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Ausland.

Wien, 17. Januar. Aus allen Theilen Oesterreich- Ungarns werden Verkehrsstörungen infolge von Schnee- ftürmen gemeldet.

Cattaro, 17. Januar. Große Schnees Llle werden aus der Herzegowina und Montenegro gemeldet. Die ganze Boechedi Cattaro ist mit Schnee bedeckt. In Krivosije tau­chen zahlreiche Wölfe auf.

Loudon, 17. Januar. Reuters Bureau meldet aus Buenos Aires: Die Insurgenten in Entre Rios wurden entwaffnet. Der neue Gouverneur hat sein Amt angetreten. Die Aufregung läßt nach.

London, 17. Januar. Das BefindenBradlaughs hat fich wesentlich gebessert. Wie demStandard" aus Shangai von gestern gemeldet wird, hat der Kaiser von tzhina beschlossen, trotz des Todes seines Vaters Ende Februar oder Anfangs März die fremden Gesandten zu empfangen.

Brüssel, 17. Januar. Der Bürgermeister Buls theilte dem die Manifestation organisirenden Comitö der liberalen Vereinigung mit, daß die Kundgebung anläßlich des Zu­sammentrittes des Parlaments am 20. Januar zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechts um 4 Uhr Nachmittags beendet sein müsse. Von da ab werde der Bürgermeister die Zu­gänge des Parlaments räumen lassen, damit die Polizei eventuelle Unordnungen beim Weggehen der der Revision feind­lichen Depunrten leicht unterdrücken könne.

Brüffel, 17. Januar. Die Militärbehörde nahm alle für die Bewaffnung der incorporirten Bürgergarde dienenden Waffen aus dem bisherigen Depot und schaffte sie in die Kaserne. In einer Besprechung mit dem Bürgermeister über die Veranstaltung der Kundgebung am nächsten Dienstag erklärte der Minister des Innern, daß jede Ord­nungsstörung entschieden unterdrückt werde. Der Bürger meister Buls verbürgte sich für die Aufrechterhaltung der Ordnung. Die katholischen Zeitungen billigen es, daß die Regierung zwei Klassen der Miliz einberusen und sehen darin eine Maßregel zur Verhütung jeder Emeute. Die liberalen Blätter dagegen sagen, die Maßregel sei durch Furcht ein­gegeben. e

Rom, 17. Januar. Heute fand neuerlicher Schnee­fall statt. In Neapel ist die ganze Nacht der Wagenverrehr eingestellt.

Petersburg, 17. Januar. Eine Depesche aus Kasan berichtet über günstige Erfolge, welche dort durch Impfung Lange'scher Vaccine gegen die sibirische P e st an Pferden erzielt worden seien.

Washington, 17. Januar. Der Geschichtsschreiber George Bancrost ist gestorben.

Buenos Ayres, 17. Januar. Eine zahlreich besuchte Versammlung in Rosario proclamirte die Candidatur Mitres für die Präsidentschaft der Republik, diejenige Jri- gohens für die Vicepräsidentschaft während der Periode vom 12. October 1891 bis dahin 1896.

Deutscher Reichstag.

45. Plenarsitzung. Freitag, 16. Januar 1891, 1 Uhr.

(Am Samstag verspätet etngegangen)

Die Berathung über die Anträge Auer (Soc.) und Richter (tfr.) betr. die Aufhebung resp. allmähliche Beseitigung der Lebcns- »tttelzölle wird fortgefitzr.

Abg. Schuler (tetr.) verbreitet sich zunächst über die Höhe der Arbeitslöhne und wird hierbei vom Präsidenten wiederholt zur Sache und da er den Anordnungen des Präsidenten entgegenhandelt, auch lur Ordnung gerufen. Im Zusammenhänge bleibt der Rcdner auf der Tribüne unverständlich; er führt aus, daß die Zölle die Wirkung hätten, zu verhindern, daß das Ausland seine germgwerthige Waare auf den deutfchen Markt bringe. Er ist gegen die Anträge.

Abg. Schultze (Soc.): In Ostpreußen, der Hetmath des Redners, beginnt man einzusehen, daß es mit den Zöllen so nicht weiter gehen kann. Wir können in Deutschland allerdings soviel Getreide bauen, wie wir brauchen, doch hindert uns gegenwärtig hieran die Zwergwtrthschaft. Die Vertheurung der Brodpreise durch den Getretdk-oll tst gar nicht zu bestreiten. Die Arbeiter wissen, daß sie infolge der Zölle das Brod theurer bezahlen müssen. Die Wirkung dieser Zollgesetzgebung in einzelnen Seestädten, so namentlich in Königsberg tst geradezu verhängnißooll geworden; dort standen Tausende von Arbeitern monatelang beschäftigungslos auf den Straßen. Infolge der Schutzzollpolitik sind die Löhne der Arbeiter billiger und infolge davon der Gewinn der Unternehmer größer geworden; das sind die Ergebnisse der modernen Gesetzgebung im Zeitalter der Soctalreform. Der Redner schildert dann den infolge der Zoll­gesetzgebung angeottch wieder erwachten Uebeimuth mancher Groß- gruiiddesitzer, die heute schon zu g'auben scheinen, die ZUten der Leibeigenschaft seien wiedergllehrt; er gibt mehrere Beispiele an, aus denen dieser Uebermuth gefolgert werden soll. Bl od sei eine geheiligte Speise, wie können denn Ebristen durch Zölle ihren Mitmenschen diese Spllse vorenthalten? W nn durch solche Steuern jetzt fchon das Volk ausgesogen wird, was soll denn in Zeiten der Btdürftig- keit geschehen, bei der Aufnahme von Anleihen u. s. w. Man sollte sobald als möglich zur dtrecten Steuer übergehen, damit Jeder weiß, wieviel Steuer er zahlt; heute weiß dos Niemand. Diese Art von Steuergeietzgebung wird die Soctaldewokraiie in ihren Fortschritten nicht aufoalten.

Abg. Gcaf Mirbach-Sorquttten (cons.): Die Behauptung des Vorredners über den Handel von Königsberg tst falsch; der Handel hat sich nach Ausweis der statistisch n Erhebungen nach Ein­führung der Zölle gehoben. Wenn der Vorredner noch eine Spur von Gerechttftk<ttssi<in besitzt, so muß er anerkennen, daß gerade im Osten der Monarchie viel für die ländlichen Arbeiter geschehen ist durch Errichtung von Spitälern, Krankenhäusern u. s. w. und nament­lich sind diese Anstalten errichtet von Großgrundbesitzern. Wenn es sich darum bandelte, die Massen vor Ausbeutung zu schützen, wie beim Wuchergesetz, bei der Doppelwährung (Aha!) und bei ähnlichen @J'flen|dttn, dann wurden solche Vorschläge bekämpft von den Freisinnigen Schulter an Schulter mit den Socialdemokraien. (Sehr richtig!) Die Freundschaft, welche der Abg. Batth der Landwirlh- schalt entg genbiingt, ist eine fehr bedenkliche; dem Großcapiial mog sie angenehm s in, der Grundbesitzer w rd sich dafür bebanken. Die Agitation, welche unter Hinweis auf die gütenden Getreidezölle im Lande getrieben wird, wtikl geradezu vergiftend durch die Verdrehungen, welche sich die Agitatoren zu Schulden kommen lassen. Es wäre ungerecht, wenn man der Landwtrlh chaft j-tzt die Einnahmer^tiehmen wollte, die sie nötbtg braucht, nachdem manch» die Lasten der soclalen Gesetzgebung aufgelegt hat. (Sehr richl'g!) Die freisinnige Agitation mit diesen Anträgen hat zunächst die Folge "gehabt, daß das Eaprtal mißtrauisch geworden ist und die Freisinnigen dürfen es fich als Verdienst anrechnen, eine ganze Anzahl wirthfchaftltcher Existenzen, namentlich Grundbesitzer, die wegen Hypotheken in Verlegenheit waren,

ruintrt -u habe». (Sehr richtig!) Die Angriffe Richters gegen den Fürsten BiSmarck find genügend characteristrt; es handelt sich dabei auch um zwei völlig incommensurabele Größen. (Heiterkeit.) Jeden­falls ist ein starker Schutz der Arbeiter, wie er gegenwärtig angestrebt wird, nur möglich unter einem starken Schutzzollsystem. (Sehr richtig!) Die Vertreter des mobilen Eapitals haben uns noch nie gezeigt, wie man practisch bester wirthschaften kann; sie scheinen nur zu glauben, daß die Zeit gekommen ist, bei der Landwirthschaft oder richtiger beim Grund und Boden ein gutes Geschäft zu machen. (Sehr gut!) In diesem Sinne bitte ich Sie. die Anträge der Linken rmt großer Mehrheit abzulehnen. (Bravo!)

Abg. Frhr. v. Pfetten-Arnbach ((Str.) hält eine Herabsetzung deS Schutzzolles für ungerecht, weil dann der Preis des Getreides unter die Productionskotten herabsinken würde.

Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Eine große Anzahl von Abgeordneten conftatirt zur Geschäftsordnung, daß ihnen durch diesen Schluß das Wort abgeschnitleu sei, so namentlich Klemm-Sachsen (cons.), v. Münch (Wild-Demokrat), Böcke! (Antisemit).

Als Schlußreferent für den Antrag Auer spricht der Abg. Schumacher (Soc.). Er erklärt, daß bei der voraussichtlichen Ablehnung des socialdemokratischm Antrages seine Partei für den deutschfreistnnigen Antrag stimmen werde.

Abg. Richter (bfr.): Die thatsächlichen Anführungen des Grafen Mirbach find selbst da unrichtig, wo sie sich um Dinge aus der engeren Heimath dieses Herrn drehen. Bon den Agrariern ist die wüsteste Agitation getrieben, als sie Getreidezölle verlangten; sie können sich nicht beklagen, wenn wir sie heute bekämpfen. Alle Achtung vor den eingesessenen Grundbesitzern, die sich aus eigener Kraft auf der Scholle erhalten; aber wir wollen nicht die künstliche Erhaltung jener verarmten und verlumpten Geschlechter, die unfähig, sich selbst zu erhalten, nun staatliche Privilegien zu ihrer Erhaltung verlangen. (Beifall links.) Wrr haben mit dem französischen Liberalismus nichts gemein; wie kommt man dazu, uns für eine Politik verantwortlich zu machen, wie sie in Frankreich seit 100 Jahren von den Liberalen betrieben worden ist. Ich habe der Regierung nie grundsätzliche Opposition gemacht. Im Jahre 1862, mitten im Milttär-Eonflict, habe ich den Fürsten Bismarck unterstützt, als er die Handelsverträge vorlegte. Nccht ich, sondern der Fürst Bismarck bat sich in seinen Ansichten geändert. Das ist das Unglück dieses Staatsmannes, daß er so wenig gestnnungstüchtige Gegner fand, die ihn vielleicht davor bewahrt hätten, so sehr in die Irre zu gehen. Der Fürst Bismarck ist nicht tobt, wie man glauben möchte, wenn man die Reden von der Rechten hört; er ist sehr lebendig, aber er hat nach seinem Verhalten kein Recht mehr, fich über Arnim oder Geffken zu beklagen. Fürst Bismarck ist gegangen, ich bin geblieben und werde versuchen, die Btsmarcksche Politik aus den ersten 14 Jahren seiner Amtsthättgkett wieder zu Ehren zu bringen. Auf eine Com- missionsberathung unseres Antrages verzichten wir jetzt, wir rechnen auch nicht mehr auf feine Annahme. Sie habm dem aussichtslosen Anträge die Huldigung einer viertägigen Debatte gebracht; sie merken, daß trotz der Ablehnung des Antrages dennoch die Wogen Ihnen über den Kopf zusammenschlagen; die öffentliche Meinung geht gegen Sie; das sollten doch die schlesischen Magnaten nach den Erfahrungen mit ihrerPoft" gelernt haben, in die auch Kuckuks-Eier von Korn­zollgegnern gelegt worden find. (Heiterkeit.) Wenn aber aus dem gegenwärtigen Zollsystem auch nur einige Sätze fallen, dannhurtig mit Donnergepolter" stürzt das Andere nach. Das gegenwärtige Protecttonssystem ist ein Unrecht gegen die armen Leute, em Unrecht, welches kein monarchischer Staat auf die Dauer üben kann, ohne die Grundlagen seiner Existenz zu erschüttern. (Beifall und Zrschen.)

Abg. Oechelhäuser (natl.) bemerkt, daß er beabsichtigt habe, eine Herabsetzung der Zollsätze auf die Höhe des Tarifs von 1887 zu verlangen: er verzichte bei der augenblicklichen Geschäftslage auf diesen Antrag.

Abg. Singer (Soc.) beantragt, auch den soetaldemokratischm Antrag zur Vorberathung an die Budgetcommisfion zu verweisen.

Das Haus lehnt die Vorberathung durch die Budget- commisfion ab.

Der Antrag Richter wird hierauf in namentlicher Abstimmung abgelehnt und zwar mit 210 gegen 106 Stimmen.

Für den Antrag stimmte« Socialdemokraten und Freisinnige geschloffen und die Nattonalliberalen Röficke, Hastedt und Hoffmann.

Hierauf vertagt fich das Haus.

Nächste Sitzung Samstag 1 Uhr. Kleine Vorlagen, Rechnungs­sachen, Wavlprütungen.

Schluß 6 Uhr.

46. Pleuarfitzuug. Samstag, 17. Januar 1891.

HauS und Tribünen find schwach besetzt.

Dec Gesetzentwurf betr. die Controle des Reichshaushalttz und des LandeshaushaltS von Elsaß-Lothringen wird in dritter Lesung ohne Debatte angenommen.

Eine Reihe von Petitionen werden als zur Erörterung im Plenum nicht geeignet erklärt.

Es folgen Wahlprüfungen.

Die Waülprüfungs-Eommission beantragt die Wahl des Abg. v. Henck (cons.) für gültig zu erklären, aber den Reichskanzler zu ersuchen, Erhebungen über die angeblich vorgekommenen Unregel­mäßigkeiten anftcllen zu lassen.

Abg. Träger (dfc.) beantragt dagegen, die Abstimmung über die Gültigkeit der Wahl auszus.tzen und die Erhebungen über die vorgekommcnen Unregelmäßigkeiten in weiterem Umfange anzustellen, alS die Eommisston beantragt.

Nach längerer Debatte wird der Antrag Träger bezüglich der Erhebungen angenommen, bezüglich der Aussetzung der Abstimmung jedoch abgelehnt und die Gültigkeit der Wahl beschlossen.

Weiter beschließt das Haus debaltllos nach dm Anträge der Commission, über angeblich vorgekommene Unregelmäßig? iten bei der Wahl deS Abg. v. Weyrauch (cons., 2. Eassel) Erhebungen zu veranlassen.

Die Commission beantragt ferner: die Abstimmung über die Gültigkeit der Wahl deS Abg. v. Oertzen (cons.), Mecklenburg-Strelitz, auszusetzen und zunächst Eriahrungen über behauptete Unregelmäßig­keiten, die bei der Wahl vorgekommen sein sollen, zu öcranlüffen. Hierzu liegt ein Antrag Traeger (bfr.) vor: die Eihebu« gen im weiteren Umfange zu veranlassen, als die Commission beantragt, und namentlich zu prüfen, ob die mecklenburgische Polizei Wahl­versammlungen auf Grund der mecklenburgischen Polizeioerordnungen verboten habe, während diese Versammlungen durch die Bestimm- ungen der R ichsoeifassung zulässig erklärt sind.

Die Abgg. Pachnicke und Rickert (bfr.) halten die mecklen­burgische Regierung nicht für berechtigt, den Wahlversammlungen gegenüber die particularen Vorschriften über Sonntagsruhe u. s. w. in Anwendung zu bringen.

Abg. vr. Windthorst (Ctr.) ist der Ansicht, daß das mecklen­burgische Vereinsrecht in Gültigkeit geblieben ist; es empfehle sich aber, daß die mecklenburgische Regierung fern VereinSrecht und die einschlagenden Polizeioerordnungen im Sinne der Reichsoerfassung revldire.

Bundesbevollmachtigter für Mecklenburg v. Oertzen: Es ist überall üblich, daß neben der Reichsoe, fassuug die Bestimmungen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in den Versamm­lungen in Geltung bleiben. Es war dres auch nöthig, da die Wahl­versammlungen oft mit großem Lärm abpehalten werden.

Abg. Frhr. v. Stauffenberg (bfr.): Diese Fürsorge geht zu weit, mit derselben könnte man das ganze Retch-wahlrecht be'eit'gen.

Abg. Gröber (Ctr.) vellheibigk die Beschlüsse der Commission.

Abg. Singer (Soc.): Hier handelt es sich nicht um N ichs- recht ober um Particularrrcht, sondern um das Recht der Wäller, unb dieses Reckt ist verletzt. D.shaib sind die Auslassungen W-ndt- borfts falsch. Wir leiden in Deutschland wahrhaftig nicht an ILber; flufj von Freiheiten, und wollen dem Volke diesen kümmerlichen Rest nicht noch beschneiden.

Bei der Abstimmung wird die Aussetzung der Beschlutzfasti»- über die Gültigkeit der Wahl angenommen; über ben 2. The« deS Traeger'schen Antrags (Erweiterung der anzustellenden Erhebungen) wird bet der Abstimmung Auszählung nöthig. Dieser TheU wird mit 112 gegen 99 Stimmen angenommen.

DaS Haus vertagt sich.

Der Präsident ergreift die Gelegenheit, dem Abg. Dr. Windthorst au seinem heutigen 80jährigen Geburtstage zu gratuliren im Namen oeS HauseS. e

Abg. Windthorst dankt für diese ihm gewordene höchste Auszeichnung seines LebenS.

Nächste Sitzung: Montag. Tages-Ordnung: 2. Berathung des Etats.

Schluß 5V« Uhr.

Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphisches (orrespondenz-Burerur.

Hamburg, 18. Januar. Die hiesigen Assecuranzgesell- schaften halten einen Dampfer, welcher in der Nähe von Hel­goland kreuzt, um die ankommenden Schiffe zu warnen, in die Elbe einzusahren. Mehrere Schiffe treiben, vo« Eise umschlossen, im Strome.

Loudon, 18. Januar. Nach einer Meldung des Bureau Reuter aus Lima von gestern haben sich folgende Kriegs­schiffe gegen die chilenische Regierung erklärt: das Panzer­schiffAlmirante Cochrane", das PanzerschiffBlanco Euca- lada", der KreuzerEsmeralda", der AvisoMagellanes", eine «Corvette, ein Transportschiff, der KreuzerAmazonas" und der DampferAconcagua". Die Regierung verfügt über den MonitorHuaskar", welcher sich gegenwärtig in Repa­ratur befindet, eine Corvette, zwei Transportschiffe und acht Torpedoboote. DerBlanco Encalada" befindet sich gegen­wärtig in der Magelhaenstraße, um die CorvetteAbtoa" und zwei neue Kreuzer auS Europa zu erwarten. Die Geschäfte in Chile stocken, das Fleisch wird mit 1 Dollar per Pfund verkauft. Meldungen aus Jquique zufolge wird unverzüglich ein Manifest des Präsidenten erscheinen, welches ausspricht, daß der Congreß durch die Weigerung, das Militärbudget anzunehmen, die Verfassung verletzt habe. Der Präsident werde sodann den Belagerungszustand erklären, die höchste Gewalt übernehmen und bekannt geben, daß er entschlossen fei, feine Stellung bis nach den im März stattfindenden Wahlen zu behaupten.

Palermo, 18. Januar. Infolge eines heftigen Sturme- ist ein Theil des Daches von dem Hospital für Augen­kranke eingestürzt mehrere Kranke wurden schwer verletzt.

Petersburg, 18. Januar. DemRusski Invalid" zu­folge ist die Formirung zweier Festungsinfanterie- Bataillone für Zgierze (Gouvernement Piretrokow) und eines dritten für Kowno angeordnet.

totale» unb provinzieller,

Gießen, 19. Januar.

Herr Oberst Perthes, Commandeur des 116. Regi­ments, erhielt bei dem Krönungs- und Ordensfeste den Rothen Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife und Herr Oberst- Lieutenant v. Schlegell den Kgl. Kronen-Orden 3. Klaffe.

Der Geschichtsverein wird nächsten Mittwoch wieder einen seiner Vortragsabende halten. Herr Dr. Röschen von Laubach, der unermüdliche Forscher in der Geschichte unserer Provinz, der auch schon mehrfach im Geschichtsverein ge­sprochen hat, wird über die Bergfeste Ulrichstein reden, ein Vortrag, dem man mit Spannung entgegensetzen darf. (S. Anzeigentheil.)

Der Akademische Gesang Verein wird am kommenden Sonntag, nach längerer Pause, mit einer größeren Musik­aufführung wieder in die Oeffentlichkeit treten. Die Wahl der Stücke ist eine ungemein glückliche. SchumannsRose Pilgerfahrt" und BruchsScbön Ellen" werden zu Gehör gebracht werden, beides keine Premieren, aber eine Reprise solcher Perlen der musikalischen Gesangsliteratur wird Jeder freudig begrüßen. Mit großer Genugthuung bezeichnen wir es, daß Herr Director Felchner, mit Ausnahme der rühm­lichst bekannten Concertsäugerin Frau Schubert-Tiedemann aus Frankfurt seine Solisten aus einheimischen Kräften ge­worben. Das im Jnseratentheil gegebene Programm ver­schweigt die Namen, auch wir wollen folgeret fein, versichern jedoch, daß mancher der Mitwirken" en sich getrost auch ander­wärts hören lassen könnte, den Clavierpart übernimmt wieder Frl. Gros, das heißt, er befindet sich in den besten Händen. Aus Wunsch deS Vorstandes und der Mitglieder soll da- Eoncert ein Benefice für den geschätzten Dirigenten, ben Herrn Universitätsmusikdirector Felchner, fein, dem dadurch ein sichtbarer Beweis des Dankes und der Anerkennung geboten werden soll. Wir hoffen und fetzen voraus, daß alle Freunde der edlen Frau Musica sich am 25. ein Rendezvous im Concertsaal geben werden.

Heber den am 7. November v. Js. von Herrn Director Reich gehaltenen Vortrag:Stammt bet Mensch vom Affen ab?" (ein Thema, über welches genannter Herr am Mittwoch auch hier im Cafe Leib sprechen wird) meldet der General-Anzeiger für Halle und den Saalkreis vom 8. No­vember 1890: Im kaufmännischen Verein hielt gestern vor einem sehr zahlreichen Auditorium von Vereinsmitgliedern und Angehörigen derselben Herr Reich aus Hannover einen durch zahlreiche Riesenlichtbilder erläuterten Vortrag über die Resultate der Forschung hinsichtlich der Abstammung des Menschen und die Lebensweise des Menschengeschlechtes in der Vorzeit. Aus Grund der durch hervorragende Forscher gekennzeichneten, jedem Beschauer aufs deutlichste erkennbaren Unterschiede im Körperbau der Menschen und der menschen­ähnlichen Affen beantwortete der Redner die Frage, ob der Mensch vom Affen abstamme, in verneinendem Sinne, da Uebergangsformen zwischen Mensch und Thier weder lebend noch in Resten aus der Vorzeit vorgefunden seien. Die zahl­reichen prächtigen Riesenlichtbilder, welche meist nach photo­graphischen Aufnahmen hervorragender Forscher die verschie­denen Meuschen-Affen-Arten, sowie characteristische Völker-