srwaarea
’*’♦ 9793
11 Mit;
r M Nachricht, ihofstrasse 4»
kellert " grt’^ LL'ee 25%fa,977® nbeH ' lltung
> Bedarf besten» htnngsvoll
0«o.
hirnig.
blikum hiermit die ergebene trasse Nr. 84 in
mdliW
jungen, fomie durch Brr- ingßguellen bin ich in den frechen zu können, sten bis zu den elegante- iu der jeweiligen Jahres« iach Maß, sowie auch jatt widmen.
in neuen Unternehmen die cll, gut und billig zu be> j bestens empfohlen.
machermeifler.
»rkt-raße 31.__
W«g>
ssHiWms
u.
»d
«e1S?W'l,Ä
M Wütt;
89.60 9190 71.60 78 60
ff916Ä
Dl«" L ttr^'
Mb.r 1»W-
^,,1 Ol!-ni .
Nr. 274. Zweites Blatt. Sonntag den 23. November
1890
Kießener Anzeiger
Keneral-Mnzeiger
Amts- ttttb Anzeigeblatt fiw den Kwts Gieren.
chratisöeitage: Gießener KamitienöläLLer
s»
W
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für dm folgmdm Tag erfcheinendm Nummer bis Norm. 10 Uhr.
Redactton, Expedittar und Druckerei:
Kchutstraße Ar.».
Fernsprecher 51.
Bierteljähriger
AvonncmcnLspret» t
2 Mark 20 Pfg. mti Bringerlohn.
Durch die Post bezöge?
2 Mark 50 Pfg.
Die Gießener
WamtrienölLller werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.
Der
GS-Zeuer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.
. ."-rr—i». . J.-,11 "
Alle Annoncm-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
totales tut» provinzielle».
Gießen, 22. November.
— Behufs Bildung der Spruchliste für die am 15. December 1890 beginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts ^wurden die Namen folgender Hauptgeschworenen gezogen :
1. Johann Stein II., Landwirth in Meiches. 2. Carl Jäger in Schlitz. 3. Heinrich Korell II. in Leusel. 4. Bürgermeister Seim in Heidelbach. 5. Johann Georg Zing III. in Diebach a. Haag. 6. Rudolph Güngerich in Heiberts- hausen. 7. Carl Meinert in Konradsdorf. 8. Hermann Koch in Stockheim. 9. Wilhelm Schwenk III. in Nieder-Eschbach. 10. Georg Konrad Emil Jakobi in Nodheim. 11. Heinrich Geisel IV. in Billertshausen. 12. Carl Diehl in Münch- Leusel. 13. Johann Heinrich Bölzing in Großselda. 14. Heinrich Bender II. in Griedel. 15. Friedrich Schäffer in Gießen. 16. Christoph Schwalb VIII. in Großen-Buseck. 17. Carl Böß in Gießen. 18. Hans Boldt in Butzbach. 19. Georg Küchel in Butzbach. 20. Georg Ewald III. in Affenheim. 21. Louis Wallenfels in Gießen. 22. Wilhelm Adam Grüninger in Butzbach. 23. Hermann Reitz in Butzbach. 24. Emil Schmall in Gießen. 25. Heinrich Adami in Gießen. 26. Franz Lehning in Büdingen. 27. Jacob Kolb in Büdingen. 28. Konrad Rockemer in Schotten. 29. Johannes Orth V. in Ermenrod. 30. August Breidenbach in Dorheim.
— Ernst Häckel schreibt am Schluß seiner „algerischen Erinnerungen" im Novemberheft der Deutschen Rundschau: „Deutschland kann nur dann seinen berechtigten Rang als selbständige und unabhängige Macht behaupten, wenn es auf dem Wege der Colonialpolitik mit energischer Ausdauer sort- schreitet, und zwar brauchen wir ebensowohl fruchtbare Ackerbaucolonien, in welche der Ueberschuß unserer stetig zunehmenden Bevölkerung auswandern kann, als günstig gelegene Handelscolonien, in welchen unser Welthandel feste Stützpunkte, unsere Flotte gute Kohlenstationen findet. ... Es würde mir nicht einsallen, meine algerischen Erinnerungen mit diesen colonialpolitischen Betrachtungen zu schließen, wenn ich nicht auf Grund 30jähriger Beobachtungen und zahlreicher Reisen in drei Welttheilen überzeugt wäre, daß die große Colonialfrage für Deutschland eine Lebens- frage ist". — Noch theilt nicht unser ganzes Volk die Meinung, die der berühmte Naturforscher hier mit so großer Energie vertritt,' aber dieselbe erobert immerfort, man kann sagen täglich, weitere Kreise, und man darf sich der sicheren Hoffnung hingeben, daß wenn nicht Alle, so doch die Meisten, die bis vor Kurzem oder vielleicht bis heute der deutschen Colonialpolitik die entschiedenste Opposition machten, sich von
der Irrigkeit ihrer Meinungen oder diesbezüglichen Befurch-, tungen überzeugen werden. Auch in unserer Stadt wächst das Interesse an der colonialen Bewegung- man kann das aufs Handgreiflichste daran ermessen, daß die deutsche Colonialgesellschaft, die die Vertretung der colonialen und überhaupt der überseeischen Bestrebungen Deutschlands vor Allem aus ihre Fahne geschrieben hat, bis vor etwa zwei Jahren hier nur 4 Mitglieder zählte. Jetzt hat sie deren schon etwa 110. So hat denn auch der Ende October hier gehaltene Vortrag des Herrn Dr. Neubaur, eines Emissairs der Gesellschaft, der seinen Zuhörern in frischer, farbenreicher Darstellung aus eigener Anschauung ein Bild entwarf von dem Zustand und den Aussichten der hauptsächlichsten unserer Colonien, lebhaften Beifall gesunden, wenn auch ungünstiger Verhältnisse halber die Zuhörerzahl 200 oder 250 nicht überstieg. An demselben Abend haben sich auch die hiesigen Mitglieder der Colonialgesellschaft als besondere Abtheilung constituirt, wodurch sie außer anderen Vortheilen das Recht erwerben auf Sitz und Stimme in allen Generalversammlungen der Centrale. Und zwar kommen der Gießener Abtheilung bereits 2 Stimmen zu, da sie die Zahl von 100 Mitgliedern schon überschritten hat. Diesem mächtigen Aufschwung des Interesses an der colonialen Sache in unserer Stadt haben wir es wohl zu verdanken, wenn durch die Vermittelung der Colonialgesellschaft Herr Lieutenant v. Tiedemann, dessen Schilderungen den Bürgern so vieler Großstädte bereits mit begeistertem Beifall zu lauschen vergönnt gewesen ist, sich bereit erklärt hat, am 27. November, Abends 8 Uhr, auch vor unserer Bürgerschaft zu sprechen. Herr v. Tiedemann ist Jedem, der Zeitungen liest, als der hervorragende Begleiter von Peters aus seiner Emin-Pascha-Expedition ebenso gut bekannt, wie diese Expedition selbst, eine kühne Mannesthat, die für alle Zeiten in das Ruhmesbnch unserer Nation eingezeichnet ist und bleibt. Ich will Peters Zug nicht mit denen anderer Afrikareisenden vergleichen, aber ich gestehe offen, daß mirs dieser tapfere, Willensstärke Mann, der allen Hindernissen Trotz bot und mit äußerst geringen Mitteln, unterstützt von ein paar muthigen Genossen, mit einer Handvoll Eingeborener sich durch unbekannte Länder und wilde Völkerschaften, die selbst Stanley schreckten, seinen Weg bahnte zum Ziele, das er, soviel an ihm lag, sicher erreicht hätte, — ich gestehe, wie gesagt, gern ein, daß dieser kühne Mann es mir besonders angethan hat. Und da will nun sein hervorragendster Gefährte, ein deutscher Offizier, den die deutschen Fürsten ebenso ihrer ehrenden Anerkennung gewürdigt haben wie das deutsche Volk, zu uns kommen und von seinen Erlebnissen auf jenem Zuge, von den dabei gesammelten Eindrücken und Erfahrungen berichten und zugleich die mannigfachen politischen und wirth- schastlichen Arbeiten in Jnnerafrika beleuchten, an deren Lösung
Emin, Wißmann, Gravenreuth und Peters ihre ganze Kraft zu setzen entschlossen sind, Arbeiten, die unbedingt unsere Unterstützung finden müssen, soll unser Handel und unsere .Industrie einen Vortheil von der Erschließung Inner-Afrikas gewinnen. Wir geben uns der zuversichtlichen Erwartung hin, daß unsere Stadt dem Redner ein ebenso zahlreiches, dankbares Auditorium stellen wird, als er dies in den großen Städten gesunden hat, die er bisher besuchte- und wir sind andererseits fest davon überzeugt, daß Herr v. Tiedemann seinen Zuhörern einen ebenso genuß- als lehrreichen Abend bereiten wird.
Professor Dr. Johannes Schmidt.
— Die nahende Weihnachtszeit. Die Nähe des Decem- bers, des Christmonats, macht sich bereits geltend. In den Geschäften, welche aus einen guten Weihnachtsverkehr ihre Hoffnung setzen, sind "die Lager neu gefüllt, die Auslagen nehmen ein immer reicheres, in die Augen stechendes Aussehen an. Mancher bleibt schon nachdenklich vor den Schaufenstern stehen und erwägt, was er zum Christseste seinen Lieben daheim bescheeren soll, und manche Vertreterin des schöneren Geschlechts mustert sorgsam alle die neuen Artikel, welche kunstfertige Hände als geeignete Geschenke für das Weihnachtsfest hergestellt haben. Die Wahl ist bei der Hülle und Fülle des Gebotenen nicht leicht und verschiedene Tage verstreichen beim Bedenken. Da ist nun wohl ein freundlicher Rath nicht ganz unangebracht, zumal es bis Weihnachten nur noch wenig mehr als fünf Wochen sind und in der letzten Zeitt wegen allgemeinen Andranges oft Manches bei Seite gelegt werden muß. Selbstverständlich ist beim Schenken nicht die Hauptsache das „Was?", sondern das „Wie?", aber zu Weihnachten wird ja gern gegeben, und wenn dabei auf Gegenleistungen gerechnet wird, so ist das natürlich. Gut ist es aber doch, wenn man beim Christgeschenk nicht bloß gern gibt, sondern auch passend wählt, indem man den Wünschen und auch den Neigungen des zu Beschenkenden Rechnung trägt. Es muß nicht immer ein glänzender Artikel sein, um Freude hervorzurufen, auch bescheidene Dinge, die uns vielleicht Kleinigkeiten dünken, gar zu armselig erscheinen, können bei Anderen Freude erwecken, größere Freude sogar, als theure Sachen, wenn nur der Neigung und dem Character Rechnung getragen wird. Man muß da vor dem Feste aufpassen, schon mehrere Wochen vorher, wie gegenwärtig, und wird dann schon manches Bedürfnis entdecken, dem zu Weihnachten Rechnung getragen werden kann. Die Weihnachtsgeschenke brauchen auch durchaus nicht immer in mühevollen Arbeiten zu bestehen. Was man als Zeichen freundlicher Erinnerung hochschätzt, das ist nicht immer für das praktische Leben, und es ist darum häufig an einem Zeichen freundlichen । Gedenkens genug. Es gibt noch zahlreiche andere
Ferrilleton.
Der Mutter Grab.
Scizze nach dem Leben von Tony Pauly. (Schluß.)
G^ich^nack/dem Ableben der theuren Mutter, als er, Vläne im Lernen, von ihrem Grabe in seine neue Heimath tarn — trafen ihn mancherlei Unbill und Mißgeschick durch Krankheit an seiner Frau und dem ältesten Knaben. Diese unvorberaesehenen Ereignisse veraulußteu ihn zu f[einen Schulden mtd seine Fürsorge für der Mutter Grab trat tn seiner Erinnerung weit zuruck. Auch spater, da e» ihm wieder besser ging, glaubte er, uoch immer nicht an Ausführung seines Planes mit dem Grabstein denken zu können. Ein gewisser Ehrgeiz spornte ihn, schon vor dem Wilke ichen Ehepaare etwas ganz besonders Kostbares aussuchen zu müssen Einmal hatte er schon eine Summe beisammen, die bei bescheidenem Ansprüche hingereicht haben würde, ein schlichtes Steindenkmal zu kaufen, um so mehr, als er es verhältuißmäßig billig bei einem Bekannten tu seinem^Wohnorte hätte erstehen können. Aber der Zufall wollte, baß der Namenstag !!ner Frau zu gleicher Zeit fast ein Opfer von seiner Kasse sorderte, und so geschah es, daß er einen Thetl der znrückgelegtcn Summe in Angriff nahm, um semer Frau ein seltenes Armband, einen schweren Goldre,, mit kostbarem Stein zu schenken. Freilich, es gereute ihn später ein wenig, er nahm sich auch ernstlich vor, die fehlende Summe wieder zusammenzusparen, doch andere Umstände erheischten, daß er auch den Rest anderweit gebrauchte, um so mehr, als durch Zuwachs der gesteigerte Bedarf im Haushalt von Jahr zu Jahr ganz unvermeidlich war. Später wurde seinem Ge-
dächtniß der ehemalige Plan mit dem Grabdenkmal wohl mehr und mehr entrückt. Felix war für das Wohlleben nur allzu empfänglich, dem er sich bei höherer Lebensstellung und vergrößertem Einkommen hinzugeben begann. Er hielt Pferd und Wagen, machte alljährlich eine Badereise, doch für seiner Mutter Grab behielt er keine Summe übrig, ohne, wie er sich allgemach einredete, selber an standesgemäßem^Leben entbehren zu müssen.
Da geschah es — zwölf Jahre schon waren seit dem Beerdigungstage seiner guten Mutter dahingegangen — daß Felix in dienstlicher Angelegenheit im einstigen Heimathsorte anwesend sein mußte. Ein Sonntag brachte Unterbrechung in die Berufspflicht, welche ihn, den jetzt hohen Beamten, nach dem Orte rief. Er wollte diesen Sonntag mit einem Freunde und in dessen Familie verleben, den er seit etlichen Jahren hier ansässig wußte. Er suchte ihn auf, doch traf er Niemanden zu Hause.
„Die Herrschaft ist auf den Kirchhof hinausgefahren," berichtete das Mädchen, „heute ist ja Todtensest."
Todtenfest! Dieses eine Wort weckte Erinnerungen in des Mannes Brust. Er fühlte, wie es innen bebte. Er, der in der Blüthe der Jahre, durch seine Lebensstellung auf dem Gipfel seines Ehrgeizes stand — er fühlte, wie leer es aber auch im Laufe der Jahre in seinem Innern geworden war. Hätte er vor zwölf Jahren wohl im Heimathsorte — wie jetzt geschehen — drei Tage weilen können, ohne das Grab seiner Mutter, deren Ein und Alles er war, besucht zu haben?
Er eilte von bannen. Aber nicht zum Friedhöfe, denn hier hätte er fürchten müssen, seine Bekannten zu treffen, sondern hinaus, durchs Stadtthor, auf einsame Pfade trieb es ihn, und erst später, da er wähnen konnte, innerhalb der Kirchhossmauern unerkannt zu bleiben, begab er sich dorthin.
Er suchte eine geraume Weile, bis er die Gegend sand, wo der Grabhügel der Theuren liegen mußte. Er sagte sich wohl, wie er ihn Wiedersehen werde — vernachlässigt, eingesunken gar. Aber wie! Was war das? Hier stand er unverhofft vor einem Grabhügel, so kostbar ungefähr, wie er ihn geplant hatte, seit zwölf Jahren geplant — ohne ihn mit Ernst zur Ausführung zu bringen.
Starr vor Ueberraschung, von Beschämung zugleich ergriffen, stand Felix eine Weile da. Endlich übermannte ihn das Gesühl des Schmerzes, der Reue — das hatte er seiner Mutter gethan!
Der Mann schämte sich der Thränen nicht, sie flössen ihm in den Bart, da er jetzt niederkniete und mit bebenden Lippen am Grabe sprach:
„Vergieb, — Mutter, vergieb!"
Anfangs sträubte sich in Felix der Stolz, dem Wilke- schen Ehepaare gegenüberzutreten, doch endlich siegte fein besseres Gefühl. Als er vom Heimathsorte schied, konnte er sich sagen, er hätte sich rückhaltlos mit den edlen Freunden seiner Mutter ausgesprochen und sie in seinem Herzen lesen lassen. Dieses Zeichen eines fast kindlichen Vertrauens wog dem Ehepaare reichlich die Dankesworte auf, welche von des jetzt vornehmen Mannes Lippen für den Grabstein seiner Mutter flössen.
Seitdem kehrt Felix in jedem Jahre zum Todtenseste an das Grab seiner Mutter zurück — und will es also halten, so lange er lebt.


