Einzelbild herunterladen

Beschäftigung der arbeitslosen Arbeiter. Rudini erklärte, es sei gefährlich, die Staatsfinanzen durch wirthschastliche Cor- recturen zu belasten.

Hamburg, 27. November. Gegenüber der Behauptung, Bismarck habe durch sein Fernbleiben von Berlin während des Winters 1889/90 seine Entlassung herbeigeführt, betonen dieHamb. Nachr." der Fürst habe bei seiner Fernhaltung vom Reichstag nur höheren Wünschen entsprochen.

totales nnd ^provinzielles.

Gießen, 27. November 1891.

In der gestrigen Hauptversammlung des Oberhesfische» Geschichtsvereins wurde zum Vorsitzenden an Stelle des von hier nach Breslau und von da nach Marburg berufenen Herrn Prof. Dr. von der Ropp Herr Prof. Höhlbaum gewählt- ferner wurden in den Vorstand neugewählt die Herren Hauptmann Weimer und Dr. Strack- der Wiederwahl der Herren Prof. Dr. Buchner, Dr. Klewitz und cand. Ebel stimmte die Versammlung zu. Der von Herrn Oberbibliothekar Dr. Haupt gehaltene Vortrag überInquisition und Ketzerthum in Hessen und am Mittelrhein im Mittelalter" verbreitete sich in ausführlicher und be­sonders lehrreicher Weise über diejenigen Secten, gegen welche die Inquisition einzuschreiten hatte. Als älteste, ge­wissermaßen als Stammsecte wird diejenige der Katherer, welche schon im 11. Jahrhundert thätig war und als Feld ihrer Thätigkeit auch das obere Lahnthal, die Wetterau und den Vogelsberg mit erkoren, bezeichnet. Eine weitere, sich schnell über Deutschland verbreitende Secte waren die Waldenser, gegen die die Inquisition scharf vorzugehen für -nöthig sand, Hunderte von Ketzern fanden aus dem Scheiter­haufen ihren Tod - als besonders eifriger Ketzerrichter wurde Konrad von Marburg bezeichnet. Im allgemeinen war das Leben der Waldenser derart, daß nur Günstiges darüber be­richtet werden konnte. Keuschheit, Mäßigkeit, Arbeitsamkeit, Wahrheitsliebe u. s. w. zeichneten sie aus- ihren Höhepunkt erreichte die Propaganda der Waldenser Ende des 14. Jahr­hunderts. Eine weitere Secte war diejenige der Beghinen und Begharden, die Secte vom freien Geiste, die ebenfalls 'in Hessen für ihre Zwecke Propaganda machte und gegen welche die Inquisition durch Verhängung von Todesstrafen einzuschreiten für gut befand. Aus dem Vortrage des Herrn Dr. Haupt gewannen die zahlreich anwesenden Mitglieder und Freunde des Geschichtsvereins ein treffliches Bild von den Zuständen im Mittelalter, besonders hinsichtlich des Ver­fahrens gegen Anhänger der bezeichneten Secten. Es hält schwer, die Zahl der für ihre Ueberzeugung auf den Scheiter­haufen verbrannten Opfer auch nur annähernd zu bestimmen- aber groß, sehr groß muß ihre Zahl gewesen sein, wenn man berücksichtigt, daß es oft keines eingehenden Schuld­beweises bedurfte, um die Anhänger dieser oder jener Secte den allerorts errichteten Scheiterhausen zu überliefern. Nach Schluß des Vortrages fand eine eingehende Besprechung über denselben, sowie über andere interessante Gegenstände statt. So legte Herr Dr. Haupt ein von Herrn L. Rothenberger erworbenes Album eines stucb. Joh. Spachius vor, welches eine große Anzahl Aufzeichnungen aus den Jahren 16071619 enthielt, die der erwähnte Spachius aus seinen Fahrten durch halb Europa gesammelt hatte. Herr Dr. Klewitz machte unter Hinweis auf in Nauborn vor einigen Jahren gefundene Geldstücke Mittheilung über das Bestehen einer Münze in Gießen. Herr Pfarrer Schlosser zeigte eine beim Ausgraben des Fundaments zur neuen Kirche in einer Tiefe von 21/2 Meter gefundene eiserne Kugel, die nach Mittheilung des Herrn Hauptmann Weimer aus dem Anfänge des 18. Jahrhunderts herrühren dürste und als Geschoß einer Feldschlange gedient haben mag.

Gegen einige Schüler des Gymnasiums und des Real­gymnasiums, die sich zum Theil schwere Diebstähle haben zu Schulden kommen lassen, ist eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet.

In den letzten Tagen wurden die Wecksäckchen, welche in den Vorgärten der betreffenden Hofrailhen abgelegt werden, mehrfach gestohlen, bezw. ihres Inhalts entledigt. Heute Morgen 5 Uhr gelang es dem Polizei-Wachtmeister, zwei obdachlose Individuen zu ermitteln, welche auf der Südanlage versuchten, fragt. Säckchen durch das verschlossene Hofthor hindurchzuziehen. Beide Leute wurden verhaftet.

Diebstahl. Gestern entwendete ein fremder Hand­werksbursche gelegentlich des Bettelns ein Paar in der Küche des Schulhauses zu Heuchelheim ausgehängte, noch fast neue, dem Herrn Lehrer gehörige lange Stieseln. Der Thäter, welcher dahier zufällig wegen Bettelns verhaftet worden war, langte gerade aus der Wache mit den in ein Taschentuch ein­gebundenen entwendeten Stieseln an, als kurz vorher die relephonische Benachrichtigung dieserhalb von Heuchelheim hier eingetroffen war.

Euch wachst es zu. Euch giebt's der liebe Gott im Schlafe. Wer öfter an Orte kommt, wo Land- und Stadt­bevölkerung mit einander verkehren, etwa auf dem Markte, der wird das eine oder andere obige Wort schon einmal gehört haben. Es erweckt Mißstimmung bei denen, an die es gerichtet ist, und zeugt von Mißgunst bei denen, die es aussprechen, denn es soll damit gesagt sein, daß die Land­leute bei weniger Arbeit reichen Gewinn haben. Alle in dieser Sache urtheilsberechtigten Stadtbewohner, d. h. solche, die in ihrer Jugend oder im späteren Leben längere Zeit vorübergehend aus dem Lande gelebt haben, wissen, was der Landmann ohne Arbeit hat. Dornen und Disteln, Quecken- -gras und allerhand Unkraut trägt der Acker ohne Arbeit. Auch der Stadtbewohner kann sich davon überzeugen- er braucht nur des Nachbars Zier- und Blumengarten anzusehen, welcher der pflegenden Hand entbehrt, vielleicht wegen Krank­heit des Besitzers oder aus sonst einem Grunde. Wie ver­

wildert sieht es da nach einigen Wochen schon aus! Noch hat die Sonne im Frühlinge oder im Sommer einen niedrigen Stand am Himmel, da wird es schon lebendig aus dem Dorse. Die Haus- und die Zugthiere besonders wollen ihr Futter haben, und das muß ein schlechter Landwirth sein, der nicht mit seinen Gehilfen, seien es Menschen oder Thiere, um 6 oder 7 Uhr in dem Felde an der Arbeit ist, wenigstens war es früher so und wird wohl auch jetzt noch so sein. Mancher Städter dreht sich um diese Zeit noch einmal im Bette um, um auf der anderen Seite auszuschlafen. Wollen unfern Mittag abkürzen und auch heute Abend eine Fuhre mehr holen, denn es könnte morgen regnen, sagt der brave Knecht zur Zeit der Heu- oder Kornernte zu seinem Herrn, der ihn fragend ansieht, ob Menschen und Thiere einMehr" von Arbeit aushalten können. Wie freuen sich die Landleute im Frühlinge über die üppig grünenden Saaten, im Sommer über die wogenden Kornfelder und später über das gold­gelbe Aehrenmeer. Sie rechnen wohl im Stillen jeder wirthschastliche Mensch soll rechnen, wie viel ihnen werden kann, wenn Alles in Scheune und Keller sicher geborgen ist- doch nicht wie manche Procentmänner in der Stadt. In den Gründerjahren nach 1870 hatten einige Landleule die Freude an der Arbeit verloren, sie verkauften, vielleicht auf Veranlassung ihrer Verwandten oder Bekannten in der Stadt, ihr Landgut und zogen in die Stadt. Ob sie Alle wohl daran gethan haben, weiß ich nicht, (schreibt ein Mitarbeiter desB. Tagebl.") aber das weiß ich, daß sich einige zurück­sehnten, und bei Anderen die Mehreinnahmen in der Stadt kein Segen für sie wurde. Jetzt bei eintretender Steigerung der Lebensmittelpreise wird die Arbeit des Landmannes und Verkäufers im Allgemeinen., unbefangener und vorurtheils- sreier geschätzt. Neulich war ich Zeuge, daß eine Einkäuferin, der 25 Pfennige für das Hundert Zwetschen noch zu viel war, von einer Bauersfrau mit den Worten abgeführt wurde:Meinen Sie denn, daß das Abpflücken und Herein- schaffen in die Stadt keine Arbeit ist? und hat nicht auch der Baum oder der Boden, auf dem er wächst, seinen Werth?" Was diese Zeilen wollen? Zur ruhigen Ueberlegung und gegenseitiger Anerkennung ehrlicher Arbeit wollen sie rathen. Wenn der Landmann bei seiner Arbeit ums tägliche Brod mehr Kraft aufwendet, als andere Berufsklaffen, so geschieht dies in frischer gesunder Luft. Das ist neben der Freude über die Arbeit ein Ersatz. Dazu kommt noch, daß von Landleuten ein geringer Procentsatz da anzutreffen ist, wo Nervenschwache und Kranke aller Art zu finden sind. Und das ist doch auch etwas werth!

Landes'Brandverficherungsanstalt für G-bäude. Eine eben erschienene Bekanntmachung, betreffend die Aussührung des Gesetzes vom 28. September 1890 über die Brand­versicherungsanstalt für Gebäude, lautet wie folgt: Nach der Bestimmung des Art. 2 des mit dem 1. Januar 1892 in Wirksamkeit tretenden Gesetzes vom 28. September 1890, die Brandversicherung für Gebäude betreffend, sind die Maschinen jeder Art von der Versicherung bei der Landes- Brandversicherungsanstalt ausgeschlossen. Weiter ausgeschlossen von der Versicherung sind die in den Gebäuden befindlichen Herstellungen nicht baulicher Art, insofern sie einem gewerb­lichen Zwecke zu dienen bestimmt sind. Zu diesen zählen u. er. insbesondere auch die in den Wasser-, Wind-, Roß- und dergleichen Mühlen befindlichen Mahlwerke älterer Construction, die, sofern sie bisher versichert waren, mit dem 31. December d. Js. aus der Versicherung bei der Landes- Brandversicherungsanstalt ausgeschieden werden. Im In­teresse der von dieser Bestimmung betroffen werdenden Ge- bäudeeigenthümer wird dies unter dem Ansügen zur öffent­lichen Kenntniß gebracht, daß Die hiernach von der Versiche­rung bei der Landes-Brandversicherungsanstalt ausgeschlossenen Gegenstände der sraglichen Art vom 1. Januar 1892 an bei den im Großherzogthum zum Gewerbebetrieb zugelassenen Privatversicherungsanstalten versichert werden können.

Versendung von Geld rc. belr. Es ist kaum begreif­lich, mit welcher Leichtfertigkeit das Publikum bei der Ver­sendung von Geld und geldwerthen Gegenständen häufig zu Werke geht. Daß mancher Absender Briefmarken, Kaffen- fcheine, ja selbst Banknoten in gewöhnliche Briefe steckt, ist nicht mehr neu, aber daß Jemand Papiergeld in einer Druck­sache (Kreuzbandsendung) abschickt, dürste denn doch bisher nur wenig vorgekommen fein. So fand vor einiger Zeit ein Postbeamter in einem Orte Hessens beim Sortiren der Briefe und beim zufälligen Oeffnen der Drucksache in der­selben wohlverwahrt zwei Zwanzigmarkscheine vor. Die Sendung war vorher durch verschiedene andere Hände ge­gangen. Dergleichen Portoersparniß ist entschieden zu weit getrieben. Wäre die Drucksache verloren gegangen, so hätte der Absender auch nicht einen Pfennig Entschädigung ver­langen können. Auch soll es nicht zu den Seltenheiten ge­hören, daß in den Packkammerräumen und Bahnpostwagen Gold- und Silberstücke gefunden werden, welche einem nicht dauerhafc verpackten und während der Beförderung beschä­digten Packet entfallen sind. Das Publikum wird daher gut thun, bei kleineren Geldbeträgen die Einzahlung durch Post­anweisung zu bewirken, größere Summen aber in Briefen mit angegebenem Werthinhalt zu versenden, auch bei Packeten stets eine feste und dauerhafte Verpackung anzuwenden.

Friedberg, 25. November. Im großen Saale desGam- brinus" fand gestern Abend abermals eine Besprechung über den beabsichtigten Geschästsschluß am Sonntag von 1 Uhr Mittags an statt. Eine größere Anzahl von Inter­essenten war geladen worden, die der Mehrheit nach an dem schon in der letzten Woche gefaßten Beschluß, die Geschäfte Sonntags nur von 81 Uhr offen zu halten, festhielten.

Darmstadt, 25. November. Heber das Vermögen der Firma Zacharias Oppenheimer dahier, des Hermann Oppenheimer und Meyer Oppenheimer, beide Theilhaber der Firma, ist das Concursversahren eröffnet worden. Die von Hermann Oppenheimer, welcher sich in Hast befindet, gefälschten Wechsel sollen weit über 100,000 Mk.

betragen. Die Wechselfälschungen, des Manufacturwaaren- händlers Hermann Oppenheimer zu Darmstadt erregen allent­halben, namentlich am Maine und im Odenwalde, die größte Sensation. Oppenheimer war in Folge feines taktvollen Auftretens eine in den genannten Gegenden gern gesehene Persönlichkeit, welche glänzende Geschäfte machte. Um so überraschender wirkte die jetzt das Tagesgespräch bildende Nachricht von seiner Jnhastirung. Allmälig dringt nunmehr injbie Oeffentlichkeit, daß Oppenheimer in den größeren Ge­meinden seines Absatzgebietes eine Menge gefälschter Wechsel auf Firmen zog, mit denen er in keinerlei Geschäftsverbindung stand. Beispielsweise zog er allein in Seligenstadt auf etwa zehn dortige Geschäftsleute falsche Wechsel im Gesammtbetrage von rund 10,000 Mk. Durch die Anfragen der Darmstädter Bank für Handel und Industrie über die Aechtheit der Wechsel- accepte wurden die Fälschungen entdeckt.

Vermischtes.

* E. Biedenkopf, 25. November. Unsere neu erbaute evangelische Kirche wurde heute feierlich eingeweiht.

* Marburg, 26. November. Die Direction der Landes- Creditkaffe macht bekannt, daß Z^Proc. Landes-Credit- Obligationen der Serie 16 bis auf Weiteres zum Course von 97*/2 durch Vermittelung der Landesrentereien abzu­geben sind.

* Lahr, 25. November. Die Ziehung der zu Gunsten? des Reichswaisenhauses veranstalteten großen Silber- lotterie ist auf den 15. Februar k. I. festgesetzt. Mit Befriedigung darf berichtet werden, daß das schwierige Unter­nehmen einen guten Abschluß finden und dem in den weitesten Kreisen beliebten Wohlthätigkettswerk eine ansehnliche Summe zu dessen finanzieller Sicherstellung zuführen wird. Die Mittel zum Ankauf der Gewinne sind bereits mehr als hinreichend vorhanden und die Zahl der noch zu verkaufenden Loose ist im Verhältniß zum Umfang der Lotterie nicht mehr beträchtlich-

Verkehr, £att6» unö Volkswirth^chaft.

Marburg, 26. November. Dem heutigen Schmeinemarkt waren 657 Stück Schweine zugctrieben. Der Handel war nicht fehr lebhaft, auch die Preise geringer als bisher.

Zur Bekämpfung des RothlaufeS und der BrLune bei de« Schweinen. Die gefürchtetften Krankheiten der Schweine sind bekanntlich der Rothlaus und die Bräune. Davon befallene Thiere find gewöhnlich rettungslos verloren und diese Epidemiem verursachen kleinen wie großen Besitzern den empfindlichsten Schaden. Sind diese Epidemieen einmal ausgebrochen, so sind gewöhnlich alle Mittel zur Bekämpfung vergeblich; es ist daher allen Schweinezüchtern dringend anzurathen, die Ursachen dieser Epidemien rechtzeitig zu bekämpfen. Die Ursachen sind wahrscheinlich mtkrosccptsch kleine Pilze oder Bacillen. Wodurch sie entstehen, weiß man nicht genau, aber so viel ist gewiß, daß Unreinlichkeit in den Ställen, Futtertrögen u. s. w. die Entstehung und Vermehrung dieser Bacillen ungemein begünstigt, es ist daher in den Ställen größte Reinlichkeit und österes- Desipficiren zu empfehlen. Holzböden in Schweineställen sind sehr nachtheilig, weil sie sich am schwersten rein ballen lassen und den Ratten Zutritt zu den Schweineställen gewähren und die Ratten tragen den Schweinen viel Krankheitsstoffe zu. Zu empfehlen sind für Schwetneställe gepflasterte oder cementirte, gut bestreute und täglich zu reinigende Böden. Nach der Reinigung der Ställe ist es zu empfehlen, wenigstens wöchentlich einmal mit einer Lösung von übermangansaurem Kali die Böden zu desinficiren. Man nimmt einen Eimer lauwarmes Wasser und wirst in dasselbe 15 bis 20 Körnchen übermangansaures Kali, bis das Wasser leicht roth wird. Für 20 Pfg. übermangansaures Kali reicht ein halbes Jahr. Den Eimer spült man später aus.

Wirkung des KohlenpnlverS auf die Gartenerde. Lucas fand, indem er im Treibhaufe des botanischen Gartens zu München gesiebtes Kohlenpulver von Fichten und Tannen, vermischt mit Erde, in den Triebbeeten anwandte, daß dasselbe auf eine ganz ausgezeichnete Weise auf das Gedeihen der eingepflanzten tropischen Gewächse wirkte. Das Grüne wurde tiefer und dunkler, die Blätter wurden größer, die Blumen zahlreicher und die Vegetationsperiode länger dauernd. 8/s Kohlenpuloer und Vs Gartenerbe wirkten ins­besondere vortheilhaft auf gewisse Pflanzen. Kränkliche Pflanzen, die deutlich abnahmen, bekamen neues Leben und wurden wieder gesund. Selbst wenn die Oberfläche des ErdbeeteS dick bestreut wurde, zeigte sich eine vortheilhaste Wirkung: aber das Kohlenbeet mußte häufiger mit Wasser begossen werden, als die gewöhnliche Erde in den Beeten.

Ein billiger, kleiner Pflanzen käste«. Besitzer von kleinen Gärten entbehren die Vortheile, welche Mistbeete gewähren, oft sehr, und doch tonnen sie dieser häufig mit wenigen Kosten bis zu einem gewissen Grade thetlhastig werden, denn oft bietet sich Ge­legenheit, alte Stubenfenster, von denen schon eins oder zwei zu einer kleinen Anlage genügen, billig zu erhalten. Einige Bretter werden der Fenstergröße entsprechend zu einem länglichen Viereck zusammen- genagelt, dieses auf eine Grube, welche mit Dünger, am besten Pferdedünger und Kuhdünger, zu gleichen Thellen, gemengt, gesetzt. Um den Sonnenstrahlen möglichsten Eingang zu verschaffen, setzt man den Bretterrahmen schräg gegen die Sonnenseite gerichtet. Schon bald nach Sonnenwende kann man beginnen, das Mistbeet mit Blumenablegern zu bepflanzen, verschiedene Blumensamen, am besten in Samenschalen, auszusäen und zu pikiren. Auch zur Anzucht von Blumenkohlpflanzen, Gurken und anderen Gemüsen läßt er sich ver­wenden, jedoch thut man, wenn man nur einen kleinen Kastm besitzt, besser, sich diese Pflanzen zu kaufen.

Literatur und Kluft.

Brehms Thierleben", biefeS Standard work in unserer populär-wissenschaftlichen Literatur, schreitet in seiner genau vor einem Jahr begonnenen neuen, dritten Auflage rüstig fort. Die Verlags­handlung, das Bibliographische Institut in Leipzig und Wien,, laßt sich die Förderung dieses in allen Kreisen gleich geschätzten und willkommenen Werkes besonders angelegen fein und kommt damit den Wünschen der zahlreichen Freunde und Verehrer Altmeister Brehms in dankenswerther Weise entgegen. Reich ausgestattet, eine Fülle ungemein interessanten und belehrenden Inhalts darbietend, liegt heute der soeben erschienene fünfte Band vonBrehmsThier­leben" vor uns. Derselbe fetzt die im vierten Band begonnene Ab­handlung der GruppeVögel" fort und bringt hiervon die erste- Ordnung: Baumvögel (Schluß); zweite Ordnung: Papageien; dritte Ordnung: Taubenvögel; viette Ordnung: Hühnervögel; fünfte Ord­nung: Rallenvögel; sechste Ordnung: Kranichvögel.

Wer Vieles bringt, wird Jedem Etwas bringen". Wen feffelte etwa in Brehms Meisterwerk nicht die in Wort und Bild gleich reiz- voll und anschaulich gehaltene Darstellung der farbenprächtigen und gelehrigen Familie der Papageien, welcher tüchtige Land- und Forst- wirth, Züchter und Fachliebhaber kennt nicht Brehms meisterhafte Schilderung des Hühner- und Taubenvolkes als eine Quelle reichster Belehrung, nützlichster und practischster Unterhaltung, und welcher