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Nr. 192

Donnerstag den 20. August

1891

Der erscheint täglich, oM LuLnahme bei Montags.

Wir Gießener

aw*ro dem Anzeiger -LL-«ttlich dreiwal beigelegt.

Gießener Anzeiger

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Amt»- unb Airzeigeblatt fflr den Atrer» Gretzen.

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Amtlicher Theil.

Gießen, am 17. August 1891.

Betr.: Überwachung und Revision der Dampfkessel.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzogl. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Wir erinnern Sie, soweit Sie noch rückständig sind, an umgehende Erledigung unserer Verfügung vym 15. Juli l. I. (Gießener Anzeiger Nr. 163.)

____________________ I. V.: Jost._____________________

Gießen, 17. August 1891.

Betreffend: Die Ausführung des Kirchengesetzes vom 23. Juni 1891, die Aushebung der Acci- denzien betreffend.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die evang. Kirchenvorstände des Kreises.

Mit Bezug auf das im Verordnungsblatt Nr. 12 von 1891 abgedruckte Ausschreiben Großh. Oberconsistoriums an die Großh. Kreisämter vom 6. v. Mts. zu Nr. 00. 4061 bringen wir nachstehend den nach oben abgerundeten Anschlag der Accidenzien zu Ihrer Kenntniß unter dem Auftrage, diese Summen erstmals in den Voranschlägen für 1892/93 ein­zusetzen.

I. V.: Jost.

Ord.- Nr.

Pfarrei.

Anschlag der Accidenzien, nach oben abgerundet.

JL

1

Mendorf a. d. Lahn

14

2

Beuern

95

3

Großen-Buseck

129

4

Großen-Linden

137

5

Hausen

43

6

Kirchberg

300

7

Lang-Göns

114

8

Leihgestern

96

9

Reiskirchen

60

10

Rödgen

64

11

Steinbach (von Albach)

18

12

Treis a. d. Lumda

137

13

Watzenborn

163

14

Ettingshausen

120

15

Grünberg I.

47

16

Londorf

230

17

Münster

53

18

Queckborn

60

19

Wirberg

190

20

Bellersheim

92

21

Eberstadt

34

22

Grüningen

60

23

Holzheim

109

24

Hungen I.

125

25

Langsdorf

102

26

Lich I.

114

27

Lich II. (aus Lich)

73

28

Obbornhofen

22

29

Villingen

50

30

Langd

90

31

Rodheim

93

Gießen, 17. August 1891. Betreffend: Die Aufstellung der Voranschläge der evang. Kirchenfonds für 1892/93.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die evang. Kirchenvorstände des Kreises.

Unter Hinweis auf § 4 der Instruction zur Fertigung der Voranschläge über die Vermögensverwaltung der evan­gelischen Kirchen vom 31. August 1885 beauftragen wir Sie, die rubricirten Voranschläge nach Anhörung des Kirchen­rechners so zeitig aufzustellen, daß die Berathung derselben im Glffammt-Kirchenvorstand und in der Kirchengemeindever­tretung im Monat September stattfinden und die Vorlage an das betreffende Großh. Decanat bis spätestens Mitte Oktober erfolgen kann.

Insofern ein Beitrag der Civilgemeinde zur Deckung des kirchlichen Deficits in Anspruch genommen werden muß, ist nach § 24 Ord.-Nr. 10 der Kirchenvoranschlags-Jnstruc- tion alsbald nach der Berathung des Voranschlags im Kirchenvorstand und Gemeindevertretung, der Bürgermeisterei unter Mittheilung eines Auszugs aus dem Voranschläge, von der Höhe des nothwendigen Zuschusses Nachricht zu geben, damit der erforderliche Credit im Gemeindevoranschlage ord­nungsmäßig gewahrt werden kann.

Die Revisionsverhandlungen zu den Voranschlägen für 1891/92 wollen Sie bei Aufstellung des neuen Voranschlags berücksichtigen und nach den dort getroffenen Anordnungen genau verfahren.

Im Weiteren wollen Sie bei Ausstellung des Voran­schlags auch unser Ausschreiben vom heutigen in Betreff der Accidenzien beachten.

Die Ablieferung der Voranschläge an die Großh. Deca- nate wollen Sie uns demnächst anzeigen.

I. V.: Jost.

Neueste Nachrichten.

WoW telegraphisches Lorrrspondenz-Bureau.

Köln, 18. August. Wie dieKöln. Ztg." meldet, fand heute hier aus Veranlassung der Minister des Handels, der Finanzen und öffentlichen Arbeiten unter dem Vorsitze des Oberpräsidenten Nasse eine Berathung behufs Prüfung des vom Baurath Schönbrod ausgearbeiteten Projectes der Moselcanalisation statt, an der viele Großindustrielle theilnahmen. Die mehrstündigen Verhandlungen, die vertrau­lich waren, haben jedoch zweifellos das Vorhaben wesentlich gefördert.

Hamburg, 18. August. Das Morgenblatt desHam­burgischen Correspondenten" berichtet aus Berlin: Die seitens der Regierung in Aussicht genommene Maßregel, zur Brodversorgung der Armee Weizen heranzuziehen, ist ein bedeutsamer Schritt auf dem von der Regierung zielbewußt eingeschlagenen Wege, Deutschland vom wirthschaftlichen Stand­punkte aus unabhängiger als bisher vom Auslande zu machen. Wenn auch in diesem Jahre das russische Roggenausfuhr­verbot möglicherweise durch eine schlechte russische Ernte be­gründet sein mag, so ist es doch nicht ausgeschlossen, daß später einmal politische Gründe allein für derartige Schritte maßgebend würden. Solchen Eventualitäten soll im Bereiche des Ausführbaren mit den zur Verfügung stehenden Mitteln die Spitze abgebrochen werden. Die auf die Angelegenheit bezüglichen Fragen unter besonderem Hinblick auf die augen­blickliche Lage sind in den verschiedenen Refforts einem sorg­fältigen Studium unterworfen worden.

München, 18. August. Morgen Mittag findet die Eröffnungssitzung der Verhandlungen über den Han­delsvertrag zwischen Deutschland, Oesterreich und Italien im großen Saale der General-Zolldirection statt. Die Con- ferenzen sollen einen streng vertraulichen Character haben.

Kissingen, 18. August. Fürst Bismarck und Herbert Bismarck sind heute von hier abgereist.

Wien, 18. August. Der heutige Geburtstag des Kaisers wurde hier, in Pest und in den übrigen Städten der Monarchie festlich begangen. Hier fand heute eine Truppen­revue in Gegenwart der Erzherzöge, ein Hochamt im Stephans- dome und Festgottesdienst in den anderen Kirchen statt. Die Stadt war reich beflaggt. In Prag wurde das Geburtsfest des Kaisers ganz besonders festlich begangen. Aus der Aus­stellung wurden von einer nach Tausenden zählenden Menge patriotische Kundgebungen veranstaltet.

Bozen, 18. August. In Folge Wolkenbrpchs ist der Gannerbach bei Bozen ausgetreten und hat große Zer­störungen angerichtet. Mehrere Personen sind umgekommen, die Bahnverbindung ist unterbrochen.

Bern, 18. August. Von den 26 Personen, welche bei Zollikofen verletzt und im hiesigen Hospital untergebracht wurden, sind sechs entlassen worden, einer ist Nachts ge­storben, andere liegen an sehr schweren Verletzungen darnieder. Die Eisenbahnlinie macht an der Stelle, wo der Unglücksfall stattfand, eine scharfe Biegung und ist beiderseits von dichtem Walde eingefaßt, so daß der Locomotivsührer des Pariser Zuges den anderen Zug erst bemerkte, als es schon zu spät war.

Paris, 18. August. Die gestrige, von 5000 Personen besuchte Socialiften- und Boulangisten-Versamm- lun g im Cirque d'hiver, in Anwesenheit der Deputirten Laur und Millevoie, nahm eine Tagesordnung an, welche Rußland für den Kronstädter Empfang dankt, das Anlaufen der Flotte in Portsmouth bedauert und den Elsaß-Lothringern das Fest­halten Frankreichs an der Hoffnung auf Wiedervereinigung

ausspricht. Nach Schluß der Versammlung wurde auf Laur vor der Thür geschossen, ohne daß er jedoch getroffen wurde. Der Attentäter, ein Anarchist, wurde verhaftet.

Paris, 18. August. Carnot traf heute Nachmittag hier ein, um dem König von Serbien einen Besuch ab­zustatten.

Nizza, 18. August. Das englische Geschwader traf heute Nachmittag auf der Rhede von Villefranche ein. Nachdem Salute gewechselt waren, besuchte der Admiral Duperre den englischen Admiral an Bord derVictoria".

Montevideo, 18. August. Der deutsche DampferRoma", von Jquique nach Hamburg, ist am 3. d. M. aus einen Felsen gestoßen und gesunken. Die Mannschaft wurde gerettet, das Schiff aber ist total verloren.

Klausen, 19. August. In Kollmann, zwischen Bozen und Waidbruch, ist letzte Nacht durch die Wildbach die Eisen­bahn unterbrochen- 16 Häuser wurden zerstört, 39 Menschen getödtet. Der Verkehr auf der Reichsstraße ist provisorisch hergestellt.

Depeschen desBureau Herold".

Berlin, 19. August. Die Ankunft des Kaisers in München dürfte am 7. September erfolgen.

Berlin, 18. August. DieNordd. Allg. Ztg." polemisirt gegen Graf Kanitz, welcher in einer Zuschrift an die Kreuzztg." die Aufhebung oder Herabsetzung der Getreidezölle verlangt und den handelspolitischen Er­wägungen entgegentritt, welche für die Staatsregierungen für die Ablehnung dieser Maßregel entscheidend waren. Die Nordd. Allg. Ztg." führt aus, nach der heutigen Lage der Dinge müsse jeder Vorurtheilslose im Interesse der nationalen Landwirthschaft selbst dann, wenn er bisher Gegner der agrarischen Politik gewesen, Agrarier in dem Sinne werden, daß er die Nothwendigkeit des staatlichen Schutzes in der Pflege der Landwirthschaft aus den Momenten erkennt, welche die gegenwärtige Situation characterisiren. Neben der national- wirthschastlichen Lage sei auch die politische Seite zu betonen^ im Falle eines Krieges könne durch bloße Ausfuhrverbote anderer Länder, solange die Abhängigkeit der Volksernährung vom Auslande besteht, ein Zustand inscenirt werden, welcher einer auszuhungernden Festung gleiche. Auch der Getreide­handel zeige sich der Lage der Dinge nicht gewachsen, es' habe den Anschein, als ob dieser Handel noch wenig auf die eingetretenen neuen Verhältnisse eingerichtet sei. Auch im legitimen Getreidehandel mache sich eine Ungewißheit geltend, ob die Getreideproduction der Union, Indiens u. s. w. den Weltbedarf deckte bei Einstellung der russischen Roggen- aussuhr und wenn die heimische Ernte nicht ganz mittet werde. Der westdeutsche Getreidehandel sei mehr aus den Import eingerichtet, der ostdeutsche sei sür den Getreide-Import noch unentwickelter, vielleicht weil im Osten oft selbst der Exporteur das dortige Getreidegeschäft als Transithandel betreibe. Möglich sei auch, daß der östliche Getreidehandel durch den Schutzzoll eingeschläfert sei. Die Reform des Getreidehandels, die verbesserte Organisation zur Versorgung einzelner Landestheile mit dem ihm erforderlichen Zuschuß- Quantum an Brodfrucht sei unentbehrlich.

Petersburger Fachkreise legen dem Roggen ausfuhr- verbot eine große Bedeutung bei- man wolle die Kriegs- vorräthe reichlich bemessen und Deutschland für etwaige Kriegsvorbereitungen in eine schwierige Lage bringen. Am Schlüsse des längeren Artikels sagt dieKöln. Ztg.", man solle sich deutschamtlicherseits zu den russischen leitenden und gesellschaftlichen Kreisen mit der kältesten Höflichkeit unter voller Wahrung der gesellschaftlichen Verbindlichkeiten stellen, jeder Versuch, das einstige vertraute Verhältnis wieder her­zustellen, sei vergeblich und schädige das deutsche Ansehen. In russischen Offizierskreisen spreche man von der feststehenden Thatsache, nach Fertigstellung des neuen Gewehres, 1893, würde man das verhaßte Deutschland bekriegen. Deutschland thue gut, die Nothlage nüchternen Sinnes so auszusassen, wie sie ist.

Aus Paris erfährt dieKreuzztg.", der Besuch des Königs von Serbien entbehre jedes politischen Characters, als Beweis dafür gilt, daß ihn Ristitsch und Pasitsch nicht begleiten.

DieVolkszeitung" hält gegenüber dem Dementi derRhein. Wests. Ztg." die Mittheilung von der ein­geleiteten Voruntersuchung gegen Baare aufrecht.

London, 18. August. Nach demStandard" befahl der Zar die Einführung des neuen Gewehrs, Kaliber 3,042 Mauser-Typus des britischen Lee-Gewehres. Obgleich die Gewehre in Frankreich angefertigt werden, verhindere der Unterschied des Kalibers den gegenseitigen Gebrauch itc