beiträge zu den Kosten der Erbauung von
Kreisstraßen 1011.44
13. Beiträge der Bezirksbauaufseher zu deren
Wittwenkasse.......... 138.—
14. dem Kreise überwiesene Stellvertretuugs- summe für Refractäre 105.98
20. Kaffenvorrath aus vorhergehenden Jahren 10267.02
Gesammtsumme der Einnahme 209360.78
Ausgabe. Jt.
21. Kapitalzinsen 822.50
22. Besoldungen und Pensionen 13084.31
23. Diäten und Gebühren 2839.46
23a. Belohnung des Polizeiaufsichtspersonals . 4564.—
24. Botenlohn und Verkündigungskosten . . 161.85
25. Für Bureauxbedürfnisse und Geräthschaften 1309.77
26. Kreisunterstützungen 18479.77
27. Unterhaltung von Kreisstraßen .... 81128.52
28. Erbauung von Kreisstraßen 1348.92
29. Für den Lesezirkel der Lehrerconferenzen . 285.05-
30. Beitrag zur Provinzialkasse 60040.27
35. Uneinbringliche Posten und Nachlässe . . 1.12
37. Auszuleihende Capitalien ' . 715.84
Gesammtsumme der Ausgabe 184781.38
Abschluß.
Gesammtsumme der Einnahme . 209360.78 JC.
Gesammtsumme der Ausgabe . 184781.38 „
Verglichen bleibt Rest 24579.40 JL und dieser besteht in baarem Vorrath.
Gießen, den 15. November 1890.
Der Rechner der Kreiskaffe.
Grüneberg, Rendant.
Revidirt, ohne daß sich für vorstehenden Abschluß eine Aenderung ergeben hat.
Darmstadt, den 12. März 1892.
Großherzogliche Ober-Rechnungskammer.
Lorbacher. Schenk.
In Gemäßheit des Art. 43 der Kreisordnung wird der vorstehende Auszug zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Gießen, den 18. März 1892.
Der Vorsitzende des Kreisausschnffes des Kreises Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung,
Maßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche betreffend.
Nachdem in verschiedenen Gegenden des Kreises die Maul- und Klauenseuche wieder ausgeb-.ochen ist, sehen wir uns veranlaßt, Folgendes zu bestimmen:
I. Die Seuchenfreiheit aller auf Viehmärkte aufgetriebenen Thiere muß durch entsprechende Gesundheitszeugnisse nachgewiesen werden.
II. Die Gesundheitszeugnisse müssen ausgestellt sein:
1)IFür Wiederkäuer und Schweine, die aus Gemarkungen stammen, in welchen die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen oder aber noch nicht einen Monat gänzlich erloschen ist, von einem hierzu ermächtigten Thierarzt.
2) Für Wiederkäuer und Schweine, die aus Gemeinden stammen, in welchen ein zur Ausstellung von Zeugnissen ermächtigter Thierarzt seinen Wohnsitz hat, von einem hierzu ermächtigten Thierarzt.
3) Für Treibherden von Schafen und Schweinen von einem hierzu ermächtigten Thierarzt.
4) In allen übrigen Fällen von den Großherzoglichen | Bürgermeistereien bezw. in deren Verhinderung von \ den Großh. Beigeordneten.
III. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bte zu 150 Mk. oder mit Haft bestraft, sofern nicht nach den gesetzlichen Bestimmungen eine höhere Strafe verwirkt ist.
IV. Im Uebrigen verweisen wir auf unsere Bekanntmachung vom 15. August d. I. (Kreisblatt Nr. 97).
Friedberg, den 3. November 1891.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg.
________________I. V.: von Hahn.________________
Bekanntmachung.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Herr Landmirthschaftslehrer Leithiger zu Alsfeld am Samstag den 26. März l. Js., Abends 7 Uhr, in Steinheim im Gasthaus zu den drei Schwertern einen Vortrag „Ueber die Vortheile des Bezugs fremder Saatfrucht und über' Düngung der Wiesen" abhalten wird, wozu alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Vereins und Freunde der Landwirthschaft ergebenst eingeladen werden.
Die Herren Bürgermeister der obengenannten und benachbarten Gemeinden werden ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.
Gießen, den 16. Februar 1892.
Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen: __________________________Jost._________________________
Bekanntmachung.
Herr Landmirthschaftslehrer Leithiger von Alsfeld wird an folgenden Orten Vorträge halten:
1) Sonntag den 27. März 1892, Nachmittags 3 Uhr, in
Lich einen Vortrag über rationelle Viehfütterung, in der Heiland'schen Wirtschaft
2) Sonntag den 3. April 1892 in Watzenborn einen Vortrag über die Anwendung der künstlichen Düngemittel,
3) Sonntag den 1. Mai 1892 in Hausen einen Vortrag über die rationelle Bewirtschaftung des Bauerngutes, insbesondere mit Berücksichtigung der künstlichen Düngemittel.
Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Vereins und Freunde der Landwirthschaft werden zu diesen Versammlungen ergebenst eingeladen.
Die Herren Bürgermeister der obengenannten und benachbarten Orte werden ersucht, aus möglichst zahlreichen Besuch der Versammlungen hinzuwirken.
Gießen, den 28. Januar 1892.
Der Director des landw. Bezirksvereins Gießen.
Jost.
Coeate# unb provinzielles.
§ Nieder Ohmen, 18. März. Die hiesige Volksschule mußte geschlossen werden, da die Masern und Scharlach unter den Kindern stark ausgebrochen sind.
Ober Ohmen, 21. März. Die gestrige kirchliche Trauerfeier zum Gedächtniß des Höchstseligen Großherzogs Ludwig IV. hatte eine sehr große Zahl Kirchenbesucher in unserer geräumigen Mutterkirche versammelt. Der hiesige Krieger- und Gesangverein, sowie der Kriegerverein von Ruppertenrod nahmen mit umflorten Fahnen an dem weihevollen Gottesdienste Theil. In warmen Worten hielt Herr Pfarrer Jung die Gedächtnißpredigt, die Weisheit und Gerechtigkeit, die Milde und Herzensgute, sowie die hohen Verdienste des vielgeliebten entschlafenen Landesvaters in beredten Worten schildernd. — Die Lieferung einer neuen großen Glocke ist der Firma Ulrich in Apolda übertragen worden.
Ober Mockstadt, 20. März. Allgemein hört man in unserer Gegend Klagen, daß es schon seit mehreren Jahren den Leuten schwer fällt, das nöthige Bauholz, und den Handwerkern, das zu ihrem Bedarse nöthige Werkholz zu bekommen, da viele von den größeren Waldbesitzern große Mengen, und zwar nicht die schlechtesten Qualitäten, an große Holzhändler und Eisenbahnschwellenmacher aus der Hand zu Tarifpreisen abgeben. In Anbetracht dieses fand heute im Gasthaus „zur Krone" eine Versammlung von ungejähr 50 Bauhandwerkern/ Wagner- und Zimmermeistern, aus hiesiger Gegend statt und wurde beschlossen, an sämmtliche größere Waldbesitzer Vorstellungen zu richten, daß sämmtliches in ihren Waldungen gefälltes Holz auch zur Versteigerung gelange und nicht, wie seither, vielfach aus der Hand abgegeben werde, damit jedem die Gelegenheit geboten sei, seinen Bedarf zu decken.
8 Homberg a. d. O., 20. März. Ein Landwirth aus einem benachbarten Orte ging kürzlich eine Wette mit mehreren Personen dahin ein, daß er vier Schock Strohseile in einer Stunde knüpfen werde. Einsatz der Wette waren 20 Flaschen Champagner und 100 Mk. baares Geld. Der Arbeit wohnte eine große Menschenmenge bei. Die Wette wurde von dem Unternehmer gewonnen, ja, er hatte noch vier Stück Strohseile mehr als verlangt geknüpft. Dem Gewinner wurden sofort die 100 Mk. ausbezahlt und der Champagner getrunken.
Büdingen, 18. März. Die hiesige landwirthschast- liche Winterfchule hielt am 18. März im Rathhaussaale ihre öffentliche Schl ußprüsung ab. Als Regierungs-Com- missär war anwesend Herr Oeconomierath Müller aus Darmstadt. Der Cursus begann am 2. November vor. Js. In die erste Klasse traten 14 Schüler aus dem Wintercursus 1890—91 ein und 1 weiterer aus Grund seiner Vorbildung, während in die zweite Klasse 23 neue Schüler ausgenommen wurden. An dem Unterricht waren sieben Lehrer thätig und zwar die Herren: Landwirthschaftslehrer Dr. Ullmann, Land- wirthschastslehrer Andrae, Amtmann Dr. Göttelmann, Kreisveterinärarzt Dr. Schmidt von Nidda, Lehrer i. P. Freimann, Lehrer Ruth, Lehrer Becker.
Darmstadt, 18.März. Unter den zahlreichen Kränzen, die von nah und fern hierher gesandt worden sind, um an der Bahre weiland Seiner Königlichen Hoheit des Groß- Herzogs Ludwig IV. niedergelegt zu werden, befindet sich auch ein von einer Dame herrührender, welcher der ritterliche und heldenmüthige Fürst einst mit eigener Gefahr das Leben gerettet hatte. Das „Darmst. Tagebl." theilt darüber Folgendes mit: Es war am 16. August 1874, als der damalige Prinz Ludwig mit seiner Familie in dem belgischen Seebade Blankenberghe weilte. Prinzessin Alice theilte ihrer Mutter, der Königin von England, den Vorfall in folgendem Briefe mit: „Gestern rettete Louis eine Dame vom Ertrinken. Er badete — die Wellen gingen hoch, da hörte er einen Hilferuf und sah eine Badende mit den Wellen kämpfen — sie verlor den Grund, ihr Mann versuchte ihr zu helfen, war aber erschöpft und ließ sie los, ebenso ihr Schwager, und Louis fühlte seine Kraft ebenfalls schwinden. Die Unglückliche behielt aber die Geistesgegenwart und schwamm aus der Oberfläche. Louis ließ sie dann los, bis eine Welle sie ihm nahe brachte- dann erfaßte er ihre Hand und brachte sie heraus, selbst erschöpft. . . . Die Dame hat mir soeben geschrieben, um Louis zu danken. Er ist ein guter Schwimmer und sehr stark. Die Herren sind zwei grauhaarige Schottländer." — Die Dankbarkeit für dieses heldenmüthige Auftreten des Fürsten ist nie aus dem Herzen der geretteten Dame und ihrer Angehörigen geschwunden.
Dermiicbtes.
* Kassel, 18. März. Wie bei den gegenwärtig stattfindenden Beratungen des städtischen Haushaltsplanes hervortritt, hat die Selb st einschätz ung auch in unserer Stadt einen erheblich höheren Ertrag der Einkommensteuer als bisher ergeben. Schätzungsweise wird es ca. 100,000 Mk. Mehrertrag geben- hiernach werden sich auch die Zuschläge zur Einkommensteuer richten.
Wichtig für Hausfrauen.
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