Ausgabe 
19.4.1889 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Das Handwerk und seine Lage.

(Nachdruck verboten.)

In dem ähnlichen Maße, wie dies bis vor wenigen Jahren mit dem sogen. Arbeiterftande der Fall war, ist seit nun schon längerer Zett der Handwerkerstand zu Len socialen Schmerzenskindern zu rechnen. Die Zeiten werden 4mmer schlechter, seufzen die Handwerker, und doch bilden sie noch immer den Kern des Kleinbürgerthums. Ihre Zahl ist trotz des Anwachsens der Großindustrie doch immer noch in den meisten Staaten noch weit bedeutender als die der Fabrikarbeiter, wie die vergleichenden Statistiken überzeugend nachwetsen.

Woher kommen aber jene Seufzer über die angeblich schlechten Zeiten und was verlangt man eigentlich?

In der Hauptsache ertönen die Klagen über geringen Verdienst und Arbeits­losigkeit von den älteren Handwerksmeistern, welche sich in die Neuzeit nicht zu schicken wissen oder sich nicht schicken wollen. Sagt da vor nicht zu langer Zeit ein biederer Schuhmachermeister, welcher vom Verfasser mit der Anfertigung eines neuen Stiefel­paares beauftragt und dem besondere Rücksichtnahme auf einige Frostballen der Füße anempfohlen worden war, danach könne er sich nicht richten, wie die Leisten waren, so würden die Stiefel, das habe er so gelernt (nämlich vor 40 Jahren), und was damals gegangen wäre, ginge heute auch. Und auf den Einwand, daß es doch heutzutage viel mehr Mittel gäbe, den Wünschen und Gebrechen seiner Kundschaft entgegenzukommen, meinte der biedere Mann, daß er solchen neumodischen Kram nicht anschaffte, und wem die von ihm nach altem Schrot und Korn gut hergestellten Stiefeln nicht anstünden, dem könne er eben keine liefern. Sprachs und verschwand. In tausend und aber­tausend Fällen ist es aber in anderen Berufszweigen genau wie hier. Nur keinen Fortschritt! Das könnte doch furchtbaren Schaden bringen. Und ehe^ so ein alter Handwerksmeister sich bequemt, eine Neuerung in seinem Betriebe einzuführen, verliert er lieber Kunden auf Kunden, und kopfschüttelnd klagt er über die Zeiten, die immer schlechter werden. Dann verlangt er, daß der Staat ihm helfen folle, den alten Zopf weiter zu tragen, der eine ungeheure Länge und Dichtigkeit erlangt hat. Der Staat und immer wieder der Staat solle es besser machen, soll die Fabriken abschaffen u. s. w., einzig und allein nur, damit der Herr Handwerksmeister im alten Schlendrian weiter- wtrthschaften kann.

Nun, man muß den alten Herren schon etwas zu Gute rechnen, sie verstehen die heutige Welt nicht und werden sie auch nie verstehen lernen. In der Regel haben sie Vaters und Großvaters Rock angezogen und sind aus ihren vier Pfählen nicht herausgekommen. Wie es im Nachbarstädtchen aussieht, wissen sie meist nur vom Hörensagen". Das Schlimmste aber an der Sache ist, daß sie es nur zu gut verstehen, ihre veralteten Ideen jüngeren Leuten einzutrtchtern, die, diese Ideen benützend, dann mehr oder weniger darunter zu leiden haben.

Der Gedanke, daß der Staat das Handwerk gegen die mächtig aufblühende Großindustrie schützen könnte, ist aber unbedingt aufzugeben und zu verwerfen. Nie­mals darf er sich in den Kampf zwischen Kleingewerbe und Fabriktndustrie einmischen. Weil man in Deutschland die Gewerbefreihett fünfzig Jahre zu spät einführte und die Entwickelung der Großproduktion vielfach hemmte, werden viele Dinge bei uns noch immer handwerksmäßig betrieben, welche in England und Amerika schon längst mit Maschinen oder mittels einer in's Kleinste gehenden Arbeitstheilung hergestellt werden. Unbedingt wäre es unverzeihlich zu nennen, wenn man vonsSeiten der Regierungen den Todeskampf einiger kleingewerblichen und häuslichen Betriebszweige künstlich verlängern wollte, anstatt den Uebergang zu modernen Betriebsmethoden oder die Einführung neuer Erwerbszwetge kräftig betreiben zu helfen.

Doch vergegenwärtigen wir uns einmal die immerhin schwierig zu nennende Stellung des Handwerks zur Großindustrie.

Die Fabrik ist für das heutige industrielle Leben gerade so charakteristisch und tonangebend, wie es das Handwerk für das mittelalterliche Leben war. Dort, wo Fabrik und Handwerk mit einander konkurriren, beruht die Ueberlegenheit der Fabrik auf ihrer größeren Arbeitstheilung, auf Maschinen - Benutzung, Kapitalmenge und Handelsgeschicklichkeit, sowie auf den vielfachen Ersparungen, welche der Betrieb im Großen zuläßt. Der Fabrikant kann Vorräthe seiner Erzeugnisse anlegen und die vortheilhaftesten Gelegenheiten zum Ankauf für Rohstoffe und zum Verkauf der Fabrikate aufsuchen und abwarten, während der Handwerker im Kleinen und stets theurer etnkaufen muß und entweder von Bestellungen abhängt oder die unbestellte Maare aus Mangel an Raum oder Geldmitteln meist schnell an die Großhändler ver­kaufen muß.

Ganz besonders aber zeigen sich die Vorzüge der Fabrik bet den für den aus­ländischen oder doch entfernten Absatz arbeitenden Gewerben und es sind daher bet manchen Betrieben die Handwerksmeister nicht mehr im Stande, in Güte und Wohl­feilheit der Erzeugnisse mit den Fabriken Schritt zu halten. Und daher kommt es^ daß in einem Thetle der Gewerbe das Handwerk von den Fabriken ver­drängt wird.

Endlich kann auch die Fabrik solchen Gehilfen und Lehrlingen, die in einer besonderen Richtung in gewissen Handgriffen und Arbeitsleistungen spectell geübt sind, auch viel höhere Löhne zahlen und durch Ausnützen ihrer Fähigkeiten, sowie durch rasches Jnetnandergreifen der so getheilten Beschäftigungen zahlreiche Gegenstände viel schneller, besser und billiger Herstellen.

Aber alle diese durch das Zusammenwirken von Arbeitgebern und Arbeitnehmern täglich erhöhten Vortheile der Großindustrie bewirken, daß die Menschen jetzt wett leichter und billiger als sonst mit Gütern aller Art versorgt werden, und daß sich auch Handwerker und Arbeiter in Nahrung, Wohnung, Kleidung, Genuß, in Unter- Haltungs- und Belehrungsmitteln jetzt doppelt so gut stehen als vor sechzig oder noch mehr Jahren.

Die Großindustrie hat aber auch direct oder tndirect bewirkt, daß auch bei den Erwerbszweigen, wo die Maschinen nichts zu thun haben, allüberall eine Vermehrung der Güter eingetreten ist.

Ein Ankämpfen gegen die von den Handwerksmeistern so geschmähte Fabrikation würde daher gegen das Wohl aller Klaffen sein, und sicher würde dies die mittleren und untersten Klassen am meisten treffen.

Dagegen kann sich das Handwerk trotzalledem in solchen Zweigen, bei denen die Vorzüge des großen Betriebes wegfallen und überall da, wo persönliche Neigungen und Bedürfnisse deS Käufers und lokale Verhältnisse in Frage sind, immer behaupten. So werden zwar Schneider und Schuhmacher, Schlosser und Schmiede, Tischler und Tapezierer rc. stets gesucht bleiben, weil das Kaufen fertiger Maaren nicht Jedermanns Sache ist. Ebenso werden alle mehr oder weniger örtlichen Gewerbe, wie Bäcker, Fleischer, Maurer, Zimmerleute. Maler, Schornsteinfeger u. a. m. niemals entbehrt oder durch Fabrikbetrieb ersetzt werden können.

Während nun einige Handwerkszweige ganz eingehen, wie Nagelschmtede, Schwertfeger rc., entstehen alljährlich auch Gewerbe, die sich nur für den Betrieb im Kleinen eignen, z. B. die Conditoren, Photographen, Friseure, Musterzeichner u. a. m.

Der Handwerkerstand wird daher den Kampf gegen das Andringen der großen Unternehmungen, wenigstens thetlwetse, aufzunehmen im Stande sein und ganz besonders dann, wenn er sich bemüht, in Kenntnissen und Geschicklichkeiten den Anforderungen der gesteigerten Bildung zu genügen und zum Kunstbetrieb überzugeben. Machen es aber viele Handwerker, wie der Eingangs erwähnte Schuhmachermetster, bann ist das Ende des Kampfes vorauszusehen.

In der Gegenwart bedarf es eben des Fortschreitens mit der Zett. Der Hand­werker darf sich nicht schämen, im Gebrauche der neuen Werkzeuge, Maschinen und Arbeitsmethoden, im Zeichnen und in der Aneignung theoretischer Kenntnisse selbst wieder Lehrling zu werden. Thut er dies, erfaßt er die Jetztzeit voll und ganz und befleißigt er sich fortgesetzt tüchtigen Lernens, bann wird unb muß er burch sein Hand­werk vorwärts kommen. Meint aber ein Meister, eS müsse auch so gehen, wie vor 50 Jahren, analog der Anschauung unseres Schusters, dann freilich ist dem Handwerk der goldne Boden ausgestoßen. Egon "W.

Literarische-.

DaS Gute und Schöne braucht eine Empfehlung nicht, aber wir erachten es als unsere Pflicht, unsere Leser immer wieder auf gute Erscheinungen unserer periodischen Literatur hinzuweisen. In erster Linie gedenken wir dabet der anbeliebten Zeitschrift Schorers Familienblatt, die jetzt in ihrem zehnten Jahrgang steht und die Aufmerksamkeit des ganzen deutschen Volkes mit Recht auf sich gezogen hat. Schorers Familienblatt verstand es wie keine andere ähnliche Zeitschrift, sich in kurzer Zeit zu einem Weltblatt emporzuschwtngen und überall da, wo deutsche Laute gehört werden, festen Fuß zu fassen. Dieses treffliche Blatt hat die Aufgabe eines Famllicn- blattes richtig aufgefaßt unb sich namentlich von religiöser unb politischer Tenbenz völlig freigehalten. In biesem Jahre würben seine Abonnenten burch zweierlei über­rascht unb erfreut. Zunächst burch einen neuen Roman (Hofluft) von Nathaly von Eschftruth (ber Verfasserin vonGänseliesel"), bann aber besonders durch die Gratisbeilage des prächtigen WerkesIn Luft unb Sonne". Selbstschriften- und Künstler-Album. Dieses Buch, welches 12 Bogen im Format des Familienblattes umfaßt und eine Zierde für jedes deutsche Haus wäre, ist Weihnachten 1888 erschienen und ist seither in nicht weniger denn 15 000 Exemplaren abgesetzt worden, ein Beweis von der großartigen Popularität dieses Buches, dessen Reinertrag den Feriencolonien zu gute kommt.

Ein Abonnement auf Schorers Familienblatt, Jcchrg. 1889, bringt also zugleich ein reizendes Prachtwerk gänzlich umsonst.

Mittelmäßiges unb Schlechtes wirb, wie auf anderen Gebieten, so auch in der Zeitungsltteratur jetzt so viel zu Markte getragen, baß man sich wahrhaftig freut, bann unb wann einmal von tüchtigen Leistungen berichten zu dürfen. Zu diesen rechnen wir voll unb ganz bie in Dresben erscheinenbe Wochenschrift HairS*,

sowohl wegen ihrer Reichhaltigkeit als auch wegen ber sorgfältigen und von geläutertem Geschmack zeugenden Auswahl und Anordnung des Stoffes. Das Blatt bringt weniger theoretische Erörterungen, als praktische aus dem Leben unb ber täglichen Erfahrung geschöpfte Winke. Die sorgliche Gattin, welche bem Gatten ein schmackhaftes und gesundes Mahl vorfetzen, habet aber die Sparsamkeit nicht aus dem Auge lassen will, bie zärtliche, für ihre Kleinen besorgte Mutter, bie bedachte, weise eintheilende Haus­hälterin, sie alle finden hier Hilfe und Rath für die lausend Wechselfälle des häus­lichen Lebens. Auch ber Wittwe, bie für ihre Kinber arbeiten unb sorgen, ber Allein­stehenden, welche ihren Unterhalt erwerben muß, wirb mancher hilfreiche Fingerzeig in btefer wirklich gebiegenen Zeitschrift. Dieselbe bringt noch als angenehme Zugabe spannenbe Erzählungen, mustergiltige Gebichte, sowie ben Scharfsinn herausfordernbe Preisräthfel u. f. w. Auch unsere Lieblinge ftnb nicht vergessen. Jebe Nummer ent­hält unter ber RubrikFür's kleine Volk" hübsche Geschichtchen unb Märchen. An­gesichts biefer Vorzüge, welche biese praktische Zeitschrift anberen ähnlichen Blättern gegenüber besitzt, bürste es Niemanbcn schwer fallen, in die Tasche zu greifen, um den äußerst geringen Abonnementspreis von nur 1 JL vierteljährlich zu zahlen. Bestellungen können bei jeder Buchhandlung und Postanstalt, sowie auch direkt bei der Geschäfts­stelleFür's Haus" in Dresden bewirkt werden, von wo man auch Probe-Nummern gratis erhalten kann.

Allgemeiner Anzeiger.

Aeikgeöotenes.

Wagen.

Ein gutes solides Halbverdeck mit abnehmbarem Bock, ein offener vierfitzigee Wagen, sowie ein leichter Nederkarren billig zu verkaufen

E. Mohr mann,

3258______________Frankfurterstraße.

Fußbodcnanftrich

aller Art in bester Qualität empfiehlt

August Noll II.,

2368_______Bahnhofstraße 53.

Cor «eilen,

empfiehlt in bekannter großer Aus­wahl, Extra-Weiten und Fayons, stets am Lager

Robert Haas,

2506]_________SelterSweg 18.

Fst. BrucIbMaccaroni

empfiehlt

3066 JLe Malkhof.

Wegzugshalber sollen am

2ZL und 25. d. M, Nachmittag« 2 Uhr,

in der Wohnung des Herrn Rechtsanwalt Dr. Schüler,

Neuenweg,

verschiedene entbehrlich gewordene Möbel, insbesondere 4 eiserne Garten­bänke, 6 dgl. Stühle, Hölz. Gartenbänke, Tische, Stühle, Seffel, Spiegch Sophas, Schränke, gr. Küchenschrank mit Glasaussatz, Schreibpult^Fliegen- schrank, Weinfässer, Flaschen, Einmachgläser, Bütten, 2 eiserne Maffer- puwpen mit eisernen Röhren, Leitern, Bretter, altes Gehölz und andere Gegenstände versteigert werden.

3262 J. Rothenberger, Ger -Taxator.

prima Nirgima-tzaalmais

offerirt billigst

M. Besenthal,

2548 der Klinik gegenüber.

Buckskins und Paletotftoffe

empfehlen in reicher Auswahl zu billigen Preisen 2634

Gebrüder Scheel.

größtes Lager Haar-, Filz- und Seidenhiite bei Schmidt <fe Repp«

2873 2» Bahnhofstraße 29.

Neu!

Gebrüder Kaufmann s

consistente

Schmier-Kernseife vorzüglich zu allen Reinigungszwecken, unübertroffen als Putzseife, ersetzt reich­lich das doppelte Quantum gewöhn­licher Schmierseife.

Niederlagen bei Herren:

Gebr. Michel, Wallthorstraße» Chr. Wallenfels, Marktplatz, Carl Schwaab, Seltersweg, Rob. Stuhl, Neustadt, sowie in unserer Filiale Kirchenplatz.

Gebr. Kaufmann,

3070 Seifen- u. Parfümeriefabrik.