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Gießen, 2. Juni.

S. K. H. der Großherzog trafen am Samstag Nach­mittag in Begleitung S. K. H. des Erbgroßherzogs in streng­stem Jncognito hier ein, um die Schüler'sche Besitzung zu besichtigen, welche bekanntlich als Wohnung S. K. H. des Erbgroßherzogs während seines bevorstehenden Studiums aus hiesiger Universität gemiethet worden ist.

Se. Kgl. Hoheit der Großherzog trafen gestern Vor­mittag IP/a Uhr in Begleitung der Kaiserin Friedrich hier ein. Die Herrschaften setzten um 11 Uhr 40 Min. per Extrazug die Reise nach Romrod fort, von wo sie am Nach­mittag um 5 Uhr 41 Min. wieder zurückkehrten.

Am nächsten Donnerstag (5. Juni) findet, wie all­jährlich am Donnerstag nach Trinitatis, in Gießen die Theo- logische Covferenz statt, an welcher Geistliche nicht nur aus dem Großherzogthum Hessen, sondern auch aus den benach­barten Kirchengebieten theilzunehmen Pflegen. Herr Consi- ftorialrath Dr. Ehlers aus Frankfurt wird einen Vortrag überDie Taufe und das Neue Testament" halten, und Herr Professor Dr. Gottschick ein Referat erstattenHeber die neuen Arbeiten aus dem Gebiete der Ethik". An den ersteren Vortrag wird sich eine freie Discussion anschließen. Die Verhandlungen beginnen um 10 Uhr im Saale des Cafe Leib.

Gleiberg-Verein. Dem Rechenschaftsbericht des Ge­selligkeitsverein Gleiberg pro 1889 entnehmen wir Folgendes:

Zu Ende des Jahres 1889 waren 413 Anteilscheine ausgegeben, gegen 400 zu Ende 1888. Die im vorjährigen Berichte erwähnten neuen Antheilscheine gelangten vom Mai 1889 an zur Ausgabe. Leider hat der Verein auch im Jahre 1889 einen schweren Verlust zu beklagen: am 31. Juli 1889 starb der Ehrenpräsident des Vereins, der hochverehrte Geh. Rath Pros. Hugo von Ritgen, der berühmte Wiederher­steller der Wartburg, der sich auch um die Erhaltung und den theilweisen Wiederausbau des Gleiberg die größten Ver­dienste erwarb. Durch unmittelbare Bemühungen bei Sr. Majestät dem hochseligen König Wilhelm verhinderte er schon früher den drohenden Einsturz wenigstens eines Theiles der Ruine, wie es ihm denn auch gelang, I. M. den König Wil­helm und die Kaiserin Augusta, sowie andere deutsche Fürsten für den historisch und architectonisch so bedeutsamen Bau der Ruine Gleiberg zu interessiren und zu Geldbeiträgen für die Erhaltung der Burg zu veranlassen. Einen ansehnlichen Bei­trag schaffte von Ritgen selbst durch die von ihm angeregten Vorstellungen von lebenden Bildern im Clubsaale zu Gießen, die er mit unübertrefflichem Kunstgeschmack anordnete. Für die Wiederherstellung eines Theils der noch unter Dach be­findlichen Burg, des Nassauer Baues, namentlich für den schönen großen Saal, entwarf er die Pläne. Der Sohn des Verstorbenen, Herr Bauinspector Otto > von Ritgen, hat in Nr. 49 und 50 des Centralblatts der Bauverwaltung (Decern- ber 1889) einen längeren, mit zahlreichen landschaftlichen Abbildungen, Grundrissen, Plänen und Durchschnitten ge­schmückten Aussatz über den Gleiberg erscheinen lassen, der unserer schönen Burg zum Vortheil gereicht.

Auch die in Frankfurt erscheinendeKleine Presse" brachte in ihrer Nr. 80 vom 4. April 1890 eine Reihe von Gleiberg-Ansichten, die zwar in etwas derber Art ausgeführt, aber doch geeignet sind, Reclame für den Gleiberg zu machen.

Was den Wirthschaftsbetrieb im Jahre 1889 anlangt, so war dieser entschieden günstiger als im Jahre vorher. Die große Anzahl von Weinsorten wurde vermindert und nur die meistbegehrten Sorten behalten. Die Preise für Speisen und Getränke wurden erneut festgesetzt mit der Ausgabe einer neuen Getränke- und Speisekarte. Dem Mangel eines ge­nügend kühlen Kellers ist durch Erbauung eines solchen in der Eingangshalle neben der Einfahrt abgeholsen. Die Klagen über zu warmes Getränke im Sommer werden nunmehr schwinden. Auch an dieser Stelle ist anzuerkennen, daß der Burgwirth Niebergall beim Ausbrechen des festen Basaltes und beim Ausmauern und Ueberwölben des Kellers mit Fleiß und Sachkenntniß mit Hand anlegte. Auch der Aetienbrauerei Gießen sind wir zu Dank verpflichtet für kostenlose Zufuhr von Baumaterial (Schlackensand rc.), das sowohl zum Keller­bau wie zum Bau einer steinernen Treppe nach der Ruine verwendet wurde. Nicht minder aber sagt der Verein den Herren Baumeistern, welche in uneigennützigster Weise mit Rath und That zu Hand gingen, herzlichsten Dank.

Von dem Verein zugewiesenen Geschenken seien erwähnt: eine Tischdecke von Herrn Heinr. Wallach, zwei von Herrn L. Petri III. gemalte Bilder (Badenburg und Münzenberg), die als Zierde der Gesellschastsräume gelten können. Herr Louis Rothenberger überließ dem Verein zu sehr billigem Preise zwei Spiegel.

In Folge günstigen Vermögensstandes konnte der Ver­ein auch an manche Verbefferungen und Verschönerungen innerhalb wie außerhalb der Wirthschastsräume denken, die sich früher von selbst verboten. Doch steht dem Verein auch eine größere sehr nöthige Ausgabe in nächster Zeit bevor, insofern als ein Theil des Daches über dem Nassauer Bau gründlich reparirt werden muß, soll nicht Unheil entstehen. Die Balken des Dachwerkes sind durchaus gesund, aber in früherer Zeit muß Jemand dasselbe als Vorrathskammer für Brennholz rc. angesehen haben. Balken sind herausgesägt und so das Dach in seiner Tragfähigkeit schwer geschädigt worden. Es ist zu verwundern, daß die Folgen dieser Lüder- lichkeit früherer Bewohner sich nicht schon früher einstellten und nicht noch schlimmer sind.

Auch im abgelaufenen Vereinsjahre haben aus dem Glei­berg verschiedene größere und kleinere Festlichkeiten stattge­funden. Die größte fand am 1. September 1889 statt aus Anlaß des 50jährigen Dienstjubiläums des Herrn Kreis- bürgermeisters Colnot in Krofdorf. Natürlich nahm der Vereinsvorstand lebhaften Antheil an dieser Feier durch Be­grüßung des Jubilars am Thore sowie durch eine Ansprache beim Festmahle, in der besonders der Verdienste desselben als

Mitbegründer des Vereins und Vorstandsmitglied gedacht wurde. An dem Festmahle betheiligten sich etija 150 Gäste.

Aus der von den Herren Carl Heil und Dr. K l e- witz geprüften Rechnungsablage ergibt sich ein befriedigender Vermögensstand des Vereins. Der reine Ueberschufi betrug 465.51 Mk., wovon 253.14 Mk. zu Abschreibungen an Bauten und Mobilien verwendet und 212.37 Mk. dem Capi- talconto des Vereins zugewiesen wurden, welch letzteres nun­mehr 2455.89 Mk. beträgt.

Vom 1. Juni ab ist der Krebsfang in allen offenen Gewässern des Großherzogthums Hessen wieder gestattet. Mit dem 9. Juni geht die für das Großherzogthum Hessen angeordnete Frühjahrsschonzeit für Fische zu Ende.

Die gestrige Parthie des Männer. Turnvereins, die sich großer Betheiligung erfreute, verlief für alle Teilnehmer recht zufriedenstellend. Trotz der kalten, unfreundlichen Wit­terung war die Stimmung eine immerwährend gehobene und freudige. Freiübungen, Gesang, Tanz und Spiel bot für Alt und Jung reichlichen Stoff zur Kurzweile, sodaß die Stunde der Rückkehr Allen zu früh kam. Der Rückmarsch mit Musik und Gesang vollendete den gelungensten Abschluß des ersten Waldfestes.

In der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni hatten wir eine so niedrige Temperatur, daß, besonders in tieferen Lagen, Kartoffeln, Bohnen u. f. w. erfroren sind. Auch in vergangener Nacht zeigte das Thermometer ein bedenkliches Fallen. Hoffentlich verläuft der Juni nicht so garstig, wie er sich eingeführt hat.

dt. Neu - Ulrichstein, 1. Juni. Monatsbericht pro Mai 1890 der Arbeite r-Colonie. Ende Mai 1890 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 49 Mann. Dieselben vertheilen sich auf das Groß­herzogthum Hessen 21, Regierungsbezirk Cassel 4, Berlin 1, Provinz Posen 1, Provinz Schlesien 1, Provinz Branden­burg 1, Provinz Sachsen 3, Provinz Hannover 1, Pro­vinz Westfalen 1, Provinz Rheinlande 2. Herzvgthum Lauenburg 1. Königreich Bayern 4, Königreich Württem­berg 1. Großherzogthum Baden 2. Thüringische Staaten 4. Kaiserthum Oesterreich 1.

Hiervon waren: Arbeiter 17, Bäcker 3, Brauer 1, Conditor 1, Färber 1, Fleischer 1, Gärtner 1, Handschuh­macher 1, Holzbildhauer 1 , Kaminfeger 1 , Kaufmann 3, Kellner 1, Maurer 1, Maschinenschlosser 1, Schlosser 1, Schneider 4, Schreiber 2, Schuhmacher 3, Schirmmacher j, Tuchmacher 1, Tuchscherer 1, Zimmermann 1, Ziegler 1.

Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen 1440. Abgegangen sind 1391. Im Mai sind entlassen 30 und zwar in Arbeit durch die Colonie 4, in die Familie 1, auf Requisition der Behörde 1, auf eigenen Wunsch 24.

Verpflegungstage im Mai 1890: 1831. Gearbeitet wurde an 1587 Tagen, hierunter 209 Tage für fremde Rechnung.

Hungen, 30. Mai. Die gestern hier tagende 10. General­versammlung des Vogelsberger Höhen-Clubs nahm in jeder Beziehung einen sehr günstigen Verlaus. Schon in aller Frühe kamen sowohl mit den Bahnzügen wie auch zu Wagen, zu Fuß und mit Fahrrädern die Theilnehmer an. Im Garten Zur Traube" wurde das Frühstück eingenommen und sodann von mehreren Herren ein Ausflug nach der GrubeFriedrich" gemacht, wozu von Gutsbesitzern in liebenswürdigster Weise die Landauer zur Verfügung gestellt wurden. Die Berath- ungen nahmen ihren programmmäßigen Verlaus und ließen erkennen, daß der Verein im Vogelsberg sehr viel geleistet hat und noch mehr leisten wird. Als nächster Versammlungs­ort wurde Lauterbach bestimmt. Am dem intSolmser Hof" stattfindenden Festessen betheiligten sich auch zahlreiche Damen von hier und der Umgegend. Mehrere meistens humoristische Reden und die gute Musik, welche fast den ganzen Tag über concertirte, erzeugten bald eine sehr animirte Feststimmung. Abends sanden sich die Theilnehmer wieder in dem Garten des GasthausesZur Traube" zusammen, wo bei Gesang und einem Glase vorzüglichen Bürgerbräus die Stunden rasch verflogen. Das den ganzen Tag über anhaltende prächtige Wetter trug ebenfalls nicht wenig zum Gelingen des Festes bei. Zum Schluffe wurden die Theilnehmer mit Musik zum Bahnhofe begleitet, wo man sich mit dem Bewußtsein trennte, einen frohen Tag erlebt zu haben. N. Hess. Volksbl.

< 56 Alsfeld, 1. Juni. Nachdem durch das maffenhaft auftretende Ungeziefer unsere Hoffnungen auf eine gute Obst­ernte für dieses Jahr sehr herabgestimmt worden sind, so hat nun' auch in der vergangenen Nacht ein starker Frost noch den Kartoffeln, Bohnen und Gurken übel mitgespielt. Die meisten Gurken, besonders die tiefliegenden, sind nicht mehr grün sondern schwarz, und bieten einen trostlosen Anblick.

Der Großherzog, begleitet von der Kaiserin Friedrich, dem Erbgroßherzog und den beiden Prinzessinnen kamen heute Nachmittag nach 3 Uhr von Romrod per. Wagen hier an und bestiegen den für dieselben bereitstehenden Extra­zug nach Gießen.

- e- Ober Bessingen, 1. Juni. Mittwoch, den 4. Juni feiert die hiesige Gemeinde das 50 jährige Dienstjubiläum unseres Herrn Lehrers Walz. Die Feier beginnt mit einem Festgottesdienst, der um 10 Uhr seinen Anfang nimmt, daran schließt sich das Festmahl in der Wirthschastzur Krone", während dessen eine engagirte Musikcapelle concertiren wird. Der Jubilar ist geboren in Lieh; er verbrachte dort auch die ersten zwei Jahre seiner Dienstzeit, wurde dann hierher versetzt, wo er ununterbrochen 48 Jahre lang thätig gewesen ist. Ein verstorbener Bruder des Jubilars hat kurze Zeit vor seinem Ableben ebenfalls das 50 jährige Dienstjubiläum gefeiert.

* ** Himbach (i d. W.), 1. Juni. Kirschenverstei- gerung. Kaum war die Baumblüthe vorüber, so meldeten die Kenner des Obstbaues: Man möchte sich keine zu großen Hoffnungen auf die Obsternte machen, weil die Blüthe durch

Witterung und Jnsecten gelitten habe. Diese Ansicht be­stätigt sich leider fast überall, bei uns glücklicherweise nur zu einem Theile, denn die Versteigerung unserer, im Gemeinde- eigenthum befindlichen Kirschen lieferte den stattlichen Ertrag von 1700 Mk. Unsere Kirschen zeichnen sich durch großen Wohlgeschmack aus und werden daher von auswärtigen Händ­lern gesucht. In der Regel nimmt man die Früchte schon vor der Reife ab, verpackt sie sorgfältig in Körbe und ver­sendet sie den Rhein hinab bis nach Holland und England. Der Berg, auf dem diese guten Kirschen gedeihen, ist nach Süden geneigt und vor kalten Nordwinden geschützt. Er ge­hörte ehemals der Standesherrschast Merholz, aber die Bäume gediehen nicht, weil der Boden darunter nicht bebaut wurde. Unsere Gemeindeverwaltung kaufte den Berg billig; die hie­sigen Bewohner bearbeiteten den Boden, so daß auch dieser einen Ertrag liefert, während die Kirschbäume jetzt gut ge­deihen. Durch diesen Kauf hat sich unsere Gemeinde eine Quelle des Wohlstandes eröffnet und wir können der Ver­waltung dankbar sein, daß die Erwerbung s. Zt. stattge­funden hat.

X X Aus dem Nidderthale, 1. Juni. Ganz plötzlich ist in einigen Orten der Umgegend der P r e i s des Schwein e- fleisches von 70 Pfg. auf 58 Pfg. herabgesunken. Die Käufer begrüßen den Abschlag mit Vergnügen, aber die Schweinezüchter sind nicht erbaut davon. Letztere haben die Einlegschweine per Paar mit 100120 Mk. bezahlt und werden bei dem niedrigen Preise nicht viel mehr empfangen, wenn die Schweine fettgefüttert sind. Die Kartoffeln sinken fortwährend im Preise - man kann sie, wie sie der Keller gibt, von 1 Mk. 60 Pfg. und höher kaufen. Das er­innert an alte gute Zeiten, denn 1 Mk. 60 Pfg. sind nach früherem Gelde 56 Kreuzer oder 14 Batzen. Die beiden letzten Nächte brachten uns eine große Temperatur­erniedrigung. Das Thermometer sank auf 5" herab und man fürchtete, daß die empfindlichen Bohnen und Gurken er­frieren würden. Vorsichtige Leute haben daher ihre Ge- pflänze mit Stroh, Tüchern oder Fichtenreisern zugedeckt. Im Jahre 1854 sind der Wald und daneben Kartoffeln, Klee und Gemüse noch im Juni erfroren.

C Freienfeen, 1. Juni. Gestern wurde der noch im jugendlichen Alter der 20er Jahre stehende hiesige Lehrer Linden st ruth zu Grabe getragen. Erst seit zwei Jahren verheirathet, wurde er vor längerer Zeit von einer unheil­baren Krankheit (Schwindsucht) heimgesucht. Das zahlreiche Trauergefolge legte ein beredtes Zeugniß ab von der Beliebt­heit und Verehrung, welche sich der so früh Verstorbene in feinem Leben erworben. Möge ihm die Erde leicht fein!

* * Ober Seemen, 1. Juni. Am verflossenen Mittwoch hat sich hier ein trauriger Unglücks fall ereignet. Oeconom Adolf Kaufmann von hier schickte seinen Knecht mit einem zweispännigen Wagen in den Wald, um Holz zu holen. Als die Pferde den ziemlich schwer beladenen, in einer Pfütze stehenden Wagen nicht anziehen wollten, rief der Knecht den in der Nähe mit Zusammensuchen von Holz beschäftigten Heinrich Wagner von hier herbei, damit derselbe das eine Pferd etwas anhalte. Als Wagner im Begriffe war, eine dünne Gerte oder Stecken aufzuheben, um das Pferd anzu- treiben, schlug letzteres mit dem Hinterfuß aus und traf den Wagner so unglücklich an den Kopf, daß derselbe sofort bewußtlos und schwer verletzt zusammenbrach. Zwei herbei- gerufene Aerzte von Gedern und Hirzenhain leisteten sofort die nöthige Hilfe, leider gelang es nicht, den Verunglückten zu retten. Der Verunglückte gab einige Stunden nachher feinen Geist auf. Heute sand die Beerdigung statt. Der Verstorbene war erst im verflossenen Herbst vom Militär entlassen. Der Schmerz seiner Mutter, welche auf ihn ihre ganze Hoffnung setzte, ist unbeschreiblich.

Vom Vogelsberg, 1. Juni. In verflossener Nacht sank die Temperatur so tief, daß an exponirten Stellen die Kartoffeln, Gurken und Bohnen erfroren sind.

* * Vom äußersten Vogelsberg, 1. Juni. Heute Nacht hatten wir hier 1 Grad Kälte und sind in Folge dessen Bohnen, Kartoffeln, Erbsen u. s. w. total erfroren. Das Blühen des Obstes ist schon vorüber, sonst würde dieses auch vernichtet worden sein. Hoffentlich wird dies doch auf die Fruchtansätze der Obstbäume nicht schädlich gewirkt haben.

* Darmstadt, 29. Mai. Gestern Abend fand in der alten Post" dahier die Jahresversammlung des Hessischen Landesvereins für Bestattungsreform und fakul­tative Feuerbestattung unter dem Vorsitze des Herrn Oberbürgermeisters Ohly statt.

Zunächst erstattete der Kaffenführer des Vereins einen eingehenden Bericht über die Lage der Finanzen des Ver­eins, welcher das Vorhandensein eines verzinslich angelegten nicht unbeträchtlichen Kasseüberschusses ergab. Sodann wurde ein Zusatz zu den Satzungen beschlossen, wonach zukünftig mit dem 1. Juni das jedesmalige Vereinsjahr beginnen und auf diesen Tag der Zahlungstermin für die Mitgliederbeiträge verlegt werden soll.

Es wird auch für lausendes Jahr ein entsprechend zu berechnender außerordentlicher Beittag zu den Kosten des Verbands-Organes eventuell in Aussicht gestellt.

Man schritt hieraus zur Vorstandswahl, welche die Wieder­wahl der seitherigen Vorstandsmitglieder, nämlich der Herren Oberbürgermeister Ohly, 1. Beigeordneter Riedlinger, Land tagsabgeordneter Dr. Schroeder und Reg.- und Obermedicinal- rath Dr. Vix zu Darmstadt, ergab. Ferner wurde Herr- Rechtsanwalt Laudenheimer in den Vorstand einstimmig neu- gewählt. Wegen Ernennung weiterer Vorstandsmitglteder durch Cooption wurden Vorschläge gemacht und entsprechende Verhandlungen beschlossen. Die Herren Ohly und Lauden­heimer werden den Verein auf dem Verbandtage am 27. Juli er. in Frankfurt vertreten. Es folgten hierauf bis tief in die Nacht währende Verhandlungen über Gründung einer Feuer-