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Dienstag den 9. Dccember

L« Oktzuer >*jMe« reich «int täglich, okt Ausnahme bei NontagS.

Die Gießener KomitteußtLllar toerbttt dem Anzeiger W-chevtlich dreimal deigelegt.

Gießener Anzeiger

Generat-Wnzeiger.

1890.

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2 Mark 20 Pfg. mH Bringerloh»».

Durch die Post bez-H« 2 Mark 50 Pfg,

Webactton, ExpedNt unb Druckerei:

Schutstra-e Ar.H.

Ferulprecher 51.

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4 8 Uhr Abends, in

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.

Hrattsöeitage: Gießener Aamitienötätter

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Annahme Bon Anzeigen zu der Nachmittags für den fslgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Alle Ännonccn-Bureaux des In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Theil.

Bekanntuiachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Auf­schlags von Fünf vom Hundert, pro Monat November für den Lieserungsverband Gießen pro 100 kg betragen:

Hafer «X. 16.10, Heu «X 6, Stroh «X. 3.70.

Gießen, den 6. Dccember 1890.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Nr. 33 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 4. d. M., enthält:

(Nr. 1922.) Verordnung, betreffend das Verfahren vor den auf Grund des Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes errichteten Schiedsgerichten. Vom 1. December 1890.

Gießen, am 8. December 1890.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

pottttsche

Gießen, 8. December.

Die überaus bedeutungsvolle Ansprache Kaiser Wilhelms bei Eröffnung der Berliner Schulreformconferenz hat in weiten Kreisen unserer Nation die ihr gebührende Beachtung gesunden und überall empfindet man lebhafte Genugthuung, daß der erlauchte Monarch dergestalt sein warmes Interesse auch für die Schulerziehung des Heranwachsenden Geschlechtes bekundet. Seine Aussührungen treffen mit erstaunlicher Sicherheit den Kern der ganzen Schulreformfrage, denn wenn der Kaiser Verminderung des Lehrstoffes, Beseitigung des Ballastes für die Prüfungen, Verminderung der Ueber- bürdung der Schüler und größere Berücksichtigung der Forderungen der lebendigen Gegenwart als die Hauptmomente der Schulreform bezeichnete, so ist dies gewiß ganz zutreffend. Ob es schon der jetzt in Berlin versammelten Schulcommission gelingen wird, ein lebensfähiges Werk im Sinne der Kaiser­lichen Aeußerungen zu Stande zu bringen, das muß aller­dings noch dahingestellt bleiben. Aber jedenfalls steht zu erwarten, daß die Schulreform in ganz Deutschland früher oder später nach den vom Kaiser gegebenen kräftigen An­regungen zur Durchführung gelangt und hiermit würde alsdann eine für die Zukunft unseres Volkes hochwichtige Frage zum gedeihlichen Ausgange gelangen.

Durch die jüngsten Beschlüsse des Bundesrathes ist rMich die Einfuhr von Rindvieh aus Oesterreich-Ungarn, sowie von Schweinen und Schweinefleisch aus den scandinavischen Ländern nach Deutschland wieder gestattet worden und hiermit hat der Kreis der Grenzfperrmaßregeln in Deutschland abermals eine bedeutende Einschränkung erfahren. Ob sich an diese Erleichterungen auch die Oeffnung der östlichen Reichsgrenzen für die Einfuhr von russischem Borstenvieh, sowie die Aufhebung des Einfuhrverbotes für amerikanischen Speck u. s. w. anschließen wird, wie man hie und da er­wartet, dürfte indessen zunächst noch abzuwarten sein.

Die am Freitag im preußischen Abgeordnetenhaus be­gonnene Generaldebatte über das Volksschulgesetz brachte zunächst eine längere einleitende Rede des Cultusministers Dr. v. Goßter. Derselbe verbreitete sich über die Haupt­punkte des Gesetzes in eingehender Weise und bezeichnete als Lessen Grundprincip den Wunsch, die Bestimmungen der preußischen Verfassung über die öffentliche Volkschule zur Ausführung zu bringen. Zugleich trat der Minister in leinen Aussührungen den der Vorlage schon in der Presse gemachten Vorwürfen nach Kräften entgegen und schloß er mit dem Wunsche, daß das Haus trotz der zu überwindenden zroßen Schwierigkeiten sich nicht abhalten lassen, sondern treu sm die Lösung der vorliegenden Aufgabe Herangehen möge. Als erster Redner aus dem Hause sprach der Centrums- chospitant Dr. Brüel, der sich als entschiedener Gegner des neuen Gesetzes bekannte und von ihm behauptete, es werde in vielen Gegenden die Schulzustände förmlich Umstürzen und Las Schulwesen auf eine Bahn des Cäsarismus und der Absolutie führen. Namens der nationalliberalen Partei er- Slärte Abg., Seyffardt, daß sie den großen Grundzügen der "Vorlage durchaus freundlich gegenüberstehe, während sich der »Centrumsabgeordnete Reichensperger hauptsächlich vom kirchen- Aolitischen Standpunkte aus gegen den Entwurf wandte. Im Ällgememen zustimmend zur Vorlage äußerten sich der Frei-

conservative Wessel und der Freisinnige Dr. Zelle und in gleichem Sinne sprach sich auch der letzte Redner vom Tage, der nationalliberale Abg. Dr. Friedberg, aus.

Die Arbeiterschutzcommisfion des Reichstages beendigte am Freitag ihre Berathungen und nahm das Gesetz im Ganzen an. Abg. Hitze (Centrum) ist zum Berichterstatter im Plenum bestellt.

Die deutsche Regierung hat die Republik Brasilien anerkannt. Der deutsche Gesandte in Rio, Gras Dönhoff, zeigte dem dortigen Cabinet officiell an, daß die deutsche Regierung zur Entgegennahme des Beglaubigungsschreibens des brasilianischen Gesandten bereit sei, alsdann würde auch er, der deutsche Gesandte, von seiner Regierung mit neuer Beglaubigung ver­sehen werden.

Die luxemburgische Kammer ist auf diesen Dienstag einberufen worden, um den Eid des Herzogs Adolf entgegen­zunehmen.

Der Friede im Cautou Tesiin ist nun doch hergestellt worden. Der Große Rath von Tessin hat das zwischen den dortigen Parteiführern vereinbarte neue Gesetz über die Wahl des VersassungSrathes ziemlich einstimmig angenommen und gehören nunmehr der Regierung dieses Cantons neben drei Conservativen auch zwei Liberale an. Mit der erreichten Vertretung ihrer Partei in dtzr Regierung ist eine Haupt­forderung der Tessiner Liberalen erfüllt und hoffentlich wird von jetzt ab Eintracht im Tessin herrschen. Die Unter­suchung über die seinerzeit in Genf stattgefundenen anarchistischen Vorgänge- ist zum Abschlüsse gelangt und sind infolgedessen 9 Anarchisten verschiedener Nationalität unter Anklage gestellt worden, zum Umsturz der öffentlichen Ordnung aufgefordert zu haben.

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Deutsches Reich.

Darmstadt, 7. December. Se. Kgl. Hoheit der Groß­herzog ist von der Theilnahme an der kaiserlichen Hofjagd in der Göhrde heute Vormittag hierher zurückgekehrt.

Darmstadt, 6. December. Durch Verfügung Großherzogl. Ministeriums des Innern und der Justiz wurden für das Geschäftsjahr 1891 bestellt:

1) zu Vorsitzenden der Kammern für Handelssachen: am Landgericht der Provinz Starkenburg der Großh.

Landgerichtsrath Jost, am Landgericht der Provinz Oberhessen der Großh.

Landgerichtsrath Hofmann, am Landgericht der Provinz Rheinhessen der Großh.

Landgerichtsrath Förch-

2) zu Stellvertretern dieser Vorsitzenden:

am Landgericht der Provinz Starkenburg der Großh. Laudgerichtsrath Dr. Gilm er,

am Landgericht der Provinz Oberhessen der Großh. Landgerichtsrath Holzapfel,

am Landgericht der Provinz Rheinhessen der Großh. Landgerichtsrath T h a l e r.

Darmstadt, 6. December. In nationalliberalen Kreisen ist, wie derFrankf. Ztg." von hier geschrieben wird, eine Petition an den Reichstag gegen die Zulassung der Jesuiten geplant. Zur Aufklärung der Bevölkerung über die Jestüten- frage ist nach Abhaltung des Katholikentages eine national- liberale hessische Landes-Versammlung in Aussicht genommen.

Berlin, 6. December. Die heutige Sitzung der Schul- enqnete schloß die Berathung über einen gemeinsamen Unterbau für die bestehenden Schularten ab, verschob aber die Abstimmung bis zur Formulirung der Unterfragen. Sie berieth sodann die Einschränkung der alten Sprachen, die facultative Einführung des Englischen und obligates Zeichnen von Quarta an für Gymnasien. Zusammenhängend damit soll die vom Kaiser angeordnete Frage erörtert werden, ob eine Ermäßigung der Lehrziele, also Verminderung des Lehr­stoffs scharf ins Auge gefaßt worden und wenigstens das Ausscheidende genau festgestellt ist. Hornemann (Hannover) begründet seine, diese Forderungen empfehlenden Thesen. Es sprachen Kruse (Danzig), Volkmann (Pforta) und Geheimrath Schottmüller.

Berlin, 6. December. Heute überreichte eine Deputation der Berg-Akademiker Deutschlands, drei Berliner, drei Frei­berger und ein Clausthaler, dem Feldmarschall Moltke eine prächtig ausgestattete Huldigungsadresse. Moltke dankte sehr liebenswürdig.

Berlin, 6. December-. DerReichsanzeiger" schreibt: Dem Beschlüsse des Bundesraths zufolge wird der Entwurf eines bürgerlichen Gesetzbuchs einer zweiten Lesung unterzogen. Hierzu ist eine Commission von 22 Mitgliedern, theils Juristen, theils Vertreter von wirthschaftlichen Jn- tereffen, theils ständigen, theils nichtständigen Mitgliedern

eingesetzt. Die Commission soll noch im Lause dieses Jahres zusammentreten und ihre Berathungen am 1. April beginnen. Zu den ständigen Mitgliedern gehört aus dem Großherzog- thum Hessen Ministerialrath Dittmar (Darmstadt).

Köln, 6. December. Der Dortmunder bergbauliche Verein berief für den 20. December eine Hauptversamm­lung nach Düsseldorf ein, in der über die Fortdauer des Ausstand-Versicherungs.Verbandes beschlossen werden soll.

Magdeburg, 6. December. Eine von der Handelskammer Halberstadt einberufene und von 20 landwirthschaftlichen Ver­einen und dem Zuckerindustrie-Verein besuchte Versammlung nahm eine Resolution gegen den Gesetzentwurf über die Zucker st euerreform an und beauftragte die Handels­kammer mit einer bezüglichen Adresse an den Kaiser.

Breslau, 6. December. Die Volkszählung hat nach vorläufiger Zusammenstellung eine Einwohnerzahl von 334,710 Seelen ergeben.

München, 6. December. Der Professor der Mathematik an der Würzburger Universität, A. Mayr, ist gestern hier- selbst bei seinem Sohne, dem Unterstaatssecretär v. Mayr, gestorben.

München, 6. December. Der Redacteur der socialistischen Münchener Post", Schwab, wurde wegen Zeugnißverweige- rung heute Vormittag verhaftet. Heute büßten zwei Kupferschmiede, die auf dem Dache der Angerfrohnfeste mit der Anbringung eines Schneeschutzgitters beschäftigt waren, durch Herabftürzen das Leben ein.

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Wien, 6. December. DerPolitischen Corresponbenz"' zufolge wurde die österreichisch-schweizerische Convention zur Verhinderung der Verbreitung von Viehseuchen unterzeich­net, welche am 1. März 1891 mit zweijähriger Dauer in Kraft treten soll. Der Austausch der Ratificationen erfolgt in Wien.

Wien, 6. December. Zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien ist ein Vertrag zum Schutze des literarischen Eigenthums mit zehnjähriger Gültigkeit abgeschlossen worden.

Paris, 6. December. Die Beschicker der Moskauer Ausstellung gaben gestern dem Handelsminister Roche ein Banket. Derselbe bedauerte es, daß die Regierung wegen Mangel an Mitteln das Unternehmen nicht direct fördern könne; sie werde jedoch dasselbe möglichst unterstützen. Spuller toastete auf das russische Volk und den Zaren.

Rio de Janeiro, 6. December. Die mit der Vorberathung des republikanischen Verfassungs-Entwurfs beauftragte Commission beschloß deren Annahme.

Kaiser Wilhelm über die Schulsrage.

(Fortsetzung.)

Wenn ich nun zurückgreife auf die Schulen und speeielk auf das Gymnasium selber, so weiß ich sehr wohl, daß in vielen Kreisen man mich für einen fanatischen Gegner des Gymnasiums hält, und mich auch zu Gunsten anderer Schul­formen ausgespielt hat. Meme Herren, das ist nicht der Fall/ Wer selber auf dem Gymnasium gewesen ist unb hin-_ ter die Coulissen gesehen hat, der weiß, wo es da fehlt- und da fehlt es vor Allem an der nationalen Basis. Wir müssen als Grundlage für das Gymnasium das Deutsche nehmen- wir sollen nationale junge Deutsche erziehen und nicht junge Griechen und Römer. Wir müssen von der Basis abgehen, die Jahrhunderte lang bestanden hat, von der alten klöster­lichen Erziehung des Mittelalters, wo das Lateinische maß­gebend war unb ein Bischen Griechisch dazu. Das ist nicht mehr maßgebend, wir müssen das Deutsche zur Basis machen. Der deutsche Aufsatz muß der Mittelpunkt sein, um den sich Alles dreht. Wenn Einer im Abiturientenexamen einen tadel­losen deutschen Aufsatz liefert, so kann man daraus das Maß der Geistesbildung des jungen Mannes erkennen und beur- theilen, ob er etwas taugt über nicht. Nun wird selbstver- ständlich Vieles eingewendet und gesagt, der lateinische Auf­satz ist auch etwas sehr Wichtiges, der lateinische Aufsatz ist sehr gut, um den Menschen in einer fremden Sprache zn bilden, und was weiß ich mehr. Ja, meine Herren, ich habe das nun einmal selber mitgemacht. Wie entsteht denn eilt solcher lateinischer Aufsatz? Ich habe es sehr oft erlebt, bafj. ein junger Mensch im beutschen Aufsatz ich will einmal sagen eine 4, im Ganzen befriebigenb, unb im lateinischen Aufsatz eine 2 hat- der Mensch Oerbiente Strafe statt Lob, denn daß er den lateinischen Aufsatz nicht auf dem rechten Wege zu Stande gebracht hat, baß ist klar. Und von allen den lateinischen Aufsätzen, die wir geschrieben haben, ist noch nicht einer unter zwölf, der nicht mit solchen Hülssmitteln zn.