fieller in seinem Schlußwort der Hoffnung Ausdruck gegeben hatte, daß eine gesetzliche Arbeiter-Organisation das beste Mittel sein werde, um die Socialdemokraten zu bekämpfen, wurde der Antrag an eine Vierzehner-Commtsston verwiesen.
Vorher rief der Präsident den Abg. Heine (Soc.) zur Ordnung, weil derselbe gesagt hatte: „Wir wollen Ihre schwarz-wetß-rothe Fahne gar nicht, wir marschiren unter der rothen!" Es liege hierin eine Ehrverletzung des Reichstages, besten Aufgabe es sei, die schwarz- weiß-rothe Fahne hochzuhalten.
Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr. Krankenkassen-Novelle.
Schluß 5 Uhr. _________________
Neueste Nachrichten.
WolffS telegraphisches Correspondenz-Vurean
Berlin, 2. December. Der Reichskanzler richtete an sämmtliche Mitglieder des Reichstags, die ihre Karten bei ihm abgegeben haben, Einladungen zu einem parlamentarischen Diner. Des beschränkten Raumes wegen empfängt der Reichskanzler die Gäste nacheinander am 3., 6. und 8. December.
Berlin, 2. December. Den „Politischen Nachrichten" zufolge treten demnächst die Commissare der Reichsämter für Inneres, Justiz und Schatzamt, sowie die preußischen Ministerien für Handel, Finanzen, Landwirthschaft und Inneres zusammen, um darüber zu berathen, ob und welche Maßnahmen zur Beseitigung der Mißstände an der Producten- bärse zu ergreifen sind.
Depeschen des „Bureau Herold".
Berlin, 2. December. Laut Status betragen die Activa der Firma Hirsch feld u. Wolfs 23/4 Millionen, die Passiva 8 Millionen, die Summe der fehlenden Depots beträgt 6^/2 Millionen.
Berlin, 3. December. Wegen Beleidigung des deutschen Kronprinzen wurde der Maler Heiligendamm zu einer achtmonatlichen Gefängnißstrafe verurtheilt.
Wien, 3. December. Der Arzt des verstorbenen Ehepaares Erzherzog Heinrich, Professor Os er, ist an der Lungenentzündung schwer erkrankt, desgleichen der Adjutant des Erzherzogs, Oberst Ko pal. Der Kammerdiener des Erzherzogs ist gestern an der Lungenentzündung gestorben.
Wien, 3. December. In der österreichischen Delegation erklärte der Kriegsminister, daß er sich noch nicht über die zweijährige Dienstzeit anssprechen könne. Das Muster Deutschlands nachzuahmen, sei unmöglich, weil Oester- reich hierzu eines erhöhten Friedensstandes der Armee, mehr Unteroffizierschüler und mehr Unteroffiziere benöthige.
Warschau, 3. December. Die Aushebung des Ausfuhrverbots für Oelkuchen ist heute in Kraft getreten. Ganz bedeutende Posten werden aus Polen nach Preußen verkauft.
Petersburg, 2. December. Die Regierung läßt nunmehr die deutschen Namen von baltischen Orten in russische umändern.
Konstantinopel, 2. December. Eine Feuersbrunst zerstörte in der vorigen Nacht das Judenviertel in Aidin (Kleinasien). 200 Häuser und zwei Synagogen sind verbrannt, acht Personen sanden den Tod, mehrere sind schwer verwundet.
Melbourne, 2. December. Die Melbourner Länder- Creditbank hat infolge Ansturmes der Deponenten ihre Zahlungen eingestellt.
Locales rrnd Krovinzielles,
Gießen, 3. December 1891.
— Neues Theater. „Die relegirten Studenten", Lustspiel von Roderich Benedix, gelangte am Dienstag mit veränderter Besetzung hier zum ersten Male zur Ausführung. Alle Lustspiele obigen Autors sind frei von jeder Affect- hascherei und haben etwas Vornehmes, man könnte sagen, Apartes an sich. Es liegt Handlung in ihnen, welche, unterbrochen von Carricaturen, welche denselben den Anstrich der Lustigkeit geben, regelrecht dunl geführt ist. Eins der besten Lustspiele des Autors ist das obige, er hätte demselben gar nicht den Reclametitel geben brauchen, aber auch er meinte wohl „Klappern gehört zum Handwerk." — Der eigentliche Held des Stückes ist Reinhold, der Neffe des Stadtraths Kronau, welcher mit zwei seiner Studiengenossen, dem jetzigen Musiklehrer Wolfram Lindeneck und Schlosser Wieprecht Born, s. Z. von der Universität relegirt wurde, sich in aller Herren Länder herumtrieb — wobei er in der Schweiz die Herrin von Hartenberg mit eigener Lebensgefahr vor einem Absturz rettet — und schließlich „als verlorener Sohn" in die Heimat zurückkehrt. Schluß — „und sie kriegen sich" d. h. Reinhold die reiche Hartenberg, die beiden Büschen, ihre lange vergebens gewünschten Schätze, nämlich seine beiden Universitäts- und Schicksalsgenossen. — Herr Paul Ernst spielte den steifnackigen Biedermann „von alter Treue und Redlichkeit", der aber wie alle moderne Biedermänner auch dem Grundsatz „Eine Hand wäscht die andere" huldigte, nämlich den Kornhändler und Sradtrath Kronau mit richtigem Verständniß und Würde. Die Eifersuchtsscene seiner Frau Gemahlin (Frau Lindemann) und der des Viehhändlers und Oeconomieraths Hirschbach (Frl. Hüner) wurde von den beiden Damen möglichst ’ naturgetreu wiedergegeben, beide ernteten reichen Beifall. Auch der Herr Oeconomierath (Herr Rosenow), dem man an seinem „geschmackvoll" gewählten Anzuge den früheren Viehtreiber anmerken konnte, brachte diese Carrckatur sehr drastisch zur Darstellung, nicht minder Herr Reiners den gefallsüchtigen und verliebten alten Narren, den Stadtbaumeister Tannenheim. Die beiden Hauptrollen Reinhold (Herr Stegemann), Konradine von Hartenberg (Frl. Bischoff) wurden, da sie in bewährten Händen lagen, unter amrkennenswerther Berücksichtigung auch der kleinsten Nüancen im Geberdenspiele entsprechend durch- gesührt. — Wie bereits angekündigt, gelangt morgen Freitag der „Raub der Sabincrinnen" zur Aufführung. Abgesehen davon, daß dieses Lustspiel wohl eins der eigenartigsten und schönsten ist — in Berlin über 200 Mal, bei
den ersten 50 Mal bei ausverkauftem Hause zur Darstellung gebracht — so wollen wir noch daraus Hinweisen, daß eines der befähigsten und beliebtesten Mitglieder der hiesigen Bühne, Herr Paul Ernst, an diesem Tage Benefiz hat. Da der „Raub der Sahinerinnen" zum ersten und wohl zum letzten Male hier zur Aufführung kommt, so ist wohl mit Bestimmtheit anzunehmen, daß das, was in Berlin über 50 Mal hintereinander, hier in Gießen wohl einmal möglich ist, nämlich daß das Haus ausverkaust wird, was wohl dem Benefizianten zu wünschen ist.
— Ernennungen. Ernannt wurden: am 20. November l.J. die Hilsswärter bei den Oberhessischen Eisenbahnen Johannes Friedel aus Landenhausen und Clemens Quell aus Oberbirnbach zu Bahnwärtern bei diesen Bahnen.
— Verschiedene Auffassung. Der Firma Hornlehnert und Schreyer zu Mainz wurde die Niederlegung der Holzhoskaserne übertragen. Danach hatte die Firma Hornlehnert und Schreyer sich erboten, 500 Mk. zu bezahlen, wenn ihr das Recht der Niederlegung übertragen würde, die Firma Jacobi aber verlangte 5000 Mk. und die Firma Strebel sogar 5500 Mk.
— Für Reifende der vierten Wagenklaffe. Da von den Reisenden der vierten Wagenklaffe von der Befugniß, Traglasten und dergl. mit in den Wagen nehmen zu dürfen, oft in bestimmungswidriger Weise Gebrauch gemacht wird, ist jetzt das Zugpersonal streng angewiesen worden, daraus zu achten, daß die Mitführung von derartigen Gegenständen in Wagen vierter Klaffe auf den bestimmungsgemäßen Umfang beschränkt bleibt. Namentlich sind hiernach alle diejenigen Gegenstände in der vierten Wagenklasse ausgeschlossen, welche nicht von einer Person allein getragen und in den Wagen gesetzt werden können.
0 Grünberg, 1. December. Als in voriger Woche Drescher bei einem hiesigen Bürger Garben von dem Gerüste der Scheune werfen wollten, kam ihnen ein penetranter Leichengeruch entgegen. Bald entdeckten sie den beretis in Verwesung übergegangenen Leichnam eines Mannes. Von Ratten und Eulen waren ihm die Augen ausgebohrt und auch sonst Theile des Körpers angesressen worden. Die Leiche wurde als diejenige eines schon seit einigen Wochen vermißten, vagirenden Mannes von dem benachbarten Lehnheim agnoscirt. Spuren von einem Selbstmord sind nicht bemerkt worden.
cco Ober-Ohmen, 1. December. Wegen Auftreten der Diphtheritis in der Familie des hiesigen Lehrers mußte die Schule wiederholt geschlossen werden. In dem benachbarten Unter-Seibertenrod ist gleichfalls die Schule wegen der dort stark grassirenden Seuche geschloffen worden.
Bad-Rauheim, 1. December. Dem Geh. Medicinalrath Dr. Friedrich Bode I. dahier wurden gestern zur Feier seines 80. Geburtstages von allen Seiten besondere Aufmerksamkeiten zu Theil. Den ganzen Vormittag drängten sich die persönlichen Gratulanten aus Bad-Nauheim,- von auswärts liefen sehr zahlreiche schriftliche und telegraphische Glückwünsche ein; wir heben daraus das sehr verbindliche Schreiben des Decans der medicinischen Facultat in Marburg hervor, welcher am 5. März 1884 zum 50jährigen Doctor- jubiläum dem Jubilar das Doctordiplom erneuert hatte - weiter das Gratulationsschreiben des Geh. Medicinalraths Dr. Pfeiffer von Darmstadt Namens der Medicinal-Abthei- lung des Ministeriums, die schriftlichen Glückwünsche verschiedener wissenschaftlicher Vereine, deren correspondirendes oder Ehrenmitglied Bode ist. Der Wetterauer ärztliche Verein, dessen Ehrenmitglied Bode ist, hatte es sich nicht nehmen lassen, am Samstag Abend im Hotel Sprengel ein Festessen zu veranstalten, wobei der Vorsitzende, Herr Medicinalrath Dr. Lorenz von Friedberg, den mit stürmischem Jubel ausgenommenen Trinkspruch auf den Ehrengast ausbrachte. Zu dieser Feier war auch eine Deputation des Corps „Teutonia" von Marburg erschienen, welcher Corporation Bode während seiner academischen Jahre activ angehört hatte. Allgemein wurde bedauert, daß die Gattin des Jubilars, Emilie, geborene Zimmermann, diesen schönen Tag nicht mehr erlebt hat- sie ist vor einigen Jahren nach einer 48jährigen sehr glücklichen Ehe mit Tod abgegyngen. (D. Zig.)
Büdingen, 1. December. Herr Geheimrath Kling el- höffer, Fürstl. Asenburgischer Kammerdirector i. P., ist heute, an seinem 70. Geburtstage, nach längerem Leiden sanft verschieden.
□ Vom Vogelsberg, 1. December. Nun ist es wirklich Winter geworden und an der Zeit ist es auch, daß derselbe kommen darf, denn das liebe Weihnachtssest steht vor der Thüre. Seit der vorigen Woche ist Flur und Feld mit Schnee bedeckt, da ihm aber das Fundament: festgesrorene Erde mangelt, so ist er am Vorgebirge wieder zerschmolzen, im oberen Gebirge aber bildet er eine geschlossene Decke. Der starke Frost vom Samstag aus den Sonntag — das Thermometer zeigte 4 Grad Reaumur — hat rasch wieder einer gelinderen Witterung Platz gemacht. Dieses Wiedereintreten des gelinden Wetters kommt sehr den Müllern zu statten, indem der durch das Schneewasser verursachte Wasserzufluß nicht wieder gleich durch den Frost ausgehoben wird. Der ungemein trockene Herbst hatte ein starkes Zurückgehen der Wasserzuflllsse im Gefolge, sodaß es den Müllern lange Zeit an dec normalen Wasserkraft mangelte. So standen während des Herbstes die meisten Holzschneidereien, welche neben den Mahlmühlen durch Wasser betrieben werden, still. Eine eigentliche Regenzeit, wie sonst im Herbst, ist diesmal ganz ausgeblieben. Vermehrten Wasserzufluß brachten erst die Tage der vorigen Woche durch den Schneefall. Es kommt diese Wasserfülle den Müllern jetzt umsomehr zu statten, als das Weihnachtsfest naht, durch das auch die Ansprüche an die Mahlmühlen in erhöhtem Maße herantreten.
Oppenheim, 1. December. Das Resultat der Submission für die Erbauung unseres Hafens dürfte allgemeines Erstaunen Hervorrufen. Der Mindestfordernde (Herr Ad. Becker-Oppenheim) verlangte für die Bauten 180,171 Mk., der Höchstfordernde (Herr Maid-Straßburg) 285,520 Mk. -
mithin ist zwischen beiden Forderungen eine Differenz von 105,349 Mk.
vermischtes.
* Frankfurt n. M., 1. December. Die Hallen und Pavillons der electrischen Ausstellung zeigen sich, soweit sie überhaupt noch stehen, täglich durchsichtiger- bis Ende des Jahres muß der Abbruch überhaupt vollendet sein. Aus den Bällen sieht man bereits häufig die electrischen Rosen und Busennadeln von A. Költzow in Berlin 8. Ueberhaupt haben sich ungemein viel electrische Gegenstände seit der Ausstellung in den Haushaltungen eingeführt.
* Frankfurt a. M., 1. December. Der „Allgemeine Arbeiterinnenverein für Frankfurt und Umgebung" wurde laut Vereinsgesetz, als politischer Verein, dem Frauenspersonen angehören, polizeilich geschlossen.
* Frankfurt a. M., 2. December. Heute Morgen erschoß sich auf dem Tieskai ein Maler Namens Pitzer aus Gießen. Die ins Herz abgeschossene Kugel hatte den sofortigen Tod zur Folge. Die Leiche wurde aus den Sachsenhäuser Friedhof verbracht.
* Frankfurt a. M., 2. December. Heute Morgen erhielt ein in der Meisengasse Nr. 7 A wohnender Milch- und Kartoffelhändler Namens Schulz eine Postkarte aus Offenbach zugeschickt, des Inhalts, er möge sofort nach Offenbach in ein Delicateffengeschäft in der Großen Hasselbachstraße kommen, falls- er mehrere Waggons Kartoffeln billig erhalten wolle. Als er dort ankam, stellte sich heraus, daß das Geschäft keine Postkarte an ihn geschrieben hatte, und die Folge zeigte, daß es sich um einen raffinirten Diebstahl handelte. Während der Händler in Offenbach war, fuhr seine Frau fort, um Milch bei der Kundschaft abzuliefern- in ihrer Abwesenheit wurde die Stubenthür gewaltsam erbrochen und aus einem Pulte über 2000 Mk. gestohlen.
* Würzburg, 30. November. Ein interessanter Fall von Kindesunterschiebung beschäftigte heute die Strafkammer. Einer Hilssconducteursfrau von hier bereitete bie- Kinderlosigkeit ihrer fünfjährigen Ehe großen Kummer, um so mehr, als ihr Mann diesen Kummer theilte. Um dem abzuhelsen, holte sie sich, nach allerlei täuschenden Vorbereitungen, in der königlichen Entbindungsanstalt ein neugeborenes Mägdelein, das Kind einer armen Dienstmagd. Dann fingirte sie zu Hause eine Geburt und präsentirte ber erstaunten Hebamme und dem Herrn Gemahl ihr Erstgeborenes, dessen Eintragung in das Personenstandsregister der Täuschung entsprechend erfolgte. Lange Zeit kam die Sache nicht auf. Erst als die rechte Kindesmutter gehei- rathet hatte und Sehnsucht nach ihrem Kinde bekam, entdeckte man die Täuschung. Der unechte Herr Papa hatte aber inzwischen das Mädchen so lieb gewonnen, daß er es nunmehr adoptirte. Die Strafkammer erkannte gegen die Frau auf einen Tag Gefängniß, das geringste Strafmaß.
* Chemnitz, 30. November. Die Vertreter von siebenundvierzig Krankenkassen des hiesigen Bezirks wählten einen Ausschuß für die Vorarbeiten zur Begründung eigener Heimstätten für Genesende. Bis zu deren Eröffnung will man die bekannten Heimstätten der gemeinsamen Leipziger Ortskrankenkasse mitbenutzen.
* Ohne Kehlkopf. In Wallmar bei Wetter lebt eine Frau S., welcher vor beinahe drei Jahren der ganze Kehlkopf von Herrn Dr. Roser in Wiesbaden herausgeschnitten worden. Sie athmet nun durch eine Oeffnung im Halse, nimmt dagegen ihre Nahrung wie früher durch den Mund, wobei sie kaum nöthig hat, feste Speisen, da ’fte nicht schlucken kann, mit der Hand hinunterzustreichen. Und da die Lust^ die sie ein- und ausathmet, nicht mehr durch den Mund geht, spricht Frau S. nicht in Tönen, sie macht sich aber durch Flüstern mittels Bewegung des Gaumens und der Lippen leicht verständlich. Dabei erfreut sie sich guter Gesundheit und ernährt sich und ihre Familie durch Feldarbeit. Dieses ist einer jener vor Kaiser Friedrichs Tod so vielfach angezweifelten Fälle einer vollständigen und dauernden Heilung vpn Kehlkopfkrebs.
* Die Zeitungen Lüdenscheids veröffentlichen ein mit „vielen Damen Lüdenscheids" unterzeichnetes Inserat, in welchem diese unter Rücksichtnahme aus die kalte Witterung erklären, auf die Begrüßung der Herren durch „Hutabnehmen" verzichten zu wollen.
verkehr, Land« und volkswirthschaft.
Limdirrg, 2. December. Fruchtmarkt. Rother Weizen JL 2020, weißer Weizen jM —, Korn X 1850, Gerste JL 11.10, Hafer, JL 7.10, Erbsen —Kartoffeln —
— ueber den Einfluß der Mettpansen ans die Be» schaffenheil der Milch. Schon früher haben wir wiederholt erwähnt, daß die Zusammensetzung und Menge der Milch durch die Dauer der Zwischenzeiten beim Melken beeinflußt wird. Ausführlich hat jedoch erst Prof. Dr. Fleischmann die Sache untersucht. Auf Grund seiner interessanten Beobachtungen kommt er zu folgenden allgemeinen Schlüffen: . r r r- „
1. Je länger die zwischen zwei aufeinander folgenden Melkzeite» liegende Ruhepause für eine Kuh oder Kuhheerde ist, um so mehr Milch wird am Ende dieser Ruhepause von dieser Kuh oder Kuh- heerde ausgefchieden und umgekehrt.
2. Je größer die Mtlchmenge ist, welche eine Kuh oder Kuh- Heerde an den aufeinander folgenden Melkzeiten eines TageS liefert, um so größer ist auch die absolute Feltmenge, die in der Milch gewonnen wild, um so geringer dagegen der procentische Gehalt der Milch an Fett und Trockensubstanz, und um so fettarmer auch die Trockensubstanz selbst, und umgekehrt.
3. Wenn von einer Melkzeit zur nächsten die von einer Kuh oder Kuhheerde gelieferte Mtlchmenge steigt, so wächst die absolute in der Milch ausgeschiedene Fettmenge nicht in gleichem Verhältniß mit der Milchmenge, sondern langsamer, auch der procentuale Fettgehalt der Milch nimmt langsam ab, als die Milchmengen wachsen, und in noch viel geringerem Grade vermindert sich der procentische Gehalt der Milch an Trockensubstanz, und umgekehrt.
4. Wenn eine Kub oder Kuhheerde bei den verschiedenen Melkzeiten eines Tages verschieden große Milchmengen mit verschiedenem Gehalte an Fett und Trockensubstanz liefert, so zeigen doch das specifische Gewicht der Milch und deren Gehalt an fettfreier Trocken- ■ substanz nur sehr geringe Verschiedenheiten.


