1891
Freitag den 16. Oktober
Amts, tmb Anzeigebl«tt für den Arris Gieren.
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Deutsches Reich.
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LiencksShrlger £le«nev<«f w«lB i 2 Mark 20 Pfg. o* Bringerlohn. Durch die Post bq®g«. 2 Mark 50 Pfg.
Redaktion, «tptbtüe» und DruLerei:
Fernsprecher 51.
liberaler, in Meißen-Stadt ein Conservativer, in Meißen-Land ein Conservativer gewählt.
Berlin, 14. October. Zur Uniformsrage in der Armee findet sich in einer Artikelserie des amtlichen „Militärwochenbl." nachstehender bemerkenswerther Passus: „Es giebt außer der kriegsmäßigen Schießausbildung noch einen andern Factor zur Feuerüberlegenheit, der nicht übersetzen werden darf: es ist der kriegsmäßige Anzug, d. h. eine Bekleidung und Ausrüstung, welche durch Vermeidung alles Glänzenden und Auffallenden so wenig wie möglich Anhaltspunkte zum Gesehenwerden und daraus Zielen geben darf. Gerade beim rauchschwachen Pulver sällt dieser Umstand ganz anders ins Gewicht wie früher, wo man die Abgrenzungslinie des Pulverdampses vom Boden als Haltepunkt nahm. Ferner müßte der Waffenrock des Infanteristen so angefertigt sein, daß beim Anschlag im Stehen und Liegen durchaus kein Pressen des Halses und der Brust stattfinden kann. Durch die neueingesührte Gepäckvertheilung ist die beim Anschlag mit den Armen zu hebende Last zwar erleichtert, aber der steise Stehkragen, der außerdem meistens eher zu eng als zu weit ist, erschwert und hindert entschieden das freie leichte Zielen. Wenn durch Druck am Halse das Blut nicht mehr frei circuliren kann zwiscyen Brust und Kops, diesen überfüllt und daher den Blick verschleiert, ist ein scharfes Sehen und Zielen natürlich unmöglich. An Stelle des steifen Stehkragens erscheint ein Umlegekragen practischer."
Die Dberhesfische Bbstausstellung in Gießen.
In den weiten Räumen von Steins Garten ist mit Beginn des heutigen Tages eine überaus reiche Anzahl derjenigen Erzeugnisse unserer Provinz Oberhessen vereinigt, die man mit ihrem Sammelnamen kurzweg als „Obst" zu bezeichnen Pflegt. Was sich alles mit dem Wörtchen „Obst" deckt, soll hier nicht erörtert werden, ein Besuch der Ausstellung wird am besten lehren, was sich darunter vereinen läßt: Aepfel, Birnen, Zwetschen, Pflaumen, Mirabellen, Reineclauden, Pfirsiche, Nüsse, Weintrauben finden sich hier einträchtig bei einander, und wer den Begriff „Obst" noch weiter ausdehnen will, findet auch noch' — Dickwurz und Kohlraben, gelbe und weiße Rüben, Rettige und Sellerie, Kartoffeln und Kraut, bekanntlich nicht ganz nebensächliche Erzeugnisse unserer Landwirthschaft. Im Leben des Menschen spielt das Obst von jeher eine wichtige Rolle, seine Bedeutung für die Land- und Volkswirthschaft ist so allgemein bekannt, daß es keines besonderen Hinweises darauf bedarf. Die Liebhaberei für das Obst ist weder an Stand noch an Alter gebunden. Wer beobachtet hat, mit welcher Freude das Kind in der Wiege nach einer von der Mutter dargereichten Birne oder einem Apfel langt, wer die Freude gesehen hat, die ein Onkel oder Großvater unter seinerr
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Amtlicher Theil
Neueste Nachrichten.
WolffS telegrafische? «orresp^vdeNz-Bvrcov.
Berlin, 14. October. Die „Post" hält nach Mittheilungen aus wohlunterrichteten Kreisen eine Reise des Königs von Rumänien nach Berlin als sicher bevorstehend, doch seien bindende Abmachungen noch nicht getroffen.
Berlin, 14. October. Die Börsenältesten hatten dem Handelsminister angezeigt, die ständige Deputation der Pro- ductenbörse habe empfohlen, wegen der geringen Qualttät des diesjährigen inländischen Roggens und Weizens das Mindestgewicht für Lieferungsgetreide herabzusetzen. Aehnlich berichteten die Vorsteher der Kaufmannschaft in Stettin. Der Minister ersuchte beide Körperschaften, vor der endgiltigen Beschlußfassung die ministerielle Entscheidung abzuwarten, da es sich wegen der großen Tragweite des Beschlusses empfehle, die Sache einheitlich für alle preußischen Börsenplätze zu regeln.
Karlsruhe, 14. October. Der Staatsminister a. D. Jolly ist heute Mittag in Folge eines Schlagflusses gestorben.
— Dem Vernehmen nach wird der Landtag aus den 17. November einberusen.
Wien, 14. October. Eine Conferenz, betreffend die Schlußredaction des revidirten Betriebsreglements des internationalen Eisenbahnbetriebsrechtes, wird Anfangs November hier zusammenrreten. Die ungarische Regierung hat ihre Theilnahme an den Verhandlungen gleichfalls zugesagt.
Rom, 14. October. Vor dem Strafgericht begann die Verhandlung gegen die wegen der Unruhen am 1. Mai in Rom Verhafteten, worunter Cipriani. 61 Angeklagte gehören einem anarchistischen Vereine an. 125 Be- lastungs- und 200 Entlastungszeugen sind vorgeladen, 35 Ver- theidiger sind anwesend.
London, 14. October. Die Küsten Großbritanniens sind gestern von einem Orkan heimgesucht worden. Zahlreiche Schiffe sind gescheitert und deren Mannschaften mit Mühe gerettet worden. Auch an der Küste der Vereinigten Staaten ist großer Schaden angerichtet worden.
Petersburg, 14. October. Die „Nowoje Wremja bespricht die Mailänder Begegnung zwischen G^ers mit Rudini. Sie meint, der Gegenstand der Unterredungen sei lediglich die Beziehungen Italiens zu Rußland gewesen, die aber keineswegs von dem Wunsche eingegeben worden, eine Annäherung Frankreichs und Italiens oder Deutschlands und Rußlands herbeizusühren. Von dem Standpunkte Rußlands sei es erwünscht, daß Italien von autorisirter Sette erfahre, weshalb Rußland mit der Politik Italiens nicht übereinstimme. Rußland wünsche, freundliche Beziehungen mit Italien zu unterhalten. Besonders wichtig sei es, statten den wahren Character der Meerengenfrage darzulegen, welche nach Kenntniß der wahren Sachlage die guten Beziehungen Rußlands und Italiens nicht mehr ungünstig beeinflussen würden. Auch sei es für Rußland wichtig, die Haltung Italiens im Falle stets möglicher Ereigniffe in Bulgarien kennen zu lernen.
Alle «naowcett-Buteauy M 3«- mrd Knltenbefi cc^ow- ratrsberlügs: Htchmer Isammeumarrer. Anzeigen für den „Giehener Anzeiger" entgeh
Gießener Anzeig
Kenerat-Mzeiger.
Der fMtwr nchheirtt täglich, AM emnahtn« bt$ Montag».
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Bekanntmachung,
die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig freiwMgen Dienst aus Grund von Schulzeugniffen betreffend. Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig freiwMgen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch aus die Nachfolgen- den, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden.
1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs- Commission nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen gestellungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat. , .
2) Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet.
Der Nachweis der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres
3) DasÄsuch^muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Vogen in Actenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden- Auch erscheint es zweckdienlich, wenn die nähere Adresse angegeben wird.
4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:
a) Geburtszeugniß;
b) ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit den FreiwMgen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrig- keitlich zu bescheinigen;
c) ein Unbescholtenheitszeugnrß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realgymnasien, Ober-Realschulen, Progymnasien, Realschulen, Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und den sonstigen mllitärberechtigten Lehranstalten) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute dürch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist;
d) das Schulzeugniß.
Sodann wird noch besonders bemerkt:
Zu pos. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß.
Zu pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugnisse für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifyeugnisse für die Prima der Gymnasien, Realgymnasien und Ober-Realschulen, sämmtlick nach dem Schema 18 zur Wehr-OrdMng vom, 22. November 1888 — Reg. - Bl. Nr. o von 1889 ausgestellt sein müssen.
Im Uebrigen wird auf die Bestimmungen der §§ 88, 39, 90, 93 und 94 der angeführten Wehr-Ordnung verwiesen.
Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige zu Darmstadt.
Der Vorsitzende:
Dr. Zeller.
Darmstadt, 14. October. Seine Königliche Hoheit Großherzog empfingen heute u. A. den Rector Landesuniversität, Professor Dr. Sieb eck, den Director der Anatomie, Professor Dr. Bonnet von Gießen, den Grafl. Kammerrath Weber aus Laubach, den Prof. Dr. Weissen- tzach aus Friedberg, den Eisenbahnbaumeister Simon von Alsfeld, den Bürgermeister Meyer von Eckartsborn.
Dresden, 14. October. Ueber die gestern stattgehabten Wahlen zum sächsischen Landtage liegen bisher -folgende Ergebnisse vor: In Dresden-Neustadt em Social> Demokrat gewählt; Dresden-Altstadt: Stichwahl zwischen dem conservativen und socialdemokratischen Candidalen- in der Umgebung Dresdens siegten die Socialdemokraten. In Leiozia-Stadt wurde ein Nationalliberaler, in Chemmtz-^tadt ein Mitglied der Fortschrittspartei, in Chemnitz-Land ein Socialdemokrat, in Reichenbach ein Nationalliberaler, tn Glauchau ein Nationalliberaler, in Annaberg ein National-
Newyork, 14. October. Laut einer aus St. Johns (Neufoundland) hier eingelausenen telegraphischen Meldung scheiterte der heimkehrende Anchor-Dampfer „City of Rome" in der Nähe des Cap Saint-Hots. Weitere Details fehlen.
Newyork, 14. October. Dem „Herald" wird aus Montevideo unterm 13. October über die letzten Ruhestörungen in Uruguay gemeldet, daß die Aufständischen auf ein Bataillon Soldaten, welches bei dem Clubhause der Revolutionäre vorübermarschirte, schossen und drei Offiziere verwundeten. Die Soldaten erwiderten das Feuer, wobei 53 Aufständische getödtet und eine große Anzahl verwundet wurden. Die Aufständischen flüchteten aufs Land, wo sie Guerillabanden bilden. Die Polizei verfolgt dieselben. Die Anhänger der Regierung behaupten, daß die Priester die Schuld an der aufständischen Bewegung trügen und dafür verantwortlich zu machen sein.
Depeschen des „Bureau Herold".
Berlin, 14. October. Wie das „Tagebl." aus Hamburg meldet, wurde der Generalstabsoffizier, Major Clüver, im Bahnhof Wilhelmsburg vom Bahnzuge erfaßt, demselben der Arm abgerissen und der Kopf schwer verletzt. Der Zustand ist hoffnungslos.
Köln, 14. October. Ein Kopenhagener Telegramm der „Köln. Ztg." meldet, die russische Kaisersamilie werde am 29. October qbreisen, wahrscheinlich an Bord des „Polarstern" nach Libau. Sodann werde die Reise über Moskau nach der Krim unternommen, da die silberne Hochzeit tnw Livadia stattfindet. *■
Erfurt, 15. October. Der soc.ialistische Partei tag, zu welchem 250Delegirte erschienen sind, wurde gestern Abend 7 Uhr durch den Reichstagsabgeordneten Singer- Berlin eröffnet- die Mehrzahl der Fractionsmitglieder ist anwesend. Zu Vorsitzenden wurden gewählt die Herren Singer-Berlin und Kloß - Stuttgart. Singer mahnt zur Einigkeit und weist auf die Wahlerfolge bei den Landtagswahlen in Baden, Meiningen und Sachsen hin. Hierauf erfolgte die Berathung der Geschästsordnung, wobei sich zum ersten Male die Opposition regt. Auerbach beantragt die Einsetzung von Correserenten, wogegen sich Tacterow-Berlin und Bebel aussprechen. Dagegen garantirte Bebel Vollmar und der Opposition vollste Redefreiheit. Auerbach zieht seinen Antrag zurück.
Belfort, 14. October. Die militärischen Kreise beobachten aufmerksam die nahe Vollendung der Bahnlinie Altkirch— Faverois und die Verbindung derselben mit der strategischen Linie Ulm—Lörrach—St. Ludwig. Dieselbe ermögliche Deutschland die schnellste Concentration der südlichen Streitmächte.
Czernowitz, 15. October. Es wurde hier ein groß- artiger Getreide schmuggel entdeckt. Die Schmuggler umgingen die Zolllinie durch Zuflößen des Getreides auf dem- Sucgawafluffe. Der Mühlenbesitzer Meixner ist flüchtig- es wurden zwei Verhaftungen vorgenommen.
Petersburg, 15. October. Die Nothläge nimmt zu. Es ist eine Handelskrise zu befürchten, da die meisten großen Handelshäuser ihre Thätigkeit einstellen wollen.
Tiptou (Indiana), 14. October. In Folge einer Kesselexplosion aus Colemans Factorei wurden 50 Personen schwer verwundet.


