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Börstmwochrmdericht
von JE. Wassersehäeben, Bankgeschäft.
An der Börsenlage, wie sie sich am Ende der vorigen Berichtsperiode darstellte, hat die neue Woche wenig geändert. Das Geschäft schleppt sich nach wie vor so stille dahin, daß man sich in die Sommermonate zurückversetzt glaubt. Die Eommissionshauser, die sonst um tiefe1 Zett des Jahres alle Hände voll zu thun haben, kommen jetzt mit kärglichen Notizen zur Börte und die Speculation erscheint so lebensmüde und abgestumpft, daß sie nach keiner Richtung hin in Thätigkeit tritt. Und doch verlief auch viesc Woche nicht ohne aufregende Zwischenfälle. Es schien, am Montag, als ob die Course in raschem Tempo weiter abwärts stürzen würden, denn an diesem Tage wurde die Zahlungseinstellung der Geraer Handels- und Creditbank bekannt. Man war Anfangs geneigt, diesen Concurs als ein weiteres Symptom der allgemein ungünstigen Lage aufzufassen und man warf daraufhin besonders die Course der Banken zurück. Später, als man erkannte, daß ein grober Vertrauensbruch den Fall der Bank herbeigeführt hatte, und daß demselben keine symptomatische Bedeutung für den deutschen Markt betzulegen war, beruhigten sich die Gemüther wieder einigermaßen und seitdem schwanken die Course mit ganz geringen Spannungen auf und nieder, je nachdem, das gerade vorliegende Depeschenmaterial günstige oder abfällige Beurthellur.g ersährt. — In Newyork sprang der SllberpreiS am Dienstag 5 Points in die Höhe und auch die Londoner Notirung erfuhr daraufhin eine nicht ganz so bedeutende, aber doch ausgiebige Steigerung. Nach der Entwickelung, welche die Verhältnisie in Newyork nehmen, muß de, Einfluß der Silberleute in Amerika ein außerordentlich schwerwiegender sein. Von Tag zu Tag steigt die Wahrscheinlichkeit, daß die Regierung den sitzengebliebenen Speculanten nochmals zu Hilfe kommt, indem sie über die gesetzliche Verpflichtung hinaus weitere 12Va Millionen Unzen Silber ankauft, natürlich nur in der Absicht, die Umkaufsmittel deS Landes zu erhöhen. Wie sehr ein solcher Beschluß zum Vortheil der Stlberinteressenten wäre, braucht nicht heroorgehoben zu werden, aber dennoch herrschen über die Zukunft des Silbers nichts weniger als optimistische Ansichten. Seit den neuesten Erfahrungen steht man in Europa solchen waghalsigen Expert' moitcn — wenn sie überhaupt noch als solche angesehen werden können, da sie doch ganz unverhohlen auf Begünstigung einer besonderen Jnteresieutengruppe hinauslaufen — außerordentlich skeptisch gegenüber. Der Ankauf einer so großen Menge von Silber, die mehr beträgt als der ganze verfügbare Marktbestand, würde allerdings das Hinderniß Hinwegräumen, welches einer Besserung des Silberpreises gegenwärtig entgegensteht, aber man mißtraut der Newyorker Speculation, die soeben erst in unglaublich kurzer Zeit einen vollständigen Zusammenbruch herbeigeführt hat, und auf eine solche Unterstützung hin wahrscheinlich zu so ungemessener Höhe wieder anschwellen würde, daß man für die Zukunft des amerikanischen Marktes die ernstesten Bedenken hegen müßte, zumal angesichts der letzten Wahlen, die eine so entschiedene Verunheilung der gegenwärtigen Politik ausdrückten, auf weitere Staatshilfe nicht mehr zu rechnen fein wird.
Die Wechsclcourse Deutschlands haben sich weiter günstig entwickelt und damit sind mehrere große Posten Gold, zusammen reichlich 1 Million Lst, aus der Bank von England für den deutschen Markt entnommen worden. Die letztere hat keine besondere Maßregel zum Schutze ihres Metallbestandes getroffen, denn sie rechnet auf große Zufuhren, die sich von Brasilien und Australien fett geraumer Zeit unterwegs besinden. Einen Einfluß auf den hiesigen Marktzinsfuß Haden diese Geldsendungen kaum gehabt, denn der Prioatdiscont hält sich noch immer hart an der Bankrate. Der letzte Bankausweis zeigt hauptsächlich durch Vermehrung der Depositen eine bettächtliche Besserung und rcpräsentirt sich jetzt erheblich bester, als im Vorjahr, da die Notcnreserve bei einem Satz von nur 5o/o um 50 Millionen geringer war. Es muß aber immer wieder darauf hingewiesen werden, daß in dem Status ein großer Betrag Regiermigsgelder enthalten ist, die jeden Augenblick zurückgezogen werden können, und an eine Herabsetzung der Bankrott wird daher vor Ablauf dieses Jahres nicht gedacht werden können.
Ueber Argentinien verlautet nichts Neues und man wird dies theilweise der räumlichen Entfernung zu Gute halten müssen, wenngleich man hätte erwarten sollen, daß auf die vorwöchenlliche Andeutung eine weitere Erklärung erfolgt wäre. Auf die Besitzer der Provinzial-Eedulas, denen, wie bekannt, ein sehr wenig günstiges Abkommen vorgeschlagen ist, soll offenbar ein Druck ausgeübt werden, diesem Abkommen beizutxeten, denn telegraphischer Meldung zufolge hat der Congreß beschlossen, diejenigen Bonds, welche einer Converfion nicht beitreten, einer 200/oigen Couponfteuer zu unterwerfen. Bei einer solchen Vergewaltigung ist es schwielig, den Glauben an eine befriedigende Durchführung der angebahnten Verhandlungen nicht zu verlieren.
Die CourSschwankungm der Woche waren, wie bemerkt, geringfügig. Banken fielen bei Bekanntwerden des erwähnten Falltsements um einige Procente, schließen aber heute fast vollkommen unverändert zu den Coursen der Vorwoche. Nur Dresdener und Darmstädter Bank, die beide btrecte Verluste habet erleiden, bleiben etwa 1 °/0 hinter dem Vergleichscours zurück. Credit wurden am Freitag auf unverbürgte Gerüchte: die Bank werde eine Filiale in London errichten, pausstrt und erzielten eine unbedeutende Avance.
Der Bahnenmarkt verkehrte ohne besonderes Animo zu etwas erhöhten Coursen. Namentlich sind es die Böhmischen Bahnen, die, theilweiie wenigstens, bessere Course verzeichnen. So sind Böhmische Nordbahn IV2 fl-, Buschlherader und Duxer je 6 fl. höher, während die beiden Nordwestactien, deren Betrieb durch die Einstellung des Schifffahrtsverkehcs beeinträchtigt wird, noch eine Kleinigkeit verloren haben. Staatsbahn sind ebenfalls nicht behauptet, Lombarden dagegen 2 fl höher. Schweizer Bahnen waren ausgeboten und Gotthard und Union zeigen, obgleich die Verluste zum Theil wieder ausgeglichen wurden, noch die Spuren davon.
Renten biteben zum größten Theil unbewegt. Nur Russische Orient sind weiter gewichen im Anschluß an die fortdauernde Preisermäßigung des Rusfischm Rubels. Portugiesen und Türken sind gleichfalls niedriger, Argentinien etwas höher.
Kohlenwerthe verkehrten in fester Tendenz, da mit dem stärker werdenden Consum die Verkaufsvereine plötzlich zu reussiren beginnen. Es fpmmt noch dazu, daß trotz der vorjährigen Erfahrungen viele Fabriken und Werke ihre Kohlenbestände wieder vollständig aufgezehrt haben und nun mit der Aufrechterhaltung ihres ®e; triebeS auf prompte Lieferungen angewiesen sind, so daß jetzt also die Verhältnisse für
die Zechen sich günstiger gestalten. Maßen gewannen 10%, Gelsenkirchener 2%. Laura sind 1% höher, trotzdem jetzt auch für Magdeburg ein Fall vorltegt, daß englische Werke die deutschen bei staatlichen Submissionen unterboten und den Z>- schlag erhalten haben.
Die übrigen Jndustriewerthe verzeichnen bis auf die beiden Electricitäts- Actten und Türkische Tabak, welche ihre Course ziemlich bedeutend ermäßigen mußten, nur geringfügige Veränderungen.
Course der Frankfurter Börse.
Coan vom 12./XII.119./XII. Coan vom 12/XII. is./XH.
Diverse Obligationen.
5°/o BuderuS-Obligat. . 1102.75 1102.50 1 4i///oGrafHenkelv.Dom I
III nersmark, rückz. L105 f —
4®/o Hessische Obligation.
„ Bauern ....
103.80
104.70
104.—
104.70
4V^/oPortug.-A. 88 u.89 50/0 inwrt ©erb. Gold-
85.40
88.6t
Ba6en .....
103.75
103.45
Rente ....
5% SerbischeEisenbahp-
87.50
87.75
3% Sächsische Rente. .
87.50
87.50
91.96
3V,°/o BremerStaatsanl.
—
—.—
Hyp^Obl. L. A. .
4o/oSchwed.Oblig.l88l)r
92.—
„ Hamb.Staatsrente
-----.-----
95.50
101.40
101.55
4«/oOestr. Goldrente .
95.10
95 05
I0/0 Türken cono. . 5% 9lrgent Gold - An!.
18.20
18.2t
„ GriechtfckeMonopol-
Anleihe . . .
74.10
74.15
v. 1887 . . .
67.20
69.9t
öv/g Rumänische Rente .
98.70
98.70
3 Vj°/o Egypt.....
92.90
—.—
Russische Anl.. .
101.75 ।
101.60
Eiseirdahv-PtiorttLten.
4°/. Psälz. Ludwigsbahn
5»/0 Südbahn Lombarden
104.15
104 65
(Bexbach) . . .
102.30
102.20
4°/o do. do.
98.80
—e—
, Hessische Ludwigsb.
3°/o do. do.
67.10
66 50
68/69 garant. .
100.80
100.95
Prag-Duxrr Gold .
98.70
99.15
„ Elisabethb. steuerfrei
„ Rudolf Gold (Salzk.)
100.20
—.—
Gold ....
100.30
100.25
„ Franz-Josef Silber
84.90
85.—
50/^ Oeslr. Staatsbahn.
4'J/o do. do.
30/0 do. do.
106.05
99 90
106.25
99 95
3% staall. garant. Jtal.
56.35
56.25
3o/o Livorneser . . .
4o/0 Ruff.Südw Eisend.
63 40
63.60
I.—VIll.Emffs.
83.05
83 10
93.30
93.5t
3o/o do. ErgänzungsneU 50/0 Nordwestbahn Gold
79.75
106.50
79.60
106.60
40/g Wladikawkas garnt.
40/g gar. Sardtu.Sec.stsr.
93.10
82.90
92.5fr
88.10
Sifettbochrr-Slctierr.
Ludwigshafen-Bexbach.
227.—
228.30
Lübeck-Büchner . . .
163.60
168.—
Hessische Ludwigsbahn.
115.—
114.80
Mecklenburger . . .
—.—
—
Pfälzische Norddahn .
117.95
117.40
Gotthardt.....
160.80
159.8t
Marienburger-Mlawka.
55.45
54.10
Jtal. Mittelmeer . .
108.50
108.90
Barrr-AeLie«.
Deutsche Reichsbank .
142.60
143.—
Dresdener Bank. . .
152 75
151.80
Berlin. Handelsgesellsch.
155.90
155.—
Mitteldeutsche Credttb. .
108.40
108.—
Deutsche Bank . . .
155.40
155.60
Wiener Bank-Verein .
103</.
101»/«
DeutscheGknossenschftsb.
v.Soergel,ParrifiusLCo.
127.80
127 80
Württemb. Vereinsbank
125.70
126.—
Arrduft^ie-Papiere.
Binding-Drauerei . . Stern- do. (Oberrad)
164.—
165 —
Deutsche Berlagtzarrstalt
230.50
231.50
130.25
131.50
Färb werke,vorm.Meister, Lucius <fc Brüning.
290.80
Bad. Anilin- u. Soda-
291.70
fabrik ....
286.50
287.10
Riebeck'scheMontanwerke
181.80
181.20
Pfandbriefe,
40/0 Franks. Hyp.-Psdbr.
4o/c>DeutscheGrundschld.-
! 100.6t
100.60
v. 86 ab . . .
101.50
101.50
Bk.-Pfandbr.
3VL0/gFrnkf.Hyp.-Pfdbr.
95 50
95.50
3Vg°/o do......
3Va% Rhein. Hyp.-Bank- Pfandbr. . . .
94.80
9480
4v/oPreuß.Hvp.-Act.-Bk.- Psanobr. . . .
100.70
100.70
92 50
92.50
3'/«o/o do......
40/oPreuß. Centr.-Bod.-
94.80
94 80
4o/c Meininger Pfand br.
100.50
100.6 t
Cred.-Psandbr. bis
1885 .....
100.90
100.65
Loose.
Oestr.l860rfl.500-Loose
123.40
123 40
Braunschweig. 20 Thlr^
103.50
102.70
„ 1854r fl.250- „
120.40
120.35
Loose ....
40/a Meininger Prämim- Psandbr. . . .
130.—
130.10
30/0 Oldenburger Loose.
3V»°/oKöln-MtndmLoose
12895
127 70
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Umerikanische «iseabahu-BondA.
6°/oChic.Milw.f.St.Paul
40/0 Chicago Burlington
Prt., rückzahlb. 1910 .
112.50
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Nebraska 1927 . .
—-
bo/oChic.Mllw.f.St.Paul
4Vs°/o Calffontta Pacif.
104.45
Prt., rückzahlb. 1921 .
101.20
101.70
I. M., rückzahlb. 1912
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6°/o Centt. Pacff. kMrtg.
6v/vPacifwfMiffouri con-
102.40
rückzahlb. 1896 . .
107.30
107.60
solidated I. M. r. 1920
Redaction: A. Scheyda. - Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.
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