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Rr. 3 Erstes Blatt. Sonntag den 4. Januar
1890
Der chttßener Knzeiger crschemt täglich, mit Ausnahme det MontugS.
Die Gießener MsvrlttenStäUer werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal deigelegt.
Kießmer Anzeiger
Keneral-Mnzeiger.
Bierteljähriger Avsnnementsprr!.O, 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die P-ost bezöge» 2 Mark 50 Plg
Aedaction, Expedn«°r und Druckerei:
-ch»cstraßeAr.> Fernsprecher 61
Amts- unb Anzeigebl«tt für den Kreis Gieren.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den ^tg,idrn Tag erscheinenden Nuinmer bi- Bonn. 10 Uhr.
chratisöeikage: chießmer Kamikienökätter.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung,
die Abhaltung landwirthschastlicher Vorträge betreffend.
E- wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Herr Landwirthschastslehrer Leithiger zu Alsfeld
1) Sonntag, den 4L Januar 1891, Nachmittags 3 Uhr, in Hungen im „Solmser Hof" über Buchführung;
2) Sonntag, den 11. Januar 1891, Nachmittags 3 Uhr, in Lich in der Wirthschaft des Herrn Heiland, über Buchführung resp. Anwendung von künstlichem rc. Dünger;
3) Sonntag, den 1. Februar 1891, Nachmittags 3 Uhr, in Großen-Buseck in der Wirthschaft des Herrn Gengnagel, über Feldbereinigung;
4) Sonntag den 8. Februar 1891, Nachmittags 3 Uhr, in Lollar in der Wirthschaft „Zum Schwanen", über die Anwendung landwirthschastlicher Maschinen und Geräthe im kleinen bäuerlichen Betrieb;
5) Sonntag den 1 März 1891, Nachmittags 3 Uhr, in Grünberg im „Englischen Hof" (bei Wagner) über die Anwendung landwirthschastlicher Maschinen und Geräthe im kleinen bäuerlichen Betrieb
Borträge halten wird.
Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen BezirkSvereinS, sowie der landwirthschaftlichen Localvereine und alle Freunde der Landwirthschaft werden zu diesen Versammlungen hierdurch ergebenst eingeladen.
Die Herren Bürgermeister der Gemeinden, in welchen die Vorträge gehalten werden, sowie die der benachbarten Gemeinden werden hierdurch ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlungen hinzuwirken.
Gießen, den 9. December 1890.
Der Director des landwirthschaftlichen BezirkSvereinS. Jost, Regierungsrath.
Gefunden: 1 Spazierstock, 1 Pferdeteppich, 1 Geldstück, 1 Bettüberzug und 1 Kohtenkorb.
Gießen, den 3. Januar 1891.
Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.
Versuche» Reich.
Darmstadt, 1. Januar. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heule zur Entgegennahme der Neujahrsgratulationen: II. Grobherzogliche Hoheiten die Prinzen Heinrich und Wilhelm.
Außerdem empfingen Seine Königliche Hoheit in Gegenwart des Erbgrobherzogs, K. H.: den General- und die Flügel-Adjutanten, die persönlichen Adjutanten der Groß- herzoglichen Prinzen, den Begleiter Sr. K. H. deS Erb- zroßherzogs und den Generalmajor ä la suite Mootz,
die Obersthof- und Ober-Hoschargen, den Vorstand des Großherzoglichen Cabinets, den Vorstand des Hosjagdamts, den Oberhofprediger, den Director des Grobherzoglichen Hoftheaters, den Cabinetsbibliothekar-
die Generale und Regimentscommandeure der Garnison, den Commandeur des Großh. Hess. Trainbataillons Nr. 25, den Commandeur des Großh. Gensdarmerie-Corps, sowie den evangel. Divisionspsarrer;
den Staatsminister, den Finanzminister, die Präsidenten der Landescollegien und den Vertreter des Oberbürgermeisters Beigeordneten Riedlinger;
den Königlich Preußischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Freiherrn v. Plessen.
Darmstadt, 2. Januar. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 54, ausgegeben Darmstadt, 31. December 1890, enthält: Bekanntmachung Großherzoglichen Staats- ministeriumß, Abänderungen der Postordnung vom 8. März 1879 betreffend.
Darmstadt, 2. Januar. Seine Majestät der Kaiser hat bestimmt, daß in dem Jahre 1891 bei der Jnsanterie- Schießschule zu Spandau ein Jnsormationscursus für Stabsoffiziere abzuhalten sei. An Lehrcursen finden im Jahre 1891 bei dieser Schule vier statt, zu jedem derselben find 52 Hauptleute und 12 Lieutenants zu commandiren. An Unteroffiziers- Uebungscursen sind im Jahre 1891 bei der Jnfanterie-Schieß- schule in Spandau und aus den Schießplätzen bei Darmstadt und Falkenberg je einer mit insgesammt 420 Unteroffizieren
einzurichten. Für den Uebungscurs aus dem Schießplatz bei Darmstadt wird eine Unteroffiziers-Uebungs-Compagnie in Stärke von 120 Unteroffizieren gebildet. Das Lehrpersonal stellt die Schießschule in Spandau.
2luslatiO.
Rom, 1. Januar. Der Gouverneur von Adua, Mascha sch a, bittet in einem Telegramm an den Ministerpräsidenten Crispi, dem Könige und der königlichen Familie seine Huldigung auszudrücken und dieselben zu versichern, daß die Wünsche des Königs Menelik einzig und allein dahin gingen, die Freundschaft zwischen Italien und Aethiopien zu erhalten und zu befestigen.
Brüffel, 1. Januar. Beim Neujahrs-Empfang im königlichen Palais hielt der Präsident der Kammer eine Ansprache, worin er hervorhob, die Kammer werde sich nicht durch eitle Hirngespinste beirren lassen. Sie werde sich ihrer Pflicht nicht entziehen, wenn sich die ihr gestellte Ausgabe als besonders schwierig Herausstellen würde. Der Bürgermeister drückte die Hoffnung aus, daß durch den persönlichen Militärdienst bald die Söhne der Bürger wie die der Arbeiter der Armee zugesührt würden.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Torrespondenz-Bureau.
Berlin, 2. Januar. Der „Reichsanzeiger" meldet: Nach telegraphischer Anzeige des Reichscommissars Wißmann wurde die Reichs flagge gestern an der deutsch-ostasrikanischen Küste gehisst.
Bochum, 2. Januar. Aus der Zeche „Heinrich Gustav" sand eine Explosion schlagender Wetter statt. Bis heute Mittag wurden zwei Todte und neun Verwundete heraufgefördert.
Würzburg, 2. Januar. Bei der heutigen Stiftungsseier der Universität wurde der Preis der Rienecker st istung (1000 Mk. und goldene Medaille) dem Profeffor Robert Koch (Berlin) zuerkannt.
Stuttgart, 2. Januar. Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Freiherrn Axel von Varnbüler- Hemmingen zum württembergischen Geschäftsträger in Petersburg mit der Stellung eines Wirklichen Legationsraths.
Hamburg, 2. Januar. Trotz des proclamirten Ausstandes der Feuerleute für Dampfschiffe musterten mehrere Gesellfchasten heute zu um 10 Mk. geringerer Monatsheuer Feuerleute an.
Bern, 2. Januar. Die eidgenössische Kriegsmaterial- Verwaltung erklärt, die Abgabe der neuen Gewehre seitens der Fabrikanten an den Bund beginne mit Anfang 1891, die Ausrüstung der Armee mit denselben werde in kurzer Zeit durchgeführt sein. Auch die Fabrikation des rauchlosen neuen Pulvers biete keine Schwierigkeiten- es sei gegen atmosphärische Einflüsse keineswegs unempfindlicher als das bisherige schwarze Pulver.
Paris, 2. Januar. Die Blätter heb en hervor, daß beim officiellen Neujahrsempsange in Marseille der Bischof und die katholische Geistlichkeit fehlten, dagegen der Consistorial- präsident der resormiten Kirche in einer Ansprache die Ergebenheit der Religionsgenossen gegen die Republik ausdrückte. Kardinal Lavigerie erhielt für feine der Republik freundliche Kundgebung Zustimmungsbriefe vom Bischof von St. Denis und La Reunion, ferner von den Bischöfen refp. Erzbischöfen von Tours, Cambrai, Rouen, Digne, Rayonne, Langres, Bajeux und anderen. Betont wird, der Bries des Bischofs von St. Denis fei nach einer Unterredung mit dem Papste geschrieben.
London, 2. Januar. An einer Weihnachtsfeier in Wortley, in der Nähe von Leeds, nahmen viele Schulkinder Theil, welche in leichten FeencostÜmen gekleidet waren und chinesische Laternen trugen. Vor dem Beginn der Vorstellung gerieten einige Laternen in Brand und die Flammen ergriffen die Kleider der Mädchen, von denen fünfzehn verletzt wurden, darunter mehrere lebensgefährlich. Vier Kinder sind nachträglich gestorben.
London, 2. Januar. Der „Times" wird aus Philadelphia gemeldet, daß M a r f ch a l l F i e l d u. C o. in Chicago, das größte Handelshaus der Unionsstaaten, einen Prozeß angestrengt habe, um die Verfaffungsmäßigkeit des Mc Kinleys Tarifgesetzes festzustellen. Der Prozeß stützt sich auf die Weglassung des Tabakrabatt-Paragraphen, welcher nach Ansicht der Prozessirenden das ganze Gesetz ungiltig mache. Die Regierungsbeamten bezweifeln dies jedoch.
Kopenhagen, 2. Januar. Die Verbindung Kopenhagens mit Malmö ist wegen Nebels unterbrochen.
Belgrad, 2. Januar. Aus dem hiesigen Krankenhause ist ein Patient als geheilt entlassen, bei dessen Aufnahme beginnende Tuberkulose conftatirt war. Nach wiederholten, bis 1 Centigramm steigenden Kochm-Jnjectionen wurden keine Bacillen mehr im Auswurf gesunden.
Liffabon, 2. Januar. Die C o r t e s wurden heute vom König feierlich eröffnet. Die Ansprache conftatirt die Ruhe im Innern und hofft, dieselbe werde noch durch die schwebenden diplomatischen Verhandlungen befestigt werden. Mit England sei bezüglich Afrikas ein Abkommen aus 6 Monate geschlossen, welches jedoch die mißlichen Zwischenfälle in Manica nicht verhindern konnte. Die Differenz mit dem Congostaat bezüglich der Lunda-Affaire werde diplomatischen Verhandlungen in Lissabon unterbreitet werden. Die Streitpunkte bezüglich der Abgrenzung mit dem Congostaat und bezüglich der Delagoabay-Eisenbahn werde dem Schiedsspruch der Schweiz unterbreitet. Der König erhofft die Consolidation der schwebenden Schuld. Eine vorsichtige Weise der Verwaltung werde es ermöglichen, eine neue Anleihe zu vermeiden und durch Sparsamkeit das Gleichgewicht herzustellen. Die Lage der Steuerzahler verbiete die Auflegung neuer Lasten. Die Thronrede kündigt neue Reformen in der inneren Verwaltung an. Morgen oder Montag wird das Decret verlesen, welches die Cortes bis zum 2. April vertagt.
Cocoles unb provinzielles.
Gießen, 3. Januar.
-s. Den rastlosen Bemühungen des Ausschusses des Theater-Verems ist es, trotz des Mißtrauens, das Anfangs seinen Bestrebungen entgegengebracht wurde, gelungen, schon am 15. dieses Monats seinen Plan, wie das gestrige Inserat bereits mitgetheilt, durch eine erste Vorstellung zu verwirklichen. Wer bei den Vorbereitungen hierzu hinter die Cou- lissen zu sehen Gelegenheit gehabt, weiß, wie ungeheuer die Schwierigkeiten und Mühseligkeiten gewesen, die den Weg zu diesem Ziele begleitet, weiß aber auch, mit wie ernstem Eifer die Männer, die sich einmal an die Spitze des Unternehmens gestellt, bestrebt waren, das Beste zu erringen und ihrer Sache eine bleibende Stätte an hiesigem Orte zu schaffen. Es ist kein leichter Kamps, der Kamps mit Vorurtheilen, die in unserer Stadt theilweise nur zu mächtig sind, die sich nörgelnd und angstvoll allem Neuen entgegenstellen — aber daß Männer, die schon bei ähnlichen Gelegenheiten bittere Erfahrungen gemacht, nicht zurückgeschreckt vor diesem Kampf, daß sie aufs Neue kein Opfer gescheut und selbst ihr Ansehen daran gesetzt, zu siegen, das muß auch dann dankbar anerkannt werden, wenn durch irgend einen unvorhergesehenen Zufall das Unternehmen doch noch scheitern sollte. Aber es ist einstweilen ein guter Beweis für das immer lebhafter werdende Interesse an der Sache, daß die Zahl der Mitglieder noch immer im Steigen begriffen ist und daß sich diese Mitglieder aus allen Gesellschaftsklassen zusammensetzen. Der Ausschuß hat den anerkennenswerthen Beschluß gefaßt, eine ö sf ent li che Verloosung der Plätze stattfinden zu lassen, um Jedem gerecht zu werden. Es ist im gestrigen Inserate Alles das schon zu genau auseinandergefetzt worden, als daß es hier abermals ausführlicher Erklärungen bedürfte- nur das fei nochmals betont, daß sämmtliche Plätze wirklich gut sind, wie der bei Herrn Challier aufliegende Plan deS Theaters (der übrigens auch in dem in Kürze erscheinenden neuen Adreßbuch Ausnahme finden wird) Jedem bezeugen kann. Der Vorstand, dessen endgiltige Wahl vor wenig Tagen stattgefunden, fetzt sich aus folgenden Herren zusammen: Pros. Dr. Netto (I. Vorsitzender), Hauptmann Goldmann (II. Vorsitzender), Banquier Heichelheim (Schatzmeister) und Musikalienhändler Challier (Schriftführer); daran schließen sich als Ausschuß die theils schon srüher genannten Herren an: Fabrikant Bock, Oberstlieutenant Caspari, Pros. Dr. Co fak, Fabrikant Gail, Kaufmann Th. Hau - bach, Restaurateur Kirch und Landgerichtsrath Schäfer. — Man darf gewiß mit Spannung dem weiteren Schicksal dieses neuen Unternehmens entgegensehen. Der erste Schritt ist gethan — und zu den weiteren Schritten, zur Erreichung des gesetzten Zieles, müffen immer mehr behülflich sein und das werden sie auch. Wir wenigstens glauben es gewiß!
— Am gestrigen Tage hat der von 28 hiesigen Metzger« gegründete Schlacht-Viehverficherungsverein seine Thätigkeit begonnen. Das Glück war dem jungen Vereine nicht besonders günstig, denn schon am ersten Tage fiel dem Verein ein versicherter, auf die Freibank verwiesener Schlachtochse zu. U« so erfreulicher war es für den Verkäufer, daß er den vereinbarten Preis ungekürzt ausbezahlt erhielt. Möchten daher die Landwirthe dem Schlachtviehversicherungsverein ihr Vertrauen entgegenbringen und gerne den kleinen Versicherungs-


