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1891
Kreirag den 24. Zuti
Mr. 169
Gießener Anzeiger
Keneral-Mnzeiger
Rebaction, Expedtti« und Druckerei:
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Der
Ak-emer Anzeiger erscheint täglich, Bit Ausnahme deS Montags.
Amts- und Anzeigeblutt für den Alreis Gieren.
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Lag erscheinmden Nummer bi- vorm. 10 Uhr.
Alle Armoncen-Bureaux deS In« und Au-landeS nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegn, IW........................ [II ||I]J 11l|JIIIIIFWIRmWIWWUl^lflW»
Aintlicheo Theil.
Gießen, 22. Juli 1891. Betreffend: Ausführung der Landesfeuerlöschordnung. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.
Es ist zu unserer Kenntniß gekommen, daß in letzterer Zeit Vertreter der verschiedensten Firmen für Lieferung von Feuerwehr - Requisiten und Feuerlöschgeräthschaften unseren Kreis bereisen und bei den Bürgermeistereien Bestellungen aufsuchen.
Indem wir Sie zunächst darauf aufmerksam machen, daß über die Art, Zahl und Beschaffenheit der in den einzelnen Gemeinden erforderlichen Feuerlöscheinrichtungen die Gemeindevertretung, nicht der Bürgermeister allein, zu beschließen hat, und vorher von uns noch zu prüfen sein wird, ob die beabsichtigten Anschaffungen genügend und zweckentsprechend sind, empfehlen mir Ihnen, vorläufig Bestellungen nicht zu machen, da Sie über die Leistungsfähigkeit der einzelnen Firmen auch nicht orientirt und damit der Gefahr ausgesetzt sind, schlechtes Material geliefert zu erhalten und da wir ferner beabsichtigen, die nöthigen Utensilien und Geräthschaften für den Kreis oder wenigstens für eine Reihe von Gemeinden zusammenzubestellen, wodurch eine Preisermäßigung in nicht unbedeutender Höhe erzielt wird.
v. Gagern.
Gießen, 20. Juli 1891. Betreffend: das Landgestüt, insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbeschäler.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen
<m die Grstzh. Bürgermeistereien des Kreises.
Soweit Sie unserer Verfügung vom 4. Juli l. Js. — Gießener Anzeiger Nr. 153 — noch nicht entsprochen haben, -erinnern wir Sie an Erledigung derselben binnen 5 Tagen, v. Gagern.
Deutsches Reich.
Berlin, 22. Juli. Das seltsame Gerücht, wonach eine deutsche Fürstlichkeit, als welche später Prinz Wilhelm von Württemberg bezeichnet wurde, sich demnächst zur Begleitung des Kaisers mit dem Bremer Dampfer „Amely" nach Norwegen begeben und hieraus eine Forschungstour im Polarmeer unternehmen würde, hat sich jetzt aufgeklärt. Eine Anzahl Stuttgarter Herren, angeregt durch einen im vergangenen Winter in Stuttgart gehaltenen fesselnden Vortrag des Eapitäns Bade über die Naturwunder des Polarmeeres, hat sich zu einer wiffenschaftlichen Expedition nach Spitzbergen
Ferrittetsn.
Licht.
Novellette von D. Freiin von Spalt gen.
(5. Fortsetzung.)
Mr. Anthony erwiderte kein Wort und so war es Mehrere Minuten ganz still im Zimmer- Miß Northland hatte unterdessen ihre Beschäftigung wieder ausgenommen.
„Haben Sie keine Verwandten oder Freunde hier in Newyork?" fragte er nun eindringlich und leise. Es kam ihm so vor, als ob seine Stimme plötzlich einen veränderten Klang bekommen hätte.
Nein, keine- wir sind erst vor ewigen Monaten aus : dem Westen — aus St. Louis gekommen und daher noch ganz fremd hier," lautete der einfache Bescheid.
Die Sprecherin gewahrte nicht die sichtliche Ueberraschung in des jungen Mannes Züge- unverwandt und forschend waren seine Augen aus das seine Profil gerichtet. Nur als »r sich jetzt fast ehrfurchtsvoll vor ihr verbeugte und leise sagte: „Auf Wiedersehen, Miß Northland!" schaute sie elgen- tbümlich befremdet auf und entgegnete schüchtern:
„Ich hoffe/ daß Ihre Frau Mutter meine kleinen Dienste noch einige Zeit wird gebrauchen können."
Nicht lange verweilte Mr. Anthony in der Bibliothek, schon nach fünf Minuten kehrte er daraus zurück- allein Äieses Mal durchmaß er beinahe hastig das Gemach, indem er in Anknüpfung an das vorige Gespräch nur die halb pro- vhetische, halb aufmunternde Bemerkung hinwarf:
zusammengethan und durch den württembergischen Kammerherrn Grafen v. Zeppelin die „Amely" zu diesem Zweck chartern lassen. Die ganzen Kosten der Expedition trägt der türkische Generalconsul in Stuttgart, Commerzienrath Stänglen, und Prinz Wilhelm von Württemberg widmet dem Unternehmen ein wohlwollendes und hohes Interesse. Sonst aber steht der Prinz mit der Sache in keiner weiteren Verbindung, er wird demnach auch die Fahrt nicht mitmachen, welche die „Amely" mit den Stuttgarter Herren an Bord am Samstag von Bremerhafen aus antreten wird.
— Im preußischen Finanzministerium sind die Vorarbeiten für die Ausführungsverordnung zum neuen Einkommensteuergesetze so weit gediehen, daß die Veröffentlichung der Verordnung in den nächsten Tagen zu erwarten steht. Uebrigens weiß das „Berl. Tagebl." zu versichern, daß alle Meldungen über eine Fortsetzung der Steuerreform in der nächsten Landtagssession unbegründet sind. Diese Versicherung erscheint allerdings durchaus glaubwürdig, denn die großen, erst in der jüngsten Session des preußischen Landtages beschlossenen Steuerreformgesetze bedürfen doch einer gewissen Zeit, um sich in der Praxis einzuleben, und dies würde erschwert werden, wenn die Regierung inzwischen schon wieder mit neuen Steuergesetzen kommen wollte.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Lorrespondenz-Burrau.
Berlin, 22. Juli. Eine heutige Extraausgabe des „Militär-Wochenblattes" enthält unter dem Datum „Bergen, an Bord S. M. Jacht Hohenzollern, den 16. Juli 1891" folgende Ernennungen: Generalmajor und Jnspecteur der Gewehr- und Munitionsfabriken Hencke zum Commandeur der 32. Jnf.-Brigade (bisher in Vertretung), den Oberst ä. la suite des Jnf.-Regts. Nr. 24, Director der Gewehrfabrik von Spandau, zum Jnspecteur der Gewehr- und Munitionsfabriken (bisher in Vertretung)- ferner ist versetzt Major Lange, bisher Director der Gewehrfabrik in Erfurt, in gleicher Eigenschaft nach Spandau, und der bisherige Hauptmann v. Loesewitz, Unterdirector der Munitionsfabrik in Spandau, unter Beförderung zum Major, zum Director der Gewehrfabrik in Erfurt ernannt. Ferner sind zur Disposition gestellt, unter Genehmigung ihrer Abschiedsgesuche, Generalmajor v. Hahn (4. Art.-Brigade) als Generallieutenant, Generalmajor v. Heimburg (32. Jnf.-Brigade) als Generallieutenant, und Generalmajor von Podbielski (34. Cavallerie- Brigade).
Berlin, 22. Juli. (D.-B Hd.) Die „Polit. Correip." meldet aus Petersburg, daß neue Russificirungsmaß- r eg eln durch Verschärfung des Preßgesetzes erwartbar seien.
Berlin, 22. Juli. (D.-B. Hd.) Nach dem „Tagebl." fand heute Vormittag eine Conserenz statt zwischen Mit-
„Miß Northland, gewiß wird sich auch an Ihnen das Dichterwort erfüllen: Was man Schwerstes je gefunden, Liebe hat es überwunden 1"
An demselben Abend nach dem Diner war es das erste Mal, daß Anthony seiner Stiefmutter gegenüber die Rede auf die Fremde brachte. Er blätterte dabei in einem Buche und seine gleichgiltige Miene zeigte nichts von der Erregung und Unruhe, die in ihm arbeiteten. Ernst und wie beiläufig fragte er:
„Hast Du niemals nach den Familienverhältnissen des Mädchens geforscht, das seit einigen Wochen hier ein- und ausgeht, Mutter?"
„Nein, wieso? Ich denke, sie tst sehr bescheiden und zurückhaltend. Auf mich macht sie einen ausnehmend günstigen Eindruck. Vielleicht bin ich aber bei dieser Meinung beeinflußt durch eine Aehnlichkeit, welche — mich an frühere glückliche Zeiten erinnert. Hast Du, mein Sohn, etwas gegen das Mädchen einzuwenden?"
„Ich — einzuwenden? Allerdings
Der junge Handelsherr war aufgesprungen und ließ sein schönes, kluges Auge mehrere Secunden prüfend aus den wohlgebildeten Zügen der älteren Dame haften, dann fuhr er, tief und schwer aufathmend, fort:
„Als ich heute auf dem Wege zur Bibliothek zufällig einige Worte mit der jungen Dame (er betonte letzteres Wort ziemlich scharf) wechselte, erfuhr ich, daß sie den Namen „Northland" führt und mit ihrer Mutter aus St. Louis herübergekommen ist. Du hast mir nun früher das große Vertrauen geschenkt, mich in eine mir ziemlich nahe gehende Angelegenheit einzuweihen und so viel ich mich aus Deinen damaligen Mittheilungen erinnere, ist dieser Name Dir durch
gliedern der Regierung und einer Anzahl Vertreter der hervorragendsten Getreidefirmen Deutschlands, welche auf ausdrücklichen höheren Wunsch nach Berlin berufen worden sind.
Berlin, 22. Juli. (D.-B. Hd.) Die Bäcker berufen eine Versammlung auf morgen Abend ein, um zur Unterstützung der gemaßregelten Genossen wieder die Genossenschafts-Bäckerei ins Leben zu rufen.
Straßburg, 22. Juli. Bei dem gestrigen, von dem Bischof Fritzen gegebenen Diner, welchem der Statthalter und die Spitzen der Militär- und Civilbehörden beiwohnten, brachte der Statthalter ein Hoch auf den Kaiser und den Papst aus. Der Bischof toastete auf den Statthalter, von Puttkamer auf die neugeweihten Bischöfe, der Weihbischos auf den Consecrator Fleck, Fleck auf das Elsaß und das Bisthum Straßburg. Abends um neun Uhr sand ein Lampionzug von über 2000 Personen statt mit Musikaufführung, Münster-
beleuchtung und Feuerwerk.
Straßburg, 22. Juli. Die Feierlichkeiten derBischofs- weihe schlossen heute mit einem Festmahl beim Statthalter ab, woran die Spitzen der Civil- und Militärbehörden theil- nahmen.
Trieft, 22. Juli. (D.-B. Hd.) Die Cholera wüthet in Abessynien - in Mekka sollen Samstag 140, Sonntag 380 Pilger an der Cholera gestorben sein.
Paris, 22. Juli. Nachrichten aus Buenos AyreS melden den Wiederausbruch des schon vollkommen unterdrückt gewesenen Militär-Aufstandes unter den Truppen in Corrientes- angeblich wurden vier Personen gelobtet. Die Hauptschuldigen sind verhaftet.
Paris, 22. Juli. Hiesigen Vertretern der chilenischen Congreßpartei ging ein Telegramm aus Jquique zu, worin es heißt, die Truppen Balmacedas versuchten das Thal von Huasco wiederzuerobern, wurden aber nach kurzem Gefecht zurückgeschlagen und flüchteten nach Cooquimbo. Die Congressisten haben vollständig das Thal von Huasco inne.
Paris, 22. Juli. Contreadmiral Brown de Colston n wurde zum Viceadmiral, Contreadmiral Vi viel le zum Marine-Commandanten von Algier ernannt. — Die „Messageries Maritimes" errichteten eine neue australische Linie, welche in Londoner Docks ladet und in Marseille Passagiere einnimmt.
Brest, 22. Juli. Der Dampfer „N e k o" von der deutschen Dampfschifffahrts-Gesellschaft „Kosmos" in Hamburg ist gestern nördlich von Quessant von dem englischen Dampfer „Saint- cliffe" angerannt worden. „Neko" sank binnen drei Minuten, die 38 Personen der Bemannung und zwölf Passagiere wurden durch das englische Schiff „Ottercaps" gerettet. Sie sind gestern Abend m Brest eingetroffen. Unter den Passagieren befanden sich elf nach Montevideo reisende deutsche Missionäre.
Brest, 22. Juli. Der Steamer „Saintcliffe" setzte, nachdem er den Dampfer „Neko" angerannt, die Fahrt
aus nicht unbekannt, vorausgesetzt, daß irgend welche Beziehungen bestehen sollten, zwischen — zwischen . . ."
Er stockte.
„Northland! O, mein Gott, also doch! Ja, diese Aehnlichkeit mit diesem Manne, den ich einst liebte, srappirte mich sofort." Ties erblaßt hatte Mrs. Clark jenen Ausspruch hervorgestoßen und die Hände dabei aufs Herz gepreßt: „O, Anthony, sie, diese arme Kleine, wäre Marys und Northlands Kind? Nein, das kann, das darf ja nicht möglich sein!"
„Dieses Räthsel bald — recht bald zu lösen, soll Dir und mir eine Pflicht sein!" gab der Sohn mit Nachdruck zurück, indem er seinen Arm zärtlich um die Schulter der tief erschütterten Stiefmutter legte.
Mit dem Taschentuche vor den Augen weinte diese jetzt leise vor sich hin:
„O, Anthony, das wäre eine grausame Strafe für mich. Wie oft, als ich mich damals voll Empörung mit harten Worten von Mary losgesagt und Northlands Reichthum und Ansehen höher und höher stieg, wie oft habe ich da das Glück dieses Paares beneidet und berufen! Und tief im Herzen grollte ich der einstigen Freundin, weil von rcchtswegcn der Platz an ihres schönen Gatten Seite mir gebührte, mir, die ihn ebenso, vielleicht noch inniger geliebt. Und auf diese Weise soll ich endlich, endlich wieder von Mary hören! Anthony, ich kanns nicht fassen."
„Gottes Wege sind nnerforfchlich," versetzte der Angeredete saust.
„Aber, mein Himmel, was sitze ich hier so müssig und lasse die kostbare Zeit verrinnen," rief Mrs. Clark nun heftig aufspringend. „Mary, meine arme Mary in Noth und Elend,


