7. Heinrich Kratz, Kaufmann in Laubach. 8. Wilhelm Buff, Landwirth in Nieder-Wöllstadt. 9. Konrad Stein, Bäcker in Grünberg. 10. Balthasar Wagner IV., Kaufmann in Allen- dors a. d. Lda. 11. Dr. Ferdinand Kattenbusch, Professor in Gießen. 12. Louis Kaufmann, Fabrikant in Gießen. 13. Friedrich Baumann, Uhrmacher in Gießen. 14. Karl Appel, Landwirth in Stumpertenrod. 15. Johannes Schweitzer, Landwirth in Berstadt. 16. Friedrich Katz II., Müller in Nieder-Ohmen. 17. Engelbert Schneider, Beigeordneter in Herbstein. 18. Heinrich Feldmann, Bürgermeister in Lauter. 19. Konrad Schudt, Oeconom in Steinfurth. 20. Gustav Schmidt II., Landwirth in Gedern. 21. Wilhelm Balser VI., Zapswirth in Rödgen. 22. Heinrich Walz in Vilbel. 23. Adolf Busch, Fabrikant in Gießen. 24. Gustav Adolf Otto Heisermann, Rentner in Bad-Nauheim. 25. Theodor Geilsus, Holzhändler in Gießen. 26. Georg Konrad Kromm, Spinnereibesitzer in Schotten. 27. Karl Zöckler II., Landwirth in Köddingen. 28. August Pröscher, Schafhändler in Schotten. 29. Johann Heinrich Scharch, Landwirth in Windhausen. 30. Heinrich Ernst Eifer, Ackersmann in Ulfa.
— Sitzung der Stadtverordneten vom 3. September. Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herren Beigeordneten Keller und Langsdorff, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Dr. Gutfleisch, Habenicht, Homberger, Keller, Löber, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schiele, Schmall, Schopbach, Simon, Dr. Thaer und Wallenfels. Herr Oberbürgermeister Gnauth berichtet über verschiedene Eingänge. Nachdem beschlossen worden, die über die Einfriedigung von Bauplätzen bestehenden Vorschriften u. A. dahin abzuändern, daß statt 1 Meter 75 Ctm. langer Spalierlatten solche von 1 Meter 50 Ctm. statthaft sein sollen, hat Großh. Polizeiamt in einem Schreiben sein vorläufiges Einverständniß damit erklärt. — Eine Zuschrift des als Gymnasialdirector nach Mainz versetzten Directors der Realschule, Herrn Meirich, worin derselbe für die ihm während seiner Amtszeit aus dem Schooße der Stadtverord- neten-Versammlung bereitwilligst gewordene Unterstützung in seinen Bestrebungen zur gedeihlichen Entwicklung der Schule dankt und seinen Wünschen für das fernere Gedeihen der Schule und der Stadt Ausdruck gibt, soll aus Vorschlag des Herrn Oberbürgermeisters beantwortet werden. Herrn Weirich hat, wie der Herr Oberbürgermeister betonte, während der wenigen Jahre seines Wirkens die Schule wesentliche Aenderungen und Verbesserungen zu danken- die Art und Weise, in welcher Herr Weirich mit der Stadt über die in Betracht kommenden Fragen verhandelt, habe in hohem Grade zur Förderung der Schule beigetragen. — Nachdem über ein früheres Gesuch der Fleischer-Innung, die Stadt möge bei den maßgebenden Behörden dahin vorstellig werden, daß das Schlachthaus zu Gießen in die Reihe derjenigen Schlachthäuser ausgenommen werde, nach denen die Einfuhr österreichisch-ungarischen Schlachtviehes während der Dauer des Vieheinsuhrverbots gestattet worden, wiederholt verhandelt war, liegt die Genehmigung seit einiger Zeit vor. Die Metzger haben aber bisher keinen Gebrauch von der Erlaubniß zur Einfuhr ausländischen Viehes gemacht, angeblich weil die Offenbacher Viehgroßhandlung, welche die Lieferung österreichischen Schlachtviehes übernehmen wollte/ ihre Zusage zurückgezogen hatte. Den Grund zu diesem Zurücktreten glauben die Metzger u. A. in der im Großherzogthum Hessen gehandhabten Fleischbeschau zu finden. — Schließlich berichtet Herr Oberbürgermeister Gnauth noch über den Verlauf des Städtetages zu Frankfurt a. M. Derselbe habe seinen Zweck, die Fragen betr. die Versorgung der Städte mit electrischer Kraft für verschiedene Zwecke zu erörtern, in hohem Maße erreicht. Was die Beleuchtung mittelst electrischen Lichtes betreffe, so sei dieselbe für Städte in der Größe Gießens als zur Zeit noch nicht empsehlenswerth befunden worden, es sei dies nur der Fall in großen Städten, denen die Mittel zu Versuchen zur Verfügung ständen oder da, wo die Verhältnisse wegen der Kraftgewinnung besonders günstig lägen, vielleicht auch in Städten, in denen man entweder vor der Notwendigkeit' stehe, Gasbeleuchtung einzurichten oder kostspielige Erwerbung oder Umbauten bereits bestehender Gaswerke vorzunehmen. Was die Anlage electrischer Bahnen betreffe, so habe nach seiner Ueberzeugung die Stadt gut gethan, über die vor mehr als Jahresfrist erörterte Frage wegen Errichtung einer Pferdebahn nicht weiter zu verhandeln, denn die Pferdebahnen würden nach dem Stande der Electotechnik wohl bald den electrischen Betrieben weichen müssen.
Das Gesuch des Herrn H. Hettler um Ertheilung der Concession zum Wirthschaftsbetrieb wird hinsichtlich der Bedürfnißfrage bejaht. Gesuchsteller beabsichtigt, seine mit Ausschank von Wein, Bier und Liqueuren verbundene Conditorei in das Haus Südanlage 23 zu verlegen. — Zufolge erhobener Polizeianzeigen sind folgende E i n s r i e d i g u n g e n von Gärten unb Bauplätzen als den Bedingungen des Ortsbanstatuts nicht entsprechend bezeichnet worden: 1) diejenige an den Gärten des Chr. Spieß (Diezstraße), 2) desgleichen des Kohlenhändlers Unverzagt (Steinstraße), 3) desgleichen des Heinrich Gröninger (Steinstraße), 4) desgleichen des Locomotivführers Dotzenrod (Schillerstraße), 5) desgleichen des Hermann Katz (Schillerstraße), H) desgleichen des Karl Zwesch (Schillerstraße). Es wird aus Antrag der Baudeputation beschlossen, den unter 1 — 3 genannten Besitzern die Erneuerung bezw. Instandsetzung der vor ihren Grundstücken befindlichen Einfriedigungen anzusinnen, wogegen bezüglich der unter 3—6 bezeichneten Grundstücke beschlossen wird, sich mit deren Einfriedigungen vor der Hand noch zu begnügen. — Das Gesuch des Herrn L. Scharmann (Schloßgasse) um Erlaubniß zur Vornahme von Bauveränder- ringen wird beanstandet, weil die beabsichtigte Anbringung von Bogenfenstern nach § 25 des Ortsbaustatuts als miß- ständig zu bezeichnen sei. — Vor längerer Zeit war der hiesigen Leichenkasse-Gesellschaft von den Vereinen „Allgemeine Sterbekasse Gießen" und „Sanitätsverein" das Gesuch unterbreitet worden, die Sätze für Benutzung der Leichenwagen derart zu ermäßigen, daß für den Wagen 1. Klasse
anstatt 14 Mk. 10 Mk., für den Wagen 2. Klasse anstatt 9 Mk. 6 Mk. und für den Kinderleichenwagen anstatt 5 Mk. 4 Mk. zu entrichten sind. Die Leichenkaffe-Gesellschaft hatte eine Ermäßigung dieser Sätze abgelehnt, woraus sich die beiden genannten Vereine an den Stadtvorstand wendeten, mit dem Gesuche, die Stadt möge das Fahren der Leichenwagen selbst in die Hand nehmen. Nachdem der Vorstand der Leichenkasse-Gesellschaft dieser den Antrag unterbreitet, die Sätze für den Leichenwagen 1. Klasse von 14 auf 11 Mk., für denjenigen 2. Klasse von 9 auf 7 Mk. herabzusetzen, dieser Antrag aber in der Generalversammlung abgelehnt worden war, hatte die Stadtverordneten-Versammlung der Leichenkasse- Gesellschaft empfohlen, die vom Vorstande beantragten Sätze anzunehmen und zwar nicht nur für die Mitglieder der Sterbekasse und des Sanitätsoereins, sondern allgemein. Nach verschiedenen Anfragen und Verhandlungen hat nunmehr die Leichenkaffe-Gesellschaft sich bereit erklärt, den Satz von 9 Mk. für die 2. Klasse aus 6 Mk. zu ermäßigen, eine Ermäßigung der Sätze für den Wagen 1. Klasse und den Kinderleichenwagen aber abgelehnt. Der Gegenstand führte zu einer längeren Verhandlung in der Stadtverordnetensitzung, in welcher einestheils empfohlen wurde, der Leichenkaffe- Gesellschaft nochmals die früher empfohlenen Sätze (11 bezw.
7 Mk.) zur Annahme zu unterbreiten, andererseits aber vorgeschlagen wurde, der Frage wegen Uebernahme des Beerdigungswesens aus die Stadt näher zu treten. Von den letzterer Auffassung zustimmenden Herren Stadtverordneten erklärte sich die Mehrzahl für Einrichtung nur einer Wagenklasse, damit ein äußerer Unterschied bei Beerdigungen nicht mehr vorhanden sei. Es wird aus Antrag der Baudeputation beschlossen: sich mit Herabsetzung der Taxe 2. Klasse vorläufig befriedigt zu erklären, gleichzeitig aber den Bürgermeister zu ersuchen, wegen Uebernahme der Leichensahrten auf die Stadt demnächst Vorlage zu machen. (Schluß folgt.)
D. C. Der nächste Alte Herren Abend des Verbandes alter Burschenschafter für Gießen und Umgegend findet nicht nächsten Montag, den 5. September, sondern erst Montag den 14. September im Hotel Schütz dahier statt.
— Sedanseier. Als Ergänzung unserer gestrigen Notiz über die vom Kriegerverein Gießen veranstaltete Sedanseier wird uns mitgetheilt, daß nach der Feier aus dem Friedhöfe im Saale des Cafe Leib Banket, Concert und Tanz stattsanden. Während des Bankets hielt der Vorsitzende des Kriegervereins eine Ansprache, die mit einem begeisternd ausgenommenen dreimaligen Hurrah aus Seine Majestät unseren Kaiser und Seine Königliche Hoheit unseren Großherzog, endete. Von den Anwesenden wurde hierauf die Nationalhymne stehend gesungen. Musik, Vaterlandslieder und Tanz hielt die Kameraden bis gegen Morgen in fröhlichster Stimmung zusammen. Den Verein ehrten als Gäste: Herr Provinzial- Director Freiherr v. Gagern, der Herr Bezirks-Commandeur Oberstlieutenant Caspari, verschiedene Herren Stadtverordnete und andere Herren.
— Ein Diebesnest, in welchem sich allerhand Brauchbares aus der Bodenkammer eines Hauses in der Wetzsteinsgasse, als: Bettwerk, Kleider, Wäsche, Biergläser u. s. w. befand, wurde gestern von der Polizei ausgehoben. Das einer Familie angehörige Diebes- und Hehlerquartett (Mann, Frau, zwei ältere weibliche Verwandte) wurde verhaftet.
Schloß Romrod, 2. September. Gestern Abend 7x/2 Uhr trafen Se. Großherzogliche Hoheit Prinz Heinrich zu mehrtägigem Besuche hier ein. Zur Hoftafel waren General v. Bülow, Exz., mit vier Offizieren des Divisionsstabes, sowie Kreisrath v. Grolmann geladen. — Heute Vormittag 8 Uhr begaben sich Se. König!. Hoheit der Großherzog nebst hoher Familie und Gefolge nach dem Manöverterrain. Ihre Königl. Hoheit Prinzessin Christian, Ihre Großherzogl. Hoheit Prinzessin Alix und Damen fuhren im Wagen, während Se. Königl. Hoheit der Großherzog nebst den übrigen Herrschaften und Gefolge den Gefechtsübungen zu Pferde folgten, welche sich in der Gegend westlich von Angerod, nach Obergleen unfr Kirtorf hin, abspielen.
Schloß Romrod, 3. September. Se. Königl. Hoheit der Großherzog, begleitet von dem Generaladjutanten Generalmajor Wernher, dem Flügeladjutanten Hauptmann Freiherrn v. Röder und dem Generalstabsoffizier Major v. Groß gen. v. Schwarzhoff, fuhren heute früh 7 Uhr von Station Zell-Romrod mit Sonderzug der Oberhessischen Eisenbahn nach Fulda und von dort um 8 Uhr 35 Min. nach Hersfeld zur Inspizierung der dort übenden, von Generalmajor Rogge commandirten 41. Infanterie-Brigade (Infanterie-Regiment Nr. 87 und 88). Allerhöchstdieselben werden nach der Uebung mittelst Sonderzug wieder hierher zurückkehren. — Die 25. Division, welche heute in hiesiger Gegend geübt, wird heute Abend zwischen hier und Alsfeld biwakieren und voraussichtlich morgen gegen einen markirten Feind manövriren.
-r. Alsfeld, 3. September. Unsere Stadt ist seit Montag in ein Kriegslager verwandelt. Leider sind heute bei der furchtbaren Hitze unter den manövrirenden Truppen zahlreiche Fälle von Hitzschlag vorgekommen. Nach glaubwürdigen Mi tt h e i l u n g e n soll es heute 9 Todte und 150 Kranke gegeben haben. Heute Abend steigen ringsum Gewitter auf und ist deshalb eine gründliche Abkühlung zu erwarten.
-e- Büdingen, 1. September. Gestern verunglückte in einer Lehmgrube beim „Hammer" der in der Wollspinnerei des Herrn Fabrikanten Schäfer beschäftigt gewesene Arbeiter Schäfer aus Rinderbügen. Derselbe wollte für seinen Dienstherrn einen Wagen voll Lehm graben, gerieth dabei an eine gefährliche Stelle und wurde von einem losgelösten schweren Stück Erde derart getroffen, daß der Tod alsbald eintrat. Der Verunglückte hinterläßt eine Wittwe mit sechs Kindern.
/\ Mainz, 2. September. Ein Theil des Personals der hiesigen Dampfstraßenbahn hat wegen Lohndifserenzen den Dienst verlassen. Trotz 15stündiger Arbeitszeit sollen
sich die Leute einschließlich der Kilometergelder nur auf 2.70 Mk. pro Tag stellen. Für das ausgetretene Maschinenpersonal war alsbald wieder Ersatz vorhanden, so daß inr Betrieb keine Störung eintrat.
vermachtes.
* Frankfurt a. M., 31. August. Kommenden Sonntags den 6. September, findet wieder in den Stunden von Morgens 8 Uhr bis Nachmittags 4 Uhr eine Ermäßigung des Eintrittspreises auf zwanzig Pfennig statt. Morgens von 11 bis 1 Uhr ist Frühconcert, Nachmittags von 4 bis lO1^ Uhr großes Militär-Doppelconcert.
* Marburg, 29. August. 'Von den Arbeiten zu den großartigen Empfangsfeierlichketen Sr. Majestät des Kaisers in Cassel ist auch ein Theil aus unsere Stadt entfallen, indem hiesige Gärtner zusammen 6000 Meter Guir- landen zu liefern haben.
tt Warburg, 2. September. Bei dem Brigade-Manöver^, welches gegenwärtig hier an der hessisch-waldeckischen Grenze stattfindet, hat sich gestern ein sehr beklagenswerrher Unglücks fall zugetragen. Nach Beendigung der militärischen Uebungen hatte der commandirende General des XI. Armeecorps v. Grolman eben die Herren Offiziere zur „Kritik" blasen lassen und waren Die Offiziere versammelt, als ein scheu gewordenes Handpferd ausschlug und den Adjutanten der 43. Infanterie-Brigade, Herrn Hauptmann Bloch von Blottnitz so wuchtig ans Schienbein tras, daß ihm der linke Unterschenkel zerschmettert wurde. Blutüberströmt wurde der Hauptmann vom Platze getragen und nach dem Garnisonlazareth in Kassel überführt.
* Ziegenhain, 31. August. Gestern Nachmittag nmrbr der Taglöhner Dunkel aus Großropperhausen, als er mit seinem 10jährigen Sohne auf dem Verkoppelungswege von Siebertshausen nach Lenderscheid ging, von Wespen überfallen und an Hals und Angesicht so gestochen, daß nach wenigen Mmuten der Tod eintrat. Kurz zuvor hatte eine Knabenschaar aus Lanershausen das Wespennest entdeckt und — wie dies ja so häufig geschieht — die Thiere durch allerhand Unfug, Werfen mit Steinen und dergleichen, gereizt. Es mag dieser Unglückssall darum zur Warnung und Vorsicht dienen.
* Münchsmünster, 30. August. Am Donnerstag fuhr eine Anzahl Landleute auf einem Leiterwagen zum Mähen,> auf dem sie auch ihre Sensen untergebracht hatten. Als sie unterwegs durch einen Wald kamen, beugte sich einer der Insassen des Magens nach rückwärts, um den hereinhängenden Zweigen auszuweichen. Hierbei schnitt ihm eine hinter ihm befindliche Sense den Hals gänzlich durch. Der schwer Verletzte verschied alsbald.
* Aus Schlesien, 30. August. Die vierunddreißigtägigen Schießübungen der 5. und 6. Feldartillerie-Brigade auf dem Schießplätze bei Lamsdorf haben nach einer Berechnung oberschlesischer Blätter einen Verbrauch von rund 40 800 Granaten und Shrapnells beansprucht, zu denen 244 800 Kg. Eisen, Blei und Messing und 24480 Kg. Pulver erforderlich waren. Durchschnittlich -kostete jeder Schuß 20 Mk., so daß für 816000 Mk. Munition verschossen ist.
* Eine der wichtigsten Fragen der Gegenwart ist jedenfalls die der Volksernährung. Bei den enorm gestiegenen Brod- und Kartoffelpreifen, die vorderhand noch gar keine Aussicht auf einen erheblichen Umschwung erscheinen lassen, wird gewiß in den weitesten Kreisen erörtert, in welcher. Weise billiger Ersatz zu schaffen ist. Das andauernde Regenwetter, welches in ganz Deutschland in diesem Jahre vorherrschend war, hat naturgemäß nicht allein die Quantität, sondern auch die Qualität dcr Hauptfruchtgattungen wesentlich herabgemindert und dadurch sind Preise geschaffen, die man früher nicht kannte. Viele Familien werden daher mit Bangen und Sorgen an die Zukunft denken, da die Erstehung der nothwendigsten Lebensmitel kaum noch in der gewohnten Weise möglich sein wird. Es liegt nahe, daß unter diesen Umständen von den täglichen Gewohnheiten abgewichen und nach solchen Nahrungsmitteln Umschau gehalten werden muß,, welche uns genügenden Ersatz bieten können, zumal eine große Verschiebung in den Preisverhältnissen der verschiedenen Brod- arten und Mehle stattgefunden hat. Das ordinärste Roggen- brodmehl ist theurer als die feinsten edelsten Mahlproductc aus Weizen, wie Griese, Kaisermehl 2c. Während früher diese Producte als Luxusnahrungsmittel angesehen roirrben^ kann heute nicht genug daraus hingewiesen werden, daß gerade für die weniger bemittelte Volksklasse diese Producte ein billigeres und besseres Nahrungsmittel sind, als die groben Roggenbrodmehle. Das edelste Product der Weizenmüllerei ist der aus kleberhaltigen orientalischem Weizen hergestellte Hartgries. Seines hohen Nährwerthes und vorzüglichen Wohlgeschmacks halber ist derselbe als bester Ersatz für Kartoffeln und Brod auf das Wärmste zu empfehlen. Zu haben ist Hartgries, wie aus heutiger Annonce ersichtlich ist, in allen besseren Colonialwaarenhandlungen.
* Ein Streit um des Kaisers Bart, der schließltch in grobe Thätlichkeiten ausartete, war am Sonnabend Abend in einem Pferdebahnwagen zu Berlin entbrannt. Unter den Passagieren bildeten, wie überall am Sonnabend, die große Parade und der Vollbart des Kaisers (Kaiser Wilhelm hat sich während seiner Nordlandsreise einen Backenbart wachsen lassen) das Thema der Unterhaltung. Ein Fabrikant aus der Ritterstraße, der den Monarchen bei dessen Rückkehr vom Paradefelde aus größtmöglicher Nähe gesehen hatte, erzählte von dem stattlichen Vollbart, welcher das Antlitz des Monarchen umrahme. Ein anderer Passagier, der den Kaiser ebenfalls gesehen, meinte indeß, es sei noch gar kein Vollbart, es wären vielmehr erst Bartstoppeln. Der Fabrikant wies dies mit Entrüstung zurück, das bekannte eine Wort gab das bekannte andere, und mit einem Male knallte es, der Fabrikant hatte dem Bartzweifler „Eine runtergehauen". Der Geohrseigte führte nun mit seinem schweren Schirmgriff mehrere Schläge nach dem Haupt des lockerhändigen Gegners^


