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den Vicepräsidenten des landwirthschaftl. Vereins für Oderhessen
Also unter falschem Kriegslärm und Kriegsschwindel tourbe, Ihr Herrn vom Deutsch-Freisinn, das deutsche Volk 1887 zur Wahl gerufen?
Was haben aber die Atten im Prozeß gegen den General Boulanger, den damaligen Kriegsminister Frankreichs, ergeben? Daß wir in der That unmittelbar vor einem Kriege standen, Ihr habt das selbst zugegeben, z. B, schrieb das dentsch-sreisinnige Berliner Tageblatt vom 23. Juli 1889 wörtlich:
„Man weiß heute, wie nahe wir damals einem Kriege waren."
Und trotz dieser eigenen Eingeständnisse habt Ihr jetzt im Wahlkampf die Stirne, immer noch vom damaligen Kriegsschwindel zu reden!! Wie heißt man denn solches Gebühren im gewöhnlichen Leben?
Ihr habt 1887 die Wähler gewarnt: „Die Nationalliberalen werden die Monopole einführen und die Volksrechte verkürzen." Wo smd denn aber die prophezeiten Monopole? Wo ist das Tabaksmonopol? Wo ist das Branntweinmonopol? Nichts von all' dem ist gekommen! Welche Volksrechte wurden aufgehoben? Nichts! Der Reichstag wird heute noch wie früher durch das allgemeine direkte und geheime Wahlrecht gewählt. Der Reichstag beschließt nach wie vor über jede Einnahme und Ausgabe'.! Nur Eines hat sich geändert: Der Reichstag wird jetzt auf 5 Jahre statt auf 3 Jahr- gewählt und das hat schon 1874 einer der Hauptführer der Teutschsreifinnigen, der Abgeordnete Dr. Bamberger, verlangt! Derselbe schrieb am 28. Mai 1874 wörtlich:
„Die Verfassung hatte sich mit einer ganz unbegreiflichen Oberflächlichkeit in die ganz nngenügende dreijährige Wahlperiode gefunden!
In der That hatte'auchlkein Land eine so kurze Wahlzeit. In England, dem gepriesenen Land der Freiheit, dauert sie z. B. 7 Jahre! Und jedem einsichtigen Mann war das fortwährende Wählen bald in den Reichstag, bald in den Landtag, bald Bürgermeister-, bald Beigeordneten- und Gemeinderathswahl zu viel!
Wenn Ihr deutschfreisinnigen Herren den bösen Nationalliberalen sonst keinen Angriff aus die Rechte und Freiheiten des Volkes vorzuwersen habt, dann seid fein still!
Ferner thut Ihr so, als ob Ihr niemals für die Branntweinsteuer gewesen sein würdet. Ja, wer war es denn schon 1880, als der Tabak besteuert werden sollte der die gleichzeitige Besteuerung des Branntweins mit Ungestüm forderte und, als es nicht gleich geschah, dem Reichskanzler vorwarf, er treibe Schnapspolitik ? Ihr wäret es und einer der angesehensten Leute Eurer Partei, der Abgeordnete Herz, sagte 1880 wörtlich : „Die Branntweinsteuer ist nur die Besteuerung eines schädlichen Genußmittels^und gleich der Tabakssteuer zu billigen". - - Also, wenn Ihr 1880 am Ruder gewesen wäret, wäre der Branntwein schon fett Jahre« stärker besteuert worden als 1887. .
ghr ^rst nns vor: Eure Zölle haben die Lebensmittel vertheuert! Das ist nicht wahr, denn vor der Zollgesetzgebung von 1879 hatten wir gleiche und höhere Preise wie jetzt, - ja bei Mißernten wie 1889 theilweise viel höhere Preise. Alle Zölle wollt Ihr ausheben, trotzdem Ihr wißt, wie traurig vor 1879 die Lage von Industrie, Landwirthschaft und Handwerk war, trotzdem Ihr seht, daß es all diesen Erwerbszweigen jetzt besser geht! Warum seid Ihr Feinde der Zölle? Weil Ihr Freihändler nnr einseitig den Handel begünstigt. Warum habt Ihr denn nnr eine Reichseinkommensteuer beantragt und nicht die Erhöhung der Börsensteuer? Leiden das vielleicht die deutschfreisinnigen Herren von der Börse nicht? ,
Wir sind immer für kräftige Besteuerung des Kapitals sammt Börse gewesen, und werden es immer sein, wir haben z. B. in Heflen neben der Einkommensteuer auch die Capitalrentensteuer eingeführt. * .
Die Viehsperre an der Grenze soll nur geschehen sein, um den Großgrundbesitzern hohe Viehpreise zu verschaffen? Unwahrheit In Rußland, in Ungarn sind so heftige Viehseuchen ausgebrochen, daß selbst Oesterreich seine Grenzen gegen das eigene Ungarn abgeschlossen hat; dasselbe hat die Republik Schweiz gethan und in den letzten Tagen auch Dänemark. Wenn in einem Haus die Meiischenblattern ausbrechen, wird dieses zum Schaden seiner Bewohner, jedoch ,m Interesse der Allgemeinheit, abgesperrt. Welche Anklagen wären erfolgt, wenn die Senchen den Viehstand in Deutschland ruinirt shätten! Warum hat die Regierung keine Sperre einqeführt, hätte es dann geheißen! . , „„ .. m ,
Ihr wollt uns anklagen wegen der hohen Militärausgabeu! Ja, habt Ihr denn diesen nothwendigen Ausgaben nicht selbst zugesttmmt? Noch am 14 Januar hattet Ihr 107 Millionen bewilligt, und vorher über 600 Millionen. Ihr wußtet so gut als wir, daß wir gerüstet bleiben müssen, daß in Frankreich noch niemals eine Forderung für militärische Zwecke, - von keiner Partei - angegriffen, - daß dort in der Republik für Militär mehr ausgegeben wird als bei uns und daß dort ein härteres Militärgesetz herrscht als bei uns. W-zn das Alles? Um eines Tages im Verein mit den Rnssen über uns herzufallen!
Laßt Euch, Ihr 10,900 conservative und nationalliberale Wähler von 1887, nicht bethören durch deutschfreisinnige Redensarten! Zersplittert Eure Stimmen nicht auf den Antisemiten Dr. Wet, was nur dem deutsch-freisinnigen Kandidaten zu gute käme!
MM treu der nationalen Mine!
MM treu der Siidie non Kaiser, Meidi und AL!
UotionMerntr Antwort
auf dkuWmhilchk PraphgmMl u. Anklagen
C. v. Münchow, Universitäts-Druckerei Gießen.


