Ausgabe 
5.4.1891 Zweites Blatt
 
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durch einen Notar festgesetzt, zu de« man sich alsbald begeben hatte, und zwar lautete der Vertrag dahin, daß dasSterbe­geld" 5000 Mark betragen sollte, 14 Tage nach erfolgtem Ableben zahlbar. Beiderseits wurde der Betrag deponirt. Der Jüngere der Beiden ist nun dieser Tage gestorben und der andere hat thatsächlich die 5000 Mark erhalten.

ft Raffel, 4. April. Ueber den Besuch des Kaisers in unserer Stadt verlautet jetzt, daß Se. Maj. nach Besichtigung der beiden bayrischen Armeecorps, also Mitte August, hier aus Wilhelmshbhe eintreffen und drei bis vier Tage im Riesen­schlosse residiren wird. Daß ein glänzender Empfang bevor­steht und mehrere größere Festlichkeiten stattfinden, bedarf keiner näheren Ausführung. Das Kaisermanöver des XL Armeecorps, welches eines des stärksten des deutschen Heeres ist, denn es zählt drei Infanterie-Divisionen, sechs Cavallerie-, drei Artillerie-Regimenter rc., soll in unmittel­barer Nähe der Kasseler Gegend stattfinden, wie dasKass. Tagebl." hört, sogar bei dem Dorfe Niederzwehren, also dicht vor den Thoren der Stadt Kassel.

* Der Eigenthumsübergaug der Nordseeb'äder auf Sylt aus die Gememde Westerland, welcher am Donnerstag vor Ostern von der Gemeindeversammlung vorbehaltlich höherer Genehmigung beschlossen worden ist, wird in Bezug auf die Leitung und Handhabung der Badeangelegenheiten, namentlich für die bevorstehende Kurzeit, keinerlei Umgestaltungen mit sich bringen, da die Direction unverändert in Händen des bisherigen Eigenthümers und Directors Dr. Pollacsek ver­bleibt. Die Uebernahme der Verwaltung seitens der Commune wird frühestens am Schluffe des Jahres erfolgen.

Frankfurt a. M., 3. April. FürstGeorg zuSolms- Braunfels f. Verwichene Nacht verstarb dahier in seiner Fellnerstraße belegenen Wohnung im Alter von 54 Jahren der regierende Fürst zu Solms-Braunsels. Der Verstorbene wurde am 18. März 1836 zu Wien als Sohn des Prinzen Wilhelm und dessen Gemahlin Prinzessin Marie geb. Gräfin Kinsky geboren. Der Heimgegangene trat in Hannoversche Dienste. Er war als tüchtiger Reiterosfizier bekannt und diente zuletzt im Jahre 1866 als Rittmeister im Regiment der Gardes du Corps. Fürst Georg lebte nach dem Tode seines Onkels, des Königs von Hannover, mehrere Jahre im Auslande und widmete sich Kunststudien. Als im Jahre 1880 sein älterer Bruder Fürst Ernst starb, trat er dessen Erbe an und verwerthete nun in hervorragendster Weise seine Kunst­kenntnisse. Das 946 zuerst genannte Stammschloß seiner Familie, im herrlichen Lahnthal gelegen, ließ er in alter Herrlichkeit wieder erstehen und füllte es aus's reichste mit Kunstschätzen aller Art. Der Stammsitz des Hauses Solms zählt zu den schönsten Schlössern Deutschlands. Am 5. August 1878 vermählte sich Fürst Georg mit der italienischen Prin­zessin Emmanuela di Tricese-Moliterno, aus welcher Ehe zwei Töchter und ein Sohn entsprossen. Seit vorigem Jahre war der Fürst kränklich. An seinem Sarge trauern außer seiner Wittwe und seinen Kindern, seine hochbetagte Mutter und seine Geschwister. Der Verstorbene war als ein Mann von großem Gerechtigkeitssinn, freundlichem Wesen, hoher geistiger Begabung und als allzeit hülfsbereiter Menschenfreund in den weitesten Kreisen verehrt. Sein Andenken wird stets in Ehren bleiben.

* Berlin, 1. April. Eine tragikomische Scene spielte sich jüngst im Amtsgerichtsgebäude eines Berliner Vorortes ab. Der Kammergerichtspräsident erschien, um eine Revision des Gerichts vorzuneymen. Noch in seinen Reise­pelz gehüllt, betrat er das erste beste Canzleizimmer, in welchem sich ein Secretär mit mehreren Canzlisten befand, und richtete an ersteren die Frage:Können Sie mir wohl sagen, wo der erste Gerichtsschreiber G. ist?" Der Sec­retär antwortete:G. ist nicht hier." Präsident:Ich frage, wo G. ist?"G. ist nicht hier?" schrie jetzt der Secretär. Präsident:Aber können Sie denn nicht rich­tig antworten? Ich frage nicht, ob G. hier ist, sondern wo er ijt!"Na, Sie oller Pfeisenkopf!" donnerte jetzt der Secretär los,ich habe Jbnen doch gesagt, daß G. nicht hier ist!" Als ihm nun aber die Worte ins Ohr klangen: Also so wird das Publikum hier behandelt? Ich bin der Kammergerichtspräsident und werde Abhilfe schaffen?" da wurde der Herr Secretär erst starr wie eine Bildsäule, um alsdann nach schnell wieder erlangter Fassung sich in de­votester Weise zu erbieten, den ersten Gerichtsschreiber zu suchen.Lassen Sie nur," wehrte der Präsident ab,ich werde mir jetzt den Herrn allein suchen, ich bedarf Ihrer Hilfe nicht!" Am nächsten Morgen erhielt der Herr Secretär bereits seine Versetzungs-Ordre zugestellt.

* Einem alten Privileg gemäß schenken die preußischen Könige dem Maurergewerke in Halle nach ihrem Regierungs­antritt eine Fahne. Auch anläßlich des Regierungsantritts Königs Wilhelm II. ist dem Gewerke eine solche Auszeichnung zu Theil geworden. Die Fahne ist jetzt fertiggestellt und hat eine so kunstvolle Ausstattung erfahren, daß es gerecht­fertigt erschien, dieselbe kunstgewerblichen Kreisen rc. aus einige Tage zur Ansicht darzubieten. Die Fahne ist auf kurze Zeit im städtischen Museum zu Halle ausgestellt. Die eine Seite der Fahne trägt die Widmungsschrist:Ver­liehen von Seiner Majestät dem König 1889" und den heraldischen Adler nach dem Entwürfe von Doepler junior. Die andere Seite zeigt, ebenfalls in feinster Stickerei, einen reich ausgeführten Schild mit den Gewerksemblemen und um denselben die Worte:Maurergewerk Halle, gegr. 1753" und ornamentale Ecken in Seidenplattstich.

* Ueber den genialen Streich eines electrotechnisch an­gehauchten französischen Tischlers berichtet dieElectricitäts- Zeitung". Derselbe hatte den Auftrag bekommen, den schad­haften Beichtstuhl in der Kirche auszubessern und benutzte die Gelegenheit, unbemerkt in das Holzwerk ein Mikrophon ein­zuschalten, welches er durch zwei Drähte mit einem Fern­sprecher verband. Dieser stand in einem verborgenen Winkel der Kirche, wo der Tischler sich versteckte, wenn er sah, daß Beichtkinder den Beichtstuhl aufsuchten. So erspähte er allerlei tiefe Geheimnisse. Statt dieselben aber für sich zu behalten, benutzte er sie zu Erpressungen, wodurch der Pfarrer in den Verdacht der Verletzung des Beichtgeheimnisses geriert). Schließlich kam aber die Sache an den Tag und es wanderte der sinnreiche Tischler ins Gefängniß.

Literatur und Aunft.

Von den in A. Hartlebens Verlag in Wien jetzt er­schienenen zwei naturwissenschaftlichen Werken, welche ein allgemeines und beinahe außergewöhnliches Interesse finden, ist das eine bereits abgeschlossen. Es liegen nämlich nunmehr 15 Lieferungen (Schluß)

vor von: »D«- Lnftrneer". Die Grundzüge der Meteorologie und Klimatologie nach den neuesten Forschungen gemeinfaßltch dargesteüt von Prof. Dr. Frtedr. Umlauft. Mit 117 Text-Abbildungen, 18 Karten im Texte und 15 Separatkarten. (In 15 Lieferungen ä 50 Pfg.; complet in Prachtband 10.80 Mk.)

Es war gewiß eine dankenswerthe Aufgabe, die Lehren der wissenschaftlichen Meteorologie in gemetnfaßlicher Darstellung für alle Gebildeten vorzutragen, damit diese nicht blos Wesen, Ziel und Er­rungenschaften der neuen Wttterungskunde kennen lernen, sondern auch für dieselbe gewonnen werden. Dieser Aufgabe wird das vor­liegende Buch im vollsten Maße gerecht. Nachdem uns daffelbe in der Einleitung mit der Bedeutung der Atmosphäre und mit dem Entwicklungsgänge der Meteorologie bekannt gemacht, bespricht es der Reihe nach die sämmtltchen meteorologischen Elemente in eingehender und erschöpfender Weise. Voran gehen die Zusammensetzung der Atmosphäre und die in derselben vorkommenden Fremdkörper. Hierauf bildet die Wärme der Luft, des Meeres und der Erde den Gegenstand der Besprechung: die folgenden Eapitel befassen sich mit den Wasserdämpfen in der Luft, mit dem Luftdruck, mit den Winden und Wärmen, der Wellenbewegung des Wassers und den Meeres­strömungen. Den Einfluß der Luftfeuchtigkeit, des Luftdruckes und der Winde auf den Menschen finden wir nicht minder eingehend erörtert als die geologische Bedeutung der Winde. Fast spannend könnte man das Eapitel über die Stürme bezeichnen, welches diese in ihrer höchsten Steigerung so furchtbaren Erscheinungen ungemein lebendig schildert. Das rnhaltr eiche Eapitel über die Niederschläge handelt nicht blos von Thau und Reck, Nebel und Wolken, Regen und Schnee, sondern auch vom Eii fluß der Gebirge und Wälder auf die Niederschläge, von der Schneeregion, den Lawinen, Gletschern und Eisbergen und berührt auch die Fragen der Eiszeit und der Sündfluth. Hierauf folgt die ausübende Wttterungskunde rc. Ein zweiter Hauptabschnitt handelt von der Klimalehre im Allgemeinen und schildert hierauf die klimatischen Verhältnisse der einzelnen Zonen und Länder usw. usw. Rühmend muß hervorgehoben werden, daß der Verfasser in jeder Hinsicht den neuesten Stand der Wissenschaft vorgesührt hat; stets werden nicht die meteorologischen Erscheinungen und ihre Gesetze allein, sondern auch die Instrumente zur Beobachtung besprochen. Historische Angaben begleiten den ganzen Text des Buches, dem die wohlgetroffenen Bildnisse sämmtlicher neuerer und neuester Forscher auf dem Gebiete der Witterungskunde eingefügt sind. Die Schreibweise des Verfassers ist ungemein klar, dabei an­ziehend und vornehm. Schließlich sei noch bemerkt, daß alles Jllustrir- dare durch gute Abbildungen und schön ausgeführte Karten erläutert wird.

Von dem zweiten populär-wissenschaftlichen Werke: »Physik «Nb Chemie". Eine gemeinverständliche Darstellung der physika­lischen und chemischen Erscheinungen in ihren Beziehungen zum vractischen Leben. Von Dr. A. Ritter v. Urbanitzky und Dr. S. Zeisel. Mit zahlreichen Illustrationen. In ca. 35 Liefe­rungen L50 Pfg. liegen bisher 20 Lieferungen vor. Mit den neuesten Heften (15 bis 20) kommt im physikalischen Theile der Schall zum Abschlüsse, indem am Ende dieses Abschnittes der Phonograph, das Graphophon und das Gramophon eingehende Würdigung finden. Auch wäre hier noch der Abschnitt Gehör und Stimme zu erwähnen, in welchem sowohl die diesbezüglichen Organe des Menschen be­schrieben, als auch mit denselben Organen bet Thieren verglichen sind. Die folgenden Eapitel sind der Optik gewidmet und zwar enthält das erste zum größten Theile theoretische Erläuterungen, welche sich auf die Entstehung und Ausbreitung des Lichtes beziehen, während im zweiten und dritten Eapitel, welche die Reflexion, Brechung und Farbenzerstreuung behandeln, wieder practische An­wendungen vielfach Berücksichtigung gefunden haben. Von bieten seien beispielsweise erwähnt die Photometer, die verschiedenen Spiegel­instrumente, die Spectralapparate usw. Alles ist reich illuftrirt.

Im chemischen Theile findet die anorganische Ebemie mit der Behandlung der für das practische Leben so wichtigen Metalle Eisen, Kupfer, Quecksilber, Silber seinen Abschluß. Auch hieran reiht sich zunächst eine theoretische Auseinandersetzung, nämlich die Besprechung des natürlichen Systems der Elemente. Diesen folgt zunächst eine allgemeine Einleitung und hierauf wird mit der organischen Chemie selbst begonnen. Auch hier ergaben sich vielfache Anknüpfungspunkte für Einbeziehung practischer Verwerthungen, wie z. B. die Erzeugung des Leuchtgases, feine Anwendung mit Hilfe verschiedener Brenner die Verarbeitung der Theerproducte, die Destillation des Holzes usw.

Holzversteigerung.

Montag, den «.April 1891, Vormittags 9 Uhr ansangend, kommen in den Waldungen der Gemeinde Bers- rod, Districten Mittelschlag, Berg und Rosenberg nachverzeichnete Holzforti- mente zur Versteigerung:

A. Werk, und Nutzholz:

1 Eichen-Stamm mit 0,19 fm, 4 -Derbstangen 0,15

10 Buchen- 0,26

B. Brennholz und Eichen-Nutzscheit.

Scheith. Knüppelh. Stockh. Reish.

R.mtr. Rmtr. Rmtr. Wellen Buchen- 99 213 88 1800

Eichen- 28 19 26 725

Radel- 6 24 2 1025.

Die Zusammenkunft ist im Ort.

Bersrod, am 3. April 1891.

Großh. Bürgermeisterei Bersrod.

___________Bücher. 3115

Holz-Versteigerung.

Dieu-tag, den 7. d. MtS. wird in hiesigem Gemeindewald folgendes Holz versteigert:

56 Eichen-Stämme von 13 bis 30 cm Durchm. und 4 bis 7 rn Länge

95 Eichen-Derbstangen von 10 bis 12 cm Durchm. und 4 bis 6 m Länge (Wagnerholz)

6 FichteN'Derb- u. 45 Reisstangen, 122 Rmtr. Eichen-Knüppel (hierunter

44 Rmtr. von 2, 2V2 und 3 m Länge)

9 Rmtr. Eichen-Scheiter

122 Rmtr. Eichen-Stöcke 2500 Wellen Eichen-Reisig

6 Rmtr. Birken-Knüppel (3 m lang)

4 Rmtr. Nadel-Knüppel 6300 Nadel-Wellen.

Die Zusammenkunft ist Vormittags 9 Uhr auf der Jägerschneise.

Großen-Linden, am 1. April 1891. Gr. Bürgermeisterei Großen-Linden.

Leun. [3046

Bekanntmachung.

Es wird hierdurch zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß mit dem am 8. Aprll d. I. dahier stattfindenden Markte (s. g. zweiter Ostermarkt) wieder

Rindvieh- und Schweinemarkt verbunden ist.

Homberg, am 28. März 1891.

Großherzogliche Bürgermeisterei Homberg.

2936 Repp.

Holzversteigerungen

in den

Waldungen der Gemeinde Wieseck.

Freitag, den 1 V.Aprill891, von Vormittags 9 Uhr an, soll in dem Wiesecker Gemeindewald District Heeg­wald und Kornberg das nachverzeich­nete Holz versteigert werden:

A. Bau, Werk- und Nutzholz: 272 Eichenstämme mit 52,10 fm,

26 Nadelstämme 9,31

3 Eichenstangen 0,16

154 Nadelstangen 6,55

B. Brennholz:

Scheith. Knüppelh. Stockh. Reish.

Rmtr. Rmtr. Rmtr. Wellen

Buchen- 100 28 8,6 920

Eichen- 12 83 22 1300

Nadel- 410.

Die Zusammenkunft ist zur ange­gebenen Stunde oberhalb der Sand­grube im Heegwald.

Wieseck, am 3. April 1891.

Großh. Bürgermeisterei Wieseck.

Sommerlad. 3129

Beeren - Weine

Aufforderung.

Der unbekannt wo abwesende In­haber der in unserem Firmenregister eingetragenen Firma Mose- Stein zu Heuchelheim und bezw. dessen Rechts­nachfolger werden ausgesordert, binnen 3 Monaten einen etwaigen Widerspruch gegen Löschung der genannten Firma schriftlich oder zu Protokoll des Gerichts­schreibers geltend zu machen, widrigen­falls die Löschung von Amtswegen voll­zogen wird.

Gießen, den 2. Aprll 1891.

Großherzogliches Amtsgericht.

Landmann. 3105

Dienstag den 7. April,

Nachmittag- 2 Uhr, wird in dem Rühl'schen Saal, Wolf- stratze 21, aus dem Nachlaß des Fried- Hofsaufsehers Jacob Noll einiges Mo­biliar versteigert; besonders ist dabei:

1 zweithüriger guter Kleiderschrank, 2 Oefen, 1 Revolver, 1 Schnitzelbank, 1 Käfig mit Vogel, Werkzeug, Garten- aeräthe, Blumentöpfe, gute Herren­kleider, Hemden, Stiefel, 9 silberne Kaffeelöffel u. s. w. 3075

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Louis Rothenberger, Gerichtstaxator.

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