Cours vom 10./VII. 17./VTI.
Cours vom 10./VII.17./VII.
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rücken. — Der Kampf der Meinungen wird fast ausschließlich im Montanmarkte ausgefochten, aber die Angriffe, die sich gegen dieses Gebiet richten, genügen vollkommen, um den ganzen Markt in der gewünschten Richtung zu beeinflussen. Die Mittel, mit welchen das erreicht wird, sind die alten: erfundene oder aufgebauschte Nachrichten über Preisherabsetzung von Kohle und Cokes, über Einschränkung der Förderung und ungünstige Monatsergebnisse der einzelnen Werke. Aber der Widerspruch der Gegenseite dient nur dazu, die Verwirrung vollständig zu machen, und aus der so erzeugten Unsicherheit resultiren nur weichende Course und die gelegentlichen Rückschläge sind meist von kurzer Dauer. Im Bankenmarkt freilich halten sich die Course ziemlich; das schwimmende Material scheint größtenteils in festere Hände übergegangen zu sein. Und doch empfindet die Börse gerade dieses Gebiet als einen ihrer schwächsten Punkte.' Wer vermag zu sagen, ob bei den täglich schlechter werdenden Aussichten die heutigen Inhaber Muth genug haben werden, den Besitz festzuhalten? Man wendet ein, daß das Kreditgeschäft den Banken weit beffere Erträgnisse abwerfen werde, als in früheren Jahren, und das mag richtig sein, wenngleich auch die 1890er Ziffern bereits sehr hohe waren. Aber, was bedeuten 5o/o Zinsen gegen die stets wachsenden Verluste der Effectenportefeuilles, und wird nicht der steigende Zinsfuß dahin wirken, diese Verluste noch zu erhöhen? Gerade die Lage des Geldmarktes erweckt der Börse die schwersten Bedenken. Zu einer Zett, da der Couponstermin dem Markt ungezählte Millionen zugeführt hat, da England in Ueberfülle schwimmt, und ohne merkliche Störung Millionen Goldes abgiebt, steigt plötzlich der Discontsatz auf 33/4% und der Markt kann die Nachfrage nach Geld kaum befriedigen. Verwundert steht die Börse vor diesem Factum und sucht vergeblich nach Erklärung. Heute wirst sie die Schuld auf Rimessen an fremde Regierungen, morgen auf Zollzahlungen, aber Alles, was sie vorbringt, scheint ungenügend zu sein, den plötzlichen Mangel zu erklären. Und wenn es zutreffend wäre, wenn verhaltnißmäßtg geringe Abzahlungen die Pressung verursachten, was wird dann der Herbst bringen, mit seinen viel größeren Anforderungen, mit den Resteinzahlungen auf Consols und Reichsanleihe mitten in der Zeit des stärksten Bedarfs? Das sind die Fragen, die die Börse am schwersten beunruhigen und die Muthlosig- kett allgemein gemacht haben. Jetzt sucht man sich der dreiprocentigen Anleihen zu entledigen, die man in dem Glauben ausgenommen hat, eine eminent speculative Anlage zu erwerben, und die sich jetzt als weiter nichts repräsentirt, als ein Ver- pflichtungsschein zu weiteren Einzahlungen. Bis zum Emisstonscours hat die Berliner Börse die Anleihen schon heruntergeworfen, aber der Cours, der vor wenigen Monaten Milliardenzetchnungen heranzog, bringt heute keine neuen Käufer.
Die Berliner Börse huldigt nebenbei nach wie vor der Baisse in russischen Noten, und es wird mit Ernteaussichten und Ausfuhrverboten ein großer Unfug getrieben. Es scheint aber, daß Rußland die eigene Valuta nicht minder stark abgiebt, wie Berlin, so daß schwer zu entscheiden, wie weit thatsächliche Verhältnisse den Rückgang begründen. — Die auswärtigen Börsen haben übrigens die schwache Haltung der deutschen Märkte noch verstärkt. Paris sandte im Anschluß an seine Medioliquidation mehrfach schwache Course, und selbst Wien, das Bollwerk, an dem bisher immer die Abwärtsbewegung der Course zum Stillstand kam, hat ruhig zugesehen, wie die Course seiner Favoritpapiere von Tag zu Tag abbröckelten.
Von Einzelheiten ist wenig zu berichten. Der Bankenmarkt bleibt leblos; ein halbes Procent auf und ab begreift die ganze Coursschwankung in sich, das Endresultat ist eine Ermäßigung des Niveaus, die nur bei wenigen Ausnahmen größer ist.
Unter den Eisenbahn-Actien gehen die östlichen Getretdebahnen im engen Anschluß an die Bewegung der russischen Valuta immer weiter zurück. Oesterreichtsche Bahnen leiden unter der stillen Zeit, welche für die Börsen angebrochen ist. Langsam bröckeln die Course ab unter Realisationen oder Einschränkungen der Engagements, die vor Antritt der Sommerretse vorgenommen werden; aber bei den Werthen, in denen große Positionen bestehen, summiren sich doch die Verluste zu nicht unbeträchtlicher Höhe. Sie steigen bei Staatsbahn auf 4 fl., bei Buschtherader auf 3 fl., bei Duxer auf 8 fl. Schweizer Bahnen liegen vorwiegend matt, namentlich Nordost, auf welche die Erhöhung des Actiencapitals drückt und bei denen der Verlust 5<y0 beträgt. Nicht minder schwach liegen aber Centralbahn wegen des Hinausziehens der Entscheidung über die Verstaatlichung. Gotthardt konnten sich am Freitag auf einen nicht ungünstigen Ausweis etwas erholen. Im Montanmarkt Warenumsätze und Schwankungen am lebhaftesten. An gelegentlichen Aufbesserungen der Course hat es nicht gefehlt, erst der Freitag brachte auf das Resultat der Breslauer Schienensubmission und Gerüchte über chinesische Schienenbestellungen eine nicht unbeträchtliche Reprise. Die Schlußcourse bleiben aber noch immer beträchtlich hinter denen der Vorwoche zurück. Auf Lauraactien drückte insbesondere das ungünstige Ergebniß des Monats April, das nur die Hälfte der vergangenen Monate beträgt, aber durch Aufwendungen für Krankenkassen und durch einen Betriebsunfall erklärt wird.
Auch der Rentenmarkt bleibt schwach. Namentlich für Italiener verschlechtert sich die Stimmung, doch ohne erkennbaren Grund. Portugiesen sind abermals ab-
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Die Umsätze an der Börse schrumpfen zu immer größerer Bedeutungslosigkeit zusammen, aber unverkennbar geht durch die Coursbewegung der Zug nach einer weiteren Ermäßigung des Niveaus. Es könnte vielleicht ein Trost darin gesucht werden, daß die Coursrückgänge nicht vor sich gehen, ohne erhebliche Anstrengungen der Contreminen, und in der That, wenn nur Blancoabgaben die Course drückten, so wäre die Grenze nach unten bald erreicht. Aber bei der zunehmenden Mutlosigkeit, dem Mißtrauen des Publikums und den steigenden Zinssätzen bringt jeder Tag effective Realisationen, die eine Bestätigung des Cours- niveauS bilden und die Möglichkeit eines Rückschlags in immer weitere Ferne
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