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Samstag den'4. Juli

(Siebener Anzeiger.

Beilage zu152. - 1891

Feuilleton.

Afrika.

Eine allgemeine Uebersicht.

(Schluß.)

. Die tektonischen Kräfte, welche das afrikanische Festland gestaltet haben, sind auch von Einfluß auf die Höhenverhält­nisse Afrikas geworden. Die intensive Faltung im Atlas- gebiete hat hohe Berge erzeugt, aber die vulkanischen Er­güsse an den Bruchrändern haben noch gewaltigere Kegel ? ausgethürmt. Von der Küste aus betrachtet, erscheinen die j Kanten der Bruchränder des Tafellandes, namentlich in \ Südafrika, als bedeutende Gebirge. Sie erreichen dort und { in Abessinien Höhen, die denjenigen unserer Alpenriesen I nichts nachgeben, und sind durch die Erosion am Steilrande | mit echtem Gebirgscharacter begabt worden. Aber auch im \ Innern des Continents steigen die Spitzen des Tafellandes z zu so großen Erhebungen auf, daß sie mit den höheren j Gipfeln der großen Faltungsgebirgc wetteifern dürfen.

Auf Grund der bisherigen Erforschung der Höhen- \ Verhältnisse Afrikas haben es seit dem Anfänge der achtziger Jahre mehrere Gelehrte unternommen, eine Zahl für die * mittlere Höhe Afrikas zu berechnen, obgleich in Anbetracht \ des Umstandes, daß viele Hunderttausende von Quadrat- i Kilometern des Areals Afrikas noch gar nicht, viele andere \ nur durch einzelne Routen bekannt geworden sind, von einer ! endgiltigen Ziffer noch nicht die Rede sein kann. Nach ver- - schiedenen Methoden fanden für die mittlere Höhe Afrikas: i

1881

Chavanne . . 661,g

Meter (Maximum 683, Mini­mum 641 Meter),

1883

De Lapparent 612

//

1888

Murray . . 573

(Maximum 616, Mini­mum 531 Meter),

1888

Heiderich . . 673

(unter Berücksichtigung

der Inseln 671 Meter.).

Das Mittel aus diesen vier Werthen ergibt eine Höhe von 630 Meter. Würde man also alle Unebenheiten Afrikas nivelliren, so bekäme man ein gleichmäßiges ebenes Tafel­land von 630 Meter Höhe über dem Meere. Diese mittlere Höhe ist größer als die irgend eines anderen Continents, falls die bisherigen Berechnungen richtig sind, denn selbst der nächsthohe Continent, Asien, reicht mit etwa 500 Meter mittlerer Höhe nicht im Entferntesten an diese hohen Zahlen von 630, beziehentlich 662 und 673 Meter hinan.

Der Grund für die Größe der mittleren Höhenzahl Afrikas liegt in dem fast ausschließlichen Vorwalten des Hochlandes und dem fast gänzlichen Mangel an Tiefland. Im Einzelnen vertheilt sich freilich die Höhe des afrikanischen Tafellandes sehr ungleich.

Vor Allem ist der Süden des Continents bedeutend höher als der Norden, und ferner findet zwischen der Nord­küste und dem Aequator ein mehrmaliger Wechsel von Er­hebungen und Einsenkungen statt. Das Hochland hat also im Großen und Ganzen einen gewellten Character, und so­gar im Süden Afrikas wird durch eine Einsenkung in der Umgebung des Ngami nochmals eine Unterbrechung der sonst vom Aequator gegen Süden stetig ansteigenden Tafelländer hervorgerusen.

Es ist im Allgemeinen eine langsame Abdachung von Süden nach Norden vorhanden, indem auf das hohe Tafel­land im Süden mit 1200 Meter mittlerer Höhe das Becken des Ngami mit 800 Meter, dann die Wasserscheide zwischen Sambesi und Congo mit 1100 Meter, das Congobecken mit 400 Meter, die Wasserscheide gegen den Schari und Nil mit 600 Meter, das Tsadseebecken mit 240 Meter, die Sahara mit 500 Meter, die Depression der Libyschen Wüste mit 20 Meter und endlich das Atlasgebiet mit + 900 Meter folgt.

Ein noch größerer Gegensatz zeigt sich zwischen dem hohen Osten des Continents und dem tieferen Westen, da fast alle großen Höhen Afrikas im Osten des 25. und, rechnet man Südafrika ab, sogar des 30. Grades liegen. Im Westen sehen wir nur den Pik von Kamerun und die höchsten Höhen des Atlasgebirges 4000 Meter erreichen. Doch ist der Westrand des südafrikanischen Dreiecks immer noch höher als die inneren Landschaften, so daß die allmähliche Abdachung von Osten nach Westen an der Küste des Atlan­tischen Oceans unterbrochen wird.

Durch diese doppelte Abdachung von Süden nach Norden und diejenige von Osten nach Westen erhält Afrika im Mittel eine Abdachung von Südosten nach Nordwesten. Ver­bindet man Sao Paolo de Loanda mit Kassala am Nord­westabfall Abessiniens durch eine Linie, so steht der hohe Theil Afrikas im Südosten dem niedrigeren im Nordwesten streng geschieden gegenüber. Diese nordöstliche Grenzlinie ist stark ausgeprägt in dem Flußlauf des Congo unterhalb von Bangala und in der Achse des Weißen Nilsystems vom Lande der Niam-Niam bis Berber.

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