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-macht, so wird die Gießener Studentenschaft auf dem Berliner Fest wohl nicht vertreten sein.

s. Wie wir schon in Nr- 254 kurz berichtet, war auch die vierte Vorstellung des Theater Vereins ebenso wie alle früheren von großem Erfolg gekrönt, obwohl das Programm ein wenig bunt gewählt war. Frau El a ar-Delia, die wir schon im vorigen Winter mehrmals zu bewundern Ge­legenheit gehabt, zeigte auch diesmal in Schlesingers mehr geistreichem als ansprechendem DramoletMit der Feder" und in Müllers packendem LustspielIm Warte-Salon erster Klasse" ihre seltene Kunst in seinem, unglaublich natürlichem Spiel, dem sich scharfsinnige Auffassung und eine graciöse Darstellungsweise zugesellt. Ausgezeichnet durch Geist und großes Talent und mit angenehmer und inniger Stimme be­gabt, feierte die Künstlerin auch an diesem Abend große Triumphe, und der Wunsch, sie recht bald wieder innerhalb der Mauern unserer Stadt bewundern zu könnern, mag mancher der aufmerksamen Zuschauer mit nach Hause ge­nommen haben. Herr Schönfeld, der Partner von Frau Claar, welcher sich schon bei seinem ersten Auftreten viele Freunde in Gießen erworben, entfaltete wesentlich im zweiten Stück seine treffliche Begabung als Komiker nur daß er sich seine liebenswürdige Auffassung vom Studententhum über­all, nur nicht aus der Universität Gießen angeeignet haben mag. Etwas ganz Neues für unsere Stadt war schließlich Herr Hermann als Recitator, und die schöne Auswahl der vorgetragenen Stücke gab uns Gelegenheit, seine Begabung aus diesem Gebiete gleich von mehreren Seiten kennen zu lernen. In Wildenbruch'sHexenlied" hat uns der gewissenhafte Künstler die Dämonie der Leidenschaft in ihrer ganzen Kraft gezeigt einer Leidenschaft, die alle Schranken durchbricht, groß, gewaltig, die den priesterlichen Zelotismus zu Spott werden läßt, die, hundertmal von Dichtern geschildert, doch in unseren Tagen nur vereinzelt zu finden ist, und die kein anderes Recht ihres Bestehens hat, als das, daß sie ist. Das Alles hat Herr Hermann trefflich zum Ausdruck, zur Anschauung gebracht, und in Frantzois Coppe'sStrike der Schmiede" einer poetischen Erzählung, die den Autor schon in jungen Jahren mit einem Schlage weit über die Grenzen seines Vaterlandes berühmt gemacht verstand er uns durch seine fesselnde Wiedergabe ein Bild düsterer socialer Zustände vor Augen zu führen, die schließlich den Mord herbeiführen ' mußten. Schade nur, daß die Beleuchtungsverhältnisse der \ Bühne und des Saales gerade während dieses Vortrags zu wünschen übrig ließen. Alles in Allem hat auch dieser Abend ein schönes Zeugniß der dankenswerthen Bemühungen der Frankfurter Gäste und des unermüdlichen Eifers des Comitvs des Theater-Vereins gegeben, und der oft gehörte Wunsch, wieder einmal ein abendfüllendes Stück durch seine Vermittelung sehen zu können, wird nun hoffentlich auch bald wieder in Erfüllung gehen.

Vakanzen im Bezirke des 11. Armeecorps. Biebrich- Mosbach, Bürgermeister, Friedhofsleichenhaus-Aussetzer, 500 Mk. jährlich, freie Wohnung und Brand. Meschede, Postamt, Landbriefträger, 650 Mk. Gehalt und 72 Mk. Wohnungsgeldzuschuß. Niederrad, Schultheißenamt, Ge­meindediener, 900 Mk. jährlich und 100 Mk. Uniformgelder. Ohrdruf, Gymnasium Gleichens^ Castellan und Einheizer, 500 Mk. Jahreslohn mit freier Wohnung und Heizung. Romrod, Postamt, Landbriefträger, 650 Mk. Gehalt und 60 Mk. Wohnungsgeldzuschuß.

Postalisches. Wie schon in einem früheren Artikel unseres Blattes ausgeführt, sind die Anforderungen, welche für den Eintritt in den Reichs-Postdienst als Gehülse in Beziehung auf die Schulbildung gestellt werden, so bemessen, daß ihnen von jungen Leuten, welche den Unterricht in einer tüchtigen Schule genossen haben, ohneVorbereitung in besonderen Anstalten genügt werden kann. Ein Be- dürfniß für das Bestehen derartiger Vorbereitungsanstalten, die durch die Beilegung der BezeichnungPostfachschule" oder Postschule" bei Unkundigen die irrthümliche Meinung er­wecken, als sei ihr Besuch für den Eintritt in den Postdienst vortheilhaft oder gar erforderlich, liegt ganz und gar nicht vor- der Besuch dieser Schulen ist im Gegentheil in keiner Weise zu empfehlen. Im Großherzogthum ist den jungen Leuten, welche als Postgehülsen in den Postdienst einzutreten wünschen, durch die große Anzahl von Realschulen und erweiterten Volksschulen (höhere Bürgerschulen) Ge­legenheit genug geboten, auf einer tüchtigen Schule sich das Maß der erforderlichen Schulkenntnisse anzueignen. Ins­besondere wird hervorgehoben, daß Diejenigen, welche sich durch ein Schulzengniß über den erfolgreichen Besuch der er­weiterten Volksschulen (höheren Bürgerschulen) ausweisen können, vorausgesetzt, daß sie an allen Unterrichtsgegenständen Theil genommen und die betreffenden Anstalten bis zum Schluß besucht haben, ohne weiteren Nachweis der schulwissenschaft­lichen Bildung, also ohne vorheriges Bestehen einer besonderen Aufnahmeprüfung, als Postgehülsen zugelassen werden können.

Die Fahrpreisermäßigungen, welche mittellosen Personen und deren Begleitern zu Reisen für die Ueberführung in eine Klinik oder in ein öffentliches Krankenhaus seit Kurzem auf den preußischen Staatsbahnen zugebilligt wurden, sind neuerdings auch auf die Ueberführung von Kranken in alle auf milde Stiftungen beruhende Krankenanstalten ausgedehnt worden, gleichviel, ob diese mit Corporationsrechten aus- gestatter sind oder nicht, sofern sie jedem Kranken Aufnahme gewähren und die zu erhebenden Pflegelder im Allgemeinen tiuy zur Deckung der Selbstkosten bestimmt sind.

Der Getreidemarkt. Die Lage auf dem Getreidemarkte läßt sich gegenwärtig dahin characterisiren, daß kleine Preis­erhöhungen wie auch Ermäßigungen förmlich sprungartig an den Börsen stattfinden und daß thatsächlich sich nicht seststellen läßt, welche Tendenz, ob Hausse oder Baisse, in den nächsten Tagen obsiegen wird. Die Preise des Roggens und Weizens, -welche vorige Woche gesunken waren, sind deshalb auch wieder um 10 bis 12 Mark pro Tonne gestiegen.

Zur Frage der Handelsverträge. Bei der großen Wichtigkeit, welche die neuen Handelsverträge Deutschlands, Oesterrelch-Ungarns, Italiens und der Schweiz für den ge­summten Handelsverkehr und die industrielle Production haben, verdient hervorgehoben zu werden, daß die Handelsverträge, von denen bekanntlich erst derjenige zwischen Deutschland und Oesterreich Ungarn unterzeichnet worden ist, erst auch noch die Zustimmung der betreffenden Parlamente bedürfen, ehe sie in Kraft treten können, daß es daher immerhin noch zweifelhaft ist, ob die neuen Handelsverträge wirklich schon mit dem neuen Jahre in Kraft treten können. Am ehesten dürften sich aus naheliegenden Gründen wohl Deutschland und Oester­reich und vielleicht auch Italien bereit finden lassen, die neuen Handelsverträge noch vor Beginn der parlamentarischen Weihnachtsferien in den Parlamenten berathen zu lassen, aber hinsichtlich der Schweiz, mit welcher die Handelsvertrags­verhandlungen noch stocken, muß befürchtet werden, daß die neuen Verträge zum 1. Januar 1892 noch nicht rechtskräftig sind. Hervorgehoben verdient übrigens zu werden, daß auch mit dem Königreiche Serbien Unterhandlungen wegen Beitrittes zu den neuen Handelsverträgen angeknüpst worden sind, doch läßt sich noch nicht sagen, zu welchen Resultaten man mit den Verhandlungen kommen wird.

Beim Einbringen der Winterbedürfniffe in den Keller soll man die nöthige Vorsicht nicht außer Acht lassen, wie nachstehendes, in derD. Ztg." gemeldete Vorkommniß zeigt. Einer Darmstädter Familie wurde dieser Tage ihr Bedarf an Kartoffeln von einem Lieferanten aus dem Ried in das Haus gebracht. Die Hausfrau besichtigte die in Säcken ge­brachte Waare und war mit derselben sehr zufrieden, bis sie nach einer späteren im Keller vorgenommenen Prüfung der Kartoffeln die unangenehme Entdeckung machte, daß ein großer Theil derselben krank, ja selbst in Fäulniß befindliche sich hierunter befanden. Der Kartoffel-Lieferant, hiervon in Kenntniß gesetzt, weigerte sich anfangs, dieselben wieder zu­rück zu nehmen, und erst die Drohung, ihn gerichtlich zu be­langen, veranlaßte ihn zur Zurücknahme derselben. Der Bauer hatte in den unteren Theil der Säcke die schlechten und oben daraus auserlesene gute Kartoffeln gethan.

Beim Haseneinkauf achte man aus folgende Zeichen: Gut erhaltene Augen deuten darauf hin, daß der Hase frisch geschossen zum Verkaufe vorliegt, sind die Augen des Thieres jedoch eingefallen, so ist der Hase schon mehrere Tage todt. Sind die Nägel au den Zehen, vor allem aber an den Hinterläufen, noch schwarz, etwas spitz und scharf, so hat man es mit einem diesjährigen Hasen zu thun, sind aber die Nägel abgelaufen und an den Hinterläufen grau, so ist ein älteres Thier vorliegend.

Friedberg, 29. October. Nächsten Montag beginnt in unserem Kreise allgemein wieder die Fortbildungsschule. Ver­suchsweise beginnt in Friedberg der Unterricht in diesem Winter um 5 und endigt um 7 Uhr- in den anderen Orten des Kreises dauert der Unterricht wie seither von 7 bis 9 Uhr.

R. Altenstadt, 31. Oct. Seit einigen Tagen hat Herr Alterthumssorscher Kofler aus Darmstadt Nachgrabungen in der Gemarkung Rodenbach vornehmen lassen. Die Hoff­nungen, einen besonderen Fund in dem blosgelegten Römer­grabe zu machen, hat sich bis jetzt nicht erfüllt.

vermischtes.

* Ein Gattenmord ist am Donnerstag Nachmittag auf offener Straße in Potsdam verübt worden. Die etwa 25 Jahre alte Arbeiterin Emilie Thieme aus Potsdam, welche Mutter eines vierjährigen Knaben war, heirathete im Frühjahr d. I., trotz Abrathens ihrer Mutter, den 31jährigen Arbeiter Hein. Die junge Frau sollte aber bald erfahren, daß ihr Mann ein Trunkenbold war, welcher ihre sauer er­worbenen Ersparnisse vergeudete. Am Mittwoch vor acht Tagen entschloß sich Frau Hein, ihren Mann seinem Schicksal zu überlassen. Sie nahm einige wenige Habseligkeiten mit sich und zog mit ihrem Knaben in das Haus ihres Brodherrn, Junkerstraße Nr. 61, in Schlafstelle. Der verkommene Mensch scheint sich gleich, nachdem ihm die Frau davongegangen, mit dem Gedanken getragen zu haben, sie aus Rache zu ermorden. Er hatte in Erfahrung gebracht, daß seine Frau ihren Knaben täglich in die Kleinkinder-BewahranstaltElisabethhaus" beim Marlygarten brachte und Nachmittags wieder abholte. Daraus baute er seinen Mordplan. Donnerstag Nachmittag stellte er sich in der Nähe desElisabethhauses" aus und verfolgte dann seine Frau mit dem Knaben. Als diese gegen 5 Uhr in der Mauerstraße bis zur Ecke der Karlsstraße gekommen waren, blickte sich der Knabe zufällig um und rief halblaut: Mutter, da kommt ja Vater!" Frau Hein sah sich nun ebenfalls um, erhielt aber in demselben Augenblick von ihrem Mann mit einem scharfen langen Brodmesser, das er schon einige Tage bei sich führte, von hinten einen Stich in den Hals, welcher mit solcher Heftigkeit geführt war, daß das Messer an der anderen Seite wieder herauskam. Dann riß der Mörder das Messer wieder an sich und stieß noch mehrere Male auf die Frau los. Ein Landmann sah, wie die Frau zur Erde sank. Er glaubte, sie sei nur von dem Manne geschlagen worden und sprang von seinem Wagen herab, um ihr Beistand zu leisten. Erst als er näher trat, sah er, daß die Frau in ihrem Blute schwamm und lief nun dem Mörder nach, welcher langsamen Schrittes nach der Karlsstraße ge­gangen war. Als Hein sah, daß er verfolgt wurde, kehrte er plötzlich um und ging mit dem blutbefleckten Brodmesser auf den Verfolger los, welcher ihm indessen auswich. Aber­mals stürzte sich dann der Mörder aus die am Boden liegende noch schwach athmende Feau und brachte ihr noch mehrere Messerstiche bei, worauf er sich zur Flucht wandte. Die Frau gab gleich darauf ihren Geist auf. Anscheinend ist der Tod der Fran schon durch die Durchstechung der Halsschlag­ader herbeigesührt. Am Jägerthore wurde Hein durch einen Schutzmann festgcnommen. Er that, als ob nichts vorgefall.n - wäre, und ries:Na wat wollt Ihr denn von mir?", wurde

aber sofort nach dem Polizeibureau und dann gefeffelt nach dem Gerichtsgefängniß gebracht. Nun gestand er die That ein. Ein Augenzeuge der schrecklichen That schreibt: Als ich Nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr die Mauerstraße entlang ging, sah ich in ziemlicher Entfernung auf dem Straßendamm einen Mann fortwährend auf eine Frau los­schlagen, während ein Kind sich schreiend zwischen Beide warf. Ein Mal gelang es der Frau, sich loszureißen, doch bald hatte der Unmensch sie wieder eingeholt und hieb von Neuem auf sie ein. Ein Herr versuchte vergebens, ihn von seinem Opfer abzuhalten. Daraus ergriff der Thäter die Flucht, während die Frau auf dem Straßendamm liegen blieb und zwar, wie wir erst jetzt bemerkten, in ihrem Blute. Wir verfolgten den Mörder, der in die Jäger-Allee flüchtete, und bewirkten dort seine Festnahme. Uebrigens leistete er keinen Widerstand, wollte aber über seine That keinen Ausschluß geben. Inzwischen hatte man die Frau, die keinen Laut mehr von sich gab, untersucht und gesunden, daß sie wohl ein Dutzend Messerstiche erhalten hatte im Kopse, Hals, Brust, Rücken, Unterleib. Nach wenigen Minuten gab sie den Geist auf.

* Mainz, 1. November. Auf Anregung der Handels­kammer fand am Freitag Abend betreffs der Betheiligung des hiesigen Weinhandels an der Chicagoer Weltausstellung eine Interessenten - Versammlung statt. Man sprach sich ausnahmslos für die Beschickung der Aus­stellung aus und wählte aus den Vertretern der ersten hiesigen Weinhandelsfirmen eine Commission, welche sich zu­nächst mit den Interessenten von Wiesbaden u. s. w. über die Art der Betheiligung ins Benehmen setzen soll. In der Versammlung trat man entschieden dem Vorschlag der Binger Handelskammer entgegen, wonach in einem Panorama, ähn­lich dem vom Norddeutschen Lloyd in Frankfurt, das Rhein­gau, aber nur die Gegeüd Bingen-Rüdesheim, auf der Aus­stellung zur Anschauung gebracht werden soll. In dem kostspieligen Prospect ersieht man eine unberechtigte Hervor­hebung von Bingen und Rüdesheim auf Kosten anderer nicht minder berühmter Weinorte. Durch Beschluß der Anklagekammer sind die beiden Unmenschen, welche im Laufe des verflossenen Sommers in dem nahen Zahlbach zwei Greise von hier ohne irgend welchen Anlaß in einer Art verletzten, daß dieselben das Leben verloren haben, zur Aburtheilung vor die nächste Schwurgerichtssession verwiesen und zwar unter der An klage des Mordes. In der hiesigem Seminarkirche erhielten gestern durch Bischof Dr. Haffner 6 Alumnen die Subdiaconatsweihe und heute 8 die Diaconatsweihe. Außerdem bekamen 10 Herren die vier niederen Weihen und 14 die Tonsur. Das bischöfliche Seminar zählt in diesem Semester 52 Theilnehmer.

tf Fulda, 1. November. Laut ärmlicher Ermittelung haben vor einigen Tagen zwei junge Leute von hier, Schüler einer hiesigen höheren Lehranstalt, ein unglaublich freches Bubenstück begangen, indem sie absichtlich ein Eisen­bahnunglück herbeizuführen suchten. Zu diesem Zwecke hatten sie kurz vor dem Herannahen des von Fulda nach Gießen fahrenden Personenzuges, welcher Fulda fahr­planmäßig um 1 Uhr 42 Minuten verläßt, an der Maber- zeller Straße mehrere dicke Steine auf die Schienen des Bahnkörpers gelegt und sich dann in der Nähe in einen Hinterhalt begeben, um die eventuell eintretende Katastrophe abzuwarten bezw. mit anzusehen. Glücklicherweise hat die Maschine die Steine vor sich weggeschoben bezw. theilweise zermalmt, so daß ein Unglück nicht eingetreten ist. Die Thäter sind ermittelt und die Untersuchung ist eingeleitet.

tt Eschwege, 31. October. Ein entsetzlicher Un­glücksfall hat sich heute Morgen hier zugetragen, der alle Gemüther lebhaft erschüttert hat. Gegenwärtig wird nämlich hier am Langenhainer Weg die Wasserleitung neu gelegt. Die Legung der Röhren hatte ein hiesiger Schlossermeister übernommen, welcher bei den Arbeiten mit thätig war. Der­selbe bemerkte plötzlich, daß das Erdreich und Felsgeröll des Grabens, der nahezu 4 Meter tief war, sich zu lockern und zu rutschen begann. Er rief feinen Leuten zu, sich schleunigst zu entfernen, während er selbst aus dem Graben sprang. Allein kaum hatte er die Warnung ausgerufen, da stürzten auch schon die Wände des Canals ein und begruben drei Leute unter sich, welche nicht mehr rechtzeitig hinaus­zuklettern vermochten. Sofort begann man mit angestreng­tester Thätigkeit die Ausräumungsarbeiten, indessen gelang es erst nach 2 Stunden, zu den Unglücklichen zu bringen, welche nur noch als Leichen hervorgezogen werden konnten. Einer der Verunglückten, der 33 Jahre alte Schlosser Julius Viel, welcher Frau und Kmder hinterläßt und hier ansässig war, hatte auf der auswärts führenden Leiter bereits die Mitte erreicht, als die Erdmassen über ihm zusammenschlugen und ihn wieder hinab in die Tiefe rissen. Die beiden anderen Verunglückten sind der 21 Jahre alte Arbeiter Louis Siegmann aus der Magdeburger Gegend und der 15jährige Schlosserlehrling Johannes Schlarbaum, dessen Eltern in Bernsdorf wohnen.

* Ueppiges Jagdresultat. Ans Z..., einem Dorfe Württembergs, schreibt man: Bei einer in hiesiger Gegend abgehaltenen größeren Treibjagd, an welcher sich neben einem Troß von Treibern etwa zwanzig Schützen betheiligt haben sollen, kamen zur Strecke: zwei Hunde, eine Rehgais, vier Füchse, etliche Hasen und ein arglos in die Schützenkette gelangter Handwerksbursche. Doch letztererstreckte" sich freiwillig, indem er sich aus Angst vor den schrecklichen Nim­roden vlatt aus den Boden legte und um Schonung flehte, die ihm denn auch großmüthig gewährt wurde.

Verkehr, Land- rind Volkswirt,-chasL.

Grünberg, 31. October. Fruchtpreife. Weizen X 2450 Korn X 24 20, Gerste X 17., Hafer X 14.60, Erbsen X 20.10. Linsen X 26., Wicken X Lein X -I, Kartoffeln X,

Samen X 24.