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Erstes Blatt. Sonntag den 1. November 1891
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Gießener Anzeiger
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Hebaction, tpcbUh* und Druckerei:
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Amts- »»nd Anzeigeblatt für den Krä» Grenzen.
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Anrtlichev Thsil.
Bekanntmachung,
Bildung einer öffentlichen Wassergenossenschaft zur Entwässerung von Grundstücken in den Fluren XI, XII, XIII und XIV.
der Gemeinde Holzheim betreffend.
An der für die Fluren XI, XII, XIII und XIV der Gemarkung Holzheim beantragten Bildung einer öffentlichen Waffergenoffenschaft sind nach den Acten 244 Grundbesitzer mit 16,3833 ha Fläche betheiligt.
Bei der am 14. ds. Mts. vorgenommenen Verhandlungs- tagfahrt hat sich ein Besitzer mit 170 qm Fläche gegen das Unternehmen erklärt.
Die nach Art. 65 des Gesetzes vom 30. Juli 1887 erforderliche Mehrheit ist somit vorhanden.
Einwendungen Dritter gegen das Unternehmen sind nicht erhoben worden.
Die Großh. Obere landwirthschaftliche Behörde hat daraufhin dem Unternehmen die in Art. 67 des Gesetzes vom 30. Juli 1887 vorgesehene staatliche Genehmigung mit folgenden Bestimmungen ertheilt:
1) daß die 244 beteiligten Grundbesitzer, welche in den beiden offengelegten Verzeichnissen aufgeführt sind, Mitglieder der Waffergenossenschaft werden;
2) daß das Unternehmen nach dem vom Vereinswiesenbaumeister Greb ausgearbeiteten Plane, unter Berücksichtigung der von Großh. Culturingenieur Miß mann hierzu erhobenen Bemerkungen, ausgeführt wird;
3) daß bezüglich der Vertheilung der Meliorationskosten nach Art. 53 und 68 des Gesetzes vom 30. Juli 1887 (§ 5 des Statuts) verfahren wird.
Vorstehende Entscheidung wird unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß innerhalb vierzehn Tagen nach der Verkündigung bei Meldung des Ausschlusses hiergegen Beschwerde bei Großh. Ministerium des Innern und der Justiz erhoben werden kann. Gleichzeitig geben wir öffentlich bekannt, daß das mit den Bevollmächtigten berathene Statut für die zu gründende Genossenschaft vom 2. November bis 16. November l. I. einschließlich auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Holzheim zur Einsicht der Betheiligten offen liegt und daß Einwendungen gegen dasselbe innerhalb dieser Frist bei Meidung des Ausschlusses bei uns vorzubringen sind.
Gießen, den 29. October 1891.
Großherzogliches Kreisamt Gießen. _____________v. Gagern.
Bekanntmachung, betreffend Maßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche; hier das Austreiben von Vieh auf Viehmärkte.
Die für den Besuch von Märkten innerhalb des Kreises Büdingen bestehenden Bestimmungen bringen wir nachstehend zur allgemeinen Kenntniß.
Gießen, den 30. October 1891.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung, betreffend Maßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche - hier das Austreiben von Vieh auf Viehmärkte.
Wir bringen hierdurch nochmals zur öffentlichen Kenntniß, daß für den Austrieb von Vieh auf Viehmärkte die folgenden Bestimmungen gelten:
I. Die Seuchenfreiheit aller auf Viehmärkte aufgetriebenen Thiere muß durch entsprechende Gesundheitszeugnisse nachgewiesen werden.
H. Die Gesundheits-Zeugnisse müssen ausgestellt sein: 1) für Wiederkäuer und Schweine, die von ortsfremden Viehhändlern ausgetrieben werden, von einem hierzu ermächtigten Thierarzte - 2) für Wiederkäuer und Schweine, die aus Gemarkungen stammen, in welchen die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen oder aber noch nicht einen Monat lang gänzlich erloschen ist, von einem hierzu ermächtigten Thierarzte; 3) für Wiederkäuer und Schweine, die aus Gemeinden stammen, in welchen ein zur Ausstellung von Zeugnissen ermächtigter Thierarzt wohnhaft ist, von einem hierzu ermächtigten Thierarzte; 4) für Treibheerden von Schafen und Schweinen von einem hierzu ermächtigten Thierarzte; 5) in allen übrigen Fällen von den Großherzoglichen Bürgermeistern, bezw. in deren Verhinderung von den Großherzoglichen Beigeordneten.
III. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 150 JC. oder mit Haft bestraft, sofern nicht nach den gesetzlichen Bestimmungen eine höhere Strafe verwirkt ist.
Büdingen, den 27. October 1891.
Großherzogliches Kreisamt Büdingen.
______I. V. d. K.: Dr. Göttelmann, Amtmann.
Gießen, 30. October 1891.
Betr.: Die Unterhaltung der Kreisstraßen.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gietzeu an die Grotzh. Bürgermeistereien Albach, Annerod, AltemBuseck, Burkhardsfelden, Ettinashau- sen, Grotzen-Buseck, Harbach, Hattenrod, Niederbessingen, Nonnenroth, Oberbessingen, Oppenrod, Queckborn, Reiskirchen, Rödgen und Trohe.
Die in Nr. 240 des Gießener Anzeigers auf Mittwoch den 4. November d. I. in Hattenrod und Großen-Buseck anberaumte Vergebung des Brechens, Anfahrens und Zerkleinerns der Unterhaltungssteine beziehungsweise die Lieferung zerkleinerter Unterhaltungssteine findet eingetretener Hindernisse halber auf folgendem Termin statt:
In Hattenrod: Mittwoch den 18. November, Vormittags 9 Uhr:
15 a Oppenrod—Burkhardsfelden 25 cbm
b In Burkhardsfelden 20 „
15 c Burkhardsfelden—Hattenrod 44 „
d In Hattenrod 7 „
e Hattenrod—Harbach 80 „
17 a Reiskirchen—Burkhardsfelden 35 „
18 c Hattenrod—Lich 80 „
b Reiskirchen—Hattenrod 34 „
a In Reiskirchen 4 „
In Grosten-Buseck: Mittwoch den 18. November, Nachmittags P/a Uhr:
40 c Rödgen—Großen-Buseck 50 cbm
d In Großen-Buseck 50 „
40 6 Großen-Buseck—Beuern 152 „
42 e Alten-Buseck—Großen-Buseck 66 „
f Großen-Buseck—Staatsstraße 58 „
Sie wollen dies in ortsüblicher Weise bekannt geben.
I. V.: Nebel.__________________
Gefunden: 2 Zwicker, 1 Kinderschuh, 1 Brosche, 1 Laterne, 1 Taschentuch, 1 Paar Glacehandschuhe, 1 Plüschkragen, 1 Portemonnaie und 1 Contobuch.
Gießen, den 31. October 1891.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
Deutsches Reich.
— Obwohl noch keine authentische Nachricht über den Zeitpunkt der Wiederei nberufungdesReichstages vorliegt, so gilt es nunmehr doch als sicher, daß der Reichstag seine Arbeiten am 17. November wieder aufnimmt. Wie es heißt, würden den nächsten Gegenstand der Berathungen des Hauses die noch in zweiter und dritter Lesung zu erledigende Novelle zum Krankenkassengesetz bilden, worauf dann das gleichfalls aus der Sommersession restirende Telegraphengesetz und einige kleinere Vorlagen folgen sollen. Was den neuen Reichsetat anbelangt, so sind die Vorarbeiten zu demselben theilweise noch so weit zurück, daß der Gesammt- etat dem Reichstage wohl erst zu Anfang December zugehen dürfte. Was aber über das neue Budget schon jetzt verlautet, klingt gerade nicht sehr erfreulich, denn es heißt bestimmt, daß die meisten Specialetats bedeutende Mehransätze enthalten. Dies gilt speciell von dem Etat der Reichsheerverwaltung und der Marineverwaltung- ersterer weist namentlich, für Zwecke der Artillerievermehrung eine ganz beträchtliche Summe auf, dem Vernehmen nach im Betrage von ca. 33 Millionen Mark. Auch der Marine-Etat enthalt nach offiziösen Andeutungen erhebliche Mehrsorderungen in den fortdauernden Ausgaben, etwa 3^2 Millionen Mark, außerdem weist der außerordentliche Etat eine zweite Rate für die Befestigung Helogolands im Betrage von mehr als 7 Millionen Mark auf. Das wird da jedenfalls heiße parlamentarische Kämpfe geben!
Neueste Zlactyridbten.
L82M telegraphisches Lorrespondmz-Bureau.
Danzig, 30. October. Der russische Hoszug ist heute Vormittag 11 Uhr nach Stettin abgegangen. In Danzig sind alle Vorkehrungen eingestellt worden.
Stettin, 30. October. Der russische Hofzug traf kurz nach 7 Uhr hier ein. Er sollte anfänglich nach Rostock- Warnemünde weiterfahren, bekam aber Plötzlich Ordre, hier liegen zu bleiben und kehrte schließlich um 8 Uhr 40 Min. nach Danzig zurück.
Hamburg, 30. October. Laut einer Meldung aus New- york besagt eine dort aus Ceylon eingetroffene Depesche, daß vier Boote des Postdampsers „Moselle" mit den Passagieren und einem Theile der Mannschaft dort angekommen sind. Die „Moselle" verließ am Mittwoch Abend Port Simon und stieß um 4 Uhr Morgens auf einen Felsen. Man hofft die „Moselle" zu retten.
Ragatz, 30. October. Heute ftüh 4 Uhr brach in Rebstein bei heftigem Winde Feuer aus. 25—30 Firsten sind eingeäschert.
Paris, 30. October. Dem „Temps" wird gemeldet, die spanische Regierung ernannte eine Ossicierscommrssion zum Zwecke vergleichenden Studiums der von den europäischen Mächten eingeführten Jnsanteriebewaffnung. Die Commission trifft demnächst in Paris ein.
Kopenhagen, 30. October. Das „Bureau Ritzau" meldet: Die russische Kaisersamilie und das dänische Königspaar sind - heute Nachmittag mit der russischen Kaiseryacht „Polarstern" um halb 2 Uhr nach Danzig abgegangen. Die Absicht, die Reise landeinwärts zurückzulegen, ist wieder ausgegeben. Der russische Hoszug wurde nach Neufahrwasser zurückbesördert, um die Kaisersamilie und das Königspaar morgen früh dort auszunehmen.
London, 30. October. Nach einer bei Lloyds aus Panama eingegangenen Depesche ist der Postdampser „Moselle", welcher der englischen Royal Mail Company gehört, 20 englische Meilen von Colon gescheitert und vollständig verloren. Die Passagiere unD die Bemannung wurden gerettet.
Depeschen des „Bureau Herold".
Berlin, 30. October. Das „Bert. Tagebl." meldet: Der Marine-Etat fordert 22 Millionen für Schisss- 60uten, der Militär-Etat 50 Millionen für neues Artilleriematerial. Die Kosten der Natur al-Verpflegung wurden um 6 Millionen erhöht.
Berlin, 31. October. Der Oberstaats-Anwalt soll die Berufung gegen das Urtheil des Ehrenraths über die Vertheidiger im Prozeß Heintze beabsichtigen.
— Nach den „Polit. Nachr." hat sich der ordentliche Etat des Reichsamt des Innern um 31/2 Millionen erhöht, wovon 3 Millionen für Erhöhung des Reichszuschusses für die Altersversicherung nöthig sind.
Posen, 30. October. Es steht eine Abänderung des russischen Ausfuhr-Verbots für Oelkuchen bevor.
Weimar, 30. October. Kaiser Wilhelm, der Prinzregent von Bayern und der Großherzog von Baden sind der deutschen Shakespeare-Gesellschaft beigetreten.
Breslau, 30. October. Das Auftreten der Influenza in der gesammten Provinz ist besorgnißerregend. Das Steinauer Lehrerseminar wurde geschlossen.
Lauterberg (i. Harz), 30. October. W iß mann theilt unterm 16. October hierher mit, daß er seine Demission eingereicht habe.
Wien, 30. October. Professor Billroth besprach in einer Vorlesung die Folgen des neuen Gewehres im Kriegsfälle und führte aus, das Sanitätswesen sei ungenügend gegen die neue Waffe, .welche einen Krieg schnell beende.
Wien, 31. October. Nach Meldung der „Polit. Corr." aus Petersburg plant die Regierung ein Gesetz, welches den deutschen Colonisten nach Ableistung der Wehrpflicht die Rückkehr nach Rußland untersagen'soll.
London, 30. October. Harcourt publicirt heute einen sensationellen Angriff auf den Schatzkanzler Goschen, den er falscher Finanzaufstellung beschuldigt.
Cork, 30 October. Die Polizei entdeckte eine Verschwörung gegen das Leben O Brie ns.
Rom, 30. October. Die Weinernte ergab einen Ueberschuß von 10 Millionen Hectoliter über den inneren Bedarf.
Brest, 30. October. Die Seminaristen überreichten gestern dem Commandanten des russischen Schiffes, Minin, ein Geschenk für den Czarewitsch. Im Rathhause fand ein Banket zu Ehren der Russen statt. Der Bürgermeister pries die russisch-französische Freundschaft.
Kopenhagen, 31. October. Die Zarenfamilie ist zusammen mit der dänischen Königsfamilie gestern Nachmittag 2 Uhr auf dem „Polarstern" abgesegelt, wie es heißt nach


