1891
Sonntag den 18. Oktober
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Mittheilungen über die Heilung der Tuberculose durch Creosot. Aus Grund durch practische Ersahrung gewonnener Ueberzeugung drückt er die Ansicht aus, daß Creosot in hohen Posen, 1 bis 4 Gramm pro Tag, für unzählige Kranke ein ausgezeichnetes, bis jetzt von keinem anderen erreichtes Heilmittel, in erster Linie gegen Tuberkulose sei. Der Hauptwerth bestehe darin, daß bei Creosotbehandlung der Beruf des Patienten nicht unterbrochen zu werden brauche. Wo Creosot nicht mehr heilen könne, habe es bei Lungentuber- culose einen nicht hoch genug anzuschlagenden conservirenden Effect und keinerlei Nachtheile.
Berlin, 16. October. Den „Berliner Politischen Nachrichten" zufolge erscheint demnächst ein Werk des srüheren Kriegsministers Berdy über Episoden des Krieges 1870/71. Der erste Band würde in diesen Tagen dem Kaiser überreicht werden.
Berlin, 16. October. Wie das „Deutsche Colonialbl." meldet, ist der Legationsrath Sonnenschein zum Oberrichter von Deutsch-Ostasrika ernannt worden. Dem Seconde- Lieutenant Prince ist der Kronenorden vierter Klasse mit Schwertern und den Viceseldwebeln Nowack und Kühne das Militär-Ehrenzeichen zweiter Klasse verliehen worden. — Der Zahlmeister-Aspirant der Schutztruppe, Schubert, ist am 2. September bei Kiboscho gefallen.
Reicheuberg, 16. October. Gestern Vormittag wurde unter den Traversen der Schwerzer Brücke von einem Kuhhirten ein Eisengefäß mit Dynamit in losen Stücken, ferner Patronen mit schwarzem Pulver und Zündschnüren, sowie eine Blechbüchse gesunden. Letztere war vollständig als Bombe mit Dynamit und Zündschnur monttrt. Die Beschaffenheit der Sprengstoffe und der Emballage zeigen auf älteren Ursprung und deuten auf eine längere Verwahrung hin- jedenfalls sind dieselben auf den neuesten Fundort in Folge von vielseitigen Haussuchungen gebracht worden. Die Wiener „Neue Freie Presse" constatirt, daß die Brücke, unter der die Explosivstoffe gefunden worden sind, gewöhnlich nur von Fußgängern benutzt, selten von Wagen befahren wird und etwa 2000 Schritte von der Bahn entfernt ist. Es sei gänzlich ausgeschlossen, daß der Kaiser während seines Aufenthaltes in Reichenberg über diese Brücke gefahren wäre.
Rom, 16. October. Bonghi demissionirte als provisorischer Präsident des Comitös für den interparlamentarischen Friedenscongreß und lud das Comite gleichzeitig ein, einen definitiven Präsidenten zu wählen. Das Comite nahm Act von der Demission und nimmt alsbald die definitive Wahl vor.
welche den Riesenbau dessen zusammenhalten, was wir moderne Civilisation nennen. Gewiß haben wir das volle Recht, mit stolzer Genugthuung aus die Errungenschaften des 19. Jahrhunderts zurückzublicken, aber nur wenn wir gleichzeitig voll Demuth bekennen, daß wir noch unendlich weit von dem Himmel socialer Glückseligkeit entfernt sind, der zu allen Zeiten das höchste Ziel wahrhaft edlen, menschlichen Strebens war — nur dann können wir hoffen, glücklicher zu sein als die Steinträger des Thurmbaues zu Babel.
Die echte Wissenschaft ist aus einem sehr natürlichen Grunde stets bescheiden- denn je mehr wir wissen, um so mehr nimmt dir Erkenntniß dessen zu, was wir noch alles zu lernen haben. Und gerade das electrische Licht, dessen Entwickelung sich ja im Grunde auch noch in seinem Anfangsstadium befindet, hat uns einen Ausblick aus unendliche Gebiete eröffnet, die noch in tiesem Dunkel vor uns liegen.
Die geheimnißvolle Kraft, welche uns das Licht spendet, das heute bereits in die fernsten Winkel der Erde seine Strahlen wirft, ist offenbar berufen, uns noch manches dunkle Geheimniß zu entschleiern. — Nicht nur für unser Gefühl, sondern auch für das Gehör und die Sprache hat sie uns bereits Raum und Zeit überwinden Helsen. Das Telephon gestattet uns die mündliche Unterhaltung über Hunderte von Meilen hinweg und mittels des Phonographen können wir sogar die Stimmen längst Verstorbener zu uns reden lasten. Wer darf es wagen, nach solchen, beinahe unsaßbaren Erfolgen, der Phantasie noch Halt zu gebieten? Kann uns Jemand thöricht schelten, wenn wir die Vermuthung aussprechen, daß es gelingen wird, auch für das menschliche Auge die Schranken zu brechen, die heute noch seinen Blick 6e= grenzen? — Gewiß nicht! Wie der kupferne Draht die Laute zu uns herüberträgt, so wird er dereinst vielleicht auch befähigt sein, ferne Bilder vor unser Auge zu zaubern, damit wir nicht nur hören, sondern auch sehen können, was draußen weit von uns geschieht. Ein Anfang dazu ist schon gemacht mit dem Edison'schen Kinetographen, dessen Be-
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Brüssel, 16. October. Dem Vernehmen nach wird der Kriegs Minister von der Kammer einen Credit von 500 000 Frs. zur Einberufung von drei Milizklassen, im Ganzen von 23000 Mann beanspruchen, welche sich mit der neuen Infanteriewaffe vertraut machen sollen.
Bordeaux, 16. October. In Folge des Strikes der Arbeiter in den Glasfabriken luden die Arbeitgeber die strikenden Arbeiter vor das zuständige Schiedsgericht, welches die Arbeiter zu 100 Frs. Schadenersatz und zu einer weiteren Entschädigung von 15 Frs. täglich verurtheilte, wenn die Arbeit nicht innerhalb 24 Stunden ausgenommen würde.
Buenos Aires, 16. October. Gestern Abend entstand in Folge des Gerüchtes, General Mitre drohe seine Bewerbung um die Präsidentschast zurückzuziehen, eine gewiffe Beunruhigung. Heute glaubt man, Mitre werde diese Absicht nicht aufrechterhalten. Ueberall herrscht Ruhe. Die Behörden trafen dessenungeachtet Vorsichtsmaßregeln.
Depeschen des „Bureau Herold".
Berlin, 17. October. Nach einer „Kreuzzeitung"- Meldung aus Belgrad ist Tanschanowitsch sür den Gesandtschastsposten in Petersburg defignirt.
Erfurt, 16. October. Socialisten - Congreß. Zwischen der Opposition und den Anhängern der Parteileitung entspinnt sich eine Auseinandersetzung. Lux will sachlich, nicht oppositionell sein. Gleich ihm gehöre Fischer aus die Anklagebank. Auerbach will die Namen der Abgeordneten, die Darlehen empsangen, nicht nennen. Wildberger präsentirte unter Heiterkeit eine dreimeterige Aufstellung nut Resolutionen gegen die Oppoption. Rechtsanwalt Lande- Elberfeld verlangt, die Commission solle nur über die gegen Personen vorgebrachten Anklagen verhandeln. Werner wirft der Parteileitung Oppositionsmeierei vor. Wildberger weigerte sich, vor der Commission zu erscheinen, weil seine Verur- theilung wegen förmlicher Beleidigung sicher sei. Fischer sprach scharf gegen die Anarchisten in der Partei.
Erfurt, 15. October (Abends). So ei al ist en - C o n- greß. Auer besteht daraus, daß Werner, Niederauer und Richard Baginsky formulirten Widerruf leisten müssen oder aus Ausschluß derselben erkannt werden soll. Wildberger sei ipso facto ausgeschlossen. Auerbach bestreitet, daß er ein Nachrichten-Bureau sür die Bourgeois-Preffe habe gründen wollen. Wurm hält als Ohrenzeuge die Wahrheit dieser Behauptung ausrecht. Molkenbuhr reserirt dann über die parlamentarische Thätigkeit der Partei. Daraus sprach Bebel über die Taktik der Partei: Die bisherige Taktik hat den Todfeinden der Socialdemokraten Schrecken eingeflößt.
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So hat die moderne Wissenschaft alle Gebiete des Lebens mit ihrem Lichte durcydrungen, und demgemäß har sich die Entwickelung desselben mit einer Schnelligkeit vollzogen, dre nicht einmal auch nur annähernd den Vergleich mit irgend einer anderen Epoche der Weltgeschichte zuläßt. Wir haben daher gar keinen Maßstab, an dem wir beurtheilen könnten, welchen ferneren Weg wir in den kommenden Jahrzehnten noch zurücklegen werden. Und doch ist es gewiß nicht überflüssig, daß wir uns hin und wieder einmal fragen, wohin wir mit dieser gewaltigen Schnelligkeit auf dem großen Strome des Lebens treiben mögen. Unzweifelhaft gleicht die Menschheit heute ein wenig den Schiffern, welche in die Strömung des Niagara gerathen sind und sich anfangs wohlgefällig mit derselben treiben lassen, weil ihnen das Ende der Fahrt unbekannt ist. Wenn die Unglücklichen endlich merken, welchem Ziele sie zutreiben, ist es gewöhnlich zu spat. Ob sie auch mit noch so wahnsinniger Angst sich m die Ruder legen, die Strömung läßt sie nicht mehr los- unaufhaltsam fliegen sie dem alles verschlingenden Abgrunde entgegen.
Wird es der aus dem Niagara des Lebens treibenden Menschheit auch einmal so ergehen?
Wir hoffen es nicht, und fern sei es von uns, die Rolle der Kassandra zu spielen. Jedenfalls aber kann es nie schaden, wenn wir uns ab und zu erinnern, daß das Ziel, dem wir zusteuern, wahrscheinlich noch auf lange hinaus em unbekanntes bleiben wird. Unsere Generation wird dadurch vielleicht der Gefahr entgehen, das Schicksal derjenigen zu theilen, welche in grauer Vorzeit unter den Trümmern des babylonischen Thurmes zu Grunde ging.
Sicherlich steht das Menschengeschlecht, wie damals, \o auch heute, vor einer schweren Versuchung. - Jene Generation, in ihrer naiven Einfalt, wollte die Welt durch die rohe Materie beherrschen. Sie fügte einfach Stein auf Stein und glaubte so den Himmel erreichen zu können. Heute aber bildet die Wissenschaft das Fundament, auf dem wir bauen, und die einzelnen Zweige derselben sind die Steine,
Mutig der enfter aus in mamijg- ^uWruug
A. Kröll.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger.
lße.
MM
.s Geld, rinne: , 15,000 «. I' »• Febrnar 1892.
Drr fwtfjrint täglich, *N Un-nahmr deL Montags.
Gie-mer ^e*K<t*eratfet wate* dem Anzeiger tlich bwimal
en Md Reparaturen^ von Pianos etc.
Neueste Nachrichten.
kyolffS telegraphisches «orrespondenz-Burea,..
Berlin, 16. October. Dr. Sommerbrodt macht in einem Aufsatz in der Berliner „Klinischen Wochenschrift" weitere
FeniNetsn.
Von der Talgkerse ?um stogenlicht.
(Nachdruck verboten.)
Goethe soll einmal gesagt haben, es müsse doch zu schön sem wenn man Abends bei Licht ruhig arbeiten könnte, ohne alle^ fünf Minuten von dem Diener gestört zu werden, der mir der Lichtscheere kam, um die Dochte zu putzen.
Es gibt wohl kaum ein Beispiel, an dem sich der un- aeb-uere Fortschritt unseres gesammten, geistigen und cul- turcllen Lebens überwältigender darthun ließe, als an diesem Stoßseufzer des Dichterfürsten von Weimar. Seit seinem metdiem Maße bat sich der Ruf nach „mehr Licht erfüllt, der sich am 22. März 1832 im Todeskampse von seinen Lippen rang' Was würde Goethe heMe wohl sagen, wo er, XÄ “iÄ ,SÄ ES,-XÄ»S noch das Licht der geistigen Erkenntniß, mit dem unsere moderne Wissenschaft das vielgestaltige Leben durchdringt. Nicht nur, daß Eisenbahn und Telegraphen uns fremde Zander er ch vssen daß sogar der dunkle Erdtheil, der zu Goethes Ästen -inen säst g-nz weihen Fleck ans der Karte bildete^ nach und nach anfangt, sich mit Licht zu füllen, nein, auch im^teinen hat sich uns eine neue Welt °ufs"h°n^ ie b - nabe noch größere Wunder birgt wie die alte. Wer hol te noch vor wenigen Jahrzehnten geglaubt, daß die ^"[Ections- krankheiten, diese größten Geißeln der Menschheit,. durch njefei erzeugt werden, ur deren Winzigkeit der Blutstropfen "n°un°rmAches Reich bedeutet? - Und heute werden sie von unseren Medicinern m Reinculturen gezüchtet.
Amtlicher Theil.
Gefunden: 1 Taschentuch, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Hundeleine, 1 blaues Strumpfband, 1 Stuck Zünd- schnür, 1 Stück Band, 1 schw. Brieftasche, 1 Reitpeitsche, 1 Buch und 1 Brosche.
Gießen, den 17. October 1891. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius. ______________
Deutsches Reich.
Darmstadt. 15. October. Wie in den übrigen deutschen Staaten nehmen auch in Hessen die parlamentarischen Arbeiten wieder ihren Anfang. Am nächsten Mittwoch, den 21. October, tritt bereits der Finanzausschuß zu einer Reihe von Sitzungen zusammen- auf der ersten derselben stehen folgende Gegenstände zur Berathung resp. Beschluß- sassung • 1) Vorstellungen und Gesuche verschiedener Beamten um Gehaltserhöhung; 2) a. Gesuch der Gemeinden Bleichenbach 2C. um Errichtung einer regelrechten 'Güterverladungsstelle bei Bleichenbach, b. Antrag des Abg. Edel, die Errichtung einer Einladestelle für Güter an der Haltestelle Bleichenbach (Oberhessische Eisenbahn)- 3) Eingabe des Docenten an der Technischen Hochschule v. Pfister dahier um Gewährung einer ständigen Docenten-Zulage; 4) Gesuch der zu Langsdorf getagt habenden Generalversammlung des mitteldeutschen Bauernvereins wegen Erlasses der Grundsteuer 1891 von solchen Grundstücken, aus welchen der im Herbst 1890 'bestellte Weizen ausgegangen ist- 5) Antrag des Abgeordneten Dr. Schröder, betr. Besetzung der Stelle des Vorsitzenden der Großh. Centralstelle für die Gewerbe und den Landes- aewerbverein- 6. Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, betr. Aufhebung der besonderen Staatsrentenablösungs- Schuldenverwaltmig- 7) desgleichen betr. Abtretung von Ufer- aelände des Rheins an die chemische Fabrik von H. und E. Albert ?u Amöneburg betr.- 8. Vorlage des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, betr. Umwandlung des Gehaltes des ^nspectors des mineralogischen Cabinets des Museums in einen pensionsfähigen Gehalt- 9) desgleichen betr. Sicherung des Museums gegen Feuersgefahr.
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