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Wir kamen natürlich, denn sein Weinkeller war einer der auserlesensten. In den Straßen sanden wir dieselbe ruhige, bewußte Stimmung- sie waren sogar auffallend leer, denn was nicht in den Wirthshäusern saß, die heute natür­lich überfüllt, das hatte mit sich und den Seinen daheim zu thun. Und wir trennten uns denn auch im Morgengrauen erst, als Herr W. uns erklärte, feine besten Marken gingen zur Neige.

Wenige Stunden später faß ich im Coupe, um in Wies­baden meiner Braut Adieu zu sagen. Dort fand ich im Bahnhofe schon ganze Berge von Reisekoffern, die befördert fein wollten, denn ein sauve qui peut war sofort nach Be­kanntwerden der Kriegserklärung unter den Curgästen aus­gebrochen, die den Feind schon vor Mainz glaubten. Sieb­zehnhundert Gepäckstücke, hieß es, verlangten an einem Tage ihre Beförderung. Am nächsten Tage war ich in Coblenz bei General von Goeben, dem Commandeur des 8. Armeecorps, um mir meine Legitimation zu holen.

(Fortsetzung folgt.).

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Am Vorabend des deutsch-französischen Feldzuges 187071. *)

Zwei Tage nach jener bedeutsamen Sitzung des gesetz­gebenden Körpers in Paris vom 17. Juli 1870, in welcher eine Creditsorderung von 50 Millionen für den Krieg be­willigt wurde, erhielt ich das Schreiben eines Freundes aus Paris, der, wie alle Deutsche dort, die nicht durch geschäft­liche Verhältnisse gefesselt, seinen Koffer schon gepackt.Jetzt -kommt er Euch!" hieß es freudig in dem Briefe.Laßt ihn nicht los! In der Verblendung, wie hier Egmont naht, kann er Euch nicht zum zweiten Male sich liefern!" Und Verblendung wars in der That. Die Reform der franzö­sischen Armee war seit Niels Tode in trägen Händen- ich hatte in Böhmen gesehen, wessen die unserige fähig- war uns die französische Waffe nicht überlegen, der Mann und die Führung waren es nimmermehr! Dennoch konnte auch ich mich noch nicht in den Gedanken an den Krieg finden. Der Brief lag noch vor mir, als eine Hand an das Fenster meiner Parterre-Wohnung imHotel de Nome" klopfte. Lieu­tenant von Dachröden, Adjutant des Prinzen Georg, war vor dasselbe geritten.Machen Sie sich fertig!" rief er. In zweimal vierundzwanzig Stunden haben wir den Krieg!" Er, einer der heitersten, liebenswürdigsten Offiziere, der später das Unglück haben sollte, in einer Straße Berlins mit dem Pferde zu stürzen und tobt von dec Stelle getragen zu werden, er sprengte davon, ohne mir weitere Rede zu stehen.

An demselben Tage noch erhielt ich auch schon die tele­graphische Anfrage derKölnischen Zeitung", ob ich bereit sei, in dem bevorstehenden Kriege die Berichterstattung für sie zu übernehmen. Eine gleiche Anfrage brachte mir am

*) Die obige farbenreiche und lebendige Schilderung der letzten Ereignisse vor dem Ausbruche des Krieges, sowie hauptsächlich der ersten Etappen dess.lben entnehmen wir dem hochinteressanten, im Verlage der Straßburger Druckerei und Verlagsanstalt (vormals R. Schultz u Eo.) erschienenen zweibändigen Werke von Hans WachenhusenAus bewegtem Leben" (geb. 9.40), einer lite­rarischen EriMeinung von ganz hervorragender Bedeutung. Wir verfehlenich!, ganz besonders auf dieselbe aufmerksam zu machen. Die Redaction.

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Abend noch der Telegraph von Wien von derNeuen Freren sßreffe". War denn also wirklich der Krieg da draußen schon so weit fertig, während wir hier in Berlin noch nicht daran glauben wollten? Aber vielleicht war ichs allein, der alles noch so rosig sehen wollte. Ich hatte mich, ehe ich nach Egypten ging, in Wiesbaden verlobt, hatte damals in acht Wochen wieder zurück sein wollen, und es waren mir acht Monate am Nil vergangen. Meine Braut erwartete mich, von der Freund Emil Rittershaus sang:

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Nahm sich der Hans als seine Frau."

und jetzt stand ein Krieg bevor, dessen Ende nicht abzusehen.

An zu Hause bleiben, war für mich nicht zu denken- die Unruhe hätte mich da nicht gelitten. Ich warf mich in eine Droschke und fuhr zum großen Generalstab, um einige mir | bekannte Herren desselben zu suchen. Diese hatten Kopf und Hände voll Arbeit- es wurde in den Bureaus gepackt und gerollt - der Krieg war zweifellos - einer der Herren rieth mir, mich nur bald um Zulassung zum großen Hauptquartier zu melden.

Ich, der ich die Franzosen bereits in zwei großen Feld­zügen von Sieg zu Sieg schreiten gesehen, war auf ein furchtbares Blutbad vorbereitet, aber voll Vertrauen auf unsere Kraft, als ich die sympathischen, ja begeisterten Kund­gebungen der übrigen deutschen Staaten sah - ich telegraphirte nach Wien meine Bedenken hinsichtlich der Haltung des Herrn v. Beust dem Kriege gegenüber und zwei Tage darauf klebte man mir um die späte Nachmittagsstunde einen Zettel an die Mauer des Hotels neben mein Fenster, der die wenigen, aber verhängnißschweren Worte enthielt:Frankreich hat Preußen den Krieg erklärt."

Wir standen also vor einer Thatsache, deren Tragweite die unmittelbar nächste Zukunft in grauenhaftem Düster barg. Heftig bewegt schaute ich hinüber zum Palais des Königs. Tausende sammelten sich eben vor demselben- aber kein Laut der Selbstüberhebung, der Brutalität ward vernommen- Allen saß das Herz an der Kehle, das klang aus dem Hurrah, das endlich Einer anstimmte und tausendfältiges Echo fand, denn während man eben jetzt in Paris auf den Boulevards ä Berlin! schrie, war sich hier Jeder des hohen Ernstes dieser Stm. , der Pflicht bewußt, zu der ihn das Vaterland rief, und ging dann schweigend nach Hause, um mit schwer pochender Brust Weib und Kind zu umarmen, von deren Seite schon der nächste Tag ihn rufen sollte. Es war eben

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das Volk, der Vater, der Sohn in Waffen, die Mutter, die Kinder in Angst und Thränen. Aber was unabwendbar, es mutzte getragen werden.

Während ich erschüttert noch am offenen Fenster stand, trug mir mein Bursche schon den Mantelsack herein. Auch er vermochte kaum .ein Wort zu sprechen.Ich will heute Abend schon zu meinem Regiment," brachte er endlich her­vor.Aber," dabei leuchteten ihm plötzlich die Augen auswenns denn sein muß, in Gottes Namen!"

Die Stimmung des Volkes an diesem Abend zu be­schreiben, wäre unmöglich. Es lag ein schwerer Druck aus allen Gemüthern. Kein Laut des Uebermuths, eines prahle­rischen Siegesvertrauens in den Straßen- selbst die Berliner Gassenjugend begriff den Ernst der Lage.

Wir trafen uns am Abend an unserem Sammelplatz bei Lutter und Wegner. Auf Aller Mienen lag eine gewisse Feierlichkeit, die Erkenntniß und Würdigung der bevorstehenden blutigen Aufgabe - man war ja längst auf das Geschehene vorbereitet, hatte aber nicht erwartet, daß es so schnell herein­brechen werde. Stadtgerichtsrath W., einer der größten Gourmets, rief endlich, als die Sache genugsam besprochen:

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