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Dienstag den 9. September
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Amtlichav Theil.
Bekanntmachung, die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des Großher- zogthums betreffend.
ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß .Ihre Durchlaucht die Frau Fürstin zu SolmS'Hohensolms-Lich beabsichtigt, zu Gunsten einiger durch Hagel b^chädigten Gemeinden der Kreise Wetzlar und Biedenkopf eine Ausspielung von Hochderselben gestifteten Mobiliargegenständen zu veranstalten- Gemäß der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz ertheilten Erlaubniß sollen 3000 Loose zu 50 das Stück ausgegeben werden- Der Tag der Gewinnziehung wird im. Gießener Anzeiger bekannt gemacht.
Gießen, den 3. September 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v- Gagern.
VerrHshes ReLctz.
Darmstadt, 7. September. Seine Königliche Hoheit der -GroßHerzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 29. Juli a. c. aus Anlaß des Abganges Seiner Königlichen -Hoheit des Erbgroßherzogs von Hessen re. von der Universität 'Leipzig, den fünf dortigen ordentlichen Professoren: dem Geheimen Hofrath Dr. jur. Karl Binding, dem Geheimen .Hofrath Dr. phil. et theol. Anton Spring er, dem Geheimen Hofrath Dr. ph. jur. et med. Wilhelm Wundt, dem Geheimen Hofrath Dr. phil. et jur. Lujo Brentano, dem Geheimen Hofrath Dr. jur. et theol. Rudolf So hm, das Comthurkreuz II. Klasse; dem Director des Stadttheaters in Leipzig, Max Stägemann, das Rittterkreuz I. Klasse des Großh. Philipps-Ordens Allergnädigst zu verleihen geruht.
Berlin, 6. September. Der „Reichsanzeiger" bringt den Wortlaut des Toastes Kaiser Wilhelms auf das neunte Armeecorps beim vorgestrigen Paradediner/ worin es nach dem Ausdrucke des Dankes an das Armeecorps heißt „Wir stehen hier auf historischen Boden, aus welchem unsere Waffen mit den österreichischen zusammen blutigen Lorbeer siegreich erfochten".
Berlin, 8. September. An diesem Montag haben an der Ostküste von Schleswig, in der historischen Gegend von Düppel und Alsen, die combinirten Land- und See- mannöver begonnen, welche den glanzvollen und interessanten Abschluß der Kaisertage in Schleßwig-Hollstein bilden werden. Ein überaus stattliches Geschwader, aus 9 Panzerschiffen, -einigen Avisos und zahlreichen Torpedobooten bestehend, wirkt bei diesem dem kriegerischen Ernstfall möglichst angepaßten Uebungen zusammen mit den Truppen des 9. Armeecorps und zwar in der Weise, daß der größte Theil des Geschwaders in Gemeinschaft mit der einen Division des genannten Armeekorps als Angreifer von Alsen her gegen die gegenüberliegende Küste operirt, welche von der andern Division und dem kleinern Theile der Manöverflotte vertheidigt wird. Man sieht in rinseren leitenden militärischen Kreisen den Ergebnissen dieser in Deutschland noch niemals so vollständig wie jetzt zur Ausführung gelangten Manöver mit Spannung entgegen, da sie erkennen lassen werden, inwieweit eine feindliche Landung an den deutschen Küsten unter den bei den jetzigen Manöver» angenommenen Verhältnissen erfolgreich abgewiesen werden ckönnte.
Gravenstein, 6. September. Auf dem gestrigen Diner für die Provinz dankte der Kaiser für den herzlichen Empfang an der Stätte, wo die Marine sich entwickelt habe. „Die Provinz liegt meinem Herzen besonders nahe, da ich bei dem Kaisermanöver 1881 von meinem Großvater zum Major befördert und weil der Großvater als letzte große That im öffentlichen Leben die Grundlegung der Eidercanal- fchleuse vollzog und mir darüber öfters sagte: „Wenn ich viele Jahre meines Lebens darangeben sollte, werde ich niemals diesen schönen Tag vergessen." Ich wünsche, daß die Provinz aus der von meinem Großvater aufgebauten Basis weiter grünen, blühen und gedeihen möge. Hoch!" Oberpräsident St ein mann dankte dem Kaiser Namens der Provinz, die hochbeglückt Kaiser und Kaiserin an der denkwürdigen Stätte weilen sehe. Dies werde für jeden Schleswig- Holsteiner ein neuer Antrieb sein, in Treue und Hingebung zu wetteifern mit den Bewohnern der älteren Schwesterprovinzen. „Gote segne und schirme die Majestäten. Hurrah !" Der Kaiser erhob sich sodann nochmals und sagte: „Kaiser Franz Joses hat die Gnade gehabt, ein Geschwader mit einem Mitglied des Kaiserhauses hierher zu schicken, worin sich die engen Beziehungen innigster Freundschaft und festester Waffen
brüderschaft wiederum bekunden. Erzherzog Karl Stefan feiert heute seinen Geburtstag. Er lebe hoch!"
Hamburg, 6. September. Nachrichten ans Sansibar zufolge sitzt der Reichspostdampser „Reichstag" unbeschädigt auf sandigem Grunde. Von Sansibar sind Lichterschiffe behufs theilweiser Lösung requirirt worden. Der Commandant der „Schwalbe" hofft frühestens Mittwoch das Schiff abzubringen.
Ausland.
Paris, 6. September. Der boulangistische Abgeordnete Mermeix wurde von Labruyere, Laurent und Castelin gefordert ; es verlautet, er habe seinerseits Millevoye, Fouquier, Ranc und Arene gefordert.
Ostende, 6. September. Wißmann wurde im königl. Schlößchen gestern zum Diner geladen, wobei der König, die Königin und die Prinzessin Clementine zugegen waren. Heute Vormittag reiste Wißmann nach Bremen ab.
Madrid, 6. September. In den Provinzen Albacede, Alicante, Badajoz, Tarragona, Toledo und Valencia sind heute 115 Erkrankungen und 60 Todesfälle an Cholera vorgekommen. — Die Personen, welche gestern den Wagen des aus Vittoria abreisenden Ministers Canovas mit Steinen bewarfen, wurden verhaftet.
Madrid, 6. September. In derZ Provinz Valencia ist eine Verminderung der Cholerafälle, in der Stadt Valencia eine geringe Zunahme eingetreten. In Cadix gab es zwei verdächtige Fälle, in Lorenzana (Provinz Galicien) vier Cholerafälle.
Lissabon, 6. September. Der König befindet sich in fortschreitender Besserung.
Lissabon, 6. September. Als Ausdruck der über den englisch-portugiesischen Vertrag herrschenden Mißstimmung haben heute lärmende Kundgebungen und Ruhestörungen stattgefunden, so daß der Ministerrath deßhalb zusammentrat.
Konstantinopel, 6. September. (Meldung der „Agence Havas".) Die Pforte bezeichnet die Nachricht der „Kreuzzeitung" von der Absetzung uud Verhaftung des griechischen Bischofs von Monaftir durchaus falsch. Die Nachricht, daß der Bischof eine Correspondenz mit der griechischen Regierung unterhalten, wird nicht unbedingt bestritten.
Konstantinopel, 6. September. Der österreichische Botschafter Baron Calice hatte gelegentlich der Notificirung der Vermählung der Erzherzogin Marie Valerie eine einstündige Audienz beim Sultan und verabschiedete sich zugleich vor dem Antritt eines kurzen Urlaubs.
Washington, 6. September. In der Zolldiscussion nahm der Senat ein Amendement an, welches für Zinnerze und Zinn bis zum 1. Januar 1892 zollfreien Eingang bewilligt.
Nenefte Nachrichten.
WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Bremen, 7. September. Bei dem gestern Abend zu Ehren des Reichscommissars Major v. Wißmann im neuen Parkhause abgehaltenen Commers verlas der Senator Stadtländer zunächst ein Telegramm des Reichscommissars, worin dieser mittheilte, daß er erst nach Mitternacht in Bremen eintreffen werde, ferner ein Telegramm des Dr. Peters, in dem dieser sein Bedauern darüber ausspricht, an der Feier nicht theiluehmen zu können und der Versammlung freundlichste Grüße sendet. Darauf eröffnete Senator Stadtländer den Commers mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser, an das sich die von einem Militärmusikcorps angestimmte Nationalhymne schloß. Nach Gesangsvorträgen eines Männerchors erhob sich Senator Stadtländer abermals, schilderte die großen Verdienste, die sich Major v. Wißmann um das Vaterland erworben habe, und schloß mit einem Hoch aus den Reichscommissar, in das die Versammlung lebhaft einstimmte. Ferner toasteten Wessels aus die Gäste und Landrath Freiherr von Wolff - Metternich auf die Stadt Bremen.
Wien, 7. September. Die amtliche „Wiener Zeitung" veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung vom 6. September, wodurch die Regierung ermächtigt wird, zwei Millionen Gulden aus Staatsmitteln zur Bestreitung der erforderlichen Ausgaben anläßlich der Ueberschwemmungen in Böhmen, Nieder- und Ober-Oesterreich, Schlesien nnd Voralberg zu verwenden.
Paris, 7. September. Lord Salisbury ist nach seiner Besitzung in Puys bei Dieppe abgereist.
— Der Großfürst Alexander Michaelowitsch ist, von Calais kommend, hier eingetroffen.
Petersburg, 7. September. Der Kaiser und die Kaiserin sind gestern Abend in Begleitung des Großfürsten Thronfolger, der Großfürstin Xenia und des Großfürsten Wladimir zur Theilnahme an den Manövern in Rowno (Wolhynien) abgereist. In dem Gefolge befinden sich der Minister des kaiserlichen Hauses, Generallieutenant Graf Wornzow-Daschkow, der Kriegsminister General der Infanterie Wannowsky und der Commandant des kaiserlichen Hauptquartiers, Generallieutenant v. Richten. An den Manövern nehmen ferner Theil: der Großfürst Michael der Aeltere, Herzog Nikolaus von Leuchtenberg und Prinz Alexander von Oldenburg. Die Großfürsten Nikolaus der Aeltere und der Jüngere weilen bereits im Manöverterrain. — Am Freitag Abend hatte der Kaiser den Militärbevollmächtigten bei der deutschen Botschaft, Oberst von Villaume, in Audienz empfangen.
Petersburg, 7. September. Bei den Manövern in Wolhynien operiren zwei Armeen, die Wolhynische und die Ljublinsche mit zusammen 191 Bataillonen, 144 Escadrons' und 456 Geschützen gegen einander. Die Disposition zu den Manövern, für die der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch der Aeltere als oberster Schiedsrichter bestellt wurde, ist folgende: Die Wolhynische Armee nimmt eine Defensiv-Stellung hinter, der Linie Jkwa-Styr mit vorgezogener Cavallerie ein. Ihre Aufgabe ist, das Dreieck Lutzk-Dubno-Rowno gegen einen von Westen anrückenden Feind zu Vertheidigen. Dieser, die Ljubliner Armee, greift dementsprechend die Linie Jlwa-Styr an und erobert schließlich Rowno. Es ist das erste Mal, daß in Rußland so große Truppenmassen zu Manövern zu-- sammengezogen werden, wie es diesmal geschieht. Von mili-- tärischem Interesse ist dabei noch, daß die Truppen der Ljubliner Armee einen drei Tage dauernden Marsch zu machen: haben.
Ueberschwemmungen.
Worms, 6. September. Die Rheinhöhe beträgt jetzt 425 cm, ist also um 16 cm gestiegen. Aus Waldshut wird wieder langsames Steigen gemeldet.
Mainz, 6. September. Der Rhein ist seit gestern Abend um weitere 8 cm gestiegen und zeigt der Pegel heute Mittag 12 Uhr 3.48 m. Die osficiellen Wasserstands-Nachrichten von auswärts lauten wie folgt: Kehl: Rhein gestern 5,18 m, heute 4,92 m, fallend. Mannheim: Rhein gestern 7,11, heute 7,36 m, steigend. Neckar steigend infolge Stauung des Rheins. Der Oberrhein und der Oberneckar fallen noch. Maxau: Rhein höchster Stand von gestern Mittag 12 bis 6 Uhr 7,11 m, heute 7,04 m, fällt. Waldshut: Gestern 4,43 m, heute 4,32 m, fällt langsam. Worms: Rhein gestern 4,09 m, hepte 4,26 m, steigt noch.
Bingen, 7. September. Der Rhein ist seit gestern früh 8 Uhr abermals um 12 cm gestiegen. Der Wasserstand anr Staatspegel zeigte heute früh 8 Uhr die Höhe von 3,85 m, immer noch steigend. Die letzten Nachrichten vom Oberrhein lauten: Walds Hut 4,52 m, Kehl 4,92 m, Maxau Rheinstand 7,04 m, fällt. Höchster Stand 7,13 m von gestern Mittag 12 bis 6 Uhr Abends. Mannheim Rheinstand 7,36 m, noch steigend. Neckar steigend, vom Rhein gestaut. Oberrhein und Oberneckar fallend.
Mannheim, 6. September. Das ganze Rheinvorland ist überschwemmt- die Güterausladehallen stehen ebenfalls unter Wasser.
Koblenz, 6. September. Durch Hochwasser vom Neckar ist der Rhein hier wieder schnell gestiegen. Die Mosel ist still. Pegelstand um Mittag 4,4 m.
Dresden, 6. September. Das Wasser hat endlich seinen höchsten Stand mit 560 cm erreicht und fängt an zu fallen. Die Augustusbrücke, welche sonst hauptsächlich den Verkehr zwischen Alt- und Neustadt vermittelt, ist seit heute Mittag vollständig abgesperrt, der Zugang zur Marienbrücke ist durch die Ueberschwemmung äußerst erschwert, weshalb jetzt der Verkehr fast nur über die Albertbrücke geht.
Dresden, 6. September. Die Elbe steigt, die Augustusbrücke ist für den Wagenverkehr gesperrt, die Pferdebahnverkehr sistirt. Auch an anderen Stellen ist der Verkehr: eingestellt oder verlegt. In das Palais am Taschenberg ist Wasser eingedrungen.
Dresden, 7. September. Heute früh gegen 4 Uhr trat ein Stillstand im Steigen des Wassers ein, von da ab ist es bis jetzt um 6 Ctm. gefallen. Der an Mobilien und Immobilien angerichtete Schaden ist ganz außerordentlich groß.
— Der Wasserstand der Elbe zeigte Vormittags 11 Uhr 5,27 m. Seit 2 Stunden ist das Wasser um 3 cm gefallen. Auch von allen Ortschaften oberhalb Dresdens wird ein Fallerr


