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Königsberg i. Pr., 20. Februar. In der hiesigen Klinik wurde Ende December von Professor Braun eine Operation des Kehlkopfkrebses mit vollständigem Gelingen aus- gesührt. Der Patient spricht etwas heiser, ist aber sonst gesund und wird demnächst dem Oberpräsidenten vorgestellt werden^ Der Fall ist genau wie bei Kaiser Friedrich.

Königsberg i. Pr., 20. Februar. Der Töpfergeselle Eichler, welcher wegen deS Verdachtes der Brandstiftung im königlichen Schlosse verhaftet war, ist aus der Unter­suchungshaft entlassen worden.

Essen, 20. Februar. DieRhein. Westph. Ztg." meldet: In Folge wiederholter Aufforderung Baares, die Vor­untersuchung gegen ihn zu eröffnen, wurde eine solche vom Ersten Staatsanwalt in Essen angeordnet.

I man dem Geschmack des Gießener Publikums ausstellen kann, I tocn.n man erzählt, wie es vollzählig zur Aufführung der Minna von Barnhelm" gekommen, wie es begeistert jedem Worte gelauscht und jede schöne Stelle mit lautem Beifall begrüßt, aber war das Spiel der Frankfurter Künstler nicht I bin überaus treffliches? Was wäre da zu kritisiren? I ~;Qn ^findet sich in der angenehmen Lage, nur loben zu I x1 C mr Fräulein Gündel hat aus der undankbaren Rolle I derMinna" alles gemacht, was daraus zu machen war, I wozu allerdings der Glanz ihrer äußeren Erscheinung nicht I wenig beitrug; ebenso Herr Hofmann, ebenso Herr I Hermann. Herr Diegelmann war in der Auffassung I des urdeutschen Just ebenso meisterhaft wie in seinem Spiel I und Frau Ernst gab die kleine Rolle der Dame in Trauer mit großem Geschick. Zum ersten Male betraten Fräulein Drucker und die Herren Roll und Hamm diesmal die Bühne des Theater-Vereins und haben sich wohl gleich zu Anfang eine Anzahl Freunde erworben. Besonders Fräulein Drucker hat es als Franziska verstanden, sich in viele Herzen hineinzuschmeicheln, Herr Roll gab den prächtigen Paul Werner ebenso trefflich wie Herr Hamm den groben neugierigen Wirth. Alles in Allem war das wieder eine meisterhafte Vorstellung, nur daß die Couliffen, die ewig I dieselben bleiben, allmählich ansangen langweilig zu werden.

Der Theater-Verein erwirbt sich nach und nach stets eine I größere Anzahl von Freunden, und daran sind nicht nur die I Bemühungen seines Vorstandes Schuld, sondern auch der I eines Mannes, der selbst überall mit Hand anlegt, selbst überall gegenwärtig ist und von dem das Publikum kaum mehr kennt als den Namen: Herr Intendant Claar.

Akadem. Coucertverem. Der Bericht über das gestrige Concert des Akademischen Concertvereins mußte wegen Raummangel für die nächste Nummer zurückgestellt werden.

Aus den Verhandlungen des hessischen Städtetages (am 16. ds. Mts. in Mainz) theilen wir nachstehend das Wesentlichste mit. Der Städtetag erklärte sich im Allgemeinen von der geplanten Revision der Kreis- und Provinzialordnung, sowie der Städteordnung befriedigt. Im Einzelnen wurden noch folgende Fragen erörtert: a) ob nicht auch den Städten über 50000 Einwohner die Wahl gelassen werden soll, ob sie einen eigenen Stadtkreis bilden oder in dem seitherigen Landkreis verbleiben wollen- b) ob diese Entschließung über­haupt an eine Frist gebunden, und wenn ja, ob diese nicht von den vorgesehenen sechs Monaten auf ein Jahr erstreckt werden solle- c) ob für Stadtkreise nicht an Stelle des dafür wegfallenden Kreisausschuffes insbesondere behufs Ertheilung von Gewerbeconcessionen ein von der Stadtverordneten­versammlung zu wählender Stadtausschuß gebildet werden solle- d) ob zur Entscheidung über Ansinnen des Provinzial­directors an Stadtkreisstädte nicht eine zweite (Recurs-) Instanz, etwa ein Landesausschuß gebildet werden solle, weil ein Verwaltungsgerichtshof nur Revisionsinstanz und das | Ministerium als zweite Instanz ungeeignet sei. Vielleicht i würde in solchen Fällen der Ersatz des beim Erlaß des An­sinnens beteiligten Provinzialdirectors im Vorsitz desProvinzial- | Ausschusses, ohne Schaffung einer zweiten Instanz, schon ge- l nügen. e) Zur Städteordnung wurde von Darmstadt und Gießen die Erwartung ausgesprochen, daß auch ihnen zum ! Mindestens die sogen. Verwaltungspolizei müsse übertragen werden, unter Hinweis auf die entsprechende Erklärung des preußischen Mimsters des Innern und auf die Grundsätze des preußischen Polizeikostengesetzes, f) Von den Specialgesetzen betr. Kreisstraßen und Landarmen-Wesen wurde festgestellt, daß sie Verbesserungen enthielten, aber nicht weit genug gingen, daß ersteres im Allgemeinen die Städte mehr belaste, letzteres das Land in höherem Maße entlaste als die Städte. g) Zu dem Gesetz über die Bildung von Stadtschulcommissionen wurde Vereinigung der Functionen des städtischen Schul­vorstandes mit denjenigen der städtischen Kreisschulcommission, nach Aanlogie der Curatorien für die höheren Mädchenschulen, als wünschenswerth bezeichnet.

Zur Frage der Sonvtagsrnhe. Auf Einladung von Interessenten versammelten sich gestern Nachmittag im Saale des Cafe Leib eine größere Anzahl Geschäftsinhaber und selbstständiger Gewerbetreibender, um die in der Novelle zur Gewerbeordnung vorgeschriebene Sonntagsruhe, sowie eine in Betreff einheitlicher Regelung derselben für die Stadt Gießen bezw. deren Umgebung an die Stadtverordneten- Versammlung zu richtende Petition zu besprechen. An den unter Vorsitz des Herrn Emil Fischbach stattgehabten Ver­handlungen beteiligten sich die Herren Orbig jun., Ferd. Hoffmann, Käser, Wilh. Plank, Pirr, Stadtverordneten Löber und Schmall, Eugen Kauffmann, H. F. Nassauer, Conditor Hettler, Otto Schaaf, Jul. Buch und H. Zimmer. Die Versammlung war im großen Ganzen darüber einig, daß die gesetzlich vorgeschriebene Sonntagsruhe einheitlich, ohne Unterschied der Geschäftszweige, derart zu regeln sei, daß die Geschäfte um 1 Uhr Nachmittags geschlossen werden können. Den Namens der hiesigen Metzger von Herrn Pirr geltend gemachten Wünschen, die Metzger insoweit zu berücksichtigen, daß ihnen der Verkauf an einigen Abend­stunden gestattet werden möge, weil sie erfahrungsmäßig gerade da am meisten zu thun hätten, wurde fast allgemein entgegengehalten, daß das Publikum sich auch daran gewöhnen würde, seine Einkäufe bei den Metzgern tn den Stunden zu machen, in denen die übrigen Geschäfte offen hielten. Die Wünsche der Versammlung sind in der nachstehenden, an die Stadtverordneten-Versammlung zu richtenden Petition zu- sammengesaßt:

Schon im vorigen Jahre hat der weitaus überwiegende Theil der hier ansässigen Kaufleute und Gewerbetreibenden sich bereit erklärt, bet Einführung der gesetzlichen Sonntags­ruhe für die im Handels- und Gewerbestande beschäftigten Gehülfen, Lehrlinge und Arbeiter ihre Läden um 2 Uhr in schließen.

Die heute hier Versammelten sehen sich veranlaßt, noch­mals öffentlich gegen die von einer kleinen Minorität bean-

Ausland.

Vern, 20. Februar. In Chiaffo ist die Güt erhalle des Bahnhofs niedergebrannt. Der Schaden beträgt eine halbe Million.

Bem, 20. Februar. In den Uhrenfabrikationsbezirken herrscht großerNothstand. Der Gemeinderath von Chaup de-Fonds setzte eine Nothstandscommission ein und überroied sofort 12000 Francs.

Brussel, 20. Februar. Der morgige Socialisten- congreß wird Vormittags und Nachmittags tagen. Die vom Comite erwarteten Delegirten der deutschen Bergleute werden officiell den allgemeinen Strike bekämpfen.

Paris, 20. Februar. In Parlamentskreisen herrscht gegenwärtig die Ansicht vor, daß die Bildung eines Mini­steriums Ri bot oder Bourgeois (bisher Unterrichts­minister) mit Frey ein et, der den Krieg behalten würde, die wahrscheinlichste sei.

Paris, 20. Februar. Der Papst richtete an die Bischöfe und Katholiken Frankreichs eine Encyclica, worin er sagt, die Republik sei eine gesetzmäßige Regierung, alle Franzosen schuldeten ihr Gehorsam. Die Schriftstücke haben die monarchischen Parteien sehr erregt, da sie in den Pfarrkirchen und Capellen verlesen werden.

Newyork, 20. Februar. Auf Anordnung der Behörden wurden von 13 Wohlthätigkeitsanstalten hierhergesandte euro­päische mittellose und arbeitsunfähige Auswanderer nach Europa zurückgesandt.

Rio be Janeiro, 20. Februar. Infolge eines in der Provinz Matto-Grosso entstandenen Aufruhrs ist der Gou­verneur derselben abgesetzt worden.

leuchtender Mantel. Der Baron verbeugte sich und wandte sich der Thüre zu. Doch was war das? Dort stand wieder der rothe Domino und neben ihm stand der verhaßte Affesior der dem Baron höhnisch ins Gesicht lachte. Dieser sah bald aus Tante Sophie, bald aus Curt und seine Begleiterin. Wer von diesen hatte ihm nun den grandiosen Possen gespielt? Plötzlich sprang er aus seine immer noch maskirte Zcchgenossin zu und ergriff sie beim Handgelenk.Hexe," schrie er,Du warst die Sirene! Enthülle Dich und zeige, wer Du bist'" Der rothe Mantel sank und der Baron sowohl wie Curt weichen überrascht zurück. Beide kannten ja die« Gewand, diese perlenübersäete Türkin nur zu gut, war es doch daffelbe Costüm, das Grethe aus dem vorjährigen Costümfeste des Casino getragen hatte.

Curl wendete sich schmerzbewcgt ab. Zu solchem Mummen­schanz also hatte sich seine angebetete Grethe hcrgegeben! So ties konnte sie sich erniedrigen. O, er hatte ja selbst gesehen, wie dieser Wüstling sie im Arme gehalten! Wenn der Zweck aber auch solche Mittel heiligen sollte, dann aber ade ihr Träume von Glück, ade, du schöner Glaube au die Weiblichkeit!

Der Baron ermannte sich schnell. Mit chnischem Lächeln zog er die leise Widerstrebende an sich und sagte:Nun, reizender Flüchtling, holde Rose, bist Du auch jetzt noch spröde? Weigerst Du Dich noch, mir den schuldigen Tribut zu zahlen?"

Durchaus nicht," erwiderte eine Stimme mit sonorem «lang, und der Mann, der soeben seiner Holden die Maske gewaltsam vom Gesicht nahm, um sich die lange ersehnten Küsse zu rauben, prallte entsetzt zurück, denn nicht Grethens blühende Lippen lachten ihm entgegen, sondern die glänzenden Zähne ihres Bruders, unter dcffen Rase bereits der erste

Bern, 22. Februar. Die Delegirtenversammlung des schweizerischen Thterschuhvereins beschloß, daß die Seetion Bern für da« Jahr 1894 einen Thierschutz-Congreß berufe. Ferner wird das schweizerische Centraleomits beauf­tragt, für den Antrag, daß die vorherige Betäubung für alle Schlachtarien, auch für das Schächten, obligatorisch vor- gcschrieben werde, 50,000 Unterschriften zu sammeln.

Neueste Nachrichten.

kSolfig tdegrapbMdfeS Lorrespondmz-Bureau.

Paris, 21. Februar. Nach einer Mittheilung der hiesigen Gesandtschaft von Guatemala ist die Erhebung, deren Haupt der General Henriquez war, unterdrückt und General Henriquez todt. Im ganzen Lande herrscht Ruhe.

Petersburg, 21. Februar. Die schon wiederholt ange­kündigte Aushebung des Verbots der Haseraus- fuhr darf nunmehr als unmittelbar bevorstehend bezeichnet werden. Die Aufhebung wird sich aber nur auf die in den Ostseehäfen lagernden 10 Millionen Pud erstrecken.

Depeschen btöBureau jperolb*.

Stuttgart, 22. Februar. In der gestrigen Landes­versammlung der deutschen Partei, welche von 300 Personen besucht war, sprachen Dr. Schall und Rechtsanwalt Stockmaher über den Programmentwurs. Es wurden Stimmen laut, die Anordnung des Programms sei unzeitgemäß. Die Kammersraction widerspricht der Behandlung der Versaffungs- revision. Die Versammlung tritt in die Berathung ein. Die deutsche Partei verlangt: Diäten für den Reichstag, die zwei­jährige Dienstzeit, proteftirt gegen die Zulassung der Männer­ordnung in Württemberg - die Landwirthschast müsse seft- haltcn an dem Schutzzoll- bezüglich der Versassungsrevision die Entfernung der privilegirten zweiten Kammer und Lebens- länglichkeit der Ortsvorsteher. Die Versammlung wird mit einem Hoch auf den Kaiser geschloffen.

stark entwickelte Ansatz eines dunkelschattigen Schnurrbartes prangte.

Ein Bubenstreich, ein elender Bubenstreich, den ich Euch gedenken werde!" Bebend in ohnmächtiger Wuth rief es der Baron und stürmte zur Thür hinaus, verfolgt von dem schallenden Gelächter des übermüthigen Hans und seines nun wieder fröhlichen Freundes Curt.

Jetzt endlich konnte die in ihrem Versteck am ganzen Leibe zitternde wahre Grethe wieder hervorgezogen werden. Auch Tante Sophie hatte sich von ihrer Erregung noch nicht erholt. Schalkhaft lächelnd trat Hans zu ihr.Verzeihung, liebe Tante, sprach er,es war wohl ein etwas toller Streich, aber er schien mir notwendig. Ich denke, nach dieser De- maskirung des . .

Sinder," unterbrach ihn die Tante,nennt mir den Namen nicht mehr. Ja," fuhr sie mit einem leisen Anflug von Rührung fort,es war freilich ein tolles Stück, aber dennoch, mein lieber Hans, danke ich Dir. Curt Grethe nehmt Euch und werdet ein glückliches Paar, das fei meine Rache!"

Curt und Grethe sind jetzt ein glückliches Paar und be­wohnen die Villa Henkelwitzhausen, die bald unter den Hammer fam unb vom Onkel Vormund für Grethe erstanden wurde. Auch der Traum der Tante ging in Erfüllung: sie schaltet nrb /-«er Herrin gleich, in dem herrschaftlichen Hause , . ®aronf* verschollen- man sagt, er habe sich vor seinen Gläubigern nach Brasilien geflüchtet. Hans aber freut sich nocy heute der tollen Nacht, in der er so wacker über den Strang geschlagen". n

totales ttttö provinzielles.

Gießen, 22. Februar 1892.

I /ti 7" der Universität. Seine Königliche Hoheit der I Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 10. geb' I ruar den ordentlichen Professor in der evangelisch-theologischen I Facultät der Landes-Universität Dr. Johannes Gottschick I auf fein Nachfuchen, mit Wirkung vom 1. April d. Js. an I aus dem Dienste zu entlassen.

Neues Theater. Wie schon auf dem Theaterzettel I angezeigt, wird am nächsten Donnerstag zum Benefiz unseres beliebten Regisseurs, Herrn Paul Ernst, Mosers lustiger SchwankDer Veilchenfreffer" gegeben. Herr Georg Hacker mirb darin in einer Hauptrolle gaftiren, wir brauchen also den Besuch der Vorstellung nicht erst besonders zu empfehlen.

-8. Die achte Vorstellung des Theater Vereins, die vor­letzte dieser Saison, sand am verflossenen Donnerstag in Steins Garten statt. Nachdem der Vorstand, an dessen Spitze nun schon drei klassisch gebildete Universitätsprofessoren stehen, seine Absicht, das moderne LustspielDer Probepfeil" | aufzuführen, aus einigen hier nicht näher zu erörternden Gründen aufgegeben hatte, brachte er das klassische Lustspiel Minna von Barnhelm." Das Publikum war wie gewöhnlich ungehalten, als schon wieder ein klassisches Stück in Aussicht stand ober es kam- trotz Kälte und Schnee, sturm kam es vollzählig und nie war seine Begeisterung, nie sein Beifallsjubel wahrer und aufrichtiger, als in dieser Aufführung. ES ist ein großer Abstand zwischen Blumenthals Probepfeil" und LessingsMinna von Barnhelm" hier das tiefe, ruhige Lustspiel, daS momentan nicht viel mehr erregt als stille Freude und leises Lächeln, gepaart mit tiefster Rührung, dessen Nachwirkung aber eine segenSvolle, innige ist, dort ein Jntriguenstück, voll von Zufällen, Ver­wechselungen und Zweideutigkeiten, das lautes Gelächter und lustige Heiterkeit wachruft, dessen Genuß sich aber nur nach Stunden bemißt. Es ist auch einmal modern gewesen, das herrliche Lustspiel Lessings- so modern wie nur eins von den unzähligen Stücken, die heute auf diesen Ehrennamen Anspruch erheben. Mitten aus seiner Zeit heraus hat der Dichter die Gestalten gegriffen, und es ist reines deutsches Blut, das in ihren Herzen pocht, deutsches Fühlen, deutsches Denken, das I ihr Thun und Lassen lenkt und leitet. Zwar, das ist nicht das Deutschland unserer Tage, nicht das Zeitalter social­politischer Fragen und unklarer Reformideen der ruhig­ernste Glanz, der die Gestalt des großen Friedrich umstrahlt, webt über Lessings Dichtung, die Erinnerung an den kaum beendeten siebenjährigen Krieg mit all' feinen Siegen und all' seinem Elend steht in ihrem Hintergrund und das innere Wesen der Hauptfiguren verklärt eine edle Gediegenheit und Schlichtheit. Wo sind denn diese Menschen hiugekommen, wo die Dichter, deren Werke jene Zeiten wiederspiegeln und unvergänglich machen? Wir sind anders geworden, wir ver­stehen diesen Offizier nicht mehr, dem seine Ehre über alles gilt, wir begreifen nicht mehr dieses junge liebenswürdige Mädchen, das seinen Stolz, sein Glück in seiner Liebe zu Tellheim findet, das fröhlich-heiter im gewissen Gefühl seiner Reinheit nicht zurückschreckt, selbst um den Mann zu werben, an den es glaubt wie an nichts in der Welt. Wie sind wir krank geworden bis ins innerste Wesen, feig, verweichlicht, ohne Glauben an uns selbst, und unsere neueste Literatur ist trotz all' ihren Monstrositäten und Unwahrheiten das Spiegelbild unserer Zeit. Auch unsere Kunst steckt mitten in jener Krisis, die stets eine neue Weltanschauung mit sich bringt wenn aber nicht alles täuscht, wird diese Krisis bald überwunden sein schon Giacosa könnte als kleiner Beweis | dafür angesehen werden. Es ist das beste Zeugniß, welches