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Alles, ohne daß der neugegründete Verein Mittel dazu besessen hätte. Zwei Herren des Vorstandes übernahmen anerkennens- werther Weise die vorläufige Deckung der Kosten, und der Verein zahlte ihnen nach jeder Vorstellung einen Betrag, durch den er Mitbesitzer der Einrichtungen wurde. Mit der fünften Vorstellung am vorigen Donnerstag hat er bereits 1000 Mk. abgetragen und etwa die Hälfte des Bühnen- und Podium- Materials erworben. Noch ein Jahr, und er spielt auf eigener Bühne und kann für jede Vorstellung 200 Mk. mehr verwenden als bisher! Dadurch wird dann die Beschränkung auf eine geringe Personenzahl der auszusührenden Stücke be* seitigt werden, und das Programm kann sich reichhaltiger gestalten. In der Beschaffung schauspielerischer Kräfte darf der Verein von großem Glücke sagen. Manche benachbarten Städte hatten sich um das Frankfurter Theater beworben in gleicher Weise wie Gießen; aber nur wir haben die vorzüg­lichen Künstler der benachbarten Großstadt bei uns gesehen. Und wir dürfen auch für das nächste Jahr aus das liebens­würdige Entgegenkommen des feinsinnigen Herrn Intendanten Claar rechnen- er hat uns sogar Aufführungen wie Emilia Galotti, die Braut von Messina (mit Chören, die aus Studirenden gebildet sind) u. a. m. in Aussicht gestellt. Daß es dem neuen Unternehmen nicht an Anfeindungen ge- fehlt hat, ist wohl in Gießen weder verwunderlich noch un­bekannt- das sind aber die Kinderkrankheiten des ersten Lebens jahres. Welche Strömungen in der Generalversammlung sich geltend machen, welche Beschlüsse gefaßt werden mögen, läßt sich kaum Voraussagen - der bisherige Ausschuß vertritt den Standpunkt, von den hohen Zielen, die er sich gesteckt hat, keins aufzugeben. Manches mußte ausgetastet werden, manche Versuche mögen den daran geknüpften Erwartungen nicht ent­sprochen haben- aber sicher ist bereits Tüchtiges geleistet worden und mehr noch wird hoffentlich im nächsten Jahre geleistet werden.

Neues Theater. Heute Dienstag den 17. November kommt eines der besten Lustspiele, G. v. MosersUltimo", im Neuen Theater zur Aufführung. Das Lustspiel ist ein so vorzügliches und allgemein bekanntes, daß wir eine be­sondere Empfehlung für überflüssig halten.

Ernennungen. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: am 11. d. Mts. den Revisions- controlleur bei dem Hauptsteueramte Gießen, Christian Saßmannshausen, zum Hauptsteueramtscontrolleur bei dem Hauptsteueramt Worms, den Hauptsteueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramt Bingen, Adam Rapp, zum Revisions- controlleur bei dem Hauptsteueramt Gießen, den Finanz­aspiranten, Eduard Obmann aus Ober-Ramstadt zum Hauptsteueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramt Bingen zu ernennen.

Das Großh. Ministerium, Abtheilung für Schul- angelegenheiien, hat ein Ausschreiben an die Kreis-Schul- commissionen gerichtet, worin es heißt:Die Zahl der aus allen Ressorts der Civilverwaltung im Kriegsfälle für unab­kömmlich erklärten Dienstpflichtigen ist eine so bedeutende geworden, daß die Militärverwaltung hieraus die dringendste Veranlassuug zu nehmen sich genöthigt sah, auf eine mög­lichste Herabsetzung dieser von Jahr zu Jahr sich vergrößern­den Zahl hinzuwirken. Dies gilt namentlich für die Dienst­pflicht einzeln stehender Volksschullehrer, deren Zahl im Großherzogthum auf nahezu 300 angewachsen ist." Es soll daher für jeden einzelnen Fall geprüft werden, ob der betr. Lehrer nicht durch Collegen aus der Nachbarschaft, wenn auch unter Verkürzung der Unterrichtsstunden in den be- theiligten Schulen, vertreten werden kann, oder ob nicht eine Verschmelzung der Schulen möglich ist.

Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Atzenhain, Kr. Alsfeld, mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eine mit einer evangel. Lehrerin zu besetzende Lehrerinnen­stelle an der Gemeindeschule zu Roßdorf, Kr. Darmstadt, mit einem jährl. Gehalte von 1000 Mk. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Seidenbuch, Kr. Bensheim, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Glattbach, Kr. Bensheim, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Siedelsbrunn, Kr. Heppenheim, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk.

Billige Schweine. In den östlichen Provinzen Deutsch­lands, zumal in West- und Ostpreußen, dann aber auch in Pommern, Posen und Schlesien sind in letzter Zeit die Preise für schlachtbare Schweine beträchtlich gesunken und es ist rathsam, daß Schweinezüchter dieses Sinken der Schweine­preise beachten, >da wahrscheinlich die Preise eher noch weiter sinken als wieder steigen werden. Als Ursache der billigen Schweine wird nämlich in der Hauptsache die wirthschaftliche Noth vieler kleiner Landwirthe und der Mangel an Kartoffeln bezeichnet, so daß eben fast sämmtliche Schweine von solchen Landwirthen verkauft werden. Ferner ist aber auch die Einfuhr von ungarischen Schweinen in Deutschland in letzter Zeit bedeutender geworden und endlich wird auch die Auf­hebung des amerikanischen Schweineeinfuhrverbots allmählich ihre Wirkung üben. Im Interesse der guten Ernährung der unteren Volksklassen ist ja im Hinblick auf die sonstigen hohen Lebensmittelpreise das Sinken der Schweinepreise nicht zu beklagen, aber der Landwirth, welcher Schweine zum Ver­kaufe mästet und theueres Futer füttert, thut auch gut, mit dem Sinken der Schweinepreise zu rechnen.

§ Vorn Vogelsberg, 15. November. Die Vermessungs­arbeiten der Nebenbahn Gedern-Lauterbach sind schon weit vorgeschritten und kommt die jetzt herrschende Witterung diesen Arbeiten sehr zu Statten. Von Seiten der Großherzoglichen Baubehörde für Nebenbahnen in Gießen ist ein Schreiben an sämmtliche von der geplanten Bahnlinie berührten Ge­

meinden ergangen, worin die Bürgermeistereien ersucht werden, den mit der Vermessung beauftragten Beamten entgegen­zukommen durch Ueberlaffung der Parzellenkarten u. s. w., auch dahin zu wirken, daß von Seiten der Grundbesitzer die Stangen, Pfähle und Linieu Fähnchen geschont werden.

A Mainz, 15 November. Die von den Truppen des 11. Hess. Pionierbataillons in dem rechtseitigen Rheinarm zwischen der Petersaue und dem Kasteler Ufer seit einiger Zeit gemachten, jüngsthin erwähnten Versuche, die Brücken­pontons durch aufgeblasene Ochsen- oder Kuhbälge zu ersetzen, sollen jetzt in einer anderen Art bewerkstelligt werden: nämlich ob zu dem Zwecke auch Kleinvieh, Hammel und dergleichen zu verwenden sind, beziehungsweise ob sich mit den kleineren Bälgen auch die erforderliche Tragfähigkeit in ausreichendem Maße herstellen läßt. Da der Transport und das Ab­schlachten des Kleinviehes leichter und schneller geschehen kann, glaubt man bei dessen Verwendung wieder einen Vorzug vor den Kuh- oder Ochsenbälgen zu haben.

Worms, 14. November. Eine gestern Abend dahier statt­gefundene Versammlung selbstständiger Geschäftstreibender be­schloß entgegen der Versammlung kaufmännischer Vereine, worüber neulich berichtet wurde an den Stadtvorstand das Ersuchen zu richten, die Arbeitszeit an Sonn- und Feier­tagen auf fünf Stunden, ohne Unterbrechung, und zwar von 8 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Mittags, sestzusetzen. Zwei bis drei Stunden, wie von anderer Seite vorgefchlagen, fei nach den Verhältnissen des Platzes einem vollständigen Verbot des hier so regen Sonntagsgeschäftes gleich zu erachten. In den letzten vier Wochen vor Weihnachten sollen die Geschäfte zehn Stunden, von Morgens 8 Uhr bis Abends 6 Uhr, offen, an den ersten Tagen der drei hohen Feste ganz geschloffen sein. Die Handelskammer wird um Unterstützung dieser Anträge gebeten.

A Aus Rheinhessen, 15. November. Am 29. d. Mts. findet in Bingen eine allgemeineKatholiken Versammlung statt. Zu derselben werden als Redner erscheinen: Reichs­und Landtagsabgeordneter Dr. Lieber von Camberg, der Führer der hessischen Centrumsfraetion, der Landtagsabgeordnete Ober- landesgerichtsrath Dr. Frank von Darmstadt, Stadtverordneter Wasserburg und Rechtsanwalt Dr. Hillebrand von Mainz.

Vermischtes.

* Colmar (Elsaß), 5. November. Aufsehen erregte am Allerheiligenfeste auf dem städtischen Kirchhof eine den besse­ren Ständen angehörige Dame, welche bei dem Anblick des sog. Revanchedenkmals sich so entsetzte, daß sie in Ohnmacht fiel. Dieses Denkmal wurde, wie die französische Inschrift besagt, Anfangs der fieberiger Jahre von der hie­sigen Nationalgarde dem Andenken zweier Colmarer gewid­met, welche sich am 14. September an einem Angriffe auf die einrückenden deutschen Truppen betheiligt hatten und bei diesem Anlässe fielen. Thatsächlich gehören starke Nerven dazu, um dieses Monument ohne Grauen betrachten zu können. Von Weitem gleicht es einem gewöhnlichen, der Länge nach auf einem Grabhügel liegenden Grabsteine. Tritt man aber näher, so bemerkt man, daß dieser auf der einen Seite anscheinend gewaltsam etwas in die Höhe gehoben ist. Aus der dadurch entstehenden Spalte drängt sich nun rechts eine die Steinplatte umklammernde Hand, links ein in Bronee- guß ausgeführter, aus der Gruft herausragender Arm in natürlicher Größe, der darnach strebt, ein vor ihm liegendes wirkliches französisches Infanterie-Seitengewehr zu erreichen. Das Ganze ist so gräßlich naturalistisch aufgefaßt, daß der Beschauer den Eindruck gewinnt, ein wirklicher Todter wolle sich aus seiner Gruft befreien. Jedenfalls wird man weit gehen müssen, bis man eine ähnliche ungeheuerliche künstlerische Geschmacklosigkeit finden wird.

e * DmHintertreppm.Rornaneu" soll jetzt, wie die Papier Zeitung erfahren haben will, mit verschärften polizeilichen Vorschriften zu Leibe gegangen werden. Im Verlause der Untersuchung gegen die Mörderin des Fräulein Adler, das Dienstmädchen Auguste Machus, ergab sich, daß die Phantasie dieses Mädchens durch das Lesen von Schauer- und Ver­brechergeschichten krankhaft erregt worden ist.

* Ein nobler Geselle. Ein Schneidermeister geht mit seinem neuen Gehilfen auf Hausarbeit. Sie sind bei einer Bäuerin, die ihnen Mittags Zwelfchenknödel vorsetzt.Du Meister", fragt die Bäuerin nach dem Essen,wo hast denn den poblen G'selln her? Der spuckt ja, wenn er Zwetschen ißt, de Stein aus!"

Verkehr, Land- und Volkswirthschafk.

Grürrberg, 14. November. '»Frucht preise. Weizen JL 2480. Korn X 25.00, Gerste 17.70, Hafer JL 15.20, Erbsen JL 20.30. Linsen 24.. Wicken JL 17., Lein, Kartoffeln JL

Literatur und ICnitft

,DaS Dolksschrrlweserr im Grotzherzogthrrm Hessen* betitelt sich ein soeben Im Verlage von Emil Rotb in Gießen erschienenes Werk, unter Mitwirkung des Geheimen Oberschulrathes Greim in Darmstadt bearbeitet vonKreisschulinspector P. Müller in Oppenheim (eines früheren Kreisangehörigen und um die Volks- schulltteratur bekanntlich entschieden verdienstvollen Mannes). Was das Küchler'sche Handbuch für das Verwaltungswesen, das ist das vorliegende Handbuch speciell für das Volksschulwesen. Seit der Einführung des Volksschulaesetzes sind jetzt 16 Jahre verflossen und sind in dieser Zeit eine Menge darauf bezüglicher Ausführungs­bestimmungen, Verordnungen, Reglements rc. erlassen worden, doch traten, wie dies kaum anders denkbar ist, bet Anwendung der gesetz­lichen Bestimmungen auf concrete Verhältnisse den localen Behörden eine Menge von Fragen entgegen, die verschiedene Auffassung fanden und zu deren Lösung entweder auf noch zu Recht bestehende ältere Bestimmungen zurückgegriffen werden mutzte, oder die nur durch Entscheidung der zuständigen Stellen ibre Erledigung finden fonnten. Gerade aber diese Entscheidungen, Erläuterungen und Verfügungen, die theils in lithographirten Ausschreiben, theils in Amtsblättern verschiedener Behörden, oft sogar in Specialacten zerstreut sind und deshalb der allgemeinen Kenntnitz sich mehr oder weniger entzogen, sind für denjenigen unentbehrlich, welcher sich sicher zurechtfinden

möchte bezw. seiner amtlichen Stellung wegen zurechtfinden muß. DaS Werk wird deshalb den mit Leitung des Volksschulwesens be­trauten Beamten, Geistlichen, Lehrern, Schulvorständen, Bürger­meistern rc. hochwillkommen sein, ihnen viel Mühe und etwaige Jrr- thümer ersparen. Es ist in fünf Abschnitten sehr übersichtlich zusammengestellt: der erste handelt von der Volksschule der ein­fachen Volksschule, der erweiterten Volksschule, von den Privat­unterrichts-Anstalten und der Fortbildungsschule, der zweite von den Lehrern und Lehrerinnen ihrer Ausbildung, dienstlichen Ver­wendung, definitiven Anstellung, der Disciplinargewalt rc., der dritte Abschnitt umfaßt die Lehrer- und Lehrerinnen-Gehälter, deren Pensionirung, Versorgung der Wittwen und Waisen rc.; der vierte die zur Leitung des Volksschulwesens berufenen Behörden die Schulvorstände und Localschulinfpectoren, die Kreisschulcommisfionen, die zur Mitbeaufsichtigung des Religionsunterrichts berufenen kirch­lichen Behörden, die Ueberwachung des Turnunterrichts, die oberste Leitung des Volksschulwesens; der fünfte die Bestreitung der Kosten desselben Verbindlichkeiten der Gemeinden, Zuschüsse des Staates, von dem Staate ausschließlich zu tragende Kosten. Man sieht, es ist nichts Berücksichtigungswerthes unberücksichtigt geblieben und s» wünschen wir dem Werke im Interesse der Sache eine möglichst große Verbreitung. Der Preis ist gegenüber dem Inhalt und der schönen und soliden Ausstattung des Buches.ein recht bescheidener.

Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde.

Bibelstunde heute Montag den 16. Novbr., Abends 8 Uhr» in der Kleinkinderschule; Römerbrief, Kap. 2, VerS 1: Warnung vor dem Richten im Blick auf Gottes Gericht. Pfarrer Dr. Nau­mann.

Apielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Dienstag den 17. November: Des Teufels Antheil. Gewöhnliche Preise.

Mittwoch den 18. November: Zweites Abonnements-Concert.

Anfang 7 Uhr. Concerb Preise.

Donnerstag den 19. November: Wasserträger. Cavalleria rusticana. Gewöhnliche Preise.

Freitag den 20. November: Excelsior. Große Preise. Außer Abonnement.

Samstag den 21. November: Lohengrin. Gewöhnliche Preise.

Sonntag den 22. November, Nachmittags 3Vi Uhr: Der arme Jonathan Ermäßigte Preise. Außer Abonnement. Abends 7 Uhr: Mignon. Große Preise.

Montag den 23. November geschlossen.

Dienstag den 24. November: Königin von Saba. Gewöhn­liche Preise.

Schauspielhaus.

Dienstag den 17. November: Zum ersten Male wiederholtt Im Forst Hause. Abonnement A. Gewöhnliche Preise.

Mittwoch den 18. November: Hamlet. Abonnement B. Ge­wöhnliche Preise.

Donnerstag den 19. November geschlossen.

Freitag den 20. November: Die Großstadtluft. Abonne­ment A. Gewöhnliche Preise.

Samstag den 21. November: Im Forfthause. Abonne­ment B. Gewöhnliche Preise.

Sonntag den 22. November: Die Großstadtluft. Abonne­ment C. Gewöhnliche Preise.

Montag den 23. November: Die Großstadtluft. Abonne­ment A. Gewöhnliche Preise.

BeikarnrtrrraHung.

Aufschrift der Postsendungen.

Zur Sicherung schneller Beförderung und Bestellung der Postsendungen müssen auf denselben Empfänger und Bestimmungs­ort so genau bezeichnet sein, daß jeder Ungewißheit vorgebeugt wird. Dabei sind namentlich folgende Punkte zu beachten:

1. Bei Postsendungen nach größeren Orten ist in der Aufschrift die Wohnung des Empfängers möglichstgenauanzugeben. Auch ist es von Wichtigkeit, daß die Wohnungsangabe stets an der- f eiben ©teile der Aufschrift, nämlich unten rechts, unmittel­bar unter der Angabe des Bestimmungsortes, erfolge.

S. Auf den nach Berlin bestimmten Sendungen ist, außer der Woh-. nung des Empfängers, der Po st bezirk (0., N., NO. rc.), in welchem die Wohnung sich befindet, hinter der Ortsbezeichnunx Berlin" zu vermerken.

S. Gibt es mit dem Bestimmungsorte gleich oder ähnlich lau­tende Postorte, so ist dem Ortsnamen eine zusätzliche Bezeichn nung beizufügen. Welche Zusätze für die Ortsnamen im Post- verkehr als maßgebend anzusehen sind, ergibt sich aus demVer» zeichniß gleichnamiger oder ähnlich lautender Postorte", das zurr, Preise von 10 Pf. durch Vermittelung jeder Reichs-Postaustalt bezogen werden kann.

4. Wenn der im NeichS-Postgebiet belegene Bestimmungsort zwar mit einer Postanstalt versehen, dessenungeachtet aber nicht als all» gemein bekannt anzunehmen ist, so empfiehlt es sich, die Lage des Orts in der Aufschrift der Sendung noch des Weheren zu bezeichnen. Zu derartigen Bezeichnungen eignet sich die Angabe des Staates und bei größeren Staaten des politischen Bezirks (Provinz, Regierungsbezirk u. f. w.), in welchem der Besttm-- mungsorr belegen ist, oder auch die Angabe von größeren Flüssen [(Ober), (Elbe), (Rhein, (Main) rc.), oder von Gebirgen s(Harz), (Riesengebirge) rc.). Nicht minder sind zusätzliche Be» zeichnungen, nie ((Thüringen), (Altmark), (Lausitz) rc.) für den Zweck geeignet.

5. Auf Postsendungen nach Ortschaften ohne Pvftanstalt ist außer dem eigentlichen Bestimmungsorte noch diejenige Post» anstatt anzugeben, von welcher aus die BesteUung der Sendung an den Empfänger bewirkt werden bez. die Abholung erfolgen soll.

6. Wenn der Bestimmungsort einer Sendung in einem fremden Postgebrete belegen und zu den weniger bekannten Orten zu rechnen ist, so ist außer dem Ortsnamen noch das betreff enbe. Land bez. der Landestheil auf der Sendung anzugeben.

Die Beachtung dieser Punkte wird zur Herbeiführung einer schleu-- nigcn Ueberkunft der Sendungen an den Empfänger wesenllich beitragen, und es liegt daher im eigenen Interesse der Absender, die Aufschriften ber Sendunaen lriernack aenau amufertiaen.

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Wenn einst ein großer Physiologe in Bezug auf ein beliebtes Genußmittel schrieb:Es ist wahr, es haben Tausende von Millionen Menschen gelebt, ohne Kaffee und Thee und Fleisch- extract zu kennen, und die tägliche Erfahrung lehrt, daß sie unter Umständen für die blos thierischen Lebensfunctionen entbehrt werden können; aber es ist sehr falsch daraus zu schließen, daß sie überhaupt entbehrlich seien" so ist dies einer großen Verallgemeinerung fähig und trifft empfindlich diejenigen, welche die Fortschritte der Physio­logie unberücksichtigt lassen wollen, weil sie unter den alten Verhält­nissen auch gesund blieben. Ganz besonders thöricht ist aber der, welcher sich nickt von den Wohlthoten überzeugen will, wie sie nach körperlichen und geistigen Anstrengungen eine geringe Menge Kemme­richs Fleisch-Pepton zu gewähren vermag.