Einzelbild herunterladen

Berlin, 23. Januar. Um,9^ Uhr fand ein Gedacht- I nißgotteödienst für den verstorbenen v. Franck en st ein in der Hedwigskirche statt unter zahlreicher Beteiligung hoher Beamten, Abgeordneten und des Publikums. Bon dem Bundesrath wohnten der Feier bei Graf Bismarck, v. Stephan, v. Maltzahn und v. Bötticher, im Auftrage des Kaisers Flügeladjutant v. Zitzewitz. Die Leiche wurde gestern 5 Uhr nach dem Hedwigskrankenhause verbracht, wo heute Vor­mittag die Öbduetion und Einabalsamirung stattsand. Sie wird in der Krankenhanskapelle aufgebahrt, wo morgen 9 Uhr nochmals ein Requiem wird abgehalten werden. Morgen um 2 Uhr geht die Leiche vom Anhalter Bahnhose nach Ullstadt ab.

Dortmund, 23. Januar. In der heute unter dem Vorsitz des Bergraths v. Velsen hier abgehaltenen Sitzung des Vor­standes vom Verein für bergbauliche Interessen im Ober­bergamtsbezirk Dortmund wurde lautRhein.-Wests. Ztg." einstimmig folgende Antwort auf die Forderung -es Vor­standes des Vereins für bergmännische Interessen in Rhein- land-Westsalen beschlossen:

An Bergmann Meyer in Bochum.

Auf die an uns gerichtete Zuschrift vom 18. Januar, I welche nach ihrer Ueberschrift Forderungen der Bergleute von Rheinland-Westfalen enthält, erwidern wir, daß wir Ihnen und den Mitunterzeichneten die Berechtigung nicht zuerkennen können, solche im Namen der gesammten Belegschaften unseres Bezirks an uns zu richten. Wir nehmen trotzdem keinen Anstand, Ihnen zu erklären, daß wir nicht in der Lage sind, den unserem Verein angehörigen Zechen die Annahme der von Ihnen gestellten Forderungen in ihrer Maßlosigkeit zu empfehlen. Wir hegen auch zu dem gesunden Sinne und der Besonnenheit der überwiegenden Mehrzahl unserer Berg- | [eute das Vertrauen, daß sie an den erneuten Versuchen zur Störung des Friedens sich nicht betheiligen werden, da hier­mit die schwerste Schädigung aller wirthschaftlichen Verhält- | nisse unseres Vaterlandes verbunden sein würde.

Der Vorstand des Vereins für bergbauliche Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund.

Ferner wurde beschlossen, an die Vereinszechen ein Rundschreiben zu erlassen, in welchem die Ablehnung der Forderungen des Verbandes zur Wahrung bergmännischer Interessen näher begründet wird.

Leipzig, 23. Januar. Das Reichsgericht verwarf die Revision in dem Prozesse Harmening.

Halle, 23. Januar. Prof. Rosenberger, Vorsteher der hiesigen Sternwarte, ist gestorben.

Rudolstadt, 23. Januar. Die Beisetzung des Fürsten Georg fand heute Mittag in der mit Trauerdeeorationen versehenen Stadtkirche statt. Von fremden Fürstlichkeiten und Vertretern fremder Souveräne waren anwesend Prinz Leopold von Preußen als Vertreter des Kaisers, der Erb­prinz von Meiningen, die Großherzogin Marie von Mecklen­burg, der Großherzog von Hessen u. A. m. Generalsuper­intendent Trautstetter hielt die Trauerrede. Ein Bataillon gab nach der Beisetzung drei Ehrensalven ab.

Rudolstadt, 23. Januar. Ein Amnestie-Erlaß begnadigt die wegen Majestäts- und verschiedene sonstige Beleidigungen, wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und die öffentliche Ordnung, wegen Preß- und Forstvergehens Vernrtheilten.

Karlsruhe, 23. Januar. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer erwiderte der Präsideiit des Cultusmini- steriums Nokk auf eine Interpellation seitens der ultramon­tanen Partei, betreffend die Zulassung geistlicher Orden, von dem erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg feien der Regierung Anträge auf staatliche Genehmigung zur Niederlassung der Kapuziner in Sterlingen, Haslach und Walldürn zugegangen. Nähere Angaben über die Satzungen des Ordens seien nicht gemacht worden, ebensowenig seien den Anträgen Nachweise über das Vorhandensein gesetzlicher Vor­aussetzungen für ständige öffentliche Ausübung kirchlicher Funetionen seitens in Aussicht genommener Persönlichkeiten beigegeben. Unter vorliegenden Verhältnissen und in Hinblick auf die Verhandlungen des Landtages über kirchenpolitische Vorlagen in der vorigen Session sei die Regierung nicht in der Lage, den Anträgen Folge zu geben.

Prag, 23. Januar. In der Budgeteornrnission des Landtags theilte der Vorsitzende mit, der Kaiser habe das Statut der böhmischen Akademie der Wissenschaften genehmigt.

Bordeaux, 23. Januar. In Folge heftigen Sturmes mußte der deutsche DampferCosmopolit", nach Tongking und China fahrend, zurückkehren, da ter Schornstein und die Ladung stark gelitten hatte. Der schwedische DampferTrekla" mußte in Verdun anlaufen.

London, 23. Januar. Goschen hielt gestern an die Wähler Londons eine Ansprache. Er bedauerte darin die Differenzen mit Portugal. Der Schritt Englands sei unvermeidlich gewesen in Folge der Uebergriffe der portu­giesischen Agenten auf einem Gebiete, wo sie nicht den Schatten eines Rechts hätten. Es handle sich um eine Frage, welche ganz Afrika betreffe. Die Regierung, unter­stützt durch das Vertrauen der englischen Nation, werde die Angelegenheit zu einem guten Ende führen. Bezüglich des Budgets für 189091 solle das Land seine Erwartungen mäßigen. Er werde sich freuen, wenn er die Lasten des Volkes erleichtern könne.

Charleroi, 23. Januar. Der Strike ist definitiv beendigt. Es fehlen heute noch ungefähr 2000 Arbeiter, welche ebenfalls morgen die Arbeit wieder aufnehmen werden.

Locales unö Krovlnzielles.

Gießen, 24. Januar.

t Se. Kgl. Hoheit der Großherzog sowie Prinz Wilhelm von Hessen passirten heute früh mit dem 5 Uhr 9 Min. hier eintreffenden Schnellzug aus der Durchreise von Cassel nach Frankfurt a. M. die hiesige Station.

Sitzung der Stadtverordneten vom 23. Januar. Herr Bürgermeister G n a n t h theilt den Eingang eines Schreibens des Forstvereins für das Großherzogthum Hessen mit, worin dieser Verein für die von dem Stadtvorstande bewilligte Summe zur Errichtung eines Denkmals für den Prof. I)r. Heyer feinen Dank abstattet und seiner Freude über die dem Pros. Dr. Heyer in der Stadtverordneten-Sitzung zu Theil gewor­dene warme Anerkennung Ausdruck giebt. Der Forstverein theilt in dem Schreiben ferner mit, daß über die Platzfrage für das Heyer Denkmal nicht ohne Verständigung mit der Stadtverordneten - Versammlung entschieden werden würde. Herr Bürgermeister Gnauth bemerkt hierbei, daß es der Versammlung gewissermaßen zur Rechtfertigung ihres, die Bewilligung einer Summe zu diesem Denkmale betreffenden Beschlusses diene, wenn er einige nachträglich aufgefunbene Aetenstücke zur Kenntniß bringe. Im Jahre 1828 äußerte sich laut Bericht an das Kreisamt die Bürgermeisterei sehr lobend über die Thätigkeit Heyers zur Wiederaufforstuiig des durch Waldfrevel und namentlich infolge der Kriege zerstörten Waldes. Die damalige Stadtvertretung wollte nicht nur einem der Fürsorge und Pflege Heyers besonders theilhaftig gewordenen Waldtheile den NamenHeyers Pracht" beilegen, sondern auch Heyer einen Denkstein darin setzen lassen. Un­aufgeklärt ist indeß geblieben, aus welchem Grunde die be­schriebene Art der Anerkennung nicht zur Ausführung ge­kommen ist. Herr Heinr. Schafsstädt beabsichtigt, in feiner Hosraithe an der Bahnhofstraße einen Dampfkessel von 7 Atmosphären anzulegen. Das Gesuch wird nicht bean­standet.- Beanstandet werden dagegen die Gesuche um Bauerlaubniß der Herren Karl Bergmann, Ludwig Seuling und Wilhelm Seipp. In ersterem Gesuch handelt es sich um Errichtung eines einstöckigen Anbaues an das an der Nordanlage gelegene Wohnhaus des Herrn Berg­mann. Die Baudeputation hat erklärt, die gegenüber anderen derartigen Gesuchen, unter welchen eine Anzahl solcher der Straße nicht besonders zur Zierde gereichende Anbauten an der Grünberger- und Licherstraße entstanden, in Berück­sichtigung gezogenen Billigkeitsgründe im vorliegenden Falle nicht obwalten zu lassen und somit zu verhindern, daß der artige Anbauten sich auch noch auf die Anlagen ausdehnen. Die Versammlung trat dem Anträge der Baudeputation gegen die Stimmen der Herren Löber und Georgi, welche allen Ge­suchstellern das gleiche Recht zu Theil werden lassen wollten, bezw. den Anbau zu gestatten vorschlugen, raeun derselbe in geschmackvoller Art aufgeführt würde, bei. Betreffs des Sen- ling'schen Gesuches, in welchem es sich um einen Bau in der Ludwigstraße handelt, hat die Baudeputation die Beanstan­dung wiederholt beantragen zu sollen geglaubt, weil fraglicher Bau in seiner Fayade nicht den Ansprüchen genüge, die der § 28 des Orts-Baustatuts vorschreibe. Das Seipp'sche Ge­such wurde unter Hinweis auf die Bestimmungen der Bau­ordnung beanstandet, nach welchen in nicht zur Bebauung vorgesehenen, außerhalb des Stadtbanplans gelegenen Vierteln in der Regel nicht gebaut werden darf. Infolge des un­gleichen Schlagens der öffentlichen Uhren wurden Er­hebungen über die sich in der Schlagzeit zwischen den Stadt­uhren und der Bahnhossuhr ergebenden Differenzen angestellt. Wie der Stadtuhrmacher berichtet, wurde ihm seinerzeit be­deutet, die Uhren so zu stellen, daß sie nicht zu gleicher Zeit schlügen, ein regelmäßiges Schlagen lasse sich jedoch bemerk' stelligen, man möge ihm nur die Reihenfolge angeben, in welcher die Stadtuhren schlagen sollen. Es wurde von Seiten der Baudeputation beantragt, die Uhren so zu stellen, daß die Uhr der katholischen Kirche mit der Ortszeit, die übrigen Uhren 1 Minute vor, die Uhr der Stadtkirche 2 Minuten vor der Ortszeit schlagen. Die Versammlung ist mit dieser Bestimmung einverstanden, soweit der Stadtuhrmacher, wie Herr Bürgermeister Gnauth bemerkte, im Stande ist, das Problem zu lösen, welches sich Karl V. umsonst gestellt. Herr Psandmeister Horn beabsichtigt, mit 30. April sein Amt niederzulegen. Es ergiebt sich hierdurch für die Stadt Gelegen­heit, eine Aenderung in der Erledigung der dem Psandmeister seither obliegenden Geschäfte eintreten zu lassen. Im Kreise Gießen sind zur Zeit drei Kreisboten angestellt, welche neben den ihnen in Ausübung ihres Dienstes zustehenden Gebühren ein Aversum von je 600 Mk. erhalten, zusammen also 1800 Mk. Für diese Summe hat die Stadt mit 41,6°/0 750 Mk. aufzukommen; man hat sich deshalb die Frage vorgelegt, ob nicht für die Stadt eine die Funetionen des Kreisboten und Pfandmeisters verrichtende Person angestellt werden könne, zu deren Besoldung der von der Stadt an den Kreis zu ent­richtende Betrag zu verwenden wäre. Die aus den Obliegen­heiten des Pfandmeisters sich ergebenden Gebühren haben nach | angestellten Ermittelungen für denselben einen Jahresertrag von durchschnittlich 937 Mk. ergeben. Es erwächst mit An­stellung eines ausschließlich im Dienste der Stadt stehenden, die Thätigkeit des Pfandmeisters und Kreisboten vereinigen­den Mannes der Vortheil, daß derselbe zu jeder Zeit der Stadt zur Verfügung steht, während seither der Kreisbote öfters gerade auswärts beschäftigt gewesen ist, wenn er in Gießen nöthig toar; die Stadt würde somit präciser bedient und könnte diesen Beamten auch noch anderweitig verwenden, außerdem erwächst ihr mit dieser Neuerung eine jährliche Er- I sparnrß von ca. 200 Mk. Nach der Städteordnung ist die I Stadt berechtigt, einen die Funetionen des Kreisboten lind Pfandmeisters besorgenden Beamten anzustellen und die Frei- gebung von der Beitragspflicht zu den Besoldungen der Krels- boten zu beantragen. Aus Grund diesbezüglicher Erwägungen hat die Finanzdeputation beantragt, einen eigenen Psandmeister anzustellen und denselben in die 2. Stufe der 5. Gehaltsklasse der Besoldungsübersicht (1350 Mk.) aufzunehmen, welchem Ge­haltssätze die aus 800 Mk. berechneten Gebühren nebst einem fixen Gehalte von 550 Mk. entsprechen. Der Antrag der Finanzdeputation wird angenommen.

I Herr Stadtkassengehilfe Gillmann hier wurde in der * Sitzung des Gemeinderathes zu Wimpfen vom 6. Januar zum Stadtrechner von Wimpfen gewählt- die Wahl ist bereits 1 bestätigt.

Der heutigen Nr. desAnzeigers" liegt die Grund, liste derjenigen Personen der Stadt Gießen, welche Angehörige des Deutschen Reiches sind, das 25. Lebensjahr zurückgelegt haben und bei der Wahl zum Reichstage stimmberechtigt er­scheinen, bei. Es kann sich aus dieser Liste schon Jeder, der sein Wahlrecht auszuüben gewillt ist, überzeugen, ob er in der Wählerliste steht. Hoffentlich trägt diese wiederholt den Wählern ^gebotene Bequemlichkeit dazu bei, die in der Liste nicht verzeichneten Reichstagswähler zu veranlassen, sich noch nachträglich einschreiben zu lassen. Wer das rechtzeitige Ein­trägen seines Namens in die Wählerliste versäumt, geht für diesmal seines Wahlrechts verlustig. Die heute beiliegende Liste enthält ea. 2950 Namen, bei der vorigen Reichstags­wahl in 1887 waren ca. 2720 Namen in der Liste verzeich­net. Die Liste liegt noch bis zum nächsten Donnerstag den 30. Januar einschließlich (auch Sonntag) zur Einsichtnahme aus. Es dürfte sich besonders für diejenigen in der Wähler­liste noch nicht verzeichneten Wahlberechtigten, die noch nicht lange in Gießen sind oder erst vor Kurzem das wahlfähige Alter erreicht haben, empfehlen, sich beim Gang auf die Bürgermeisterei mit einem genügenden Ausweis über ihre Person und ihr Lebensalter zu versehen, um ihre zur Eintragung in die Wählerliste nöthigen Personalien auch ge­hörig bekräftigen zu können. (Auch dürfte es vielleicht zu­lässig sein, sich durch einen Bekannten oder Vertrauensmann in die Liste anmelden zu lassen.)

In der zweiten Hälfte des verflossenen Jahres haben ich in der Provinz Oberhessen als praktische Aerzte in den nachbenannten Orten niedergelassen, die Doctoren Franck, Straßmann und Kratz in Gießen, Drescher in Münzenberg, Wißner in Schotten, Eisfeld in Düdelsheim.

-u- Birklar, 23. Januar. Bei der heutigen Bürger­in e i st e r w a h l dahier erhielten I. Müller, Beigeordneter, 51 und sein Gegeneandidat Konrad Krausch II. 37 Stim­men. Ersterer ist somit gewählt. Eine Stimme fiel auf Konrad Meusel.

Butzbach, 22. Januar. Nächsten Sonntag den 26. Januar, Nachmittags 3 Uhr, findet hier im Saale desHessischen Hof" eine allgemeine Wählerversammlung der nationalliberalen Partei statt. In dieser Versammlung wird sich der Candidat der Partei, Graf Oriola aus Büdesheim, den Wählern vor­stellen. Bemerkt wird seitens des Vorstandes des national­liberalen Wahlvereins, daß auch Angehörige anderer Parteien als Zuhörer willkommen sind.

Bad-Nauheim, 22. Januar. Am Dienstag Nachmittag wurde unter Betheiligung der hiesigen und einiger Lehrer von den Nachbarorten die sterbliche Hülle des peusionirten Lehrers Blum zur letzten Ruhestätte geleitet. Der Ver­blichene wurde geboren in Eichelsdors im Jahre 1815 und war über 50 Jahre im Schuldienste actio. Derselbe versah Schulstellen in Großen-Buseck und Rüsselsheim. Nachdem Blum in den wohlverdienten Ruhestand getreten war, ver­lebte er die letzten Jahre in unserem Badeorte. Alle, welche diesen verdienstvollen biederen Lehrer kannten, werden ihm ein bleibendes Andenken bewahren.

Schotten, 22. Januar. Der Zweigverein Schotten desVogelsberger Höhen-Clubs" hat die Wart- wüstung bei Schotten von der hiesigen Stadt käuflich erworben.

Vermißtes.

* Kohlenfunde in Schwaben. Das südwestliche Deutsch­land ist reich an Wäldern, aber arm an Kohle. Schon feit mehr als 50 Jahren sind in Württemberg Bohrversuche auf Kohlen angestellt worden. Die meisten Fälle blieben ohne Ergebniß, bei dem historisch und landschaftlich fesselnden Schramberg (Oberamt Oberndorf, Neckargebiet) stieß man zwar nach Durchteuftmg des Rothliegenden auf Kohlen, doch waren dies nur ganz dünne Schnüre, unter welchen sofort der Porphyr lagerte. Gegenwärtig nun zieht Sulz am Neckar, dicht an der hohenzollernschen Grenze, die Aufmerk­samkeit auf sich. Schon längere Zeit sind Bohrversuche mit bedeutenden Kosten unternommen worden; vor Kurzem ist man in einer Tiefe von 814 m endlich durch das Rothliegende ge­drungen und hat eine Formation zu Tage gefördert, welche ihrer Natur nach auf die Kohle schließen läßt. Die württem- bergischen Geologen sind der Ansicht, daß, wenn irgendwo in diesem Theile Schwabens Kohlen zu finden seien, dies hier der Fall sein müsse. Einiges Aufsehen erregt nun eine Nach­richt von Empfingen im Hohenzollernschen (Oberamt Haiger­loch), dicht bei Sulz, indem man dort in einer Wasserquelle Petroleum in einer Menge von 0,5 Procent auf 2*/2 Liter gesunden haben will. Was diesem Petroleumfund mehr An­sehen gibt, ist der Umstand, daß etwa V2 km entfernt in ganz geringer Tiefe angeblich die gleiche Formation, wie bei Sulz, gesunden worden ist. Das Gestein, schwarzer Schiefer, ist nach Stuttgart geschickt worden zur Untersuchung. Die Ent­deckung ton ausgiebiger Kohle würde dem hohenzollernschen Lande aus einmal einen ganz andern Charaeter geben, denn bis jetzt erzeugt Hohenzollern neben feiner Landwirtschaft sehr wenig. Uebrigens sei bemerkt, daß bei Dettingen in demselben Oberamt schon 18541858 Bohrversuche angestellt wurden, aber ohne Ergebniß blieben.

* Alexandria. Dem in Alexandria erscheinendenTele­graph" zusvlge soll daselbst der Sarkophag der Kleopatra ausgefunden worden sein. Der Grieche Gonkiol entdeckte vor mehreren Wochen beim Durchgraben seines Gartens einen umfangreichen Steinsarg, dessen obere Platte kunstvolle Bild­werke zeigte. Man fand in demselben ein weibliches Scelett, an dessen Kopsende ein massiv goldener Lorberkranz sowie schwere goldene Ohrringe tagen. Ferner fanden sich goldene Armspangen und ein goldener Gürtel. Die innern und äußern Wände des Sarges zeigen noch sehr gut erhaltene Sculpturen, an den äußern Seiten befinden sich fünf Frauengestalten, von denen die eine lacht, die zweite weint, die dritte ernst ist, die vierte krank und die fünfte tobt zu fein scheint. Aus der obern Platte des Sarges sieht man zwei geflügelte mytholo-