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Nr. 151. Freitag den 3. Juli 1891

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Aints- unb Attzeigebl«tt für den ALreir Gieren.

»en Anzeige« zu der Nachmittag» für I« Kahmde» Lag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

| Kratisöeikage: chießener Kamikienökättfr.

Alle UkmmK«Mnreaur de» In« und AnSKmde» nehm« Anzeigen für dmGießener Anzeiger- «ttgeg«.

AnrtNchev TheLl.

Gießen, am I. Juli 1891.

Betr.: Die land- und forstwirthschaftliche Berufsgenossenschaft für das Großherzogthum Hessen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage von 12. Mai l. I. noch nicht entsprochen haben, werden hierdurch an umgehende Erledigung derselben erinnert.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Der Obstbautechniker Metz von Friedberg wird in nachstehend angegebenen Orten zu den beibemerkten Stunden in den Baumstücken Anleitungen über Pflanzen, Schneiden, Behandeln der Obstbäume geben und im Anschluß hieran Vorträge über Obstbau halten:

Freitag den 3. l. M. in Nonnenroth: Nachm. 2 Uhr: Be­sichtigung der Baumstücke, Abends 8T/2 Uhr: Vortrag.

Samstag den 4. I. M. in Nieder - Bessingen, zugleich für Ober-Bessingen: Nachm. 2 Uhr: Besichtigung der Baum­stücke, Abends 8V2 Uhr: Vortrag.

Sonntag den 5. l. M. in Ettingshausen: Nachm. 4*/2 Uhr: Besichtigung der Baumstücke, Nachm. 3 Uhr: Vortrag.

Montag den 6. l. M. in Münster: Vorm. 8 Uhr: Besich­tigung der Baumstücke, Abends 8V2 Uhr: Vortrag.

Dienstag den 7. l. M. in Röthges: Vorm. 8 Uhr: Be­sichtigung der Baumstücke, kein Vortrag.

Alle Mitglieder des Obstbauvereins, alle Landwirthe und Freunde des Obstbaues sind zu diesen Versammlungen freund­lich und dringend eingeladen. Insbesondere werden die Mit­glieder der behufs Vertilgung der Blutlaus gebildeten Com­missionen aufgefordert, sich an den Demonstrationen in den Baumstücken zu betheiligen.

Gießen, 1. Juli 1891.

Der Vorsitzende der Section Gießen des Wetterauer Obst­bauvereins.

Nebel, Amtmann.

EdietÄl-Citatron

Der Matrose Johannes Heinrich Friedel der II. Ma­trosendivision, geboren am 17. September 1864 zu Gam- bach in Oberhessen, vormals an Bord S. M. S.Leipzig", gegen welchen der förmliche Contumacial-Desertions-Proceß eröffnet worden ist, wird hierdurch aufgefordert, zurückzukehren, spätestens sich aber in dem auf

Sonnabend den 31* Oktober 1891 Vormittags 10 Uhr

vor dem Kaiserlichen Gericht der Marinestation der Nordsee zu Wilhelmshaven anberaumten Termine einzufinden, widri­genfalls er in contumaciam für einen Deserteur erklärt und mit einer Geldstrafe von 1503000 JL belegt werden wird.

Wilhelmshaven, den 27. Juni 1891.

Kaiserliches Gericht der Marinestation der Nordsee.

K ö n i g g r ä tz.

Am heutigen 3. Juli vollenden sich fünfundzwanzig Jahre, daß bei Königgrätz jene welthistorische Schlacht ge­schlagen wurde, welche dem verderblichen zweihundertjährigen Zwiespalte Oesterreichs und Brandenburg-Preußens in Deutschland endgültig zu Gunsten des Hohenzollernstaates entschied und eine ganz neue Ordnung der Dinge in Deutsch­land schuf. Mit Blut und Eisen wie es der staats­männische Begründer der deutschen Einheit schon längst voraus­gesagt war hiermit für die Lösung der deutschen Frage eine neue solide Grundlage erlangt, wobei es nur schmerzlich bedauert werden mußte, daß erst durch einen blutigen Bruder­krieg die politische Regelung der deutschen Verhältnisse erfolgen konnte. Aber die Entwicklung der Ereignisse seit jenem entscheidenden Wendepunkte in der Geschichte Deutschlands, ja schließlich Europas, hat in wahrhaft glänzender Weise gezeigt, daß eben nur jene gewaltsame Lösung der jahr­hundertealten Schwierigkeiten in Deutschland die Bedingung bildete, unter welcher dasselbe sich zu einem wahren Nationalstaate und zu seiner heutigen Weltstellung entwickeln konnte.

Denn die Entscheidungsschlacht auf den blutgetränkten Höhen von Königgrätz schuf in ihren Folgen ja erst die eigentliche Grundlage, aus welcher sich die bis dahin so viel­

fach zersplitterten deutschen Stämme unter der Führung der nunmehrigen alleinigen Vormacht Preußen zusammenzufinden vermochten, um vier Jahre später sich auf den Schlachtfeldern Frankreichs die so lang ersehnte nationale und politische Einheit zu erkämpfen. Ohne Königgrätz wer möchte dies heute wohl noch bezweifeln? hätte es kein Gravelotte und kein Sedan gegeben, wäre das Sehnen und Träumen des deutschen Volkes nach seiner Einigung, nach der Wieder­herstellung seiner alten Macht und Größe vielleicht noch aus lange Zeit hinaus ungestillt geblieben! So aber führte das Schwert bei Königgrätz den endgültigen Abschluß einer langen traurigen Periode politischer und territorialer Zerrissenheit in Deutschland herbei, beseitigte das unselige Regime des Frankfurter Bundestages und half den Boden vorbereiten, auf welchem sich dann das stolze Gebäude des herrlichen neuen deutschen Reiches erheben sollte.

Aber mit dieser Neuordnung der Dinge in Deutschland war. zugleich die gänzliche Hinausdrängung Oesterreichs aus dem Verbände der deutschen Staaten verknüpft und dies mußte bei der herrschenden Rolle, welche die habsburgische Monarchie in den deutschen Angelegenheiten seit Jahrhunderten gespielt, jenseits der schwarz-gelben Grenzpfähle schmerzlich genug empfunden werden, Es war daher ganz begreiflich, daß sich in Oesterreich alsbald nach den Ereignissen von 1866 eine einflußreiche Partei mit dem Erzherzog Albrecht, dem Sieger von Custozza, an der Spitze und mit der heim­lichen Unterstützung des damaligen österreichischen Reichskanz­lers Grasen Beust, bildete, um Oesterreich bei günstiger Gelegenheit selbst um den Preis eines nochmaligen blutigen Krieges die verloren gegangene Stellung in Deutschland wieder zu verschaffen. Der große Nationalkrieg der Deutschen gegen Frankreich im Jahre 1870, in welchem sie alle Kräfte einzusetzen hatten, schien diesem Bestreben günstig zu sein und die österreichische Revanchepartei setzte alle Hebel in Bewegung, damit Oesterreich in dem entbrannten Kampf gegen den Sieger von 1866 Partei ergreife. Jedoch theils die ersten glänzenden deutschen Siege von Weißenburg, Wörth und Spichern, theils das entschiedene Widerstreben des hochherzigen Kaisers Franz Josef, Preußen und Deutschland derart in den Rücken zu fallen, sowie auch die weitsichtige schonende Behandlung Oesterreichs im Jahre 1866, welches an den Sieger keine Hand breit Erde abzutreten brauchte, bewirkten, daß Oester­reich neutral blieb, höchst wahrscheinlich zu seinem eigenen großen Heile!

Als nun das neue Deutsche Reich strahlend aus dem gewaltigen Völkerringen von 1870 und 71 erstand, da ent­wickelte sich bald ein freundschaftliches Verhältniß zwischen dem neuen Reiche deutscher Nation und dem habsburgischen Kaiserstaate, das endlich zu dem für unseren ganzen Welttheil so segensreich gewordenen Schutz- und Trutzbündnisse beider Länder führte.

Seit dem Abschlüsse desselben haben Oesterreich wie namentlich auch Deutschland so manche schwere innere Er­schütterungen durchzumachen gehabtrund auch in der europäischen Lage vollzogen sich mancherlei Ve änderungen. Das deutsch­österreichische Bündniß blieb indessen von alledem unberührt und heute, sünsundzwanzig Jahre nach dem Tage von König­grätz, steht dieser schöne Bund Aster denn je da, inzwischen noch verstärkt durch den Eintritt' Italiens, das nunmehr aus einem alten Gegner Oesterreichs zu einem Freund und Ver­bündeten desselben geworden ist. Dies ist heute, da der Tag von Königgrätz zum fünfundzwanzigsten Male wiederkehrt, gewiß eine herrliche Wendung der Dinge,- diejenigen, welche sich 1866 auf verschiedenen Kriegstheatern mit den Waffen in der Hand gegenüberstanden, sind heute zu einem innigen Bunde verschmolzen, dessen Segnungen noch immer von ganz Europa empfunden werden. In Deutschland aber hat Königgrätz keine Spur von Bitterkeit und trüber Erinnerung mehr zurückgelassen, die wenigen, welche hier seit 1866 noch grollen, kommen nicht in Betracht gegenüber der ungeheueren Mehrheit unserer Nation, welche längst erkannt hat, daß Königgrätz sür unser gesummtes Vaterland das reinigende Gewitter nach langer dumpfer Schwüle bedeutete.

Deutsches Reich.

nn. Darmstadt, 1. Juli. Mit dem Blitzzug 1 Uhr 8 Min. traf heute Mittag Ihre Majestät Kaiserin Friedrich nebst ihrem Schwiegersohn, dem Kronprinzen und der Kronprinzessin von Griechenland, von Homburg kommend, zum Besuch der Großherzoglichen Familie dahier ein. Am Bahnhof wurde die Kaiserin nebst dem kronprinzlichen Paare von dem Großherzog, sowie der Prinzessin Alix auf das Herzlichste begrüßt, worauf die Herr­

schaften direct ins Großherzogliche Residenzfchloß fuhren. Hier verblieben die hohen Gäste bis gegen 5 Uhr und fuhren, nachdem der Thee eingenommen, um 5 Uhr 20 Min. wieder nach Homburg zurück. Bis zum Salonwagen der Kaiserin gab Se. König!. Hoheit der Großherzog und Prinzessin Alix dem hohen Besuch das Geleite und verabschiedete sich die Kaiserin auf das Liebenswürdigste. Man konnte die Wahr­nehmung machen, daß zwischen unserem Fürstenhause das innigste Freundschaftsverhältniß besteht.

Berlin, 1. Juli. Die Untersuchung in der bekannten Stemp elasfaire des Bochumer Vereins will noch immer nicht zum Abschlüsse gelangen, was man hoffentlich als einen Beweis für die Gründlichkeit ^der Untersuchung betrachten darf. Selbstverständlich sieht man deren Ergeb­nissen allseitig mit großer Spannung entgegen, hat doch die Behauptung derWests. Volksztg." von dengeflickten Schienen" des Bochumer Vereins die Runde durch die ganze deutsche Tagespresse gemacht. Der preußischen Regierung ist es vielfach sehr verdacht worden, daß sie als derHauptkunde" des Bochumer Vereins sich bis jetzt so Passiv in der peinlichen Affaire verhalten hat. Nunmehr wird aber versichert, die preußische Regierung habe Erhebungen eingeleitet, welche, ohne auf die gerichtliche Untersuchung selbst irgendwie zurück­zugreisen, die Eisenbahnunfälle der letzten Jahre in Deutsch­land und andere damit zusammenhängende Fragen in Betracht ziehen würden. Eine gemeinsame Veröffentlichung des Mi­nisters der öffentlichen Arbeiten und des Handetsministers hierüber stehe binnen Kurzem zu erwarten.

Berlin, 30. Juni. Die Erneuerung des Drei­bundes bildet dasjenige Thema, welches augenblicklich die gesammte politische Presse Europas am meisten beschäftigt. Von zwei maßgebenden Stellen aus ist diese hochbedeutsame Kunde der Welt fast gleichzeitig bekannt geworden. Im italienischen Parlamente hat sie der Ministerpräsident Rudini verkündigt und vom Deutschen Kaiser ist diese wichtige Nach­richt aus der Ueberfahrt des erlauchten Monarchen von Ham­burg nach Helgoland gesprächsweise mitgetheilt worden, mir dem Hinzufügen, die Erneuerung der Allianz sei auf sechs Jahre erfolgt. Der Umstand, daß König Humbert am Dienstag Nachmittag die Botschafter Deutschlands und Oester­reich-Ungarns kurz hintereinander empfing, hängt offenbar mit der vollzogenen Verlängerung des Bündnisses der beiden Kaiserstaaten mit Italien zusammen. Ueber die Einzelheiten des erneuerten deutsch-österreichisch-italienischen Vertrages ist allerdings noch nichts bekannt geworden, indessen läßt sich aus den Erklärungen Rudinis im italienischen Parlament doch der Schluß ziehen, daß keinerlei Abschwächung der Vertrags­bestimmungen stattgefunden hat. So wird denn ,der Drei­bund auch fernerhin in alter Kraft und Festigkeit bestehen bleiben und hoffentlich auch noch weiterhin durch seinen mäch­tigen Einfluß unserem Welttheil die Segnungen des Friedens erhalten.

Das zum Besuche der russischen Ostseesestung Kron­stadt bestimmte französische Geschwader ist am Diens­tag in Kopenhagen angekommen und hier sehr zuvorkommend ausgenommen worden. Anfänglich hieß es sogar, der König von Dänemark werde eigens seinen Curaufenthalt in Wies­baden abkürzen, um zur Begrüßung des Geschwaders bei dessen Ankunft in Kopenhagen zugegen sein zu können. Dies ist aber nun nicht geschehen, vielmehr wird der dänische Monarch erst an diesem Samstag nach seiner Residenzstadt zurückkehren. Der französische Admiral hat sich darum ent­schlossen, bis zu genanntem Tage mit seinem Geschwader noch in Kopenhagen zu bleiben, um demselben die Ehre der Be­grüßung durch den dänischen Herrscher zu verschaffen. Irgend einen politischen Hintergrund, wie man aus manchen Seiten vermuthet, dürfte indessen die ganze Angelegenheit schwerlich haben.

Re«efte Nachrichten.

WolfiS telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 1. Juli. DerReichsanzeiger" publicirt die Genehmigung des Abschiedsgesuches des Oberpräsidenten v. Behr-Negendank, der den Rang eines Wirklichen Geheimen Raths mit dem Titel Excellenz erhält, sowie die Ernennung des Staatsministers v. Puttkamer zum Oberpräsidenten von Pommern.

DasColonialblatt" veröffentlicht einen Kaiser­lichen Erlaß betreffend die Rang Verhältnisse der kaiserlichen Beamten in Deutsch-Ostasrika, denen militärischer Rang beigelegt wird und zwar dem Oberrichrer und den Commissaren der Rang eines Oberstlieutenants, den Kanzlern, Bezirksrichtern, dem Zolldirector und Intendanten der Rang eines Hauptmanns, den Vorstehern des Gouverne