1891
Freitag den 18. December
Nr. 295
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Unterrichts als ungeeignet erklärt werden, zum Studium der Medicin und der Rechte vorzubereiten.
— Fürst Bismarck hat sich dieser Tage gelegentlich des Empfanges einer Abordnung der Stadt Siegen abermals über seine Stellung zu den Handelsverträgen geäußert. Wiederum erklärte der Fürst hierbei, daß er die überstürzte Erledigung der Verträge im Reichstage für hochbedenklich halte und betonte er im Weiteren, der Reichstag sei wohl berechtigt zur Abänderung der einzelnen Bestimmungen der Verträge, die er im Uebrigen als Geheimrathsarbeit bezeichnete. Eine Theilnahme des Fürsten Bismarck an den ferneren Reichstagsverhandlungen der laufenden Session steht, nach weiteren Aeußerungen des Fürstern gegenüber der Siegener Deputation zu urtheilen, kaum noch zu erwarten.
und lange bevor die zwei Stunden um waren, begaben sich sämmtliche Geschwister Ilsens voll brennender Neugierde und
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Durch die Post bezvI« r Mart 50 Psg.
Rebaction, QtatbtÄOB und Druckerei'.
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Erwartung nach dem Bahnhofe.
Endlich, nach einer halben Stunde des Harrens, kam der Zug angebraust und ihm entstiegen Ilse, Fräulein Berg und Erich Rode; bei dem Lichte einer trübe brennenden Laterne wurde letzterer der staunenden Geschwisterschaar als Schwager vorgestellt, dann trat man gemeinsam den Heimweg an.
„Aber, Ilse, Du wolltest ihn doch gar nicht!" neckten die beiden Schwestern, „seinetwegen bist Du aus dem Hause gegangen und nun bringst Du ihn selbst ins Haus!"
„Was sagte denn der Vater?" forschte Ilse.
„£)/ der murmelte immerfort: „Erich Rode, Erich Rode," und meinte schließlich, Du hättest Dir jedenfalls einen schlechten Witz mit uns erlaubt."
So zog man plaudernd und lachend durch die Straßen der Stadt, hier und da brannten die Christbäume noch in den Häusern und jetzt flammten auch im elterlichen Hause da drüben an der Ecke die Lichter auf, und die ganze Geschwisterschaar, Ilse an der Spitze, stürmte, als wären sie alle wieder Kinder geworden, zum Hause hinein.
Erich Rode sah sich wohl oder übel veranlaßt, da seine Braut ihn treulos verlaffen, Fräulein Berg den Arm z* bieten und langsam und ehrbar zu folgen. Als er aber nachher mit Ilse unter dem strahlenden Christbaume stand uni> die vier Geschwister derselben das schöne Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht" anstimmten, da rauschten ihm selbst selige Kindheitsträume zurück, glückliche Meihnachtstage, wie er sie vor Jahren als fröhliches Kind im Elternhause verlebt. Ebenso erging es Fräulein Berg,- Helle Thränen
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Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- rNtgeg«.
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Sonntags-
Deutsches Reich.
Berlin, 16. December. Beim Kaiser findet im Neuen Palais bei Potsdam an diesem Samstag das herkömmliche „Ministerdiner" statt. Zu demselben sind Reichskanzler v. Caprivi, die sämmtlichen Minister und Staatssecretäre, Oberpräsident v. Achenbach und andere Herren von Distinction geladen. — Die kaiserliche Familie vollzieht, wie nunmehr seststeht, am 30. December ihre Übersiedelung aus dem ‘ Neuen Palais nach dem Berliner Residenzschlosse. Der Neujahrsempfang bei den kaiserlichen Majestäten wird demnach bereits in Berlin stattfinden.
— In der freien Commission des Reichstags, welche sich aus den Vertretern der Weinbau- Interessenten behufs einer näheren Prüfung der Weinzölle gebildet hat, wurde regierungsseitig der Erlaß eines Wein- zesetzes in Aussicht gestellt.
— Die Nachrichten einiger Blätter über die Einleitung 'son Handelsvertragsunterhandlungen zwischen Deutschland und den Niederlanden werden von der „Nordd. Allg. Ztg." als unbegründet bezeichnet.
— In Preußen geht man jetzt ernstlich an die Neuordnung des Berechtigungswesens an den höheren Lehranstalten. Das preußische Staatsministerium hat eine Reihe hierauf bezüglicher Bekanntmachungen erlassen, aus welchen hervorzuheben ist, daß die lateinlosen Oberrealschulen berechtigt sein sollen, für das Studium der Naturwissenschaften und für das höhere Lehramt (!) vorzubereiten, während die Realgymnasien wegen des bei ihnen mangelnden griechischen
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e imd des linder und ,, besonder? für unsere rumgegebeit. an eine der iin Amalie Nrünberger- Her Geb- nn (Süd- rau Louise Weg 64), ivestern
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Gießcmr Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
Abg. Dr. Buhl (natl.) hat in seiner Heimath (Pfalz) unter der Bevölkerung ein höchst ungünstiges Urtheil über den Weinzoll gefunden und der Reichstag werde doch eingehend prüfen müssen, ob die schwere Bürde, die durch diese Zolländerung einem einzelnen Stande zugemuthet wird, von diefem auch wirklich getragen werden kann. Die Zollherabsetzung für den Wein hält Redner nicht für so bedeutend, theilt aber auch die weitgehenden Hoffnungen nicht, die man an die Erleichterung der Einfuhr von Schnittweinen knüpft. Was ihm aber große Sorge mache, das sei die Herabsetzung des Traubenzolls von 10 auf 4 Mk. pro Doppelcentner. Man sagt zwar, die Eoncurrenz aus dem Traubenzoll werde so erbeblich nicht sein, weil die Fracht für die einzelnen Bestandtheile der Trauben, die bei uns eingeführt zu werden pflegen, zu theuer sei. Dies trifft aber leider nicht zu, da diese einzelnen Bestandtheile, Kämme, Schalen und Kerne auch einzeln eingeführt werden und nach erfolgter Ausnutzung bei der Herstellung von Wein auch noch zur Herstellung von Farbstoffen für Rothweine verwendet werden, bei welcher letzteren Ausnutzung allein der Betrag der Fracht eingebracht werden kann, die gegenwärtig, bei den billigen Frachtsätzen und der bequemen Verkehrsgelegenheit über die Gotthardtbahn ohnehin nicht sehr hoch ist. Schon jetzt haben die großen Weingeschäfte ihre Vorkehrungen getroffen, um sofort nach Eintritt des niedrigen Zollsatzes große Traubensendungen aus Italien und Frankreich zu beziehen. Man hat von dort bereits Probesendungen empfangen, die zu voller Zufriedenheit der Wein- Häuser ausgefallen sind. Es ist bei der augenblicklichen Lage der Sache allen Ernstes zu besorgen, daß der Weinzoll erheblich zurückgehen wird gegenüber dem Traubenzoll. Der süddeutsche Weißwein, der sich unter dem bisherigen Zollschutz den norddeutschen Markt erobert hat, wird dort nach der Zolländerung bald wieder von italienischen und französischen Rothweinen verdrängt sein. Redner hat selten einer Maßregel der Regierung mit so schwerem Herzen entgegengesehen, wie der Herabsetzung des Traubenzolles.
Bundescommissar Geh. Rath v. Schraut: Der Weinhandel hängt nur zum Theil ab von der heimischen Weinernte. Der Ausfall der letzteren ist bei uns ein sehr schwankender, wie das Wrinland Elsaß-Lothringen beweise; nun zeige sich aber, daß der Branntweingenuß stets in den Jahren zunehme, wo die Weinernte schlecht ausfalle, und es sei deshalb notbwendig, einen Ausgleich durch Zufuhr aus dem Auslande zu schaffen. Der Wirkung des Zolles werde einestheils eine zu große Bedeutung beigelegt, hinsichtlich der Con- currenz, die man von fremden Trauben fürchtet, andererseits war ein Zollvertrag nickt möglich, ohne diese Eoncesfion unsererseits gegenüber Italien. Der Regierung kann jedenfalls ein Vorwurf nicht gemacht werden, sie hat die heimischen Verhältnisse eingehend zu ermitteln ■ versucht, leider vielfach erfolglos, da die befragten Jntereffenten oftmals die gewünschten Auskünften aus geschäftlichen Rücksichten verweigerten. Jedenfalls steht fest, daß das Ausbeutev-rhältniß aus den importlrten Trauben gegenüber den einheimischen Trauben ein sehr geringes ist; der einmalige Versuch, von dem Buhl sprach, ist für eine allgemeine Beurtheilung nicht maßgebend. Redner ist der Ueber- zeugung, daß namentlich die Befürchtung, es könne der heimische Weißwein durch Rothwein, der aus importlrten Trauben gewonnen wird, von dem norddeutschen Markte wieder verdrängt werden, unbegründet ist. Daß in Deutschland übrigens «in bedeutender Bedarf für Schnittweine besieht, beweist die gegenwärtige starke Einfuhr derselben. Bedenken, welche aus der Reblausfrage entstanden sind, konnten als unbegründet erachtet werden, da die bestehende Reblaus- Convention bestehen bleibt und jeder Staat auf Grund derselben auch ferner einzuschreiten berechtigt ist.
Abg. Zorn v. Bulach (Els.): Der Ausgleich, der aus der Einfuhr herbeigeführt werden könnte, wird wohl bei Großbesttzern, Weinhändlern und Actiengesellschaften, die sich bilden werden, eintreten, aber nicht bei den Winzern. Diese kleinen Weinbauern sind daran gewöhnt, ihre Weine nach eigener Art zu bereiten; habet
Aus Umwegen.
Novelle von F. Stöckert.
(Schluß.)
Wir wollen discret sein und das junge Paar aus diesem Weae nicht länger belauschen, nur das wollen wir verrathen, »ab Ilse seiner Werbung nicht allzu große Schwierigkeiten bereitet und ihm, ehe sie das Hotel erreicht, ihr Herz freudig zuerkanut^hlln ^atte umerdeß voll Sorge und Angst ihrer geharrt, alle möglichen schrecklichen Gedanken hatten sie beunruhigt und ein inbrünstiges „Gott sei Dank rang sich los Bon ihren Lippen, als das junge Paar strahlend und glücklich/ jedes mit einem Tannenzweig in den Händen, jetzt ihr in das kleine Nebenzimmer trat.
„Also kein Taschendieb!" rief sie, ziemlich unbedacht ihren angstvollen Gedanken Worte leihend.
Ilse lachte hell auf und stellte dann etwas verschämt ihren Verlobten vor. v l/z . ..
„Erich Rode! Herr Doctor Erich Rode! sagte Fraulein Berg, voll maßlosen Staunens zu dem jungen Manne ^°Iewiß^ Erich Rode!" bestätigte dieser ladienb, „und »a, wie Sie wohl wissen, meine Gnädige, Fraulem ^lse »Belten und Doetor Erich Rode laut väterlichen Beschlüsse für einander bestimmt waren, aber die junge Dame gegen diese Bestimmung rebellirte, so wurden wir durch FUnmig, da unsere Verbindung einmal im Himmel beschlossen war, auf Umwegen glücklich zusammengesührt.
verttßche» Reichstag
112. Plenarsitzung. Mittwoch den 16. December 1891, 11 Uhr.
Die Specialberathrmg über den Tarif zum deutsch-österreichiscken Handelsverträge wird in Fortsetzung der zweiten Lesung dieses Vertrages weitergesührt. rx
Auf eine Anregung des Abg. Graf v. Mirbach (dcons.), welcher sich über die Herabsetzung des Hopsenzolles beklagt, erwidert Staatssecretär Frhr. v. Maltzahn-Gültz, daß die Herabsetzung dieses Zolles von ©eiten Oesterreichs ebenso erfolgt sei, wie von unserer Seite.
Abg. Härle (Volksp.) wendet sich gegen die Herabsetzung des Traubenzolles. Diese Herabsetzung sei eine so bedeutende, daß Redner lieber eine weitere Herabsetzung des Weinzolles bewilligen möchte, als diese Verringerung des Traubenzolles, der unserem heimischen Weinbau die gefährlichste Eoncurrenz macken werde infolge der wohlfeileren Einfuhr italienischer Trauben. Aus diese Einfuhr werde durch den im Verhältniß zum Weinzoll sehr mäßigen Traubenzoll geradezu eine Prämie gesetzt.
Abg. Weiß-Eßlingen (natl.) schließt sich den Ausführungen des Vorredners an. Bei dem ermäßigten Tranbenzoll werde es möglich fein, dm Hectoliter Wein aus italienifchen Trauben zum Preise von 26 bis 30 Mark herzustellen, der in Württemberg nicht unter 40 Mark herstellbar fei. Von den Wirkungen dieses Zolles würden haupisächlick kleine Weinbauern in Württemberg getroffen, für welche die Hollermäßigung eine schlimme Weihnachtsbescheerung fei. Redner hofft, daß die verbündeten Regierungen auf Auskunftsmittel sinnen werden, den schweren Schlag gegen den heimischen und namentlich gegen den süddeutschen Weinbau abzuwenden.
Bundesbevollmächtigter Staatsrath v. Moser: Wenn man mit Italien überhaupt einen Handelsvertrag abschließen wollte, so lag es in der Natur der Sache, daß die diesseitigen Eoncessionen auf dem Gebiete des Weinbaues liegen müssen. Die dusteren Prophezethungen über den Nachtheil für den heimischen Weinbau würden sich diesmal hoffentlich ebensowenig erfüllen, wie bet dem deutsch-spanischen Handelsverträge, wo dieselben Befürchtungen laut wurden. £ . .
Abg. Pflüger (dfr.) kann die von den Vorrednern vorgetragenen Bedenken gegen den Zoll nicht theilen. Müßten auch an einzelnen Stellen wirklich Opfer aus Anlaß dieses Vertrages gebracht werden, so würden sie nicht allzu große sein und das große Werk, die Gründung des mitteleuropäischen Staatenbundes, die bedeutendste politische Leistung der Gegenwart, sei auch wohl einige solcher Opfer werth und ohne dieselben nicht durchführbar. (Beifall links.)
Berg, ihr das übervolle Herz ausschüttend.
„Mir ist alles wie ein Traum," schloß sie endlich, „aber hübsch ist er, und nett auch, nicht wahr?"
„Nun ist das Herzchen ihm doch wohl zu Füßen gefallen?" nickte Fräulein Berg.
„O nein, durchaus nicht, er —"
Da trat er ein, gefolgt von einem Kellner, der eine dampfende Punschbowle trug.
„Wir müssen uns nämlich zwei Stunden hier ergötzen," erklärte er den Damen, „da habe ich denn für eine kleine Weihnachtsvorfeier gesorgt. Hier ist Honigkuchen, Aepsel und Nüsse und hier auch einige Lichte für unsere Tannenzweige."
„Ach, wie hübsch, wie weihnachtlich!" rief Ilse und befestigte die Lichte auf die Tannenzweige.
Erich Rode füllte die Gläser, man streß an, man trank und die zwei Stunden vergingen der kleinen Gesellschaft tDT ^Den Eltern uud Geschwistern Ilsens in F. wurde die Zeit etwas länger. Die mysteriöse Depesche: „Im Schnee stecken geblieben, kommen in zwei Stunden," mit Ilsens, Fräulein Bergs und Erich Rodes Namen unterzeichnet, ver-
Das ist ja herrlich!" rief Fräulein Berg. „Meine I ursachte der Professorsfamilie nicht geringes Kopfzerbrechen herzlichsten Glückwünsche. Aber wie ist das alles so furchtbar ' """""" b<>nA ""
schnell gekommen?"
„Je nun, wir suchten die Uhr —" begann Ilse.
„Die wir denn auch glücklich gesunden," bestätigte Erich Rode, indem er Fräulein Berg dieselbe überreichte. „Während Du nun weiter erzählst, liebe Ilse, werde ich mich erkundigen, wie die Aussichten für unsere Weiterbeförderung sind und vor Allem eine Depesche an Deine Eltern abschicken."
Er eilte von dannen und Ilse setzte sich zu Fräulein
Snae^mt *•» Anzeigen zu der Nachmittag- ftk bn; (eSfanbcn Lag erscheinenden Nummer bi- Bvrm. 10 Uhr.
Bekanntmachung,
betreffend Schafräude zu Stangenrod.
Nachdem unter den Schafen des Adam Becker zu Stangenrod der Ausbruch der Seuche festgestellt worden ist, haben wir die Sperre über diesen Bestand verfügt.
Gießen, den 16. December 1891.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
_____v. Gagern. _______________
Nr. 29 des Reichs-Gefetzblatts, ausgegeben den 14. d. M., enthält: t M
(Nr. 1978.) Verordnung wegen Ergänzung der Verordnung vom 18. April 1883, betreffend die Cautionen der Beamten und Unterbeamten der Reichs-Post- und Tclegraphen- verwaltung und der Reichsdruckerei. Vom 1. December 1891.
Gießen, am 17. December 1891.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.


